Quo vadis Evangelische Kirche?

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Betr. Evangelischer Kirchentag

Nun ist er zu Ende, der 37. Evangelische Kirchentag. Groß heraus stellt das MT diese Veranstaltung als „Politisches Fest des Glaubens“, dass der Kirchentag mit den medienwirksamen Schwerpunkten Migration, Klimawandel und der von einigen namhaften Kirchenführern kritisierten Ausgrenzung von demokratisch gewählten AfD-Vertretern zweifellos auch war. Die vom Präses der evangelischen Kirche Westfalens, Annette Kurschus, gebetsmühlenartig wiederholte Begründung, bei der AfD handele es sich um eine menschenverachtende Partei, zeigt wieder einmal mehr, dass man sich lieber hinter zeitgeistkonformen Beschuldigungen versteckt, als im offenen Dialog sich mit den Ansichten dieser Partei auseinanderzusetzen. Hier wurde erneut eine Chance vertan, und die sonst von Kirchenvertretern bei anderen umstrittenen Gelegenheiten eingeforderte Toleranz mit kaum überbietender Arroganz mit Füßen getreten. Nichts lese ich in dem veröffentlichen Artikel von der dringend auf dem Kirchentag notwendig gewesenen Kritik an dem Verhalten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands, Heinrich Bedford-Strohm, der sich - stets lächelnd – unaufgefordert für mehr Toleranz bei der Verwirklichung von Flüchtlingsproblemen im Namen Jesu Christi einsetzt, sich sogar jüngst mit Vertretern einer kriminellen Schlepper-Organisation ablichten und bei einem Moscheebesuch das Symbol der Christenheit, das Kreuz, verstecken ließ, anstatt es mannhaft demonstrativ dort zu zeigen, wo Christen als Ungläubige bezeichnet werden. Mich wundert es nicht, dass viele ob solcher Glaubensvertreter der evangelischen Kirche den Rücken kehren, die offenbar vergessen hat, was ihre Aufgabe ist: Die Verkündigung des christlichen Glaubens und nicht die christliche Instrumentalisierung der Politik. Sie ist Aufgabe von Politikern. Warnungen von ernst zu nehmenden Theologen, wie die von Udo Schnelle - der erst in Erlangen, später an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg lehrte - schlagen Bedford-Strohm und Annette Kurschus in den Wind. Schnelle: „Die Kirche verspielt ihre Zukunft, wenn sie sich als Moralagentur höherer Ordnung inszeniert und den Eindruck erweckt, als sei das Evangelium ein sozialpolitisches Programm“. Auch theologisch sei, so Schnelle, die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch, denn Jesus radikale Nächstenliebe beziehe sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse. Zu recht wird deshalb heute in Gottesdiensten von besorgten Pastören oft die Frage gestellt: “Wo sind sie geblieben, die echten Verkündiger unseres Glaubens“? Diese Frage hätte dem 37. Kirchentag zwar nicht die Zuhörerzahlen wie bei der jetzt initiierten politisch-instrumentalisierten Themenveranstaltung gebracht, wäre aber auch für diesen Kirchentag durchaus angemessen gewesen, verbunden mit zu diskutierenden Hinweisen, wie man Glauben als stützende Säule unserer Gesellschaft wieder ansprechender machen kann.

Günter Böker, Hille

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Quo vadis Evangelische Kirche?Betr. Evangelischer Kirchentag Nun ist er zu Ende, der 37. Evangelische Kirchentag. Groß heraus stellt das MT diese Veranstaltung als „Politisches Fest des Glaubens“, dass der Kirchentag mit den medienwirksamen Schwerpunkten Migration, Klimawandel und der von einigen namhaften Kirchenführern kritisierten Ausgrenzung von demokratisch gewählten AfD-Vertretern zweifellos auch war. Die vom Präses der evangelischen Kirche Westfalens, Annette Kurschus, gebetsmühlenartig wiederholte Begründung, bei der AfD handele es sich um eine menschenverachtende Partei, zeigt wieder einmal mehr, dass man sich lieber hinter zeitgeistkonformen Beschuldigungen versteckt, als im offenen Dialog sich mit den Ansichten dieser Partei auseinanderzusetzen. Hier wurde erneut eine Chance vertan, und die sonst von Kirchenvertretern bei anderen umstrittenen Gelegenheiten eingeforderte Toleranz mit kaum überbietender Arroganz mit Füßen getreten. Nichts lese ich in dem veröffentlichen Artikel von der dringend auf dem Kirchentag notwendig gewesenen Kritik an dem Verhalten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands, Heinrich Bedford-Strohm, der sich - stets lächelnd – unaufgefordert für mehr Toleranz bei der Verwirklichung von Flüchtlingsproblemen im Namen Jesu Christi einsetzt, sich sogar jüngst mit Vertretern einer kriminellen Schlepper-Organisation ablichten und bei einem Moscheebesuch das Symbol der Christenheit, das Kreuz, verstecken ließ, anstatt es mannhaft demonstrativ dort zu zeigen, wo Christen als Ungläubige bezeichnet werden. Mich wundert es nicht, dass viele ob solcher Glaubensvertreter der evangelischen Kirche den Rücken kehren, die offenbar vergessen hat, was ihre Aufgabe ist: Die Verkündigung des christlichen Glaubens und nicht die christliche Instrumentalisierung der Politik. Sie ist Aufgabe von Politikern. Warnungen von ernst zu nehmenden Theologen, wie die von Udo Schnelle - der erst in Erlangen, später an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg lehrte - schlagen Bedford-Strohm und Annette Kurschus in den Wind. Schnelle: „Die Kirche verspielt ihre Zukunft, wenn sie sich als Moralagentur höherer Ordnung inszeniert und den Eindruck erweckt, als sei das Evangelium ein sozialpolitisches Programm“. Auch theologisch sei, so Schnelle, die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch, denn Jesus radikale Nächstenliebe beziehe sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse. Zu recht wird deshalb heute in Gottesdiensten von besorgten Pastören oft die Frage gestellt: “Wo sind sie geblieben, die echten Verkündiger unseres Glaubens“? Diese Frage hätte dem 37. Kirchentag zwar nicht die Zuhörerzahlen wie bei der jetzt initiierten politisch-instrumentalisierten Themenveranstaltung gebracht, wäre aber auch für diesen Kirchentag durchaus angemessen gewesen, verbunden mit zu diskutierenden Hinweisen, wie man Glauben als stützende Säule unserer Gesellschaft wieder ansprechender machen kann. Günter Böker, Hille