Angelegenheit komplexer als man sich wünscht

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Betr. Verkleinerung des Rats in Petershagen

Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!“ so hieß es vor über 100 Jahren. Willy Brandt sagte in den 1969: „ Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Martin Schulz wurde vor gar nicht langer Zeit von „persona gloriata“ zur „persona isolata“ innerhalb von wenigen Monaten. Eine Flexibilität wie sie in der Physik wohl erst bei Flüssigkeiten beobachtet werden kann.

Aktuell lässt sich diese Partei von der "Partei der besser Verdienenden" vor den Karren spannen, um erneut den Rat der Stadt Petershagen verkleinern zu wollen. Das bedeutet weniger Demokratie wagen. Das wird mit dem populären Argument der Kostenersparnis verkauft, dabei rechnet man den Betrag auf 5 Jahre hoch, damit er groß genug erscheinen soll. Die Mitglieder des Stadtrats haben die Aufgabe, die Verwaltung zu kontrollieren und Entscheidungen zu treffen, die unmittelbar Einfluss auf 18 Millionen Euro jährlich haben. 10.000 € jährlich sind da vergleichsweise gering und gut angelegtes Geld, wenn es um diese Steuerungsfunktion geht.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Populisten auch auf kommunaler Ebene die Parlamente erreichen. Hier ist es wichtig, gestandene Demokraten mit Sitz und Stimme vertreten zu haben, die in der Lage sind, argumentativ mit den Populisten die Klingen zu kreuzen.

Die Verkleinerung des Rats der Stadt Petershagen ist sicherlich nicht eindimensional, vielleicht ist diese Angelegenheit sogar komplexer als man sich zurzeit wünscht. Hochkomplexe Angelegenheiten in einem Plebiszit klären zu lassen kann grandios scheitern, dazu bitte einmal den Blick nach Westen richten.

Denken ist sicherlich weniger leicht und sollte mit Wissen vorgenommen werden, Wünsche helfen da weniger weit.

Bernhard Borgmeier, Petershagen

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Angelegenheit komplexer als man sich wünschtBetr. Verkleinerung des Rats in Petershagen Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!“ so hieß es vor über 100 Jahren. Willy Brandt sagte in den 1969: „ Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Martin Schulz wurde vor gar nicht langer Zeit von „persona gloriata“ zur „persona isolata“ innerhalb von wenigen Monaten. Eine Flexibilität wie sie in der Physik wohl erst bei Flüssigkeiten beobachtet werden kann. Aktuell lässt sich diese Partei von der "Partei der besser Verdienenden" vor den Karren spannen, um erneut den Rat der Stadt Petershagen verkleinern zu wollen. Das bedeutet weniger Demokratie wagen. Das wird mit dem populären Argument der Kostenersparnis verkauft, dabei rechnet man den Betrag auf 5 Jahre hoch, damit er groß genug erscheinen soll. Die Mitglieder des Stadtrats haben die Aufgabe, die Verwaltung zu kontrollieren und Entscheidungen zu treffen, die unmittelbar Einfluss auf 18 Millionen Euro jährlich haben. 10.000 € jährlich sind da vergleichsweise gering und gut angelegtes Geld, wenn es um diese Steuerungsfunktion geht. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Populisten auch auf kommunaler Ebene die Parlamente erreichen. Hier ist es wichtig, gestandene Demokraten mit Sitz und Stimme vertreten zu haben, die in der Lage sind, argumentativ mit den Populisten die Klingen zu kreuzen. Die Verkleinerung des Rats der Stadt Petershagen ist sicherlich nicht eindimensional, vielleicht ist diese Angelegenheit sogar komplexer als man sich zurzeit wünscht. Hochkomplexe Angelegenheiten in einem Plebiszit klären zu lassen kann grandios scheitern, dazu bitte einmal den Blick nach Westen richten. Denken ist sicherlich weniger leicht und sollte mit Wissen vorgenommen werden, Wünsche helfen da weniger weit. Bernhard Borgmeier, Petershagen