Erlöschen der Betriebserlaubnis

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Betr. Dieselskandal bei Volkswagen

Ein nicht enden wollendes Thema der widerrechtlich betriebenen Volkswagen. Sommer 1960. Ich war mit meiner Kreidler, 49 ccm, auf der Lübbecker Straße unterwegs. Auf einem Platz, heute steht da eine Zweigstelle der Sparkasse, hatte die Verkehrspolizei einen Prüfstand für motorisierte Zweiräder aufgebaut. Leider hat ein findiger Polizist herausgefunden, dass meine Kreidler frisiert war. Dieser technische Virus war in Rothenuffeln deutlich ausgeprägt.

Das Fahrzeug wurde wegen Erlöschung der Betriebserlaubnis stillgelegt. Nach erfolgreichem Rückbau und Abnahme durch einen Sachverständigen war die technische Welt wieder in Ordnung. Leider traf mich die juristische Aufarbeitung Monate später im Amtsgericht gnadenlos.

Ein strenger Richter las mir von seiner Empore, damals wurde die Verhandlung von oben herab geführt, meine Verfehlung bis ins kleinste Detail. Erlöschen des Versicherungsschutzes, Steuerhinterziehung, fahren ohne Führerschein, Inbetriebnahme eines nicht zugelassenen Fahrzeugs. Eine kapitale Straftat war eindeutig bewiesen.

Auf meine Einlassung der technischen Fortbildung in Sachen Motorenentwicklung im Rahmen meiner Ausbildung zum Schlosser folgte eine weitere noch tiefere Belehrung. Ich hatte nichts mehr zu sagen und wollte auch keinen weiteren Ansatz zur möglicherweise erkennbaren Uneinsichtigkeit liefern.

Die Schuld schlug sich, nach Auskunft meiner Lehrlingsbeihilfe in Höhe von 45,00 DM, mit 50,00 DM zusätzlicher Verfahrenskosten nieder. Mir ist nicht bekannt, dass die Herren Winterkorn, Piech und Porsche für das Inverkehrbringen von Fahrzeugen ohne Betriebserlaubnis auch eine Gardinenpredigt mit Zahlung eines Jahreseinkommens für ihr unverantwortliches Tun bekommen haben.

Früher war wohl doch alles lebensnäher. Oder?

Wilhelm Rohlfing

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Erlöschen der BetriebserlaubnisBetr. Dieselskandal bei Volkswagen Ein nicht enden wollendes Thema der widerrechtlich betriebenen Volkswagen. Sommer 1960. Ich war mit meiner Kreidler, 49 ccm, auf der Lübbecker Straße unterwegs. Auf einem Platz, heute steht da eine Zweigstelle der Sparkasse, hatte die Verkehrspolizei einen Prüfstand für motorisierte Zweiräder aufgebaut. Leider hat ein findiger Polizist herausgefunden, dass meine Kreidler frisiert war. Dieser technische Virus war in Rothenuffeln deutlich ausgeprägt. Das Fahrzeug wurde wegen Erlöschung der Betriebserlaubnis stillgelegt. Nach erfolgreichem Rückbau und Abnahme durch einen Sachverständigen war die technische Welt wieder in Ordnung. Leider traf mich die juristische Aufarbeitung Monate später im Amtsgericht gnadenlos. Ein strenger Richter las mir von seiner Empore, damals wurde die Verhandlung von oben herab geführt, meine Verfehlung bis ins kleinste Detail. Erlöschen des Versicherungsschutzes, Steuerhinterziehung, fahren ohne Führerschein, Inbetriebnahme eines nicht zugelassenen Fahrzeugs. Eine kapitale Straftat war eindeutig bewiesen. Auf meine Einlassung der technischen Fortbildung in Sachen Motorenentwicklung im Rahmen meiner Ausbildung zum Schlosser folgte eine weitere noch tiefere Belehrung. Ich hatte nichts mehr zu sagen und wollte auch keinen weiteren Ansatz zur möglicherweise erkennbaren Uneinsichtigkeit liefern. Die Schuld schlug sich, nach Auskunft meiner Lehrlingsbeihilfe in Höhe von 45,00 DM, mit 50,00 DM zusätzlicher Verfahrenskosten nieder. Mir ist nicht bekannt, dass die Herren Winterkorn, Piech und Porsche für das Inverkehrbringen von Fahrzeugen ohne Betriebserlaubnis auch eine Gardinenpredigt mit Zahlung eines Jahreseinkommens für ihr unverantwortliches Tun bekommen haben. Früher war wohl doch alles lebensnäher. Oder? Wilhelm Rohlfing