Auch die Radler rüsten auf

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Das Radfahren ist durch den Durchbruch der E-Bikes, Pedelecs sowie die Klimadiskussion beliebt wie selten zuvor.

"Wie langjährige Erfahrung zeigt, trägt nicht alles, was strahlt, zur unmittelbaren und allumfassenden Beglückung unserer Lebensumwelt bei. Ich denke jetzt mal nicht primär an die leidige Atomkraft und die uns bevorstehende Lichtverschmutzung durch die – trotz Klimadiskussion – vermutlich wenig hinterfragte und in nachbarschaftlicher Konkurrenz ständig wachsende weihnachtliche Eigenheimbeleuchtung. Lichterketten, Leuchtfiguren und die umfassende Illumination des leblosen Dauergrüns in den Gärten lassen grüßen!

Im Fokus jetzt mal die inzwischen umfassend elektrifizierte KW-starke Radlergilde, die das Fahrrad nicht selten rund zwanzig Jahre lang nur als sperriges Drahtgestell in der hintersten Ecke der Garage wahrgenommen hatte, inzwischen aber - entsprechend aufgerüstet – die kurvigen Radwege unserer autozentrierten Städte belebt.

Bewegung ist schön und gesund (!) – die Jugend bewegt sich viel zu wenig, wie wir gerade einer umfassenden Studie entnehmen konnten – doch diesmal hochmotorisiert, aber ohne ASR und ESP, wie man es vom eigenen SUV gewohnt ist. Und leider auch ohne gelegentlichen TÜV-Check. So strahlen denn die inzwischen LUX-starken Scheinwerfer der (NEW-)Biker fröhlich in die Landschaft (oft braucht man dafür ja nicht mal zu treten) und blenden in der dunklen Jahreszeit im Wettstreit mit der meist ebenso übermotorisierten und gleißend leuchtenden vierrädrigen Konkurrenz die rundum veraltet daherkommenden traditionellen Pedalritter oder Fußgänger.

Eigentlich ist es schön, dass man bei nahezu jedem Fahrrad mit einem einfachen Handgriff und ganz ohne Werkstattbesuch den Lichtkegel seines Scheinwerfers einrichten kann. Rund zehn Meter vorm Fahrrad sollte er die Fahrbahn beleuchten und nicht die Verkehrsschilder in zwei Meter Höhe. Man muss nur wissen, dass Licht auch ein Problem darstellen kann – und man muss sich entsprechend darum kümmern. Aber das Licht und so weiter stört in erster Linie ja nur die anderen. Watt kümmert mich das?"

Wolfgang Kokoschka, Minden

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Auch die Radler rüsten aufDas Radfahren ist durch den Durchbruch der E-Bikes, Pedelecs sowie die Klimadiskussion beliebt wie selten zuvor. "Wie langjährige Erfahrung zeigt, trägt nicht alles, was strahlt, zur unmittelbaren und allumfassenden Beglückung unserer Lebensumwelt bei. Ich denke jetzt mal nicht primär an die leidige Atomkraft und die uns bevorstehende Lichtverschmutzung durch die – trotz Klimadiskussion – vermutlich wenig hinterfragte und in nachbarschaftlicher Konkurrenz ständig wachsende weihnachtliche Eigenheimbeleuchtung. Lichterketten, Leuchtfiguren und die umfassende Illumination des leblosen Dauergrüns in den Gärten lassen grüßen! Im Fokus jetzt mal die inzwischen umfassend elektrifizierte KW-starke Radlergilde, die das Fahrrad nicht selten rund zwanzig Jahre lang nur als sperriges Drahtgestell in der hintersten Ecke der Garage wahrgenommen hatte, inzwischen aber - entsprechend aufgerüstet – die kurvigen Radwege unserer autozentrierten Städte belebt. Bewegung ist schön und gesund (!) – die Jugend bewegt sich viel zu wenig, wie wir gerade einer umfassenden Studie entnehmen konnten – doch diesmal hochmotorisiert, aber ohne ASR und ESP, wie man es vom eigenen SUV gewohnt ist. Und leider auch ohne gelegentlichen TÜV-Check. So strahlen denn die inzwischen LUX-starken Scheinwerfer der (NEW-)Biker fröhlich in die Landschaft (oft braucht man dafür ja nicht mal zu treten) und blenden in der dunklen Jahreszeit im Wettstreit mit der meist ebenso übermotorisierten und gleißend leuchtenden vierrädrigen Konkurrenz die rundum veraltet daherkommenden traditionellen Pedalritter oder Fußgänger. Eigentlich ist es schön, dass man bei nahezu jedem Fahrrad mit einem einfachen Handgriff und ganz ohne Werkstattbesuch den Lichtkegel seines Scheinwerfers einrichten kann. Rund zehn Meter vorm Fahrrad sollte er die Fahrbahn beleuchten und nicht die Verkehrsschilder in zwei Meter Höhe. Man muss nur wissen, dass Licht auch ein Problem darstellen kann – und man muss sich entsprechend darum kümmern. Aber das Licht und so weiter stört in erster Linie ja nur die anderen. Watt kümmert mich das?" Wolfgang Kokoschka, Minden