Betrachtungen zur Situation am Persischen Golf

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Betr.: Zehn Minuten vor dem Krieg, MT vom 22. Juni

Nach dem Krieg wurde das Unterrichtsfach Staatsbürgerkunde eingeführt. Wir lernten, wie Demokratien aufgebaut sind, wie sie funktionieren und vor allem, dass sie sich nur selbst verteidigen und keine Angriffskriege führen. Von all dem waren wir sehr angetan. Leider ist festzustellen, dass Theorie und Realität weit auseinanderklaffen. Anstatt die gesteckten Ziele zu realisieren, mischen sich manche Demokratien ständig in Angelegenheiten anderer Staaten oft mit der Begründung ein, man wolle ihnen zu demokratischem Verhalten verhelfen. Warum lässt man nicht jeden Staat nach seiner Façon selig werden (Friedrich der Große)? Man hat natürlich ein mulmiges Gefühl, wenn Atomwaffen in zwielichtige Hände geraten und man deshalb versucht, die Verbreitung von Atomwaffen einzuschränken. Aber dies muss man mit ehrlichen Verträgen erreichen und nicht mit Gewalt. Nun stellt sich die Frage, wer über den Besitz von Atomwaffen entscheiden darf. Das Abkommen mit dem Iran zeigt doch, dass Vereinbarungen machbar sind. Die Hintergründe für die Kündigung der USA sind schleierhaft und lassen sich nur erahnen. Und die EU führt wieder einmal einen Eiertanz auf und lässt sich erneut erpressen (siehe Russland), anstatt klare Position zu beziehen. Der Vorwurf, der Iran habe die Tanker angegriffen dürfte ebenso unwahr sein wie die falschen Beschuldigungen vor den Golfkriegen. Es wird nur behauptet aber nichts bewiesen. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum der Iran hätte Tanker angreifen sollten. Aber auch der Vietnamkrieg hat mit einer dreisten Lüge mit dem angeblichen Angriff auf ein US-Kriegsschiff im Golf von Tonking 1964 begonnen. „Wer einmal lügt dem glaubt man nicht“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Unsere Medien berichten nur negativ über Staaten, die sich nicht in das Gedankengut des Westens einbinden lassen. Aber mit einem Staat, der einen unbequemen Journalisten ermorden ließ, wird weiterhin paktiert. Wie vereinbart sich dies mit den hehren Prinzipien der Demokratien?Dieses Spiel mit dem Feuer macht Angst. Und lassen wir uns in falscher Nibelungentreue mit hineinziehen?

Udo Knau, Minden

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Betrachtungen zur Situation am Persischen GolfBetr.: Zehn Minuten vor dem Krieg, MT vom 22. Juni Nach dem Krieg wurde das Unterrichtsfach Staatsbürgerkunde eingeführt. Wir lernten, wie Demokratien aufgebaut sind, wie sie funktionieren und vor allem, dass sie sich nur selbst verteidigen und keine Angriffskriege führen. Von all dem waren wir sehr angetan. Leider ist festzustellen, dass Theorie und Realität weit auseinanderklaffen. Anstatt die gesteckten Ziele zu realisieren, mischen sich manche Demokratien ständig in Angelegenheiten anderer Staaten oft mit der Begründung ein, man wolle ihnen zu demokratischem Verhalten verhelfen. Warum lässt man nicht jeden Staat nach seiner Façon selig werden (Friedrich der Große)? Man hat natürlich ein mulmiges Gefühl, wenn Atomwaffen in zwielichtige Hände geraten und man deshalb versucht, die Verbreitung von Atomwaffen einzuschränken. Aber dies muss man mit ehrlichen Verträgen erreichen und nicht mit Gewalt. Nun stellt sich die Frage, wer über den Besitz von Atomwaffen entscheiden darf. Das Abkommen mit dem Iran zeigt doch, dass Vereinbarungen machbar sind. Die Hintergründe für die Kündigung der USA sind schleierhaft und lassen sich nur erahnen. Und die EU führt wieder einmal einen Eiertanz auf und lässt sich erneut erpressen (siehe Russland), anstatt klare Position zu beziehen. Der Vorwurf, der Iran habe die Tanker angegriffen dürfte ebenso unwahr sein wie die falschen Beschuldigungen vor den Golfkriegen. Es wird nur behauptet aber nichts bewiesen. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum der Iran hätte Tanker angreifen sollten. Aber auch der Vietnamkrieg hat mit einer dreisten Lüge mit dem angeblichen Angriff auf ein US-Kriegsschiff im Golf von Tonking 1964 begonnen. „Wer einmal lügt dem glaubt man nicht“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Unsere Medien berichten nur negativ über Staaten, die sich nicht in das Gedankengut des Westens einbinden lassen. Aber mit einem Staat, der einen unbequemen Journalisten ermorden ließ, wird weiterhin paktiert. Wie vereinbart sich dies mit den hehren Prinzipien der Demokratien?Dieses Spiel mit dem Feuer macht Angst. Und lassen wir uns in falscher Nibelungentreue mit hineinziehen? Udo Knau, Minden