Streitbarkeit ist nichts Schlechtes

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Betr. Causa Zeichen, Mühlenkreiskliniken

Mit großem Kopfschütteln und auch so etwas wie Fassungslosigkeit habe ich Ihre oben genannte. Berichterstattung verfolgt. Der Schlüssel für alles, was passiert ist, liegt meines Erachtens in dem, das nur in einem kleinen Satz erwähnt wurde: „Herr Prof. Dr. Zeichen gilt als streitbar.“ Ich selbst bin viele Jahre in diakonischen Einrichtungen als Leitung tätig gewesen. Auch ich habe dort mit „streitbaren“ Mitarbeitenden zu tun gehabt. Ich habe dieses jedoch sehr geschätzt, denn für mein Leitungsverständnis ist Streitbarkeit an sich erst einmal nichts Schlechtes – im Gegenteil. Wenn jemand, der mir dienstrechtlich nachgeordnet ist, eine andere Meinung als ich zu dienstlichen Dingen hat und dazu den Mut – oder das Vertrauen zu mir – hat, dieses offiziell auch zu äußern, so kann das doch nur positiv und gegebenenfalls auch äußerst hilfreich in Entscheidungsfindungsprozessen sein. Niemand hat das alleinige Wissen für sich gepachtet. Und niemand vergibt sich etwas, wenn er auch die möglicherweise konträre Meinung anderer anhört und daraufhin die eigene noch einmal überdenkt. Aber ein solches Miteinander/Betriebsklima scheint unter anderen auch im Klinikum nicht zu herrschen, heißt es doch immer wieder in den Berichten über den Chirurgen, der keine weiblichen Mitarbeiterinnen im OP duldet, dass man nicht möchte, dass bei Zitaten der eigene Name genannt wird. Würde ich einen Bereich/eine Einrichtung leiten, in der so ein Mit- (besser Gegen-) –einander herrscht, sähe ich es als dringend und schnellstens geboten, mich zumindest an der Stelle gründlichst weiterzubilden – oder in den Ruhestand zu gehen beziehungsweise die Stelle zu wechseln, wenn ich mich zur Weiterbildung nicht in der Lage sehe. Ich weiß sehr wohl, wovon ich spreche, denn auch ich arbeite einerseits in Hierarchien und galt andererseits auch als streitbar. Deshalb wünsche ich allen Mitarbeitenden auf allen Ebenen, dass (wieder?) ein Arbeitsklima des vertrauensvollen Miteinanders entsteht.

Marget Husmeier, Minden

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Streitbarkeit ist nichts SchlechtesBetr. Causa Zeichen, Mühlenkreiskliniken Mit großem Kopfschütteln und auch so etwas wie Fassungslosigkeit habe ich Ihre oben genannte. Berichterstattung verfolgt. Der Schlüssel für alles, was passiert ist, liegt meines Erachtens in dem, das nur in einem kleinen Satz erwähnt wurde: „Herr Prof. Dr. Zeichen gilt als streitbar.“ Ich selbst bin viele Jahre in diakonischen Einrichtungen als Leitung tätig gewesen. Auch ich habe dort mit „streitbaren“ Mitarbeitenden zu tun gehabt. Ich habe dieses jedoch sehr geschätzt, denn für mein Leitungsverständnis ist Streitbarkeit an sich erst einmal nichts Schlechtes – im Gegenteil. Wenn jemand, der mir dienstrechtlich nachgeordnet ist, eine andere Meinung als ich zu dienstlichen Dingen hat und dazu den Mut – oder das Vertrauen zu mir – hat, dieses offiziell auch zu äußern, so kann das doch nur positiv und gegebenenfalls auch äußerst hilfreich in Entscheidungsfindungsprozessen sein. Niemand hat das alleinige Wissen für sich gepachtet. Und niemand vergibt sich etwas, wenn er auch die möglicherweise konträre Meinung anderer anhört und daraufhin die eigene noch einmal überdenkt. Aber ein solches Miteinander/Betriebsklima scheint unter anderen auch im Klinikum nicht zu herrschen, heißt es doch immer wieder in den Berichten über den Chirurgen, der keine weiblichen Mitarbeiterinnen im OP duldet, dass man nicht möchte, dass bei Zitaten der eigene Name genannt wird. Würde ich einen Bereich/eine Einrichtung leiten, in der so ein Mit- (besser Gegen-) –einander herrscht, sähe ich es als dringend und schnellstens geboten, mich zumindest an der Stelle gründlichst weiterzubilden – oder in den Ruhestand zu gehen beziehungsweise die Stelle zu wechseln, wenn ich mich zur Weiterbildung nicht in der Lage sehe. Ich weiß sehr wohl, wovon ich spreche, denn auch ich arbeite einerseits in Hierarchien und galt andererseits auch als streitbar. Deshalb wünsche ich allen Mitarbeitenden auf allen Ebenen, dass (wieder?) ein Arbeitsklima des vertrauensvollen Miteinanders entsteht. Marget Husmeier, Minden