Schockiert und vollkommen entsetzt

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Betr. "Afrikanischen Flair an der Grundschule", MT vom 28. Januar

Mit großem Interesse habe ich den Artikel vom 28.01.2019 über den Afrika Projekttag 2019 der Grundschule am Wiehen gelesen. Ich bin jedoch schockiert und vollkommen entsetzt darüber wie in einem relativ kurzen Artikel so undifferenziert und verallgemeinernd von dem Kontinent Afrika geschrieben wird. In der Überschrift wird schon das Wort afrikanisch verwendet. In der Unterüberschrift ist hingegen die Rede vom „Land ihrer Partnergrundschule". Weiter geht es mit einer „afrikanischen" Begrüßung. „Jambo" ist jedoch Swahili. Diese Sprache wird ausschließlich in Ostafrika gesprochen. Aber schon in den Usambarabergen werden neben Swahili noch mindestens drei weitere Sprachen gesprochen.

Die Idee eines jährlichen Projekttages zum Thema Afrika mit einem besonderen Fokus auf das ostafrikanische Land Tansania und die Region Lushoto in den Usambarabergen, wo sich die Partnergrundschule befindet, finde ich durchaus begrüßenswert. Den Schülerinnen und Schüler der Grundschule am Wiehen kann dadurch das Leben der Schülerinnen und Schüler aus Tansania nähergebracht werden. Jedoch sollte auch dies in differenzierter Art und Weise möglich sein. Das bedeutet, dass beispielsweise musikalische und künstlerischen Angebote länderspezifischer zugeordnet werden. Besonders enttäuschend ist diese Berichterstattung in Hinblick darauf, dass in Minden sehr viel Expertenwissen zu Tansania vorhanden ist, da zahlreiche Partnerschaften in die Region Lushoto bestehen.

Was bleibt bei mir als Leserin von diesem Artikel hängen? Afrika zeichnet sich aus durch wilde Tiere, Tanz, Musik, Trommeln, Masken und Armut, die ausschließlich durch deutsche Spenden bekämpft werden kann. Damit werden bestehende Vorurteile bedient und in der Wahrnehmung der Leserinnen und Leser verstärkt. Zum Ende möchte ich die nigerianische Autorin Chimamand Ngozi Adichi zitieren die einmal sagte, das Problem bei Stereotypen sei nicht, dass sie falsch seien, aber sie seien unvollständig. Durch diese verallgemeinerte Darstellung Afrikas hat das Mindener Tageblatt dazu beigetragen die Vielfalt des afrikanischen Kontinents zu unterschlagen und das einseitige Afrikabild, das in vielen Köpfen in Europa-Deutschland besteht, nachzuzeichnen.

Dorit Meyer, Frankfurt am Main

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Schockiert und vollkommen entsetztBetr. "Afrikanischen Flair an der Grundschule", MT vom 28. Januar Mit großem Interesse habe ich den Artikel vom 28.01.2019 über den Afrika Projekttag 2019 der Grundschule am Wiehen gelesen. Ich bin jedoch schockiert und vollkommen entsetzt darüber wie in einem relativ kurzen Artikel so undifferenziert und verallgemeinernd von dem Kontinent Afrika geschrieben wird. In der Überschrift wird schon das Wort afrikanisch verwendet. In der Unterüberschrift ist hingegen die Rede vom „Land ihrer Partnergrundschule". Weiter geht es mit einer „afrikanischen" Begrüßung. „Jambo" ist jedoch Swahili. Diese Sprache wird ausschließlich in Ostafrika gesprochen. Aber schon in den Usambarabergen werden neben Swahili noch mindestens drei weitere Sprachen gesprochen. Die Idee eines jährlichen Projekttages zum Thema Afrika mit einem besonderen Fokus auf das ostafrikanische Land Tansania und die Region Lushoto in den Usambarabergen, wo sich die Partnergrundschule befindet, finde ich durchaus begrüßenswert. Den Schülerinnen und Schüler der Grundschule am Wiehen kann dadurch das Leben der Schülerinnen und Schüler aus Tansania nähergebracht werden. Jedoch sollte auch dies in differenzierter Art und Weise möglich sein. Das bedeutet, dass beispielsweise musikalische und künstlerischen Angebote länderspezifischer zugeordnet werden. Besonders enttäuschend ist diese Berichterstattung in Hinblick darauf, dass in Minden sehr viel Expertenwissen zu Tansania vorhanden ist, da zahlreiche Partnerschaften in die Region Lushoto bestehen. Was bleibt bei mir als Leserin von diesem Artikel hängen? Afrika zeichnet sich aus durch wilde Tiere, Tanz, Musik, Trommeln, Masken und Armut, die ausschließlich durch deutsche Spenden bekämpft werden kann. Damit werden bestehende Vorurteile bedient und in der Wahrnehmung der Leserinnen und Leser verstärkt. Zum Ende möchte ich die nigerianische Autorin Chimamand Ngozi Adichi zitieren die einmal sagte, das Problem bei Stereotypen sei nicht, dass sie falsch seien, aber sie seien unvollständig. Durch diese verallgemeinerte Darstellung Afrikas hat das Mindener Tageblatt dazu beigetragen die Vielfalt des afrikanischen Kontinents zu unterschlagen und das einseitige Afrikabild, das in vielen Köpfen in Europa-Deutschland besteht, nachzuzeichnen. Dorit Meyer, Frankfurt am Main