Umsichtiger mit der Stadt umgehen

veröffentlicht

Der LWL leitet zurzeit zwei Ausgrabungen in Minden. Eine davon an der Baugrube am Deichhof.

"Wundervoll, was die Archäologen des LWL aus der Baugrube am Deichhof herauslesen: dass unsere schöne Stadt womöglich älter ist als bislang angenommen; dass Minden schon existierte, als von Bielefeld noch gar nicht die Rede war. Hoffen wir, dass die Experten der Baugrube am Deichhof noch viele Hunderte solcher Details entlocken können. Dass das Areal ein historisch bedeutsamer Ort ist, wussten Kenner der Stadtgeschichte schon vorher: Hier befand sich im Mittelalter der bischöfliche Wichgrafenhof. Bis ins 15. Jahrhundert stand hier eines der wichtigsten Mindener Stadttore: das Wichgräfer Tor. Hier verlief der Stadtbach. Umso beschämender, dass die Stadt Minden 2015 entschied, das im städtischen Besitz befindliche Grundstück einem Bauherrn an die Hand zu geben, der sich mit dem historischen Areal vorher offenbar nie befasst hatte – und jetzt einen gesichts- und geschichtslosen Klotz plant. Dass Investoren rücksichtslos mit Historie umgehen und nur auf schnelle Gewinne gucken – geschenkt. Aber dass Stadtverordnete genau diesen Investoren Tür und Tor öffnen, indem sie ihnen städtische Grundstücke an die Hand geben, ist ein Armutszeugnis für die politischen Entscheider.

Es lagen 2015 andere Vorschläge auf dem Tisch, die deutlich an die Geschichte des Standorts anknüpften und sie in Architektur und Planung widerspiegelten. Mindens Politik entschied sich trotzdem für ein gesichtsloses, geschichtsloses Konzept. Das lässt das Schlimmste befürchten für andere historisch bedeutsame Grundstücke, die sich in Händen der Stadt befinden – wie das Rampenloch. Und es macht deutlich, dass diese Stadt andere politische Entscheider braucht. Menschen, die klüger und umsichtiger mit unserer Stadt umgehen – mit ihrem Erbe genauso wie ihrer Zukunft."

Astrid Engel, Minden

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Umsichtiger mit der Stadt umgehenDer LWL leitet zurzeit zwei Ausgrabungen in Minden. Eine davon an der Baugrube am Deichhof. "Wundervoll, was die Archäologen des LWL aus der Baugrube am Deichhof herauslesen: dass unsere schöne Stadt womöglich älter ist als bislang angenommen; dass Minden schon existierte, als von Bielefeld noch gar nicht die Rede war. Hoffen wir, dass die Experten der Baugrube am Deichhof noch viele Hunderte solcher Details entlocken können. Dass das Areal ein historisch bedeutsamer Ort ist, wussten Kenner der Stadtgeschichte schon vorher: Hier befand sich im Mittelalter der bischöfliche Wichgrafenhof. Bis ins 15. Jahrhundert stand hier eines der wichtigsten Mindener Stadttore: das Wichgräfer Tor. Hier verlief der Stadtbach. Umso beschämender, dass die Stadt Minden 2015 entschied, das im städtischen Besitz befindliche Grundstück einem Bauherrn an die Hand zu geben, der sich mit dem historischen Areal vorher offenbar nie befasst hatte – und jetzt einen gesichts- und geschichtslosen Klotz plant. Dass Investoren rücksichtslos mit Historie umgehen und nur auf schnelle Gewinne gucken – geschenkt. Aber dass Stadtverordnete genau diesen Investoren Tür und Tor öffnen, indem sie ihnen städtische Grundstücke an die Hand geben, ist ein Armutszeugnis für die politischen Entscheider. Es lagen 2015 andere Vorschläge auf dem Tisch, die deutlich an die Geschichte des Standorts anknüpften und sie in Architektur und Planung widerspiegelten. Mindens Politik entschied sich trotzdem für ein gesichtsloses, geschichtsloses Konzept. Das lässt das Schlimmste befürchten für andere historisch bedeutsame Grundstücke, die sich in Händen der Stadt befinden – wie das Rampenloch. Und es macht deutlich, dass diese Stadt andere politische Entscheider braucht. Menschen, die klüger und umsichtiger mit unserer Stadt umgehen – mit ihrem Erbe genauso wie ihrer Zukunft." Astrid Engel, Minden