Ich werde Aktivist

veröffentlicht

Betreff: Aktivisten

Seit geraumer Zeit hat ein Begriff in allen Medien Einzug gehalten. Ich meine die sogenannten Aktivisten. In der ganzen Welt tummeln sie sich inzwischen. Sie sind für Vieles und gegen fast Alles. Es gibt sie laut, leise, friedvoll, energisch und auch angriffslustig. Alles, was gesetzlich erlaubt ist, ist in unserer Demokratie vollkommen in Ordnung. Einige dieser Aktivitäten haben auch meine Zustimmung. Doch es gibt auch diese Gewaltbereiten. Unser Strafgesetz, für jeden Bundesbürger eine Richtlinie bei Übertretungen, ist für diese "Aktivisten" nicht relevant.

Oft auch personell, immer aber ideologisch unterstützt von Mitgliedern bestimmter Parteien, meinen diese Aktivisten, immer zum Wohle der Allgemeinheit aktiv zu sein. Straftaten wie leichte bis schwere Körperverletzung bis hin zum Mordversuch, Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Brandstiftung und vieles mehr sind bei den Herrschaften an der Tagesordung. Strafverfolgung: unterschiedlich je nach parteipolitischer Führung des jeweiligen Bundeslandes. Aber letztendlich passiert diesen Menschen - nichts. Sie werden für Ihre Taten in diesem unserem Lande nicht zur Rechenschaft gezogen.

Also hab ich mich entschlossen, selbst "Aktivist" zu werden. Schwarze Vermummung ist Pflicht. Schwarze Hose vom alten Beerdigungsanzug, alten Rollkragenpullover. Zipfelmütze, Öffnungen für Augen, Nase, Mund. Im Spiegel sehe ich ziemlich lächerlich aus, aber ich geh nicht zur Modenschau. Aktivität ist angesagt. Das Stören von Kohlekraftwerken ist zur Zeit das Hochziel eines echten Aktivisten. Und wir haben eins in der Nachbarschaft. Wie also vorgehen? Den Zug aufhalten, der die Steinkohle liefert, indem man sich an die Gleise kettet, ist ein probates Mittel eines Aktivisten. doch nach einem ausgiebigen Selbstgespräch bekam ich Zweifel an der Durchführung. Ich hier, angekettet, nicht sehr groß und allein! Dort der Lokführer, der mich übersieht! Was kann da passieren! Vor allem mir! Zu gefährlich.

Besetzung leer stehender Gebäude ist das totale Highlight in Aktivisten-Kreisen. Da fällt mir doch gleich unsere Obermarkt-Passage ein. Und gleich mit hunderten von ungenutzten Parkplätzen. Der ideale Ort, um eine Aktivisten-Zentrale einzurichten. Vielleicht für überregionale Aktivitäten. Keiner würde uns stören. Weil, der Bau interessiert keinen (mehr). Viele Besucher Mindens, die noch wegen der beeindruckenden Fassade eintreten wollen und sich eine blutige Nase holen, fahren gleich weiter nach Hameln. Und wenn man denen erzählen würde, dass sich unter dem ZOB eine leer stehende Tiefgarage befindet, (v)erbaut durch Steuergelder in Millionenhöhe!?

Also wie gesagt, diesem Gebäude wird demnächst wieder Leben eingehaucht. Die Herrschaften aus der Stadtverwaltung werden das gar nicht bemerken. Als Aktivist werde ich eine neue Variante prüfen: Zechprellerei! Die Kotelett-Schmiede wäre der richtige Angriffspunkt. Um ein Produkt aus der artgerechten Schweinehaltung zu prüfen, muss man es probieren. Also, liebe Mitarbeiter dort: Wenn eine schwarz vermummte Gestalt ein Holsteiner Schnitzel mit zwei Spiegeleiern (immer lecker) und ein Weizenbier verputzt hat und nicht bezahlen will: die Polizei ist machtlos. Weil, ich bin ja ein Aktivist!

Wolfgang Kirschbaum, Minden-Stemmer

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Ich werde AktivistBetreff: Aktivisten Seit geraumer Zeit hat ein Begriff in allen Medien Einzug gehalten. Ich meine die sogenannten Aktivisten. In der ganzen Welt tummeln sie sich inzwischen. Sie sind für Vieles und gegen fast Alles. Es gibt sie laut, leise, friedvoll, energisch und auch angriffslustig. Alles, was gesetzlich erlaubt ist, ist in unserer Demokratie vollkommen in Ordnung. Einige dieser Aktivitäten haben auch meine Zustimmung. Doch es gibt auch diese Gewaltbereiten. Unser Strafgesetz, für jeden Bundesbürger eine Richtlinie bei Übertretungen, ist für diese "Aktivisten" nicht relevant. Oft auch personell, immer aber ideologisch unterstützt von Mitgliedern bestimmter Parteien, meinen diese Aktivisten, immer zum Wohle der Allgemeinheit aktiv zu sein. Straftaten wie leichte bis schwere Körperverletzung bis hin zum Mordversuch, Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Brandstiftung und vieles mehr sind bei den Herrschaften an der Tagesordung. Strafverfolgung: unterschiedlich je nach parteipolitischer Führung des jeweiligen Bundeslandes. Aber letztendlich passiert diesen Menschen - nichts. Sie werden für Ihre Taten in diesem unserem Lande nicht zur Rechenschaft gezogen. Also hab ich mich entschlossen, selbst "Aktivist" zu werden. Schwarze Vermummung ist Pflicht. Schwarze Hose vom alten Beerdigungsanzug, alten Rollkragenpullover. Zipfelmütze, Öffnungen für Augen, Nase, Mund. Im Spiegel sehe ich ziemlich lächerlich aus, aber ich geh nicht zur Modenschau. Aktivität ist angesagt. Das Stören von Kohlekraftwerken ist zur Zeit das Hochziel eines echten Aktivisten. Und wir haben eins in der Nachbarschaft. Wie also vorgehen? Den Zug aufhalten, der die Steinkohle liefert, indem man sich an die Gleise kettet, ist ein probates Mittel eines Aktivisten. doch nach einem ausgiebigen Selbstgespräch bekam ich Zweifel an der Durchführung. Ich hier, angekettet, nicht sehr groß und allein! Dort der Lokführer, der mich übersieht! Was kann da passieren! Vor allem mir! Zu gefährlich. Besetzung leer stehender Gebäude ist das totale Highlight in Aktivisten-Kreisen. Da fällt mir doch gleich unsere Obermarkt-Passage ein. Und gleich mit hunderten von ungenutzten Parkplätzen. Der ideale Ort, um eine Aktivisten-Zentrale einzurichten. Vielleicht für überregionale Aktivitäten. Keiner würde uns stören. Weil, der Bau interessiert keinen (mehr). Viele Besucher Mindens, die noch wegen der beeindruckenden Fassade eintreten wollen und sich eine blutige Nase holen, fahren gleich weiter nach Hameln. Und wenn man denen erzählen würde, dass sich unter dem ZOB eine leer stehende Tiefgarage befindet, (v)erbaut durch Steuergelder in Millionenhöhe!? Also wie gesagt, diesem Gebäude wird demnächst wieder Leben eingehaucht. Die Herrschaften aus der Stadtverwaltung werden das gar nicht bemerken. Als Aktivist werde ich eine neue Variante prüfen: Zechprellerei! Die Kotelett-Schmiede wäre der richtige Angriffspunkt. Um ein Produkt aus der artgerechten Schweinehaltung zu prüfen, muss man es probieren. Also, liebe Mitarbeiter dort: Wenn eine schwarz vermummte Gestalt ein Holsteiner Schnitzel mit zwei Spiegeleiern (immer lecker) und ein Weizenbier verputzt hat und nicht bezahlen will: die Polizei ist machtlos. Weil, ich bin ja ein Aktivist! Wolfgang Kirschbaum, Minden-Stemmer