Das Land könnte ohne die Stadt überleben

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Betr.: "Baukastensystem", MT vom 27. November

Wohin kommt die Förderschule? Jedenfalls gehört sie nicht ins Dorf, sagt Herr Rüter (Beirat für Menschen mit Behinderung). Ich unterstelle ihm höflich Gedankenlosigkeit. "Inklusion bedeutet auch, einer Förderschule Lernen einen passenden Standort zu geben", sagt er. Und das sei leider nun mal kein Dorf. Donnerwetter! Inklusion funktioniert also im Dorf nicht. Im Dorf oder auf dem Lande ist man also in dieser Hinsicht verloren. Das passt in den Trend, die Stadt als den Lebensraum schlechthin anzusehen. Aber weder stimmt das noch ist dieser Trend unumkehrbar. Ein wunderbarer Satz einer Todtenhauser Einzelhändlerin über die Nachkriegszeit: "Doar han de Buarn de Perserteppiche bit in‘n Schwienestall".

Das Land, die Provinz könnte ohne die Stadt überleben, umgekehrt geht es nicht. Ich lebe auf dem Dorf, halte mich aber auch gerne in Städten auf. Um festzustellen, dass zuviel Beton, Asphalt und polierter Edelstahl bei den Menschen Eigenheiten erzeugt, die sie in mancherlei Hinsicht behindern. Und dafür ist dann Inklusion im Dorf, bei Grünkohl oder Wurstebrei, bei einem Konzert in der Dorfkirche mit Peter Wilcek oder in der Turnhalle beim Laienspieltheater eine super Sache. Merke: Von der Provinz kommt man nicht los, nicht mal mit dem Bus.

Detlef Sönnichsen, Minden

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Das Land könnte ohne die Stadt überlebenBetr.: "Baukastensystem", MT vom 27. November Wohin kommt die Förderschule? Jedenfalls gehört sie nicht ins Dorf, sagt Herr Rüter (Beirat für Menschen mit Behinderung). Ich unterstelle ihm höflich Gedankenlosigkeit. "Inklusion bedeutet auch, einer Förderschule Lernen einen passenden Standort zu geben", sagt er. Und das sei leider nun mal kein Dorf. Donnerwetter! Inklusion funktioniert also im Dorf nicht. Im Dorf oder auf dem Lande ist man also in dieser Hinsicht verloren. Das passt in den Trend, die Stadt als den Lebensraum schlechthin anzusehen. Aber weder stimmt das noch ist dieser Trend unumkehrbar. Ein wunderbarer Satz einer Todtenhauser Einzelhändlerin über die Nachkriegszeit: "Doar han de Buarn de Perserteppiche bit in‘n Schwienestall". Das Land, die Provinz könnte ohne die Stadt überleben, umgekehrt geht es nicht. Ich lebe auf dem Dorf, halte mich aber auch gerne in Städten auf. Um festzustellen, dass zuviel Beton, Asphalt und polierter Edelstahl bei den Menschen Eigenheiten erzeugt, die sie in mancherlei Hinsicht behindern. Und dafür ist dann Inklusion im Dorf, bei Grünkohl oder Wurstebrei, bei einem Konzert in der Dorfkirche mit Peter Wilcek oder in der Turnhalle beim Laienspieltheater eine super Sache. Merke: Von der Provinz kommt man nicht los, nicht mal mit dem Bus. Detlef Sönnichsen, Minden