Harsche Schelte ist nicht gerecht

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Betr.: Standpunkt „Nicht weinen, bitte“, MT vom 29. Juni

Es ist zu begrüßen, wenn im Mindener Tageblatt engagierter Journalismus betrieben und akzentuiert Positionen vertreten werden. Die hier vom Neu-Mindener Chefredakteur formulierte harsche Schelte am Betreiber der Ameise Kulturhügel wird aber weder der Sache noch der Person gerecht.

Seit vielen Jahren gibt Mehdi Mazlumsaki jungen und anderen Menschen jenseits des Mainstreams in seiner Einrichtung Möglichkeiten, sich mit ihren künstlerischen Produktionen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wesentliche Zielgruppe sind dabei solche junge Menschen, die von anderen öffentlichen, kirchlichen und kommerziellen Angeboten kaum erreicht werden. Die Qualität der Darbietungen ist sicher durchwachsen, manchmal erstaunlich gut. Geld als Veranstalter lässt sich damit kaum verdienen. Insofern handelt es sich tatsächlich eher um eine Form von integrativer Jugendarbeit als um einen kommerzorientierten Gastronomiebetrieb.

Ein Vergleich mit Jazzclub und Portabühne, so sehr ich diese Angebote persönlich mag und nutze, ist unter anderem wegen des dort zahlungskräftigeren Publikums unpassend, vom wunderbaren Stadttheater ganz zu schweigen: Da möchte man lieber gar nicht wissen, was ein Ticket für die Nordwestdeutsche Philharmonie kosten würde, wenn Theater und Orchester nicht massiv bezuschusst würden.

Natürlich kann und muss man diskutieren und am Ende entscheiden, wie die knappen Gelder für kulturelle Förderung verteilt werden. Die Bemühungen, auch solchen Personengruppen kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, die ansonsten weniger im Rampenlicht bürgerlicher Aufmerksamkeit stehen, sollte aber gewürdigt und nicht verächtlich gemacht werden.

Hermann Beckebans, Minden

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Harsche Schelte ist nicht gerechtBetr.: Standpunkt „Nicht weinen, bitte“, MT vom 29. Juni Es ist zu begrüßen, wenn im Mindener Tageblatt engagierter Journalismus betrieben und akzentuiert Positionen vertreten werden. Die hier vom Neu-Mindener Chefredakteur formulierte harsche Schelte am Betreiber der Ameise Kulturhügel wird aber weder der Sache noch der Person gerecht. Seit vielen Jahren gibt Mehdi Mazlumsaki jungen und anderen Menschen jenseits des Mainstreams in seiner Einrichtung Möglichkeiten, sich mit ihren künstlerischen Produktionen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wesentliche Zielgruppe sind dabei solche junge Menschen, die von anderen öffentlichen, kirchlichen und kommerziellen Angeboten kaum erreicht werden. Die Qualität der Darbietungen ist sicher durchwachsen, manchmal erstaunlich gut. Geld als Veranstalter lässt sich damit kaum verdienen. Insofern handelt es sich tatsächlich eher um eine Form von integrativer Jugendarbeit als um einen kommerzorientierten Gastronomiebetrieb. Ein Vergleich mit Jazzclub und Portabühne, so sehr ich diese Angebote persönlich mag und nutze, ist unter anderem wegen des dort zahlungskräftigeren Publikums unpassend, vom wunderbaren Stadttheater ganz zu schweigen: Da möchte man lieber gar nicht wissen, was ein Ticket für die Nordwestdeutsche Philharmonie kosten würde, wenn Theater und Orchester nicht massiv bezuschusst würden. Natürlich kann und muss man diskutieren und am Ende entscheiden, wie die knappen Gelder für kulturelle Förderung verteilt werden. Die Bemühungen, auch solchen Personengruppen kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, die ansonsten weniger im Rampenlicht bürgerlicher Aufmerksamkeit stehen, sollte aber gewürdigt und nicht verächtlich gemacht werden. Hermann Beckebans, Minden