Es gibt Alternativen

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Bald startet die Schule für viele Kinder das erste Mal. Das MT lieferte einen Überblick über Traditionen und Kosten, um den besonderen Tag zu feiern.

Viele Jahre arbeitete ich als Schulleiterin an einer Schule im sozialen Brennpunkt. Einiges könnte man zu Ihrem Artikel ergänzen.

Eltern mit niedrigem Einkommen erhalten wie berichtet vom Bildungs- und Teilhabepaket Gelder für Schulmaterialien, zudem Nachhilfe und Klassenfahrten und Ausflüge finanziert. Letztere beide komplett bezahlt, nicht nur als Zuschuss. Familien, die weder Wohngeld noch Sozialleistungen erhalten aber wenig verdienen, sind davon ausgeschlossen. Sie tragen für alles die vollen Kosten, und das ist manchmal sehr viel. Besonders unterstützend waren da für mich stets die Bildungspartner, die bei Bedarf und Anfrage einsprangen.

Aber es gab auch noch andere Wege. Ein kurzer Elternbrief in den dritten und vierten Klassen mit der Bitte um Unterstützung, sorgte dafür dass wir stets gute gebrauchte Schultaschen und Turnbeutel erhielten und weitergeben konnten. Keiner musste sich deshalb verschulden. Auch Sportbekleidung erhielten wir so und hatten stets einen Schrank voll gut gewaschen und sortiert vorrätig.

Die Kinder trugen Hausschuhe. Aber jedes Mal sagten wir den Eltern zum Schuljahresbeginn, sie sollen den Kindern die gebrauchten Sandalen des Sommers säubern und mitgeben. Meist sind die passend und das reicht auch eine Zeitlang.

Viele Kinder basteln in den Kitas Schultüten. Einige Kinder aus fremden Ländern kennen keine Schultüten. Auch wenn man es im ersten Elternbrief vor Schulbeginn mitteilt, gibt es gelegentlich Kinder die ohne Schultüte kommen. Dafür besaßen wir stets drei gefüllte Schultüten in Reserve. Kein Kind sollte das Gefühl haben durch finanzielle Benachteiligung abseits zu stehen.

Letztlich was die täglichen Arbeitsmaterialien anbelangt: Wenn Kinder etwas nicht hatten, wie Farbkasten, Buntstifte… so hatten wir immer einen Fundus in den Klassenräumen, so dass wir aushelfen konnten. Die Aussage: Man macht es damit den Eltern zu bequem. Die glauben sich um nichts kümmern zu müssen. Hier gilt meines Erachtens das wichtigere Argument. Kein Kind soll sich, warum auch immer, im finanzielle und materiellen Bereichen benachteiligt fühlt.

Manche Dinge sind sehr einfach. Man muss sie nur wollen.

Doris Pütz, Minden

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Es gibt AlternativenBald startet die Schule für viele Kinder das erste Mal. Das MT lieferte einen Überblick über Traditionen und Kosten, um den besonderen Tag zu feiern. Viele Jahre arbeitete ich als Schulleiterin an einer Schule im sozialen Brennpunkt. Einiges könnte man zu Ihrem Artikel ergänzen. Eltern mit niedrigem Einkommen erhalten wie berichtet vom Bildungs- und Teilhabepaket Gelder für Schulmaterialien, zudem Nachhilfe und Klassenfahrten und Ausflüge finanziert. Letztere beide komplett bezahlt, nicht nur als Zuschuss. Familien, die weder Wohngeld noch Sozialleistungen erhalten aber wenig verdienen, sind davon ausgeschlossen. Sie tragen für alles die vollen Kosten, und das ist manchmal sehr viel. Besonders unterstützend waren da für mich stets die Bildungspartner, die bei Bedarf und Anfrage einsprangen. Aber es gab auch noch andere Wege. Ein kurzer Elternbrief in den dritten und vierten Klassen mit der Bitte um Unterstützung, sorgte dafür dass wir stets gute gebrauchte Schultaschen und Turnbeutel erhielten und weitergeben konnten. Keiner musste sich deshalb verschulden. Auch Sportbekleidung erhielten wir so und hatten stets einen Schrank voll gut gewaschen und sortiert vorrätig. Die Kinder trugen Hausschuhe. Aber jedes Mal sagten wir den Eltern zum Schuljahresbeginn, sie sollen den Kindern die gebrauchten Sandalen des Sommers säubern und mitgeben. Meist sind die passend und das reicht auch eine Zeitlang. Viele Kinder basteln in den Kitas Schultüten. Einige Kinder aus fremden Ländern kennen keine Schultüten. Auch wenn man es im ersten Elternbrief vor Schulbeginn mitteilt, gibt es gelegentlich Kinder die ohne Schultüte kommen. Dafür besaßen wir stets drei gefüllte Schultüten in Reserve. Kein Kind sollte das Gefühl haben durch finanzielle Benachteiligung abseits zu stehen. Letztlich was die täglichen Arbeitsmaterialien anbelangt: Wenn Kinder etwas nicht hatten, wie Farbkasten, Buntstifte… so hatten wir immer einen Fundus in den Klassenräumen, so dass wir aushelfen konnten. Die Aussage: Man macht es damit den Eltern zu bequem. Die glauben sich um nichts kümmern zu müssen. Hier gilt meines Erachtens das wichtigere Argument. Kein Kind soll sich, warum auch immer, im finanzielle und materiellen Bereichen benachteiligt fühlt. Manche Dinge sind sehr einfach. Man muss sie nur wollen. Doris Pütz, Minden