Das Problem ist noch nicht durchdrungen

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Das Quartier rechts der Weser weist zunehmend wilde Müllkippen auf.

"Die Aussage von Herrn Winkler (Ortsvorsteher Rechtes Weserufer, Anm. d. Red): „Manchmal lassen sich Probleme schnell lösen, statt direkt eine große Welle zu machen", fasse ich als Hohn auf. Mit einer App Müll melden, und alles wird gut. Wenn sich der „Kampf gegen den Müll" auf die ‚Dreck weg App‘ der SBM und eine einmal im Jahr stattfindende Müllsammelaktion beschränkt, dann gute Nacht. Ich wünschte mir solche Aktionen von überparteilicher, städtischer Seite. Und nicht als schlecht besuchte Einzelveranstaltung einer Partei. Mir scheint, dass die Politik das Problem noch gar nicht richtig durchdrungen hat.
Selbst wenn eine sehr große Anzahl an Bürgern plötzlich diese App nutzen würde (was ja toll wäre), könnten die Städtischen Betriebe die Beseitigung des Mülls kaum bewältigen. Wie Herr Wansing in dem Artikel bestätigt, werden die SBM der stetigen Vermüllung jetzt schon nicht mehr Herr. Es gibt nicht genügend Personal. An dieser Stelle einmal: Respekt, dass sie noch nicht das Handtuch geworfen haben. Gut aufsammeln lässt sich nur der neue frisch hinzugekommene oder großteiliger Müll.
Der Plastikmüll - um den geht es hauptsächlich - ist oft so kleinteilig oder liegt schon so lange, dass er zerfällt. Das lässt sich gar nicht mehr richtig entsorgen. Womit wir beim Mikroplastik sind. Das ist mittlerweile im Trinkwasser angekommen. Und jetzt wird es einmal kurz überregional, der ganze Dreck wird über die Bäche und Flüsse in die Meere gespült, wo Kleinstlebewesen Mikroplastik in den Zellen haben, Fische und Wale an Plastik in den Mägen verenden. Leider gibt es auf den Weltmeeren keine Webcams, die das Ausmaß ständig live übertragen könnten. Auch regional ist es so, dass besonders Vögel häufig diese Kunststoffteile fressen. Der Dreck ist also schon längst in der Nahrungskette angekommen.
Alle Müllsammelaktionen in Ehren, und alle kleinen Unverpackt Läden auch! Aber wo bleiben die wirklichen Konzepte der Politik? Wo sind die Bemühungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Wo sind die Konzepte hin zu nur noch einer recyclingfähigen Sorte Plastik, zum flächendeckenden Unverpackt-Handel?
Solange sich nicht grundsätzlich etwas ändert, wird es nur noch schlimmer. Aber mit solchen Fragen stellt man unser Wirtschaftssystem vor sehr große Herausforderungen. Und ob Parteien, die ja alle irgendwie mit der Wirtschaft verbandelt sind, wirklich nach Lösungen suchen oder es überhaupt wollen, wage ich zu bezweifeln.

Müll im öffentlichen Raum ist nicht nur ein rein ästhetisches Problem. Alle Probleme im Zusammenhang mit diesem Thema anzusprechen würde zu weit führen. Aber klar muss doch sein, dass die Produktion desselben der Anfang allen Übels ist. Selbst wenn alles fachgerecht entsorgt wird, ist der Müll ja nicht weg. Er ist nur woanders, wird verbrannt, deponiert oder exportiert. Warum kein Zusammenschluss von Städten und Kreisen? Dass weiterhin diese verantwortlich bleiben für die Sauberkeit ihrer Liegenschaften, steht ja außer Frage. Es geht ja nicht darum, das Land dafür in die Pflicht zu nehmen. Ich erwarte von den politischen Vertretern der Städte und Kreise, und besonders der Vertreter der Stadt Minden, sich des Problems wirklich bewusst zu werden und zusammenzuarbeiten, um Lösungen möglich zu machen, eine Veränderung dieses völlig prekären Produktions- und Entsorgungssystems zu beginnen. Denn so kann es nicht mehr lange weiter gehen.

Wie wäre es wenn die SBM ein Netz von öffentlichen Ablageplätzen für Müll einrichtete? Richtig beworben, könnten Bürger den auf ihren Wegen durch die Stadt eingesammelten Müll sofort entsorgen. Solche Beispiele gibt es in anderen Städten."

Ulrich Schlenter, Minden

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Das Problem ist noch nicht durchdrungenDas Quartier rechts der Weser weist zunehmend wilde Müllkippen auf. "Die Aussage von Herrn Winkler (Ortsvorsteher Rechtes Weserufer, Anm. d. Red): „Manchmal lassen sich Probleme schnell lösen, statt direkt eine große Welle zu machen", fasse ich als Hohn auf. Mit einer App Müll melden, und alles wird gut. Wenn sich der „Kampf gegen den Müll" auf die ‚Dreck weg App‘ der SBM und eine einmal im Jahr stattfindende Müllsammelaktion beschränkt, dann gute Nacht. Ich wünschte mir solche Aktionen von überparteilicher, städtischer Seite. Und nicht als schlecht besuchte Einzelveranstaltung einer Partei. Mir scheint, dass die Politik das Problem noch gar nicht richtig durchdrungen hat.Selbst wenn eine sehr große Anzahl an Bürgern plötzlich diese App nutzen würde (was ja toll wäre), könnten die Städtischen Betriebe die Beseitigung des Mülls kaum bewältigen. Wie Herr Wansing in dem Artikel bestätigt, werden die SBM der stetigen Vermüllung jetzt schon nicht mehr Herr. Es gibt nicht genügend Personal. An dieser Stelle einmal: Respekt, dass sie noch nicht das Handtuch geworfen haben. Gut aufsammeln lässt sich nur der neue frisch hinzugekommene oder großteiliger Müll.Der Plastikmüll - um den geht es hauptsächlich - ist oft so kleinteilig oder liegt schon so lange, dass er zerfällt. Das lässt sich gar nicht mehr richtig entsorgen. Womit wir beim Mikroplastik sind. Das ist mittlerweile im Trinkwasser angekommen. Und jetzt wird es einmal kurz überregional, der ganze Dreck wird über die Bäche und Flüsse in die Meere gespült, wo Kleinstlebewesen Mikroplastik in den Zellen haben, Fische und Wale an Plastik in den Mägen verenden. Leider gibt es auf den Weltmeeren keine Webcams, die das Ausmaß ständig live übertragen könnten. Auch regional ist es so, dass besonders Vögel häufig diese Kunststoffteile fressen. Der Dreck ist also schon längst in der Nahrungskette angekommen.Alle Müllsammelaktionen in Ehren, und alle kleinen Unverpackt Läden auch! Aber wo bleiben die wirklichen Konzepte der Politik? Wo sind die Bemühungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Wo sind die Konzepte hin zu nur noch einer recyclingfähigen Sorte Plastik, zum flächendeckenden Unverpackt-Handel?Solange sich nicht grundsätzlich etwas ändert, wird es nur noch schlimmer. Aber mit solchen Fragen stellt man unser Wirtschaftssystem vor sehr große Herausforderungen. Und ob Parteien, die ja alle irgendwie mit der Wirtschaft verbandelt sind, wirklich nach Lösungen suchen oder es überhaupt wollen, wage ich zu bezweifeln.Müll im öffentlichen Raum ist nicht nur ein rein ästhetisches Problem. Alle Probleme im Zusammenhang mit diesem Thema anzusprechen würde zu weit führen. Aber klar muss doch sein, dass die Produktion desselben der Anfang allen Übels ist. Selbst wenn alles fachgerecht entsorgt wird, ist der Müll ja nicht weg. Er ist nur woanders, wird verbrannt, deponiert oder exportiert. Warum kein Zusammenschluss von Städten und Kreisen? Dass weiterhin diese verantwortlich bleiben für die Sauberkeit ihrer Liegenschaften, steht ja außer Frage. Es geht ja nicht darum, das Land dafür in die Pflicht zu nehmen. Ich erwarte von den politischen Vertretern der Städte und Kreise, und besonders der Vertreter der Stadt Minden, sich des Problems wirklich bewusst zu werden und zusammenzuarbeiten, um Lösungen möglich zu machen, eine Veränderung dieses völlig prekären Produktions- und Entsorgungssystems zu beginnen. Denn so kann es nicht mehr lange weiter gehen. Wie wäre es wenn die SBM ein Netz von öffentlichen Ablageplätzen für Müll einrichtete? Richtig beworben, könnten Bürger den auf ihren Wegen durch die Stadt eingesammelten Müll sofort entsorgen. Solche Beispiele gibt es in anderen Städten." Ulrich Schlenter, Minden