Klimapolitisches Feigenblatt

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Betr.: Klimakrise und Freihandel

Die Klimakrise könnte gelöst werden, wenn auf einer Fläche der USA neue Bäume gepflanzt würden; so unlängst die Berechnung von Forschern der Technischen Hochschule Zürich. Es zeigt die große positive Wirkung der Wälder auf unser Klima. Folgerichtig unterstützt und fördert die Bundesregierung, hier das Entwicklungshilfeministerium, den Erhalt des Regenwaldes, in Brasilien zum Beispiel mit 55 Millionen Euro. Allerdings hält der jetzige Präsident Brasiliens gar nichts vom Klimaschutz, und so wurden allein im vergangenen Monat 920 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald abgeholzt, eine Steigerung um fast 90 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das entspricht der Größe Berlins. Grund für die Abholzungen ist die Ausweitung der Anbauflächen für Sojabohnen. Brasilien ist der zweitgrößte Produzent der Welt, pflanzt weitgehend genmanipulierte Sorten an und verwendet im übermäßigen Maße Pestizide, die zum Teil in Europa nicht zugelassen sind. Die 2017 von der EU importierten Sojabohnen wurden auf einer Fläche angebaut, die der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands entspricht. Es wird auch in Deutschland überwiegend als Viehfutter verwendet. So fördert die Bundesregierung nicht nur den Erhalt, sondern durch unregulierten Handel auch das Abholzen des Regenwaldes.

Durch das gerade abgeschlossene Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) sollen die Zölle abgebaut werden. Darüber freut sich sicherlich die exportierende Industrie, insbesondere die Auto- und chemische Industrie, Aber auf der anderen Seite wird hierdurch der Import der Sojabohnen aus Brasilien angefeuert und damit der Amazonas-Wald beschleunigt abgeholzt. Dieses Freihandelsabkommen mit Scheuklappen verstärkt noch einmal die Klimakrise. Somit dienen die Aktivitäten des Entwicklungsministeriums allein als klimapolitisches Feigenblatt der Bundesregierung, sie sollen die beschriebenen kontraproduktiven Handlungen vertuschen. Und auch die zollfrei nach Brasilien verkauften Pestizide kommen im Rahmen des Handelsabkommens ohne Kontrolle mit den Sojaprodukten wieder nach Deutschland zollfrei zurück. Der restriktionslose Handel ist eben eine besondere eigene Welt mit speziellen Wertvorstellungen, die den Gesamtblick völlig außer Acht lässt.

Klaus Albert Bolten, Porta Westfalica

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Klimapolitisches FeigenblattBetr.: Klimakrise und Freihandel Die Klimakrise könnte gelöst werden, wenn auf einer Fläche der USA neue Bäume gepflanzt würden; so unlängst die Berechnung von Forschern der Technischen Hochschule Zürich. Es zeigt die große positive Wirkung der Wälder auf unser Klima. Folgerichtig unterstützt und fördert die Bundesregierung, hier das Entwicklungshilfeministerium, den Erhalt des Regenwaldes, in Brasilien zum Beispiel mit 55 Millionen Euro. Allerdings hält der jetzige Präsident Brasiliens gar nichts vom Klimaschutz, und so wurden allein im vergangenen Monat 920 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald abgeholzt, eine Steigerung um fast 90 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das entspricht der Größe Berlins. Grund für die Abholzungen ist die Ausweitung der Anbauflächen für Sojabohnen. Brasilien ist der zweitgrößte Produzent der Welt, pflanzt weitgehend genmanipulierte Sorten an und verwendet im übermäßigen Maße Pestizide, die zum Teil in Europa nicht zugelassen sind. Die 2017 von der EU importierten Sojabohnen wurden auf einer Fläche angebaut, die der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands entspricht. Es wird auch in Deutschland überwiegend als Viehfutter verwendet. So fördert die Bundesregierung nicht nur den Erhalt, sondern durch unregulierten Handel auch das Abholzen des Regenwaldes. Durch das gerade abgeschlossene Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) sollen die Zölle abgebaut werden. Darüber freut sich sicherlich die exportierende Industrie, insbesondere die Auto- und chemische Industrie, Aber auf der anderen Seite wird hierdurch der Import der Sojabohnen aus Brasilien angefeuert und damit der Amazonas-Wald beschleunigt abgeholzt. Dieses Freihandelsabkommen mit Scheuklappen verstärkt noch einmal die Klimakrise. Somit dienen die Aktivitäten des Entwicklungsministeriums allein als klimapolitisches Feigenblatt der Bundesregierung, sie sollen die beschriebenen kontraproduktiven Handlungen vertuschen. Und auch die zollfrei nach Brasilien verkauften Pestizide kommen im Rahmen des Handelsabkommens ohne Kontrolle mit den Sojaprodukten wieder nach Deutschland zollfrei zurück. Der restriktionslose Handel ist eben eine besondere eigene Welt mit speziellen Wertvorstellungen, die den Gesamtblick völlig außer Acht lässt. Klaus Albert Bolten, Porta Westfalica