Realismus walten lassen

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Betr.: Knackpunkt Supermarkt, MT vom 15. Mai

Bei einem Besuch in Salzburg fiel mir auf, dass sich im Geburtshaus von Mozart ein „SPAR“ Lebensmittelmarkt befindet. Das erinnerte mich an die kürzliche Diskussion „Lidl am Kaiserhof“. Ich fragte mich spontan, wenn das Geburtshaus des wahrscheinlich größten Genies der Musikgeschichte mit den Mieteinkünften eines Lebensmittelmarktes erhalten wird, warum sollen wir es nicht mit „unserem Kaiserhof“ genauso machen?

Die Argumente einiger Besucher, die kürzlich auf Einladung der Investoren kamen, fand ich unrealistisch. Sicher wäre es schön, ein Ayurveda Center oder ein gutes Restaurant mit Hotelbetrieb im Kaiserhof zu haben. Aus welchem Grund hat aber das Schloss Petershagen kürzlich den Betrieb eingestellt? Ich kannte die Inhaber Familie Hestermann persönlich. Sie haben viel „Herzblut“ in Ihr Objekt investiert und mussten trotzdem aufgeben, denn sie lebten vom Hotel- und Gaststättenbetrieb. So ist es auch mit dem Kaiserhof. Als Hotel mit gutem Restaurant ist er heute nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Geld verdienen kann man nur noch mit Übernachtung plus Frühstück als „Hotel Garni“, oder mit vorgefertigten Gerichten wie Pizza, Hamburger, Bratwurst oder anderen Gerichten aus der Tiefkühltruhe. Eine Ausnahme bilden Familienbetriebe, wo die ganze Familie mitarbeitet. Die werden aber häufig mit dem Generationswechsel aufgeben, weil die Kinder nicht mehr die vielen Stunden arbeiten wollen wie die Eltern und ihr Geld leichter verdienen möchten.

Es gibt nach meiner Ansicht für den Kaiserhof nur zwei Möglichkeiten. Entweder man findet einen vermögenden Portaner Bürger oder Unternehmer der bereit ist, das Projekt ohne Renditeaussicht im Interesse unserer schönen Heimat zu übernehmen, wieder herzustellen und den Betrieb längerfristig zu subventionieren. Sollte niemand dazu bereit sein sich in dieser Weise selbstlos finanziell zu engagieren bleibt nur die vorgeschlagene Lösung mit einem „Ankermieter“ wie zum Beispiel Lidl. Dabei sollte allerdings die Stadt auf die Gestaltung der Fassade und das sichtbare Dach Einfluss nehmen, damit der Kontrast zum Stil des Kaiserhofes nicht zu groß wird. Wenn ich es richtig verstanden habe, bieten die Investoren ihr Entgegenkommen in dieser Frage an.

Der Laubengang ist morsch und brüchig und an eine wirtschaftliche Nutzung ist nicht zu denken, sofern man nicht den selbstlosen Spender findet. Ich glaube, den Bürgern unserer Schönen Stadt ist die Nutzung und Wiederherstellung des Kaiserhof Gebäudes viel wichtiger als der Erhalt des unscheinbaren Laubenganges.

So bleibt wahrscheinlich nur die Alternative, sich mit einem „Lidl“ am Kaiserhof zu arrangieren oder viele weitere Jahre mit einer Bauruine mitten in der Porta Westfalica zu leben.

Friedhelm Rose, Porta Westfalica

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Realismus walten lassenBetr.: Knackpunkt Supermarkt, MT vom 15. Mai Bei einem Besuch in Salzburg fiel mir auf, dass sich im Geburtshaus von Mozart ein „SPAR“ Lebensmittelmarkt befindet. Das erinnerte mich an die kürzliche Diskussion „Lidl am Kaiserhof“. Ich fragte mich spontan, wenn das Geburtshaus des wahrscheinlich größten Genies der Musikgeschichte mit den Mieteinkünften eines Lebensmittelmarktes erhalten wird, warum sollen wir es nicht mit „unserem Kaiserhof“ genauso machen? Die Argumente einiger Besucher, die kürzlich auf Einladung der Investoren kamen, fand ich unrealistisch. Sicher wäre es schön, ein Ayurveda Center oder ein gutes Restaurant mit Hotelbetrieb im Kaiserhof zu haben. Aus welchem Grund hat aber das Schloss Petershagen kürzlich den Betrieb eingestellt? Ich kannte die Inhaber Familie Hestermann persönlich. Sie haben viel „Herzblut“ in Ihr Objekt investiert und mussten trotzdem aufgeben, denn sie lebten vom Hotel- und Gaststättenbetrieb. So ist es auch mit dem Kaiserhof. Als Hotel mit gutem Restaurant ist er heute nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Geld verdienen kann man nur noch mit Übernachtung plus Frühstück als „Hotel Garni“, oder mit vorgefertigten Gerichten wie Pizza, Hamburger, Bratwurst oder anderen Gerichten aus der Tiefkühltruhe. Eine Ausnahme bilden Familienbetriebe, wo die ganze Familie mitarbeitet. Die werden aber häufig mit dem Generationswechsel aufgeben, weil die Kinder nicht mehr die vielen Stunden arbeiten wollen wie die Eltern und ihr Geld leichter verdienen möchten. Es gibt nach meiner Ansicht für den Kaiserhof nur zwei Möglichkeiten. Entweder man findet einen vermögenden Portaner Bürger oder Unternehmer der bereit ist, das Projekt ohne Renditeaussicht im Interesse unserer schönen Heimat zu übernehmen, wieder herzustellen und den Betrieb längerfristig zu subventionieren. Sollte niemand dazu bereit sein sich in dieser Weise selbstlos finanziell zu engagieren bleibt nur die vorgeschlagene Lösung mit einem „Ankermieter“ wie zum Beispiel Lidl. Dabei sollte allerdings die Stadt auf die Gestaltung der Fassade und das sichtbare Dach Einfluss nehmen, damit der Kontrast zum Stil des Kaiserhofes nicht zu groß wird. Wenn ich es richtig verstanden habe, bieten die Investoren ihr Entgegenkommen in dieser Frage an. Der Laubengang ist morsch und brüchig und an eine wirtschaftliche Nutzung ist nicht zu denken, sofern man nicht den selbstlosen Spender findet. Ich glaube, den Bürgern unserer Schönen Stadt ist die Nutzung und Wiederherstellung des Kaiserhof Gebäudes viel wichtiger als der Erhalt des unscheinbaren Laubenganges. So bleibt wahrscheinlich nur die Alternative, sich mit einem „Lidl“ am Kaiserhof zu arrangieren oder viele weitere Jahre mit einer Bauruine mitten in der Porta Westfalica zu leben. Friedhelm Rose, Porta Westfalica