Altersarmut wird drastisch zunehmen

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Millionen Arbeitnehmer verdienen laut Bundesregierung zu wenig, um später auf eine ausreichende Rente hoffen zu können. Das MT berichtete.

Ausgerechnet Mütter, die die künftigen Beitragszahler zur Finanzierung der Renten aller Alten großziehen, landen im Schnitt bei nur 643 Euro eigener Rente plus 87 Euro pro Kind, die aber mit der Grundsicherung verrechnet werden. Und dann immer: „Ja die haben ja meist noch Zusatzeinkünfte …!“

Unser Rentensystem krankt an fundamentalen Konstruktionsfehlern. Vorgesehen war im Generationenvertrag 1957, dem „Schreiberplan“ (googlen), die Kosten des Kinderaufziehens wie die Altersversorgung über Beiträge auf alle Einkommensbezieher umzulegen. Dazu war neben der Rentenkasse eine Kinderkasse für eine Kinderrente eingebaut. Adenauer strich diese: „Kinder kriegen die Leute doch immer!“ Die fatalen Folgen, vor denen Schreiber eindringlich gewarnt hatte, sehen wir seit Jahrzehnten. Verzicht auf Nachwuchs ist halt sehr, sehr lohnend, beruflich wie finanziell.

Seit 1970 stets rund 1/3 Geburten zu wenig und alle Regierungen machten immer so weiter! 2030 wird es rund 7,2 Millionen mehr Rentner und 8,4 Millionen weniger Beitragszahler geben, abgezählt aus Geburtenzahlen seit dem Krieg, also keine Prognose, man google „Prof. Sinn in Soireé“.

Weiter, etwa ein Drittel des Volkseinkommens bleibt beitragsfrei: Beamte, Unternehmer, Aktionäre, …. Ein Konzernchef etwa, dessen Millionen-Bezüge zehn- oder gar hunderttausende Mitarbeiter erwirtschaften, muss sich nicht an der Rente der Eltern beteiligen, die diese Mitarbeiter großzogen. Einführung des Schweizer Modells zum Beispiel würde die Einnahmen der GRV um etwa 50 Prozent erhöhen.

Dazu in allen Diskussionen immer gleich, man müsse die sonstigen Einkommen dieser ´angeblich` so armen Rentner einbeziehen. Sind die bei einer sachlichen Bewertung des Systems maßgeblich? Zudem, die Zins-und Euro-Politik der EZB bewirkt längst, dass heutiges Sparen für´s Alter sogar das Eingezahlte reduziert.

Dazu die EU-Freizügigkeit, die viele Osteuropäer hier wie zum Arbeiten für Dumpinglöhne treibt, individuell nachvollziehbar, aber das Lohnniveau der unteren 30 bis 40 Prozent hiesiger Beschäftigter massiv senkend, teils HartzIV ´boomen` lassend: Konsequenz: Löhne, die keine Grundrente ergeben.

Eine nie gestellte Frage ist übrigens, wie die Jungen reagieren werden. Im Politikunterricht (Berufskolleg), Unterrichtsreihe über Familienpolitik, demografische Auswirkungen und so weiter, hörte ich Kommentare, die im Elternhaus Kritisiertes erkennen ließen. Zum Beispiel zu Professor Sinns Zahlen, nach denen die Jungen nach 2030 mit Gesamt-Sozialbeiträgen (AN- + AG-Anteile) von über 70 Prozent statt heute 38 Prozent werden rechnen müssen, wollte man unser Sozialsystem auf heutigem Stand halten, demografischer ´Klippensprung` etwa um 2025. Das wirkt besonders deutlich in kompletten Abiturientenklassen, die die Ausbildung statt Praktikum für´s nachfolgende Studium machen, künftig gut Qualifizierte sein werden.

Was politisch kaum erwähnt wird, rund 250.000 Fachkräfte verlassen Deutschland heute schon jährlich, über 40 Prozent für immer, die anderen zeitweise. Ausgleichender Fachkräftezuzug? Minimal! Ist doch nachvollziehbar, wenn viele das ´Gehen` ins Auge fassen, was ja auch die Unterstützung der eigenen Eltern bei Rentenpleite erleichtert. Oder?

Sollten die Medien, besonders die Öffentlich-Rechtlichen, da nicht statt Abwiegelns eine harte Faktendiskussion anstoßen, um die Politik zu wirklichen Reformen zu drängen?

Heinrich Oldenburg, Minden

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Altersarmut wird drastisch zunehmenMillionen Arbeitnehmer verdienen laut Bundesregierung zu wenig, um später auf eine ausreichende Rente hoffen zu können. Das MT berichtete. Ausgerechnet Mütter, die die künftigen Beitragszahler zur Finanzierung der Renten aller Alten großziehen, landen im Schnitt bei nur 643 Euro eigener Rente plus 87 Euro pro Kind, die aber mit der Grundsicherung verrechnet werden. Und dann immer: „Ja die haben ja meist noch Zusatzeinkünfte …!“ Unser Rentensystem krankt an fundamentalen Konstruktionsfehlern. Vorgesehen war im Generationenvertrag 1957, dem „Schreiberplan“ (googlen), die Kosten des Kinderaufziehens wie die Altersversorgung über Beiträge auf alle Einkommensbezieher umzulegen. Dazu war neben der Rentenkasse eine Kinderkasse für eine Kinderrente eingebaut. Adenauer strich diese: „Kinder kriegen die Leute doch immer!“ Die fatalen Folgen, vor denen Schreiber eindringlich gewarnt hatte, sehen wir seit Jahrzehnten. Verzicht auf Nachwuchs ist halt sehr, sehr lohnend, beruflich wie finanziell. Seit 1970 stets rund 1/3 Geburten zu wenig und alle Regierungen machten immer so weiter! 2030 wird es rund 7,2 Millionen mehr Rentner und 8,4 Millionen weniger Beitragszahler geben, abgezählt aus Geburtenzahlen seit dem Krieg, also keine Prognose, man google „Prof. Sinn in Soireé“. Weiter, etwa ein Drittel des Volkseinkommens bleibt beitragsfrei: Beamte, Unternehmer, Aktionäre, …. Ein Konzernchef etwa, dessen Millionen-Bezüge zehn- oder gar hunderttausende Mitarbeiter erwirtschaften, muss sich nicht an der Rente der Eltern beteiligen, die diese Mitarbeiter großzogen. Einführung des Schweizer Modells zum Beispiel würde die Einnahmen der GRV um etwa 50 Prozent erhöhen. Dazu in allen Diskussionen immer gleich, man müsse die sonstigen Einkommen dieser ´angeblich` so armen Rentner einbeziehen. Sind die bei einer sachlichen Bewertung des Systems maßgeblich? Zudem, die Zins-und Euro-Politik der EZB bewirkt längst, dass heutiges Sparen für´s Alter sogar das Eingezahlte reduziert. Dazu die EU-Freizügigkeit, die viele Osteuropäer hier wie zum Arbeiten für Dumpinglöhne treibt, individuell nachvollziehbar, aber das Lohnniveau der unteren 30 bis 40 Prozent hiesiger Beschäftigter massiv senkend, teils HartzIV ´boomen` lassend: Konsequenz: Löhne, die keine Grundrente ergeben. Eine nie gestellte Frage ist übrigens, wie die Jungen reagieren werden. Im Politikunterricht (Berufskolleg), Unterrichtsreihe über Familienpolitik, demografische Auswirkungen und so weiter, hörte ich Kommentare, die im Elternhaus Kritisiertes erkennen ließen. Zum Beispiel zu Professor Sinns Zahlen, nach denen die Jungen nach 2030 mit Gesamt-Sozialbeiträgen (AN- + AG-Anteile) von über 70 Prozent statt heute 38 Prozent werden rechnen müssen, wollte man unser Sozialsystem auf heutigem Stand halten, demografischer ´Klippensprung` etwa um 2025. Das wirkt besonders deutlich in kompletten Abiturientenklassen, die die Ausbildung statt Praktikum für´s nachfolgende Studium machen, künftig gut Qualifizierte sein werden. Was politisch kaum erwähnt wird, rund 250.000 Fachkräfte verlassen Deutschland heute schon jährlich, über 40 Prozent für immer, die anderen zeitweise. Ausgleichender Fachkräftezuzug? Minimal! Ist doch nachvollziehbar, wenn viele das ´Gehen` ins Auge fassen, was ja auch die Unterstützung der eigenen Eltern bei Rentenpleite erleichtert. Oder? Sollten die Medien, besonders die Öffentlich-Rechtlichen, da nicht statt Abwiegelns eine harte Faktendiskussion anstoßen, um die Politik zu wirklichen Reformen zu drängen? Heinrich Oldenburg, Minden