Wo bleibt der Schutz durch die Politik?

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Beim Lebensmittelgipfel im Kanzleramt trafen sich Handel und Lebensmittelwirtschaft, um über Bedingungen und fairere Preise für Lebensmittel zu sprechen.

"Ich habe noch eine Zeit erlebt, da hatten die Bauern ohne Subventionen ihr Auskommen, jedoch unterschiedlich je nach den regionalen Bedingungen. Es gab kein Gülleproblem, denn ein Bauer konnte nur so viele Tiere halten, wie sein Land an Futter hergab. Monokulturen waren unbekannt. denn ein Bauer war Selbstversorger und erzeugte alles, was er benötigte. Solide Regierungen waren auf eine sichere Versorgung ihrer Bevölkerung bedacht. Hier sei an den Alten Fritz erinnert, der die Leibeigenschaft abschaffte, die Kartoffeln einführte und Lagerhäuser errichtete, um Spekulanten bei schlechten Ernten auszuschalten. Heute wird weltweit mit Lebensmitteln spekuliert, und die Armen werden finanziell ausgepreßt!

Dann kamen die EWG und die EU. Es wurde vieles vergemeinschaftet, auch Dinge, die nicht miteinander harmonierten, so die Landwirtschaft: Die deutsche mit ausgeklügelter Landnutzung war teurer als die französische mit riesigen Agrarflächen, denn Deutschland ist doppelt so dicht besiedelt wie Frankreich. Ausgeglichen wurde mit Geld aus dem EU-Topf, wie üblich jedoch ungerecht: Die Kleinen erhielten zu wenig für ihre Landschaftspflege, die Großen mit Monokulturen schöpften ab. Mit der Globalisierung, maßgeblich unterstützt von Deutschland durch seine Huldigung der EU-Gesetze, wuchs der Druck auf die Bauern. Da sie aber von der Produktivität ihres Landes abhängen und nicht von ihrer Leistung, hatten sie schlechte Karten. Zusätzlich waren sie der Marktmacht der großen Lebensmittelketten und weither gekarrten Billigprodukten ausgesetzt. So verschwindet der immer schöpferische Kulturbereich der Bauern und die Verarmung ist vorgezeichnet (siehe das von der Politik vorangetriebene Sterben der Dörfer).

Die Bauern zählen zu dem Drittel unserer Bevölkerung, die unsere volkswirtschaftliche Leistung erbringen, aber am schlechtesten bezahlt werden. Dagegen erhalten die im zwangsfinanzierten Staatsfernsehen Tätigen für wohlwollende Berichterstattung fürstliche Gehälter mit Altersversorgung. In diesem Zusammenhang weise ich auf das im Jahr 2000 erschienene Buch von Manfred Ritter und Klaus Zeller „Armut durch Globalisierung – Wohlstand durch Regionalisierung“ hin, das beweist, daß man gewisse Produktionsbereiche seines Gebietes durch Zölle schützen muß. Ständiges Wachstum gibt es nicht, sondern nur Verdrängung. Siehe das Sterben der Einzelhandelsgeschäfte und ihr Ersatz durch eintönige Läden von Handelsketten. Wer Wachstum als Lösung propagiert, ist ein Scharlatan.

Die Natur zeigt uns nun mit dem Corona-Virus deutlich, wie gefährlich die Globalisierung ist und wie sich die Verlagerung der Produktion in Billigländer auswirkt. Kurzfristige Gewinne zahlen sich auf die Dauer nicht aus. Denken und Handeln in vier- oder fünfjährigen Wahlperioden ohne Verantwortung ist auf die Dauer kein tragfähiges System. Früher hat man Zeiträumen von Generationen gedacht!"

Udo Knau, Minden

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Wo bleibt der Schutz durch die Politik?Beim Lebensmittelgipfel im Kanzleramt trafen sich Handel und Lebensmittelwirtschaft, um über Bedingungen und fairere Preise für Lebensmittel zu sprechen. "Ich habe noch eine Zeit erlebt, da hatten die Bauern ohne Subventionen ihr Auskommen, jedoch unterschiedlich je nach den regionalen Bedingungen. Es gab kein Gülleproblem, denn ein Bauer konnte nur so viele Tiere halten, wie sein Land an Futter hergab. Monokulturen waren unbekannt. denn ein Bauer war Selbstversorger und erzeugte alles, was er benötigte. Solide Regierungen waren auf eine sichere Versorgung ihrer Bevölkerung bedacht. Hier sei an den Alten Fritz erinnert, der die Leibeigenschaft abschaffte, die Kartoffeln einführte und Lagerhäuser errichtete, um Spekulanten bei schlechten Ernten auszuschalten. Heute wird weltweit mit Lebensmitteln spekuliert, und die Armen werden finanziell ausgepreßt! Dann kamen die EWG und die EU. Es wurde vieles vergemeinschaftet, auch Dinge, die nicht miteinander harmonierten, so die Landwirtschaft: Die deutsche mit ausgeklügelter Landnutzung war teurer als die französische mit riesigen Agrarflächen, denn Deutschland ist doppelt so dicht besiedelt wie Frankreich. Ausgeglichen wurde mit Geld aus dem EU-Topf, wie üblich jedoch ungerecht: Die Kleinen erhielten zu wenig für ihre Landschaftspflege, die Großen mit Monokulturen schöpften ab. Mit der Globalisierung, maßgeblich unterstützt von Deutschland durch seine Huldigung der EU-Gesetze, wuchs der Druck auf die Bauern. Da sie aber von der Produktivität ihres Landes abhängen und nicht von ihrer Leistung, hatten sie schlechte Karten. Zusätzlich waren sie der Marktmacht der großen Lebensmittelketten und weither gekarrten Billigprodukten ausgesetzt. So verschwindet der immer schöpferische Kulturbereich der Bauern und die Verarmung ist vorgezeichnet (siehe das von der Politik vorangetriebene Sterben der Dörfer). Die Bauern zählen zu dem Drittel unserer Bevölkerung, die unsere volkswirtschaftliche Leistung erbringen, aber am schlechtesten bezahlt werden. Dagegen erhalten die im zwangsfinanzierten Staatsfernsehen Tätigen für wohlwollende Berichterstattung fürstliche Gehälter mit Altersversorgung. In diesem Zusammenhang weise ich auf das im Jahr 2000 erschienene Buch von Manfred Ritter und Klaus Zeller „Armut durch Globalisierung – Wohlstand durch Regionalisierung“ hin, das beweist, daß man gewisse Produktionsbereiche seines Gebietes durch Zölle schützen muß. Ständiges Wachstum gibt es nicht, sondern nur Verdrängung. Siehe das Sterben der Einzelhandelsgeschäfte und ihr Ersatz durch eintönige Läden von Handelsketten. Wer Wachstum als Lösung propagiert, ist ein Scharlatan. Die Natur zeigt uns nun mit dem Corona-Virus deutlich, wie gefährlich die Globalisierung ist und wie sich die Verlagerung der Produktion in Billigländer auswirkt. Kurzfristige Gewinne zahlen sich auf die Dauer nicht aus. Denken und Handeln in vier- oder fünfjährigen Wahlperioden ohne Verantwortung ist auf die Dauer kein tragfähiges System. Früher hat man Zeiträumen von Generationen gedacht!" Udo Knau, Minden