Ehrgeizige Agenda

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Mitte August tagte die Versammlung "Religions for Peace" in Lindau. Weitestgehend unbemerkt von der Presse, wie ein Leser bedauert.

Die 10. Weltversammlung von Religions for Peace (RfP) in Lindau am Bodensee vom 20. bis 23. August ist unbemerkt, oder fast unbemerkt in Fernsehen und Medien, verlaufen. Es ging um die ganz großen Fragen des 21. Jahrhunderts: wie lässt sich Krieg verhindern, wie ist die Armut zu bekämpfen, was können wir tun, um Extremisten zu zügeln, die Rolle der Frauen zu stärken - und schließlich unseren Planeten zu retten? Es ist eine ehrgeizige Agenda, die die größte interreligiöse Nichtregierungsorganisation der Welt ist.

Die RfP wurde 1961 als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die atomare Bedrohung im Kalten Krieg gegründet. Nicht minder beeindruckend war die Gästeliste: 900 religiöse Autoritäten aus über hundert Länder standen auf ihr, zudem hundert Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen und zivilgesellschaftlicher Gruppen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die "RfP" eröffnet. Er warb dabei für die Einbindung von Religionsführern bei der Bewältigung von weltweiten Konflikten: "Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten", sagte Steinmeier. Allerdings erlebe man an vielen Stellen der Welt, wie religiöse Gefühle und Überzeugungen in Gewalt gegen Andersgläubige oder sogenannte Ungläubige umschlagen.

"Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion." Der Ratsvorsitzende der EKD Heinrich Bedford-Strohm nannte die RfP «ein Zeichen der Hoffnung in einer aufgewühlten Welt». An dem interreligiösen Treffen namen Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden und andere Religionsvertreter teil. Sie hatten auf dem Treffen die Möglichkeit öffentlich oder in geschützten Räumen miteinander zu reden. Die RfP brachte Menschen zusammen, die einander sonst kaum begegnet wären: die Repräsentanten aus Israel, dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Staaten also, die sich offiziell feindlich gegenüberstehen, das ist eine der Besonderheiten dieser Versammlung: Sie schaffen Räume, um auch mal eine paar Worte zu wechseln, selbst wenn man offiziell nicht miteinander spricht. Der RfP ist es gelungen eine interreligiöses Zusammenleben zu bilden, von dem wir lernen können und der von Lindau aus ein Zeichen für eine friedliche und gerechte Welt setzt.

Gerhard Braun, Porta Westfalica

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Ehrgeizige AgendaMitte August tagte die Versammlung "Religions for Peace" in Lindau. Weitestgehend unbemerkt von der Presse, wie ein Leser bedauert. Die 10. Weltversammlung von Religions for Peace (RfP) in Lindau am Bodensee vom 20. bis 23. August ist unbemerkt, oder fast unbemerkt in Fernsehen und Medien, verlaufen. Es ging um die ganz großen Fragen des 21. Jahrhunderts: wie lässt sich Krieg verhindern, wie ist die Armut zu bekämpfen, was können wir tun, um Extremisten zu zügeln, die Rolle der Frauen zu stärken - und schließlich unseren Planeten zu retten? Es ist eine ehrgeizige Agenda, die die größte interreligiöse Nichtregierungsorganisation der Welt ist. Die RfP wurde 1961 als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die atomare Bedrohung im Kalten Krieg gegründet. Nicht minder beeindruckend war die Gästeliste: 900 religiöse Autoritäten aus über hundert Länder standen auf ihr, zudem hundert Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen und zivilgesellschaftlicher Gruppen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die "RfP" eröffnet. Er warb dabei für die Einbindung von Religionsführern bei der Bewältigung von weltweiten Konflikten: "Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten", sagte Steinmeier. Allerdings erlebe man an vielen Stellen der Welt, wie religiöse Gefühle und Überzeugungen in Gewalt gegen Andersgläubige oder sogenannte Ungläubige umschlagen. "Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion." Der Ratsvorsitzende der EKD Heinrich Bedford-Strohm nannte die RfP «ein Zeichen der Hoffnung in einer aufgewühlten Welt». An dem interreligiösen Treffen namen Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden und andere Religionsvertreter teil. Sie hatten auf dem Treffen die Möglichkeit öffentlich oder in geschützten Räumen miteinander zu reden. Die RfP brachte Menschen zusammen, die einander sonst kaum begegnet wären: die Repräsentanten aus Israel, dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Staaten also, die sich offiziell feindlich gegenüberstehen, das ist eine der Besonderheiten dieser Versammlung: Sie schaffen Räume, um auch mal eine paar Worte zu wechseln, selbst wenn man offiziell nicht miteinander spricht. Der RfP ist es gelungen eine interreligiöses Zusammenleben zu bilden, von dem wir lernen können und der von Lindau aus ein Zeichen für eine friedliche und gerechte Welt setzt. Gerhard Braun, Porta Westfalica