Nicht beidseitig abholzen

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Betr.: „133 Bäume weniger“, MT vom 5. Januar

Nicht nur in Hausberge, auch an der Straße Zur Porta zwischen Lerbeck und Nammen hat eine Rodungsaktion im Frühwinter ihr Unwesen getrieben. Es wurde bis auf wenige Bäume alles an Bäumen (bestimmt notwendig) und Sträuchern (sicher nicht notwendig) zu beiden Seiten der Landstraße gerodet.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Vogelpopulationen zurückgehen, was an Nahrungsangebot und Mangel an Nistplätzen, kurz Lebensräumen, liegt. Bei den Rodungsaktionen verlieren unzählige Tiere ihren Unterschlupf, ihre Nester, ihre

Nahrungsquellen. Das Argument, das Gebüsch wüchse wieder, zieht nicht. Im kommenden Frühjahr wird kein einziger Vogel in den Hecken, die zu beiden Seiten der Straße wuchsen, sein Nest bauen und Jungtiere groß ziehen. Auch in den kommenden Jahren nicht, in denen die Hecke sich erst wieder bilden muss. Durch die beidseitige Rodung wird auch ein Ausweichen der Tiere auf die gegenüberliegende Straßenseite verhindert.

Die Hecke auf beiden Seiten der Landstraße ist bislang als Korridor vom Nammer

Berg zum Naturschutzgebiet von Tieren genutzt worden. Dieser Korridor, der den

Wechsel zwischen verschiedenen Lebensräumen ermöglich und zur Arterhaltung dringend notwendig ist, wurde durch die Rodung zerstört.

Auch die Schutzfunktion der Hecken vor Winden – für FahrradfahrerInnen und

FußgängerInnen, aber auch bei Sturm für AutofahrerInnen wichtig –, Schneeverwehungen und vor allem Wildwechsel, ist eingebüßt. Ich selbst hatte vor Jahren einen Wildunfall an dieser Straße. Zu dieser Zeit hat das Wild bis zur Rodung wenige bestimmte Stellen zum Wechseln über die Straße genutzt. Das ist nun vorbei.

Die Behinderung der Sicht ist an der Straße Zur Porta kein Argument. Mir bleibt das Argument ohnehin ein Rätsel. In der Fahrschule habe ich mal gelernt, dass ich der Sicht entsprechend fahren soll. Das heißt: wenig Sicht, Tempo runter.

Im Minden wird genau das Prinzip durch die Sichtschutzwand an der „Birne“

genutzt. Es gibt also keinen Grund natürliche Lebensräume zu zerstören, Tiere zu vertreiben und dadurch zu dezimieren.

Bäume, die krank sind und eine Gefahr für die Straßennutzenden darstellen müssen selbstredend gefällt werden. Das trifft allerdings für Sträucher und Buschwerk eher nicht zu. Da reicht es, das Wachsen auf die Fahrbahn zu verhindern. Wo wirklich einmal auf den Stock gesetzt werden muss, sollte das stets nur auf einer Seite der Straße geschehen und auf der anderen Seite erst, wenn sich der Bewuchs auf der zuerst geschnittenen Seite erholt hat.

An Hängen bietet sich auch die Rodung von „Inseln“ an, so dass Kahlschlag verhindert wird. Das sichert durch das Wurzelwerk auch die Hänge gegen Abrutschen und die Straßen gegen Unterspülung.

Christiane Hoßfeld

Porta Westfalica

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Nicht beidseitig abholzenBetr.: „133 Bäume weniger“, MT vom 5. Januar Nicht nur in Hausberge, auch an der Straße Zur Porta zwischen Lerbeck und Nammen hat eine Rodungsaktion im Frühwinter ihr Unwesen getrieben. Es wurde bis auf wenige Bäume alles an Bäumen (bestimmt notwendig) und Sträuchern (sicher nicht notwendig) zu beiden Seiten der Landstraße gerodet. Seit Jahren ist bekannt, dass die Vogelpopulationen zurückgehen, was an Nahrungsangebot und Mangel an Nistplätzen, kurz Lebensräumen, liegt. Bei den Rodungsaktionen verlieren unzählige Tiere ihren Unterschlupf, ihre Nester, ihre Nahrungsquellen. Das Argument, das Gebüsch wüchse wieder, zieht nicht. Im kommenden Frühjahr wird kein einziger Vogel in den Hecken, die zu beiden Seiten der Straße wuchsen, sein Nest bauen und Jungtiere groß ziehen. Auch in den kommenden Jahren nicht, in denen die Hecke sich erst wieder bilden muss. Durch die beidseitige Rodung wird auch ein Ausweichen der Tiere auf die gegenüberliegende Straßenseite verhindert. Die Hecke auf beiden Seiten der Landstraße ist bislang als Korridor vom Nammer Berg zum Naturschutzgebiet von Tieren genutzt worden. Dieser Korridor, der den Wechsel zwischen verschiedenen Lebensräumen ermöglich und zur Arterhaltung dringend notwendig ist, wurde durch die Rodung zerstört. Auch die Schutzfunktion der Hecken vor Winden – für FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen, aber auch bei Sturm für AutofahrerInnen wichtig –, Schneeverwehungen und vor allem Wildwechsel, ist eingebüßt. Ich selbst hatte vor Jahren einen Wildunfall an dieser Straße. Zu dieser Zeit hat das Wild bis zur Rodung wenige bestimmte Stellen zum Wechseln über die Straße genutzt. Das ist nun vorbei. Die Behinderung der Sicht ist an der Straße Zur Porta kein Argument. Mir bleibt das Argument ohnehin ein Rätsel. In der Fahrschule habe ich mal gelernt, dass ich der Sicht entsprechend fahren soll. Das heißt: wenig Sicht, Tempo runter. Im Minden wird genau das Prinzip durch die Sichtschutzwand an der „Birne“ genutzt. Es gibt also keinen Grund natürliche Lebensräume zu zerstören, Tiere zu vertreiben und dadurch zu dezimieren. Bäume, die krank sind und eine Gefahr für die Straßennutzenden darstellen müssen selbstredend gefällt werden. Das trifft allerdings für Sträucher und Buschwerk eher nicht zu. Da reicht es, das Wachsen auf die Fahrbahn zu verhindern. Wo wirklich einmal auf den Stock gesetzt werden muss, sollte das stets nur auf einer Seite der Straße geschehen und auf der anderen Seite erst, wenn sich der Bewuchs auf der zuerst geschnittenen Seite erholt hat. An Hängen bietet sich auch die Rodung von „Inseln“ an, so dass Kahlschlag verhindert wird. Das sichert durch das Wurzelwerk auch die Hänge gegen Abrutschen und die Straßen gegen Unterspülung. Christiane Hoßfeld Porta Westfalica