Kampa-Halle vs. Multifunktionsarena Die Schließung der Kampa-Halle sowie die Multifunktionsarena bleibt ein heiß diskutiertes Thema. "Schon als die Debatte über den Bau einer Multifunktionsarena begann, war doch klar, dass sie unbedingt gebaut werden sollte. Das aber zwei Veranstaltungsarenen in der Stadt nicht existieren können, war ebenso klar. Der Bürgermeister hat dann ein Gutachten zu einer Machbarkeitsstudie für die neue Halle in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war negativ (er hatte nämlich vergessen den Gutachtern zu sagen, dass er eine positive Rückmeldung braucht). Die Empörung war groß. Wir Mindener lassen uns doch von Gutachtern nicht einschüchtern. Als dann ein zweites Gutachten zu einem ähnlichen Ergebnis kam, war die Bestürzung groß. Zwischenzeitlich hatte es Bereisungen mit Besichtigungen anderer Arenen gegeben und das war ja alles so toll was die Teilnehmer dort gesehen und gehört hatten. Das machte richtig Mut. Wäre da bloß nicht die verzwickte Sache mit der Finanzierung des Neubaus und mit dem prognostizierten Minus von 1,6 Millionen pro Jahr an Unterhalt für den laufenden Betrieb. Da kamen Bürgermeister und Landrat auf die Idee, Gespräche mit den Vertretern der heimischen Wirtschaft zu führen, um eine Beteiligung an den Kosten zu erreichen. So richtig erfolgreich war das aber anscheinend nicht, denn irgendwann verkündete Herr Jäcke, er könne der Politik nicht empfehlen, eine neue Arena zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt war der Kreis offensichtlich schon nicht mehr besonders beteiligt. Auch stießen die 14,5 Millionen Euro, die der Kreis zum Neubau beigesteuern sollte, nicht auf besonders viel Gegenliebe der Städte und Gemeinden im West- und Nordkreis. Nun mussten Argumente her, die den Weiterbetrieb der Kampa-Halle in Frage stellten. Es war lange bekannt, dass Betriebserlaubnisse nur unter strengen Auflagen erteilt wurden und dass dringende Sanierungen erfolgen mussten. Diese würden sich auf zirka 6 Millionen belaufen, hieß es. Dann aber, hätte Minden nur eine "alte Sporthalle", die den heutigen Anforderungen nicht gerecht werden könne. Solch eine Investition und dann nichts Neues und Modernes. Deshalb wurde die Kampa -Halle dann als total marode bezeichnet. 50 Jahre alt und die Kabel hingen einfach nur so durch die Gegend, das hat mit modernem Brandschutz ja überhaupt nichts mehr zu tun. Unterschlagen wurde aber, dass die komplette Nordseite der Kampa Halle 20 Jahre alt ist und dieser Teil nur durch die großzügige 12 Millionen DM Spende des heutigen Namensgebers, sowie zirka 2 Millionen Zuschuss des Landes NRW ermöglicht wurde. Es wurde zunächst etwas stiller und keiner wusste was passieren soll. Die Betriebserlaubnis galt nur bis zum 31.12.2019, also entschloss sich der Landrat mitzuteilen, dass die Kampa Halle zum 1. Januar 2020 geschlossen wird. Ja, da war aber mal Panik angesagt. Also erst mal wieder bekräftigen, wie marode die Kampa Halle ist und eine Sanierung ausschließen. Die Wirtschaft wieder mit ins Spiel bringen und an vorderster Front dabei, ein altes ehrwürdiges Mindener Unternehmen, dessen Gesellschafter versprach, die Unterhaltskosten einer neuen Arena für 10 Jahre zu übernehmen. (Inzwischen ist aber klar, dass die Stadt 600.000 Euro jährlich tragen soll). Dann folgte das absolute Highlight. Ein Mann im Trainingsanzug in der Kreistagssitzung. Eine tolle Präsentation mit Bildern der neuen Arena und das Outfit des "Melitta Mannes", haben den Blick für realistischen Entscheidungen offensichtlich schwer getrübt. Die Rechnung, die er aufgemacht hat lautete: eine Million Euro laufende Kosten x 30 Jahre = 30 Millionen Euro Einsparung. Um das zu errechnen, reicht es nicht aus, BWL studiert zu haben. Nein, da musst du schon einen Master in Mathematik besitzen um das zu verstehen, oder? Wie setzen sich die Unterhaltskosten von einer Million Euro denn zusammen? In der Kampa-Halle steht ein Blockheizkraftwerk, von dem überschüssiger Strom ins Netzt eingespeist wird, dafür gibt es Vergütungen, wurden diese Einnahmen abgezogen? Die Zuordnung der laufenden Kosten erfolgt über einen Schlüssel, da keine direkte und konkrete Trennung der Energiekosten erfolgt. Wenn von Betriebskosten der Kampa-Halle gesprochen wird, ist das niemals die genaue Summe. Außerdem sind in den Betriebskosten, dann auch Personalkosten enthalten und gerade in der Kampa Halle bedeutet das unzählige Überstunden, Zuschläge für Nachtarbeit etc.. Sind die Einnahmen für Veranstaltungen von den Betriebskosten abgezogen worden? Die Rechnung, der Kreis spart pro Jahr eine Million Euro an Unterhalt für die Kampa-Halle und damit in 30 Jahren 30 Millionen Euro, ist betriebswirtschaftlich höchst unseriös. Da fragt dann auch keiner, ob Melitta seine Bilanzen auch für 30 Jahre hochrechnet, um dann unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Unterschlagen hat der "Melitta Mann", dass eine neu zu errichtenden Sporthalle neben Baukosten von geschätzten zehn Millionen Euro auch jährliche Betriebskosten verursacht. Der folgende politische Beschluss war vorauszusehen, da die "große Koalition" sich schon vorab darauf eingeschworen hatte (obwohl das Ergebnis dann doch nicht so eindeutig war wie geplant). Der Beschluss zum Abriss der Kampa- und auch der Kreisschwimmhalle ist gefallen. Überhaupt nicht berücksichtigt wurde, dass die Sauna in der Schwimmhalle vor zirka 15 Jahren für über 500.000 Euro grundsaniert wurde. Offensichtlich ist diese Einrichtung bereits nach 15 Jahren total marode. Geradezu paradox war es, dass am gleichen Tage im MT zu lesen war, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen, weil es an Bädern fehlt. Die Versuche Außenstehender, den Weiterbetrieb der Kampa-Halle zu ermöglichen wurden kategorisch abgelehnt. Besonders verwundert es, dass der Baudezernent des Kreises, der erst 3 Jahre im Amt ist, der aus dem Oberbergischen stammt und dort am Bau einer neuen Halle für den VfL Gummersbach maßgeblich beteiligt war, nun in Minden dafür sorgt, dass die Kampa-Halle abgerissen wird (hoffentlich hat das für GWD keine Auswirkungen, denn der VfL spielt inzwischen 2. Liga). Alle Berechnungen, alle Argumente zielten nur darauf ab, zu beweisen, dass der weitere Betrieb der Kampa Halle unwirtschaftlich ist. Genau das braucht es nämlich, um den Bau einer Multifunktionsarena sinnvoll erscheinen zu lassen. In Zeiten von großen Diskussionen über Klimaschutz und die Verantwortung des Menschen dafür, diese Halle abzureißen, ist Ressourcenverschwendung in großem Stil und sucht ihresgleichen. Zu behaupten es gibt keine Alternative, bedeutet doch nur es fehlt an Fantasie für andere Lösungen. Und jetzt Vorsicht: Satire: Sowohl die Stadt wie auch der Kreis haben das Geld für den Neubau ja auf ihrem Festgeldkonto und wer zahlt schon gern Negativzinsen? Ich würde es gut finden, wenn Melitta die Neue Arena bauen und betreiben würde, dann könnte sie auch in Form eines Kaffeefilters gestaltet werden (das wär doch mal ein Hingucker). - Ich habe es bewusst vermeiden, auf die Auswirkungen der Schließung für alle Betroffenen, von GWD über viele andere Sportler bis zum letzten Schüler sowie alle Beschäftigten oder Dienstleister die mit der Kampa-Halle verbunden, sind hinzuweisen." Martin Janke, Minden

Kampa-Halle vs. Multifunktionsarena

Die Schließung der Kampa-Halle sowie die Multifunktionsarena bleibt ein heiß diskutiertes Thema.

"Schon als die Debatte über den Bau einer Multifunktionsarena begann, war doch klar, dass sie unbedingt gebaut werden sollte. Das aber zwei Veranstaltungsarenen in der Stadt nicht existieren können, war ebenso klar. Der Bürgermeister hat dann ein Gutachten zu einer Machbarkeitsstudie für die neue Halle in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war negativ (er hatte nämlich vergessen den Gutachtern zu sagen, dass er eine positive Rückmeldung braucht). Die Empörung war groß. Wir Mindener lassen uns doch von Gutachtern nicht einschüchtern. Als dann ein zweites Gutachten zu einem ähnlichen Ergebnis kam, war die Bestürzung groß. Zwischenzeitlich hatte es Bereisungen mit Besichtigungen anderer Arenen gegeben und das war ja alles so toll was die Teilnehmer dort gesehen und gehört hatten. Das machte richtig Mut. Wäre da bloß nicht die verzwickte Sache mit der Finanzierung des Neubaus und mit dem prognostizierten Minus von 1,6 Millionen pro Jahr an Unterhalt für den laufenden Betrieb. Da kamen Bürgermeister und Landrat auf die Idee, Gespräche mit den Vertretern der heimischen Wirtschaft zu führen, um eine Beteiligung an den Kosten zu erreichen. So richtig erfolgreich war das aber anscheinend nicht, denn irgendwann verkündete Herr Jäcke, er könne der Politik nicht empfehlen, eine neue Arena zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt war der Kreis offensichtlich schon nicht mehr besonders beteiligt. Auch stießen die 14,5 Millionen Euro, die der Kreis zum Neubau beigesteuern sollte, nicht auf besonders viel Gegenliebe der Städte und Gemeinden im West- und Nordkreis. Nun mussten Argumente her, die den Weiterbetrieb der Kampa-Halle in Frage stellten. Es war lange bekannt, dass Betriebserlaubnisse nur unter strengen Auflagen erteilt wurden und dass dringende Sanierungen erfolgen mussten. Diese würden sich auf zirka 6 Millionen belaufen, hieß es. Dann aber, hätte Minden nur eine "alte Sporthalle", die den heutigen Anforderungen nicht gerecht werden könne. Solch eine Investition und dann nichts Neues und Modernes. Deshalb wurde die Kampa -Halle dann als total marode bezeichnet. 50 Jahre alt und die Kabel hingen einfach nur so durch die Gegend, das hat mit modernem Brandschutz ja überhaupt nichts mehr zu tun. Unterschlagen wurde aber, dass die komplette Nordseite der Kampa Halle 20 Jahre alt ist und dieser Teil nur durch die großzügige 12 Millionen DM Spende des heutigen Namensgebers, sowie zirka 2 Millionen Zuschuss des Landes NRW ermöglicht wurde. Es wurde zunächst etwas stiller und keiner wusste was passieren soll. Die Betriebserlaubnis galt nur bis zum 31.12.2019, also entschloss sich der Landrat mitzuteilen, dass die Kampa Halle zum 1. Januar 2020 geschlossen wird. Ja, da war aber mal Panik angesagt. Also erst mal wieder bekräftigen, wie marode die Kampa Halle ist und eine Sanierung ausschließen. Die Wirtschaft wieder mit ins Spiel bringen und an vorderster Front dabei, ein altes ehrwürdiges Mindener Unternehmen, dessen Gesellschafter versprach, die Unterhaltskosten einer neuen Arena für 10 Jahre zu übernehmen. (Inzwischen ist aber klar, dass die Stadt 600.000 Euro jährlich tragen soll). Dann folgte das absolute Highlight. Ein Mann im Trainingsanzug in der Kreistagssitzung. Eine tolle Präsentation mit Bildern der neuen Arena und das Outfit des "Melitta Mannes", haben den Blick für realistischen Entscheidungen offensichtlich schwer getrübt. Die Rechnung, die er aufgemacht hat lautete: eine Million Euro laufende Kosten x 30 Jahre = 30 Millionen Euro Einsparung. Um das zu errechnen, reicht es nicht aus, BWL studiert zu haben. Nein, da musst du schon einen Master in Mathematik besitzen um das zu verstehen, oder? Wie setzen sich die Unterhaltskosten von einer Million Euro denn zusammen? In der Kampa-Halle steht ein Blockheizkraftwerk, von dem überschüssiger Strom ins Netzt eingespeist wird, dafür gibt es Vergütungen, wurden diese Einnahmen abgezogen? Die Zuordnung der laufenden Kosten erfolgt über einen Schlüssel, da keine direkte und konkrete Trennung der Energiekosten erfolgt. Wenn von Betriebskosten der Kampa-Halle gesprochen wird, ist das niemals die genaue Summe. Außerdem sind in den Betriebskosten, dann auch Personalkosten enthalten und gerade in der Kampa Halle bedeutet das unzählige Überstunden, Zuschläge für Nachtarbeit etc.. Sind die Einnahmen für Veranstaltungen von den Betriebskosten abgezogen worden? Die Rechnung, der Kreis spart pro Jahr eine Million Euro an Unterhalt für die Kampa-Halle und damit in 30 Jahren 30 Millionen Euro, ist betriebswirtschaftlich höchst unseriös. Da fragt dann auch keiner, ob Melitta seine Bilanzen auch für 30 Jahre hochrechnet, um dann unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Unterschlagen hat der "Melitta Mann", dass eine neu zu errichtenden Sporthalle neben Baukosten von geschätzten zehn Millionen Euro auch jährliche Betriebskosten verursacht. Der folgende politische Beschluss war vorauszusehen, da die "große Koalition" sich schon vorab darauf eingeschworen hatte (obwohl das Ergebnis dann doch nicht so eindeutig war wie geplant). Der Beschluss zum Abriss der Kampa- und auch der Kreisschwimmhalle ist gefallen. Überhaupt nicht berücksichtigt wurde, dass die Sauna in der Schwimmhalle vor zirka 15 Jahren für über 500.000 Euro grundsaniert wurde. Offensichtlich ist diese Einrichtung bereits nach 15 Jahren total marode. Geradezu paradox war es, dass am gleichen Tage im MT zu lesen war, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen, weil es an Bädern fehlt. Die Versuche Außenstehender, den Weiterbetrieb der Kampa-Halle zu ermöglichen wurden kategorisch abgelehnt. Besonders verwundert es, dass der Baudezernent des Kreises, der erst 3 Jahre im Amt ist, der aus dem Oberbergischen stammt und dort am Bau einer neuen Halle für den VfL Gummersbach maßgeblich beteiligt war, nun in Minden dafür sorgt, dass die Kampa-Halle abgerissen wird (hoffentlich hat das für GWD keine Auswirkungen, denn der VfL spielt inzwischen 2. Liga).

Alle Berechnungen, alle Argumente zielten nur darauf ab, zu beweisen, dass der weitere Betrieb der Kampa Halle unwirtschaftlich ist. Genau das braucht es nämlich, um den Bau einer Multifunktionsarena sinnvoll erscheinen zu lassen.

In Zeiten von großen Diskussionen über Klimaschutz und die Verantwortung des Menschen dafür, diese Halle abzureißen, ist Ressourcenverschwendung in großem Stil und sucht ihresgleichen. Zu behaupten es gibt keine Alternative, bedeutet doch nur es fehlt an Fantasie für andere Lösungen. Und jetzt Vorsicht: Satire: Sowohl die Stadt wie auch der Kreis haben das Geld für den Neubau ja auf ihrem Festgeldkonto und wer zahlt schon gern Negativzinsen? Ich würde es gut finden, wenn Melitta die Neue Arena bauen und betreiben würde, dann könnte sie auch in Form eines Kaffeefilters gestaltet werden (das wär doch mal ein Hingucker). -

Ich habe es bewusst vermeiden, auf die Auswirkungen der Schließung für alle Betroffenen, von GWD über viele andere Sportler bis zum letzten Schüler sowie alle Beschäftigten oder Dienstleister die mit der Kampa-Halle verbunden, sind hinzuweisen."

Martin Janke, Minden

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