Es kann viel verwischt werden

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Das Thema Klima bewegt. Jüngst wies ein Leser darauf hin, dass in der ganzen Debatte auch zu beachten sei, wie Statistiken und Messwerte in den Naturwissenschaften zustande kommen.

"Vorweg: Den Leserbrief von Dr. Schulz finde ich hilfreich und gut. Zu Recht gilt der Satz: “Wer misst, misst Mist“. Die Lufttemperatur Messung ist mit einigen Fehlermöglichkeiten behaftet. Auch bemängele ich die Tatsache, dass die kleinste am thermodynamischen Prozess beteiligte Masse zum Maßstab des Handelns gewählt wird. Vergleichsweise groß und wirksam sind die Wassermassen und die Eismassen. Die Eismassen, die über 400-fach mehr Wärme kompensieren können, ohne eine Temperaturerhöhung zu bewirken. Auch mit Mittelwerten kann statistisch viel verwischt werden. Die Extremwerte oben und unten entfalten ja die verändernde Wirkung.

Viel wirksamer für eine Entscheidungsmatrix wären bestimmte Meeresspiegeländerungen. Ab wann wollen wir wirklich was tun? Im achtzehnten Jahrhundert stieg der Meeresspiegel um 2 Zentimeter, im neunzehnten Jahrhundert um 4 Zentimeter, im zwanzigsten Jahrhundert um 19 Zentimeter. Die Vorhersagen zum einundzwanzigsten Jahrhundert variieren noch zwischen 55 Zentimeter und 1,50 Meter. Allein daran ist zu sehen, wie unterschiedlich die wissenschaftlichen Einschätzungen sind. Die Debatte ist dringend geboten. Nach Beobachtung der letzten 20 Jahre war bisher jede veröffentlichte Prognose zu schwach und musste immer wieder zur negativen Seite korrigiert werden. Die selbstverstärkenden Prozesse durch das Auftauen des Permafrosts und der Erwärmung der Meere werden immer wieder zu gering gewertet.

Über die reflektierende Wirkung der Wolken habe ich mal ähnlich gedacht. Leider erfüllt sich der Wunsch nicht. Es geht nicht so sehr um die Reflexion der kurzwelligen Sonnenstrahlen, vielmehr geht es um die Zurückhaltung der langwelligen Wärmestrahlung durch Methan, CO2 und Wolken. Die sternklare Nacht ist eben noch deutlich kühler als unter der Wolkendecke. Wolken und schädliche Gase reduzieren die notwendige Auskühlung der Erde. Schade."

Johannes Hurrelmeyer, Petershagen

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Es kann viel verwischt werdenDas Thema Klima bewegt. Jüngst wies ein Leser darauf hin, dass in der ganzen Debatte auch zu beachten sei, wie Statistiken und Messwerte in den Naturwissenschaften zustande kommen. "Vorweg: Den Leserbrief von Dr. Schulz finde ich hilfreich und gut. Zu Recht gilt der Satz: “Wer misst, misst Mist“. Die Lufttemperatur Messung ist mit einigen Fehlermöglichkeiten behaftet. Auch bemängele ich die Tatsache, dass die kleinste am thermodynamischen Prozess beteiligte Masse zum Maßstab des Handelns gewählt wird. Vergleichsweise groß und wirksam sind die Wassermassen und die Eismassen. Die Eismassen, die über 400-fach mehr Wärme kompensieren können, ohne eine Temperaturerhöhung zu bewirken. Auch mit Mittelwerten kann statistisch viel verwischt werden. Die Extremwerte oben und unten entfalten ja die verändernde Wirkung. Viel wirksamer für eine Entscheidungsmatrix wären bestimmte Meeresspiegeländerungen. Ab wann wollen wir wirklich was tun? Im achtzehnten Jahrhundert stieg der Meeresspiegel um 2 Zentimeter, im neunzehnten Jahrhundert um 4 Zentimeter, im zwanzigsten Jahrhundert um 19 Zentimeter. Die Vorhersagen zum einundzwanzigsten Jahrhundert variieren noch zwischen 55 Zentimeter und 1,50 Meter. Allein daran ist zu sehen, wie unterschiedlich die wissenschaftlichen Einschätzungen sind. Die Debatte ist dringend geboten. Nach Beobachtung der letzten 20 Jahre war bisher jede veröffentlichte Prognose zu schwach und musste immer wieder zur negativen Seite korrigiert werden. Die selbstverstärkenden Prozesse durch das Auftauen des Permafrosts und der Erwärmung der Meere werden immer wieder zu gering gewertet. Über die reflektierende Wirkung der Wolken habe ich mal ähnlich gedacht. Leider erfüllt sich der Wunsch nicht. Es geht nicht so sehr um die Reflexion der kurzwelligen Sonnenstrahlen, vielmehr geht es um die Zurückhaltung der langwelligen Wärmestrahlung durch Methan, CO2 und Wolken. Die sternklare Nacht ist eben noch deutlich kühler als unter der Wolkendecke. Wolken und schädliche Gase reduzieren die notwendige Auskühlung der Erde. Schade." Johannes Hurrelmeyer, Petershagen