Nur reaktive Schadensbegrenzung

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Betr. "Wem gehört die Straße", MT vom 22. Mai

Seit bald 20 Jahren hole ich mir auf meinem täglichen Arbeitsweg die „Radfahrerfreundlichkeit“ dieser Stadt ab, und muss feststellen, dass auch in Minden die Auslegung dieses Begriffes nach wie vor durch Leute erfolgt, die vermutlich selbst kein Rad besitzen.Ein symptomatisches Beispiel hierfür ist die derzeitige Baustelle an der Einmündung Brüningstraße/Marienglacis/Pöttcherstraße. Im Zuge der dringend notwendigen Sanierung der Rohrleitungen wurde diese komplett abgetragen und neu gestaltet, das Ergebnis sieht so aus: Die Anlage einer Fahrrad/Fußgängerfurt wurde versäumt, obwohl dieser Teil des Glacis Durchgangsstrecke mehrerer Schulkomplexe darstellt, von vielen als Umgehungsradweg statt des Zentrums verwendet wird, und mal als Variante der Fortsetzung des OWL Radschnellwegs gehandelt wurde.

Will man nun vom Botanischen Garten aus in die Brüningstraße, bieten sich mit dem Rad drei Möglichkeiten:

1.: Ganz links, dort steht kein Schild, ist aber von entgegengesetzt als „Fußweg, für Radfahrer frei“ gekennzeichnet. Dies provoziert „Falschfahren“

2.: Mittig in die Brüningstraße hinein, bis zur Tartanbahn, dann rechts oder links an derselben vorbei

3.: mit einem ausholenden Schlenker nach rechts um die „Rabatte“ herum (oder durch) und dann in den rechts gekennzeichneten benutzungspflichtigen Rad/Fußweg.

Innerhalb dieses Schlenkers ist eine mindestens fünf Zentimeter m hohe Bordsteinkante, gefolgt von einer holperigen Rinne, die Kindern und Älteren schnell den Lenker aus der Hand schlägt, zumal sie schwer zu erkennen ist, woraus auch abrupte Alarmbremsungen im Straßenbereich resultieren.

Fazit: der Radler weiß nicht wohin, und der Kraftfahrer kann nicht einschätzen, was er tun wird. Neu, teuer, nicht durchdacht.

Und das ist eben das Mindener Problem: Für die Stärkung des Radverkehrs wird nicht vorausgeplant, sondern reaktiv Schadensbegrenzung betrieben. Und daran wird sich fürchte ich nichts ändern, St. Christophorus wird auch weiterhin in Minden viel zu tun haben…

Max Holz, Minden

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Nur reaktive SchadensbegrenzungBetr. "Wem gehört die Straße", MT vom 22. Mai Seit bald 20 Jahren hole ich mir auf meinem täglichen Arbeitsweg die „Radfahrerfreundlichkeit“ dieser Stadt ab, und muss feststellen, dass auch in Minden die Auslegung dieses Begriffes nach wie vor durch Leute erfolgt, die vermutlich selbst kein Rad besitzen.Ein symptomatisches Beispiel hierfür ist die derzeitige Baustelle an der Einmündung Brüningstraße/Marienglacis/Pöttcherstraße. Im Zuge der dringend notwendigen Sanierung der Rohrleitungen wurde diese komplett abgetragen und neu gestaltet, das Ergebnis sieht so aus: Die Anlage einer Fahrrad/Fußgängerfurt wurde versäumt, obwohl dieser Teil des Glacis Durchgangsstrecke mehrerer Schulkomplexe darstellt, von vielen als Umgehungsradweg statt des Zentrums verwendet wird, und mal als Variante der Fortsetzung des OWL Radschnellwegs gehandelt wurde. Will man nun vom Botanischen Garten aus in die Brüningstraße, bieten sich mit dem Rad drei Möglichkeiten: 1.: Ganz links, dort steht kein Schild, ist aber von entgegengesetzt als „Fußweg, für Radfahrer frei“ gekennzeichnet. Dies provoziert „Falschfahren“ 2.: Mittig in die Brüningstraße hinein, bis zur Tartanbahn, dann rechts oder links an derselben vorbei 3.: mit einem ausholenden Schlenker nach rechts um die „Rabatte“ herum (oder durch) und dann in den rechts gekennzeichneten benutzungspflichtigen Rad/Fußweg. Innerhalb dieses Schlenkers ist eine mindestens fünf Zentimeter m hohe Bordsteinkante, gefolgt von einer holperigen Rinne, die Kindern und Älteren schnell den Lenker aus der Hand schlägt, zumal sie schwer zu erkennen ist, woraus auch abrupte Alarmbremsungen im Straßenbereich resultieren. Fazit: der Radler weiß nicht wohin, und der Kraftfahrer kann nicht einschätzen, was er tun wird. Neu, teuer, nicht durchdacht. Und das ist eben das Mindener Problem: Für die Stärkung des Radverkehrs wird nicht vorausgeplant, sondern reaktiv Schadensbegrenzung betrieben. Und daran wird sich fürchte ich nichts ändern, St. Christophorus wird auch weiterhin in Minden viel zu tun haben… Max Holz, Minden