Kein Monopol auf Weltanschauungen

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Evolution oder Schöpfung? An dem Kongress Kreatikon scheiden sich Geister.

Dem Kommentar muss ich aus mehreren Gründen widersprechen. Die Autorin kritisiert die FES wegen der Überlassung von Räumlichkeiten für einen Kongress von Kreationisten. Angeblich wäre die Schule dem Druck von fundamentalistischen Gruppen ausgesetzt. Die Autorin beschreibt hierbei nicht näher, wen sie eigentlich meint. Es scheint heute bequem zu sein, Menschen mit konträren Meinungen zum Mainstream als Fundamentalisten darzustellen. Das Wort Fundamentalist erzeugt ja eine Assoziation zum Bösen, zum Terrorismus, zum Islamismus usw. Es ist eine sehr ungenaue Beschreibung und diffamiert nur. So meint der Historiker Hartmut Lehman, es sei offen, ob der Begriff Fundamentalismus zu mehr tauge als zu Polemik.

Die Autorin findet ferner die Ansichten, welche auf dem Kongress vertreten werden, als mit der freiheitlichen, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaft nur schwer vereinbar. Zu einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft gehören aber doch gerade der Wettbewerb und die Vielfalt von Ideen und Denkmöglichkeiten sowie der Respekt vor den Anschauungen von anderen Überzeugungen. Gerade in einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft kann und darf es kein Monopol auf die Weltanschauung geben. Toleranz ist gefragt. Gemäß Jürgen Habermas heißt Toleranz, „dass sich Gläubige, Andersgläubige und Ungläubige gegenseitig Überzeugungen, Praktiken und Lebensformen zugestehen, die sie selbst ablehnen.

Auch unser NRW-Schulgesetz definiert dies in §2, Abs. 6, Satz 4: „Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen in religiösen und weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer zu entwickeln“. Gönnerhaft meint die Autorin, dass privat ja jeder glauben kann, was er will, zur Allgemeinbildung gehörten jedoch die Grundlagen des wissenschaftlichen Denkens, womit sie unterstellt, dass die Evolution Wissenschaft sei und der Kreationismus nur Glaube. Christen wären aber als Staatsbürger benachteiligt, wenn man nur von ihnen verlangen würde, dass sie ihre Weltanschauung und ihre Überzeugungen in private und öffentliche/wissenschaftliche Anteile aufspalten müssten. Das verlangt man von Nichtchristen ja auch nicht.

Jürgen Habermas meint hierzu, dass religiöse Bürger ihre Überzeugungen in religiöser Sprache ausdrücken und begründen dürfen, wenn sie dafür keine säkulare Übersetzung finden. Zum Schluss lenkt die Autorin noch den Blick auf die Schulaufsicht und im Schlusssatz merkt man, dass sie wohl keine Sympathie für Privatschulen hat. Das NRW-Schulgesetz sieht das zum Glück anders. In § 100 heißt es, dass die Ersatzschulen das öffentliche Schulwesen ergänzen und bereichern und in § 26, Abs. 3 wird den christlichen Privatschulen ja gerade erlaubt, dass in ihnen nach den Grundsätzen des betreffenden Bekenntnisses unterrichtet und erzogen wird.

Herbert Plattner, Minden

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Kein Monopol auf WeltanschauungenEvolution oder Schöpfung? An dem Kongress Kreatikon scheiden sich Geister. Dem Kommentar muss ich aus mehreren Gründen widersprechen. Die Autorin kritisiert die FES wegen der Überlassung von Räumlichkeiten für einen Kongress von Kreationisten. Angeblich wäre die Schule dem Druck von fundamentalistischen Gruppen ausgesetzt. Die Autorin beschreibt hierbei nicht näher, wen sie eigentlich meint. Es scheint heute bequem zu sein, Menschen mit konträren Meinungen zum Mainstream als Fundamentalisten darzustellen. Das Wort Fundamentalist erzeugt ja eine Assoziation zum Bösen, zum Terrorismus, zum Islamismus usw. Es ist eine sehr ungenaue Beschreibung und diffamiert nur. So meint der Historiker Hartmut Lehman, es sei offen, ob der Begriff Fundamentalismus zu mehr tauge als zu Polemik. Die Autorin findet ferner die Ansichten, welche auf dem Kongress vertreten werden, als mit der freiheitlichen, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaft nur schwer vereinbar. Zu einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft gehören aber doch gerade der Wettbewerb und die Vielfalt von Ideen und Denkmöglichkeiten sowie der Respekt vor den Anschauungen von anderen Überzeugungen. Gerade in einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft kann und darf es kein Monopol auf die Weltanschauung geben. Toleranz ist gefragt. Gemäß Jürgen Habermas heißt Toleranz, „dass sich Gläubige, Andersgläubige und Ungläubige gegenseitig Überzeugungen, Praktiken und Lebensformen zugestehen, die sie selbst ablehnen. Auch unser NRW-Schulgesetz definiert dies in §2, Abs. 6, Satz 4: „Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen in religiösen und weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer zu entwickeln“. Gönnerhaft meint die Autorin, dass privat ja jeder glauben kann, was er will, zur Allgemeinbildung gehörten jedoch die Grundlagen des wissenschaftlichen Denkens, womit sie unterstellt, dass die Evolution Wissenschaft sei und der Kreationismus nur Glaube. Christen wären aber als Staatsbürger benachteiligt, wenn man nur von ihnen verlangen würde, dass sie ihre Weltanschauung und ihre Überzeugungen in private und öffentliche/wissenschaftliche Anteile aufspalten müssten. Das verlangt man von Nichtchristen ja auch nicht. Jürgen Habermas meint hierzu, dass religiöse Bürger ihre Überzeugungen in religiöser Sprache ausdrücken und begründen dürfen, wenn sie dafür keine säkulare Übersetzung finden. Zum Schluss lenkt die Autorin noch den Blick auf die Schulaufsicht und im Schlusssatz merkt man, dass sie wohl keine Sympathie für Privatschulen hat. Das NRW-Schulgesetz sieht das zum Glück anders. In § 100 heißt es, dass die Ersatzschulen das öffentliche Schulwesen ergänzen und bereichern und in § 26, Abs. 3 wird den christlichen Privatschulen ja gerade erlaubt, dass in ihnen nach den Grundsätzen des betreffenden Bekenntnisses unterrichtet und erzogen wird. Herbert Plattner, Minden