Förderung von Parallelgesellschaften

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Die Freie Evangelische Schule in Minden war Veranstaltungsort für einen Kreationisten-Kongress. Das MT berichtete.

"Der Autorin kann ich für ihre Recherche und Veröffentlichung nur Anerkennung zollen. Insbesondere die Ausführungen in ihrem Kommentar mit der Überschrift "Bedenklich" sind bemerkenswert und zeigenklar die Schwächen unserer Schulpolitik auf. Leider gibt es mittlerweile zu viele Privatschulen, in denen Förderer beziehungsweise private Schulträger Einfluss auf die Lehrinhalte nehmen, die mit einer freiheitlichen, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaft nur schwer vereinbar sind und die Bildung von Parallelgesellschaften fördern und unser Grundgesetz unterlaufen.

Warum hier unsere Schulaußichtsbehörden nicht ausreichend hinschauen, bleibt mir ein Rätsel. Zu diesem Thema hat der NDR vor wenigen Jahren ebenfalls eine Recherche vorgenommen und die gleichen Erkenntnisse gewonnen. Auch hier wurde die Frage nach der Schulaufsicht gestellt.

Ich habe einen Jugendlichen kennengelernt, der in Minden eine der freikirchlichen Schulen besucht hat, um einen bestimmten Schulabschluss zu erlangen. Er hat die Schule sehr bald wieder verlassen, da in einer unangemessenen Häufigkeit während der Schulstunden gebetet werden musste.

Sicherlich ist es für den Staat finanziell vorteilhaft, Privatschulen zuzulassen, denn hier muss der Staat nicht bauen sowie unterhalten und auch kein Personal bezahlen. Nur ein Zuschuss ist zu entrichten. Der Aufwand für Kontrollen der Schulaufsichtsbehörden ist zu vernachlässigen. Er wird ja anscheinend auch nur minimalistisch vorgenommen. Für jeden Kämmerer der zuständigen Behörden eine preiswerte Angelegenheit.

Aber für welchen Preis. Den gesellschaftlichen Schaden der angerichtet werden kann beziehungsweise wird ist immens und für unseren Staat gefährlich. Denn in diesen Bildungseinrichtungen wird nur nach zweidimensionalen ldeologien gelehrt. Plakativ gesagt: bei denen ist die Erde immer noch eine Scheibe und kein dreidimensionales Gebilde.

Ich vermute, dass die Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaften in ihren Bethäusern in ihrer gesellschaftlichen, insbesondere in der politischen Meinungsbildung massiv gesteuert und beeinflusst werden. Der Anteil der Bundesbürger, der diesen Kreationisten zuzurechnen ist, wächst stetig.

Unter anderen zählt hierzu die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit weltweit über 20 Millionen Mitgliedern, grundsätzlich gibt es innerhalb der verschiedenen Glaubensgemeinschaften viele Kleingruppen, die meines Erachtens nach Clan-ähnliche Strukturen haben und sehr laienhaft patriarchisch geführt werden.

An der ständig wachsenden Anzahl der Bethäuser kann das jeder erkennen. Ich würde mich nicht wundern, wenn dort Kinder beziehungsweise Jugendliche Zwang ausgesetzt sind und sogar körperlich gezüchtigt werden, um sie auf ,,Linie" zu bringen. Die Eheschließungen von Jugendlichen innerhalb der Glaubensgemeinschaften sprechen für sich.

Ein Indiz für die patriarchische Grundeinstellung ist auch das dogmatische Tragen von Röcken sowie von bestimmten Kopfbedeckungen der Frauen dieser Glaubensgemeinschaften. Bei Muslimen, wie die Autorin richtig feststellt, würde es ein Aufschrei geben. Ich selbst habe im Rahmen einer Familienfeier von Kreationisten, zu der ich eingeladen war, erlebt, wie mehrere sehr gut gekleidete Herren mich penetrant von ihrer Glaubensgemeinschaft überzeugen wollten. Es wurde mir reichlich schriftliche Abhandlungen angedient. Auch hatte ich das Gefühl, dass diese Herren das Verhalten der anwesenden ,,Gläubigen" überwachten.

Bei mir festigt sich die Erkenntnis, dass es den Kreationisten insbesondere um den,,schnöden Mammon" für die Organisationen geht, um damit gesellschaftspolitisch Wirkung zu erzielen. Die Erhaltung und Verbreitung ihres Glaubens hat hierbei sicherlich auch einen gewissen Stellenwert. So wie bei den freikirchlichen Schulen, die die ihnen verhasste Evolutionstheorie akzeptieren müssen, sie im Unterricht jedoch negieren."

Hans-Jürgen Westermann, Petershagen

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Förderung von ParallelgesellschaftenDie Freie Evangelische Schule in Minden war Veranstaltungsort für einen Kreationisten-Kongress. Das MT berichtete. "Der Autorin kann ich für ihre Recherche und Veröffentlichung nur Anerkennung zollen. Insbesondere die Ausführungen in ihrem Kommentar mit der Überschrift "Bedenklich" sind bemerkenswert und zeigenklar die Schwächen unserer Schulpolitik auf. Leider gibt es mittlerweile zu viele Privatschulen, in denen Förderer beziehungsweise private Schulträger Einfluss auf die Lehrinhalte nehmen, die mit einer freiheitlichen, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaft nur schwer vereinbar sind und die Bildung von Parallelgesellschaften fördern und unser Grundgesetz unterlaufen. Warum hier unsere Schulaußichtsbehörden nicht ausreichend hinschauen, bleibt mir ein Rätsel. Zu diesem Thema hat der NDR vor wenigen Jahren ebenfalls eine Recherche vorgenommen und die gleichen Erkenntnisse gewonnen. Auch hier wurde die Frage nach der Schulaufsicht gestellt. Ich habe einen Jugendlichen kennengelernt, der in Minden eine der freikirchlichen Schulen besucht hat, um einen bestimmten Schulabschluss zu erlangen. Er hat die Schule sehr bald wieder verlassen, da in einer unangemessenen Häufigkeit während der Schulstunden gebetet werden musste. Sicherlich ist es für den Staat finanziell vorteilhaft, Privatschulen zuzulassen, denn hier muss der Staat nicht bauen sowie unterhalten und auch kein Personal bezahlen. Nur ein Zuschuss ist zu entrichten. Der Aufwand für Kontrollen der Schulaufsichtsbehörden ist zu vernachlässigen. Er wird ja anscheinend auch nur minimalistisch vorgenommen. Für jeden Kämmerer der zuständigen Behörden eine preiswerte Angelegenheit. Aber für welchen Preis. Den gesellschaftlichen Schaden der angerichtet werden kann beziehungsweise wird ist immens und für unseren Staat gefährlich. Denn in diesen Bildungseinrichtungen wird nur nach zweidimensionalen ldeologien gelehrt. Plakativ gesagt: bei denen ist die Erde immer noch eine Scheibe und kein dreidimensionales Gebilde. Ich vermute, dass die Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaften in ihren Bethäusern in ihrer gesellschaftlichen, insbesondere in der politischen Meinungsbildung massiv gesteuert und beeinflusst werden. Der Anteil der Bundesbürger, der diesen Kreationisten zuzurechnen ist, wächst stetig. Unter anderen zählt hierzu die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit weltweit über 20 Millionen Mitgliedern, grundsätzlich gibt es innerhalb der verschiedenen Glaubensgemeinschaften viele Kleingruppen, die meines Erachtens nach Clan-ähnliche Strukturen haben und sehr laienhaft patriarchisch geführt werden. An der ständig wachsenden Anzahl der Bethäuser kann das jeder erkennen. Ich würde mich nicht wundern, wenn dort Kinder beziehungsweise Jugendliche Zwang ausgesetzt sind und sogar körperlich gezüchtigt werden, um sie auf ,,Linie" zu bringen. Die Eheschließungen von Jugendlichen innerhalb der Glaubensgemeinschaften sprechen für sich. Ein Indiz für die patriarchische Grundeinstellung ist auch das dogmatische Tragen von Röcken sowie von bestimmten Kopfbedeckungen der Frauen dieser Glaubensgemeinschaften. Bei Muslimen, wie die Autorin richtig feststellt, würde es ein Aufschrei geben. Ich selbst habe im Rahmen einer Familienfeier von Kreationisten, zu der ich eingeladen war, erlebt, wie mehrere sehr gut gekleidete Herren mich penetrant von ihrer Glaubensgemeinschaft überzeugen wollten. Es wurde mir reichlich schriftliche Abhandlungen angedient. Auch hatte ich das Gefühl, dass diese Herren das Verhalten der anwesenden ,,Gläubigen" überwachten. Bei mir festigt sich die Erkenntnis, dass es den Kreationisten insbesondere um den,,schnöden Mammon" für die Organisationen geht, um damit gesellschaftspolitisch Wirkung zu erzielen. Die Erhaltung und Verbreitung ihres Glaubens hat hierbei sicherlich auch einen gewissen Stellenwert. So wie bei den freikirchlichen Schulen, die die ihnen verhasste Evolutionstheorie akzeptieren müssen, sie im Unterricht jedoch negieren." Hans-Jürgen Westermann, Petershagen