Auf dem Weg in die DDR 2.0?

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Schöpfung oder Evolution? An dem Kongress "Kreatikon" scheiden sich die Geister.

Eine freiheitliche, aufgeklärte und pluralistische Gesellschaft will die Autorin in ihrem Artikel über den Kongress "Kreatikon", die Schöpfungslehre und die Verbindungen zur FES Minden verteidigen. Leider gehen ihre eigenen Ausführungen in eine andere Richtung und lassen ungute Erinnerungen an totalitäre Strukturen wie zum Beispiel die der DDR aufleben. Ich selbst habe nach der Wende elf Jahre in Ostdeutschland gelebt und von Mitchristen aus verschiedenen Kirchengemeinden gelernt, was Freiheit und die staatliche Unterdrückung derselben bedeutet. Wie komme ich auf diese Verbindung?

1. Die Autorin bemängelt die Glaubenslehre der Christen: Gott hat die Menschen geschaffen und hat deshalb einen unumschränkten Anspruch auf seine Geschöpfe. Diesen haben die Menschen von sich gewiesen, die Bibel nennt das Sünde. Sie sind damit erlösungsbedürftig. Gemäß dem Evangelium bietet Gott ihnen die Erlösung durch Jesus Christus an, so müsste man ergänzen. Das sind alles Grundbegriffe evangelischen Glaubens. Es sollte einen nicht verwundern, wenn dies auf einem christlichen Kongress und an evangelischen Schulen gelehrt wird. Ob die Welt tatsächlich in sechs Tagen erschaffen wurde, wie es im ersten Kapitel der Bibel steht, oder ob Gott die Welt durch eine von ihm gesteuerte Evolution belebt hat - dies ist innerhalb der evangelischen Kirchen strittig. Wie man sich auch entscheidet, es stellt sicherlich keine Gefahr für unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung dar.

2. Die Autorin bemängelt, dass auf dem Kongress "Kreatikon" und an der FES Minden die Evolutionslehre kritisch hinterfragt und Alternativen vorgeschlagen werden. Nun sollte jeder Naturwissenschaftler froh sein, wenn seine Theorien auf den Prüfstand gestellt werden. Der britische Philosoph Karl Popper hat sogar gefordert, dass solche Theorien grundsätzlich "falsifizierbar" sein müssen. Das heißt, es muss eine wiederholbare und überall nachvollziehbare Versuchsanordnung geben, durch die eine Theorie eindeutig widerlegt werden kann. Eine solche ist für die Evolutionstheorie kaum aufzustellen: Die von ihr postulierten automatischen Entwicklungsprozesse vom Einzeller bis zum Zeitungsredakteur oder Leserbriefschreiber benötigen Jahrmillionen, um zu funktionieren. Es sollte jedem - ob Christ oder nicht - möglich sein, das Eingreifen einer höheren Intelligenz als plausiblere Erklärung für die Vielfalt der Lebewesen und die Einzigartigkeit des Menschen in Betracht zu ziehen, ohne dafür als "Fundamentalist" diffamiert zu werden.

3. Die Autorin ruft nach der Schulaufsicht: Spätestens an dieser Stelle kamen mir die Assoziationen zu einer DDR 2.0. Zu SED-Zeiten waren die Schulen tatsächlich staatlich gleichgeschaltet. Wer sich dem widersetzte, durfte als Lehrer nicht unterrichten beziehungsweise wurde als Schüler an seinem späteren beruflichen Fortkommen gehindert. Heute also nicht die Partei, sondern EU-Verordnungen und die Schulaufsicht für Abweichler, die sich nicht in den Mainstream der Evolutionslehre einfügen? Niemand wird gezwungen, auf Kongresse wie die "Kreatikon" zu gehen oder seine Kinder auf die FES Minden schicken. Aber Gott sei Dank ist so etwas nach wie vor möglich - dank unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Diese gilt es zu verteidigen - gegen Ideologen von links und von rechts.

Martin Simon, Minden

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Auf dem Weg in die DDR 2.0?Schöpfung oder Evolution? An dem Kongress "Kreatikon" scheiden sich die Geister. Eine freiheitliche, aufgeklärte und pluralistische Gesellschaft will die Autorin in ihrem Artikel über den Kongress "Kreatikon", die Schöpfungslehre und die Verbindungen zur FES Minden verteidigen. Leider gehen ihre eigenen Ausführungen in eine andere Richtung und lassen ungute Erinnerungen an totalitäre Strukturen wie zum Beispiel die der DDR aufleben. Ich selbst habe nach der Wende elf Jahre in Ostdeutschland gelebt und von Mitchristen aus verschiedenen Kirchengemeinden gelernt, was Freiheit und die staatliche Unterdrückung derselben bedeutet. Wie komme ich auf diese Verbindung? 1. Die Autorin bemängelt die Glaubenslehre der Christen: Gott hat die Menschen geschaffen und hat deshalb einen unumschränkten Anspruch auf seine Geschöpfe. Diesen haben die Menschen von sich gewiesen, die Bibel nennt das Sünde. Sie sind damit erlösungsbedürftig. Gemäß dem Evangelium bietet Gott ihnen die Erlösung durch Jesus Christus an, so müsste man ergänzen. Das sind alles Grundbegriffe evangelischen Glaubens. Es sollte einen nicht verwundern, wenn dies auf einem christlichen Kongress und an evangelischen Schulen gelehrt wird. Ob die Welt tatsächlich in sechs Tagen erschaffen wurde, wie es im ersten Kapitel der Bibel steht, oder ob Gott die Welt durch eine von ihm gesteuerte Evolution belebt hat - dies ist innerhalb der evangelischen Kirchen strittig. Wie man sich auch entscheidet, es stellt sicherlich keine Gefahr für unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung dar. 2. Die Autorin bemängelt, dass auf dem Kongress "Kreatikon" und an der FES Minden die Evolutionslehre kritisch hinterfragt und Alternativen vorgeschlagen werden. Nun sollte jeder Naturwissenschaftler froh sein, wenn seine Theorien auf den Prüfstand gestellt werden. Der britische Philosoph Karl Popper hat sogar gefordert, dass solche Theorien grundsätzlich "falsifizierbar" sein müssen. Das heißt, es muss eine wiederholbare und überall nachvollziehbare Versuchsanordnung geben, durch die eine Theorie eindeutig widerlegt werden kann. Eine solche ist für die Evolutionstheorie kaum aufzustellen: Die von ihr postulierten automatischen Entwicklungsprozesse vom Einzeller bis zum Zeitungsredakteur oder Leserbriefschreiber benötigen Jahrmillionen, um zu funktionieren. Es sollte jedem - ob Christ oder nicht - möglich sein, das Eingreifen einer höheren Intelligenz als plausiblere Erklärung für die Vielfalt der Lebewesen und die Einzigartigkeit des Menschen in Betracht zu ziehen, ohne dafür als "Fundamentalist" diffamiert zu werden. 3. Die Autorin ruft nach der Schulaufsicht: Spätestens an dieser Stelle kamen mir die Assoziationen zu einer DDR 2.0. Zu SED-Zeiten waren die Schulen tatsächlich staatlich gleichgeschaltet. Wer sich dem widersetzte, durfte als Lehrer nicht unterrichten beziehungsweise wurde als Schüler an seinem späteren beruflichen Fortkommen gehindert. Heute also nicht die Partei, sondern EU-Verordnungen und die Schulaufsicht für Abweichler, die sich nicht in den Mainstream der Evolutionslehre einfügen? Niemand wird gezwungen, auf Kongresse wie die "Kreatikon" zu gehen oder seine Kinder auf die FES Minden schicken. Aber Gott sei Dank ist so etwas nach wie vor möglich - dank unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Diese gilt es zu verteidigen - gegen Ideologen von links und von rechts. Martin Simon, Minden