Wie Blaupausen der 90er Betr. Konzepte für die Obere Altstadt Die Begeisterung über die stadtplanerischen Vorschläge für die Obere Altstadt kann ich nicht teilen. Ich habe die Präsentation der Konzepte von WoltersPartner, Coesfeld am 30. November bei der zweiten Bürgerveranstaltung im Ratsgymnasium erlebt. Auf mich wirkten die Vorschläge wie Blaupausen aus den 90er-Jahren: hier ein bisschen Familienwohnen, dort ein bisschen Bürgerplatz, da ein bisschen Kneipe, Kunst, Kultur. Sind das die stadtplanerischen Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts? Immerhin schreiben wir demnächst 2019. Alles, was wir heute beginnen, wird frühestens Mitte der 2020er-Jahre wahr werden – und dann bis mindestens in die 2050er, 2060er Bestand haben. Derweil befindet sich unsere Gesellschaft in einem rasanten Wandel, der unser Wohnen, unser Arbeiten, unser gesamtes Miteinander grundlegend verändert: Digitalisierung, Mobilitätswandel,Energiewende, alternde Gesellschaft … Vielleicht ist das alles in Minden, oder auch in Coesfeld, noch nicht direkt zu spüren. Aber ein Blick nach Berlin, Frankfurt, München zeigt uns: Diese Dinge stehen vor der Tür. In Hamburg spricht man in puncto Stadtentwicklung über eine „Vision 2050“, über Themen wie Clusterwohnen, flexible Wohn- und Arbeitsformen, Quartiershäuser, die Stadt vom Fußgänger her neu aufstellen … Und wie lautet die Antwort in Minden darauf? „Neue Parkplätze an der Hahler Straße könnten dann auch für Flohmärkte genutzt werden.“ Kein Witz, der Vorschlag kam wirklich. E-Mobilität? Sharing Economy? Keine Rede davon. Ein kühner Entwurf fürs Quartier? Eine Vision, die ein lebendiges Narrativ für Jahrzehnte begründen könnte? Fehlanzeige. Kühn war höchstens die Idee, über fremde Grundstücke zu verfügen. Aber welcher Eigentümer lässt sich schon gerne sagen, dass er auf seinem Grundstück Wege für die Öffentlichkeit zu schaffen hat? Nur weil unsere Stadt von vielen als provinziell betrachtet wird, darf sie sich noch lange nicht mit provinzieller Planung zufriedengeben. Ich hatte vor einigen Wochen im Zusammenhang mit der irrwitzigen Idee von Familienwohnen am Rampenloch schon gesagt: Es müssen bessere Konzepte auf den Tisch. Das gilt nicht nur fürs Rampenloch, sondern für die gesamte Obere Altstadt. Vielleicht ist, wer die Zukunft der Stadt sehen will, doch besser beraten mit einem Blick nach Hamburg, Kopenhagen, Wien oder Oslo – statt nach Coesfeld. Astrid Engel, Minden

Wie Blaupausen der 90er

Betr. Konzepte für die Obere Altstadt

Die Begeisterung über die stadtplanerischen Vorschläge für die Obere Altstadt kann ich nicht teilen. Ich habe die Präsentation der Konzepte von WoltersPartner, Coesfeld am 30. November bei der zweiten Bürgerveranstaltung im Ratsgymnasium erlebt. Auf mich wirkten die Vorschläge wie Blaupausen aus den 90er-Jahren: hier ein bisschen Familienwohnen, dort ein bisschen Bürgerplatz, da ein bisschen Kneipe, Kunst, Kultur. Sind das die stadtplanerischen Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts?

Immerhin schreiben wir demnächst 2019. Alles, was wir heute beginnen, wird frühestens Mitte der 2020er-Jahre wahr werden – und dann bis mindestens in die 2050er, 2060er Bestand haben. Derweil befindet sich unsere Gesellschaft in einem rasanten Wandel, der unser Wohnen, unser Arbeiten, unser gesamtes Miteinander grundlegend verändert: Digitalisierung, Mobilitätswandel,Energiewende, alternde Gesellschaft …

Vielleicht ist das alles in Minden, oder auch in Coesfeld, noch nicht direkt zu spüren. Aber ein Blick nach Berlin, Frankfurt, München zeigt uns: Diese Dinge stehen vor der Tür. In Hamburg spricht man in puncto Stadtentwicklung über eine „Vision 2050“, über Themen wie Clusterwohnen, flexible Wohn- und Arbeitsformen, Quartiershäuser, die Stadt vom Fußgänger her neu aufstellen …

Und wie lautet die Antwort in Minden darauf? „Neue Parkplätze an der Hahler Straße könnten dann auch für Flohmärkte genutzt werden.“ Kein Witz, der Vorschlag kam wirklich. E-Mobilität? Sharing Economy? Keine Rede davon. Ein kühner Entwurf fürs Quartier? Eine Vision, die ein lebendiges Narrativ für Jahrzehnte begründen könnte? Fehlanzeige. Kühn war höchstens die Idee, über fremde Grundstücke zu verfügen. Aber welcher Eigentümer lässt sich schon gerne sagen, dass er auf seinem Grundstück Wege für die Öffentlichkeit zu schaffen hat?

Nur weil unsere Stadt von vielen als provinziell betrachtet wird, darf sie sich noch lange nicht mit provinzieller Planung zufriedengeben. Ich hatte vor einigen Wochen im Zusammenhang mit der irrwitzigen Idee von Familienwohnen am Rampenloch schon gesagt: Es müssen bessere Konzepte auf den Tisch. Das gilt nicht nur fürs Rampenloch, sondern für die gesamte Obere Altstadt. Vielleicht ist, wer die Zukunft der Stadt sehen will, doch besser beraten mit einem Blick nach Hamburg, Kopenhagen, Wien oder Oslo – statt nach Coesfeld.

Astrid Engel, Minden

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