Grundlegende Fehler keine Seltenheit

veröffentlicht

Ein Leser monierte kürzlich die Nutzung falscher Grammatik im MT.

"Für jeden Beruf muss man ein fachliches Grundwissen besitzen. Bei mir im elektrotechnischen Bereich sind es die Schutzmaßnahmen, die verhindern, dass jemand durch einen elektrischen Stromschlag zu Schaden kommt. Dennoch muss ich auch die deutsche Sprache einwandfrei beherrschen, wenn ich kommunizieren will. Ich habe dies noch in einem intakten Schulsystem gelernt. So müssten auch Zeitungsleute sich fachlich einarbeiten, wenn sie technische Themen behandeln. Zum Beispiel Kilowatt kW (Leistung) und Kilowattstunde kWh (Arbeit) zu verwechseln, ist nicht zu akzeptieren. Dies wussten früher schon Volksschüler. Bei einem Artikel mit solchen grundlegenden Fehlern stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der anderen Aussagen.

Bei Zeitungsleuten ist es in erster Linie die Sprache, die sie beherrschen müssen. Ihre Grammatik entspricht fachlich meinem Wissen um die Schutzmaßnahmen. Nur, wenn hier etwas falsch gemacht wird, kommt niemand zu Schaden. Auch sollten Zeitungsleute Kulturpflege betreiben und sich entsprechend gewählt ausdrücken. Sie sind Vorbilder, denn ihre Berichte werden von vielen gelesen.

Leider sind mittlerweile grundlegende Fehler in Zeitungen keine Seltenheit. Die Überschrift „Sonnengelb wider dem Einheitsgrau“ müsste lauten: „Sonnengelb gegen oder statt Einheitsgrau“ lauten. Wenn jemand, "der Masten" schreibt anstatt "der Mast" oder "ich bin angefangen" anstatt "ich habe angefangen", dann rückt er sich in ein schlechtes Licht. Ich schreibe ja auch nicht in meinem hessischen Dialekt. Druckfehler, die in der Eile entstehen können, sind verzeihbar, aber unschön.

Eine weitere Unsitte von Zeitungsleuten ist, sich mit Fremdländischen zu schmücken, um „modern“ zu sein. Ich habe noch das gute deutsche Bildungssystem durchlaufen, das auf Allgemeinbildung Wert legte. Deshalb kam ich bisher mit Fremdwörtern gut zurecht. Mit den neuen, künstlichen, wichtigtuerischen habe ich meine Probleme, denn ich kann nur ahnen, was gemeint ist. Mit Leuten, die sie gebrauchen, habe ich als Vorsitzender von Arbeitsgruppen und als deutscher Vertreter in internationalen Normungsgruppen von 1963 bis 1993 keine guten Erfahrungen gemacht. Hin und wieder hatte ein Land einen Vertreter entsandt, der sich mit derartigen Mätzchen wichtigtat und unsere Arbeit nur aufhielt. Ich habe gelernt, mit solchen Leuten umzugehen: Man musste ihnen nur eine Aufgabe zuteilen. Keiner hat sie je abgeliefert!

Eine andere Unsitte hat sich mit dem Deppenapostroph ausgebreitet. Die es nutzen, reihen sich in die Gruppe der Denglisch-Nutzer. Ein Geschäft, das sich damit schmückt, lässt aufhorchen, denn seine Produkte können genau so fehlerhaft sein. Ein MT-Leser hat einmal dazu folgende Aufklärung verfaßt, die zeigt, wie ein falsch gesetztes Apostroph die Bedeutung verändert:

„Andreas Kiosk" gehört Andrea. „Andreas' Kiosk" gehört Andreas. „Andrea's Kiosk" gehört einem Idioten. Eine Karikatur dazu füge ich bei. Die deutsche Sprache lässt durch das Klein- und Großschreiben und die fehlende Bindung an eine feste Wortstellung im Satz viele Freiheiten, die in anderen Sprachen nicht möglich sind. Das kann man aber nur, wenn man versteht, mit unserer Sprache umzugehen und keine künstlichen Fehler einbaut. Man kann mit ihr spielen. Auch die richtige Kommasetzung gehört dazu. Dazu das Beispiel, das wir in der Schule gelernt haben: „Der Schüler sagt, der Lehrer ist ein Esel“ oder anders „Der Schüler, sagt der Lehrer, ist ein Esel.“"

Udo Knau, Minden

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Grundlegende Fehler keine SeltenheitEin Leser monierte kürzlich die Nutzung falscher Grammatik im MT. "Für jeden Beruf muss man ein fachliches Grundwissen besitzen. Bei mir im elektrotechnischen Bereich sind es die Schutzmaßnahmen, die verhindern, dass jemand durch einen elektrischen Stromschlag zu Schaden kommt. Dennoch muss ich auch die deutsche Sprache einwandfrei beherrschen, wenn ich kommunizieren will. Ich habe dies noch in einem intakten Schulsystem gelernt. So müssten auch Zeitungsleute sich fachlich einarbeiten, wenn sie technische Themen behandeln. Zum Beispiel Kilowatt kW (Leistung) und Kilowattstunde kWh (Arbeit) zu verwechseln, ist nicht zu akzeptieren. Dies wussten früher schon Volksschüler. Bei einem Artikel mit solchen grundlegenden Fehlern stellt sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der anderen Aussagen. Bei Zeitungsleuten ist es in erster Linie die Sprache, die sie beherrschen müssen. Ihre Grammatik entspricht fachlich meinem Wissen um die Schutzmaßnahmen. Nur, wenn hier etwas falsch gemacht wird, kommt niemand zu Schaden. Auch sollten Zeitungsleute Kulturpflege betreiben und sich entsprechend gewählt ausdrücken. Sie sind Vorbilder, denn ihre Berichte werden von vielen gelesen. Leider sind mittlerweile grundlegende Fehler in Zeitungen keine Seltenheit. Die Überschrift „Sonnengelb wider dem Einheitsgrau“ müsste lauten: „Sonnengelb gegen oder statt Einheitsgrau“ lauten. Wenn jemand, "der Masten" schreibt anstatt "der Mast" oder "ich bin angefangen" anstatt "ich habe angefangen", dann rückt er sich in ein schlechtes Licht. Ich schreibe ja auch nicht in meinem hessischen Dialekt. Druckfehler, die in der Eile entstehen können, sind verzeihbar, aber unschön. Eine weitere Unsitte von Zeitungsleuten ist, sich mit Fremdländischen zu schmücken, um „modern“ zu sein. Ich habe noch das gute deutsche Bildungssystem durchlaufen, das auf Allgemeinbildung Wert legte. Deshalb kam ich bisher mit Fremdwörtern gut zurecht. Mit den neuen, künstlichen, wichtigtuerischen habe ich meine Probleme, denn ich kann nur ahnen, was gemeint ist. Mit Leuten, die sie gebrauchen, habe ich als Vorsitzender von Arbeitsgruppen und als deutscher Vertreter in internationalen Normungsgruppen von 1963 bis 1993 keine guten Erfahrungen gemacht. Hin und wieder hatte ein Land einen Vertreter entsandt, der sich mit derartigen Mätzchen wichtigtat und unsere Arbeit nur aufhielt. Ich habe gelernt, mit solchen Leuten umzugehen: Man musste ihnen nur eine Aufgabe zuteilen. Keiner hat sie je abgeliefert! Eine andere Unsitte hat sich mit dem Deppenapostroph ausgebreitet. Die es nutzen, reihen sich in die Gruppe der Denglisch-Nutzer. Ein Geschäft, das sich damit schmückt, lässt aufhorchen, denn seine Produkte können genau so fehlerhaft sein. Ein MT-Leser hat einmal dazu folgende Aufklärung verfaßt, die zeigt, wie ein falsch gesetztes Apostroph die Bedeutung verändert: „Andreas Kiosk" gehört Andrea. „Andreas' Kiosk" gehört Andreas. „Andrea's Kiosk" gehört einem Idioten. Eine Karikatur dazu füge ich bei. Die deutsche Sprache lässt durch das Klein- und Großschreiben und die fehlende Bindung an eine feste Wortstellung im Satz viele Freiheiten, die in anderen Sprachen nicht möglich sind. Das kann man aber nur, wenn man versteht, mit unserer Sprache umzugehen und keine künstlichen Fehler einbaut. Man kann mit ihr spielen. Auch die richtige Kommasetzung gehört dazu. Dazu das Beispiel, das wir in der Schule gelernt haben: „Der Schüler sagt, der Lehrer ist ein Esel“ oder anders „Der Schüler, sagt der Lehrer, ist ein Esel.“" Udo Knau, Minden