Wehret den Anfängen

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Eine Fußballmannschaft feierte ihren Aufstieg mit Naziparolen. Wegen der Berichterstattung darüber erhielt das MT einige kritische Leserbriefe.

"Ich habe lange überlegt ob ich mich an dieser Diskussion beteiligen soll. Denn auch ich habe in meiner Jugend in Holzhausen Fußball gespielt. Aber nach den Leserbriefen vom Wochenende hält es mich nicht mehr!

Leute, wenn wir den Medien vorschreiben, was und über wen die Medien berichten dürfen oder sollen, sind wir genau in der Situation vor der Thomas Mann, Walter Gropius, Albert Einstein und viele, viele andere Deutschland seinerzeit den Rücken gekehrt haben! Gut, manchmal bin ich auch nicht recht glücklich mit den Themen und der Berichterstattung in den, mir zugänglichen Medien. Aber noch Mal, es muss berichtet werden und die Auswahl dessen, über was berichtet wird, muss der entsprechenden Redaktion überlassen bleiben!

Zu dem eigentlichen Thema „HOPO“: ich kenne einige der Protagonisten persönlich und bin fest davon überzeugt, dass diese „Jung`s“ weder Rechtsextreme sind noch eine rechtsnationale Einstellung verinnerlicht haben. Aber gerade da liegt die Gefahr. Wenn ganz „normale Jung`s“ (betrunken oder nicht) solche menschenverachtende und kriegsverherrlichende Sprüche loslassen ohne sich etwas dabei zu denken, nur so zum Spaß, kommen wir dann nicht wieder in die Nähe von 1935? Damals sind auch viele „Jung`s“ diese Sprüche grölend und betrunkend durch die Bierzelte gezogen, bis es 1938 und 1939 zu den bekannten Folgen gekommen ist und keiner die daraus resultierenden Ereignisse mehr aufhalten konnte. Also: wehret den Anfängen!

Wie aber der Vorstand dieses Vereins agiert, ist sehr merkwürdig. Ich kann den Herrn Hölters durchaus verstehen, wenn er mit der Reaktion des Vorstandes nicht einverstanden ist, der aufgrund des Fehlverhaltens einiger weniger eine Mannschaft auflöst und damit einen ganzen Verein platt macht. Wäre es nicht richtiger gewesen, die beteiligten Protagonisten zum Gespräch zu zitieren, eine öffentliche Entschuldigung einzufordern und die nächste Mannschaftsfahrt nach Buchenwald, Dachau oder Auschwitz zu veranstalten? Damit man deutlich vor Augen geführt bekommt, was diese Leute, die diese Sprüche erfunden haben, angerichtet haben! Da würde ich mich dann auch als ehrenamtlicher Betreuer zu Verfügung stellen. Und den Jung`s auf der Fahrt dahin aus entsprechender Literatur vorlesen.

Also „HOPO“ und speziell der ganze Fußballkreis: in unserer Justiz und in unserer moralischen Wertegemeinschaft gibt es einen Satz, der mich mein Leben lang begleitet hat: Jeder hat eine zweite Chance verdient!"

Günter Rahnenführer, Porta Westfalica

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Wehret den AnfängenEine Fußballmannschaft feierte ihren Aufstieg mit Naziparolen. Wegen der Berichterstattung darüber erhielt das MT einige kritische Leserbriefe. "Ich habe lange überlegt ob ich mich an dieser Diskussion beteiligen soll. Denn auch ich habe in meiner Jugend in Holzhausen Fußball gespielt. Aber nach den Leserbriefen vom Wochenende hält es mich nicht mehr! Leute, wenn wir den Medien vorschreiben, was und über wen die Medien berichten dürfen oder sollen, sind wir genau in der Situation vor der Thomas Mann, Walter Gropius, Albert Einstein und viele, viele andere Deutschland seinerzeit den Rücken gekehrt haben! Gut, manchmal bin ich auch nicht recht glücklich mit den Themen und der Berichterstattung in den, mir zugänglichen Medien. Aber noch Mal, es muss berichtet werden und die Auswahl dessen, über was berichtet wird, muss der entsprechenden Redaktion überlassen bleiben! Zu dem eigentlichen Thema „HOPO“: ich kenne einige der Protagonisten persönlich und bin fest davon überzeugt, dass diese „Jung`s“ weder Rechtsextreme sind noch eine rechtsnationale Einstellung verinnerlicht haben. Aber gerade da liegt die Gefahr. Wenn ganz „normale Jung`s“ (betrunken oder nicht) solche menschenverachtende und kriegsverherrlichende Sprüche loslassen ohne sich etwas dabei zu denken, nur so zum Spaß, kommen wir dann nicht wieder in die Nähe von 1935? Damals sind auch viele „Jung`s“ diese Sprüche grölend und betrunkend durch die Bierzelte gezogen, bis es 1938 und 1939 zu den bekannten Folgen gekommen ist und keiner die daraus resultierenden Ereignisse mehr aufhalten konnte. Also: wehret den Anfängen! Wie aber der Vorstand dieses Vereins agiert, ist sehr merkwürdig. Ich kann den Herrn Hölters durchaus verstehen, wenn er mit der Reaktion des Vorstandes nicht einverstanden ist, der aufgrund des Fehlverhaltens einiger weniger eine Mannschaft auflöst und damit einen ganzen Verein platt macht. Wäre es nicht richtiger gewesen, die beteiligten Protagonisten zum Gespräch zu zitieren, eine öffentliche Entschuldigung einzufordern und die nächste Mannschaftsfahrt nach Buchenwald, Dachau oder Auschwitz zu veranstalten? Damit man deutlich vor Augen geführt bekommt, was diese Leute, die diese Sprüche erfunden haben, angerichtet haben! Da würde ich mich dann auch als ehrenamtlicher Betreuer zu Verfügung stellen. Und den Jung`s auf der Fahrt dahin aus entsprechender Literatur vorlesen. Also „HOPO“ und speziell der ganze Fußballkreis: in unserer Justiz und in unserer moralischen Wertegemeinschaft gibt es einen Satz, der mich mein Leben lang begleitet hat: Jeder hat eine zweite Chance verdient!" Günter Rahnenführer, Porta Westfalica