Es ist Zeit für eine Diskussion

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Unter dem Motto Maria 2.0 fordern Katholikinnen in Deutschland Reformen für mehr Gleichberechtigung in der Kirche. MT-Redakteurin Monika Jäger eruierte die aktuelle Situation in der hiesigen Kirchengemeinde.

Vielen Dank für den Bericht vom 3. September über die Problematik in der katholischen Kirche, heruntergebrochen auf die Katholiken in Minden.

Ich bin gläubige Christin und aktives Mitglied der Domgemeinde. Die Aktion Maria 2.0 in Münster habe ich durch meine Unterschrift sofort unterstützt. Endlich kommt es auch in Minden in der Öffentlichkeit an. Kann „Maria 2.0“ wirklich nur als Provokation bezeichnet werden? Ist es nicht vielmehr ein inzwischen verzweifelter Versuch der (wenigen) Katholikinnen, die noch aus Überzeugung zur Kirche stehen, endlich gleichbehandelt zu werden? Ich denke, dass die katholische Kirche alle
Gläubigen zu den Sakramenten und allen Diensten zulassen sollte, egal welchen Geschlechts. Diese Forderung sollte aus dem Kern der katholischen Kirche kommen.

Wir werden in Minden das Gesamtsystem nicht ändern. Da können wir nur beten, dass der Papst entsprechende Schritte einleitet. Gleichzeitig wäre spätestens nach Fronleichnam ein Zugehen auf die Gemeindeglieder durch die zuständigen Priester hilfreich gewesen. Wird es nicht Zeit, die Diskussion über die vielen Missstände zu führen?

Zum Thema Ökumene möchte ich gerne nachfragen, ob hier wirklich von Fortschritt gesprochen werden kann? Ich höre von
evangelischen und katholischen Freunden eher von Rückschritten.

Der Dom ist voll? Laut einer mir vorliegenden Statistik und simpler „Inaugenscheinnahme“ ist ein starker Rückgang der Gottesdienstbesucher zu verzeichnen.

Weiterhin ist mir völlig unverständlich, was nach dem Dienstende von Propst Jakobi in der Domgemeinde in richtige Bahnen
gelenkt werden musste. Ich habe meine Zweifel, ob eine kritische Äußerung zu einer strittigen Erklärung des Papstes ein
Zelebrationsverbot in Minden rechtfertigt. Mit Propst Jakobi wurden immer äußerst würdevolle Gottesdienste gefeiert. Die sonntäglichen Messen und besonders seine tiefgründigen Predigten haben mich wirklich berührt. Das Wort Gottes wurde in einer überzeugenden Art vermittelt. Das ist meines Erachtens Aufgabe aller Kleriker!

Wenn mich Freunde und Bekannte fragen, wie es sein kann, dass ich immer noch zu Sonntagsgottesdiensten gehe, antworte ich meist, dass ich keinem Menschen die Macht gebe, mich vom Glauben abzubringen. Einfach ist diese Haltung nicht mehr. Kirche und Glaube sind miteinander verbunden, das ist meine feste Überzeugung.

Alle Christen, egal ob geweiht oder „nur“ getauft, sind in der Verantwortung das Miteinander zu pflegen. Das gelingt mit respektvoller Kommunikation auf Augenhöhe. Ich würde mich sehr freuen, wenn dies in Minden in Angriff genommen wird.

Auch ich liebe diese Kirche, darum habe ich mich zu Wort gemeldet.

Martina Kirschbaum, Minden

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Es ist Zeit für eine DiskussionUnter dem Motto Maria 2.0 fordern Katholikinnen in Deutschland Reformen für mehr Gleichberechtigung in der Kirche. MT-Redakteurin Monika Jäger eruierte die aktuelle Situation in der hiesigen Kirchengemeinde. Vielen Dank für den Bericht vom 3. September über die Problematik in der katholischen Kirche, heruntergebrochen auf die Katholiken in Minden. Ich bin gläubige Christin und aktives Mitglied der Domgemeinde. Die Aktion Maria 2.0 in Münster habe ich durch meine Unterschrift sofort unterstützt. Endlich kommt es auch in Minden in der Öffentlichkeit an. Kann „Maria 2.0“ wirklich nur als Provokation bezeichnet werden? Ist es nicht vielmehr ein inzwischen verzweifelter Versuch der (wenigen) Katholikinnen, die noch aus Überzeugung zur Kirche stehen, endlich gleichbehandelt zu werden? Ich denke, dass die katholische Kirche alle Gläubigen zu den Sakramenten und allen Diensten zulassen sollte, egal welchen Geschlechts. Diese Forderung sollte aus dem Kern der katholischen Kirche kommen. Wir werden in Minden das Gesamtsystem nicht ändern. Da können wir nur beten, dass der Papst entsprechende Schritte einleitet. Gleichzeitig wäre spätestens nach Fronleichnam ein Zugehen auf die Gemeindeglieder durch die zuständigen Priester hilfreich gewesen. Wird es nicht Zeit, die Diskussion über die vielen Missstände zu führen? Zum Thema Ökumene möchte ich gerne nachfragen, ob hier wirklich von Fortschritt gesprochen werden kann? Ich höre von evangelischen und katholischen Freunden eher von Rückschritten. Der Dom ist voll? Laut einer mir vorliegenden Statistik und simpler „Inaugenscheinnahme“ ist ein starker Rückgang der Gottesdienstbesucher zu verzeichnen. Weiterhin ist mir völlig unverständlich, was nach dem Dienstende von Propst Jakobi in der Domgemeinde in richtige Bahnen gelenkt werden musste. Ich habe meine Zweifel, ob eine kritische Äußerung zu einer strittigen Erklärung des Papstes ein Zelebrationsverbot in Minden rechtfertigt. Mit Propst Jakobi wurden immer äußerst würdevolle Gottesdienste gefeiert. Die sonntäglichen Messen und besonders seine tiefgründigen Predigten haben mich wirklich berührt. Das Wort Gottes wurde in einer überzeugenden Art vermittelt. Das ist meines Erachtens Aufgabe aller Kleriker! Wenn mich Freunde und Bekannte fragen, wie es sein kann, dass ich immer noch zu Sonntagsgottesdiensten gehe, antworte ich meist, dass ich keinem Menschen die Macht gebe, mich vom Glauben abzubringen. Einfach ist diese Haltung nicht mehr. Kirche und Glaube sind miteinander verbunden, das ist meine feste Überzeugung. Alle Christen, egal ob geweiht oder „nur“ getauft, sind in der Verantwortung das Miteinander zu pflegen. Das gelingt mit respektvoller Kommunikation auf Augenhöhe. Ich würde mich sehr freuen, wenn dies in Minden in Angriff genommen wird. Auch ich liebe diese Kirche, darum habe ich mich zu Wort gemeldet. Martina Kirschbaum, Minden