Technik allein ist keine Lösung

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Betr.: „Streitfall Brunnenwasser“, MT vom 15. November

Unbestritten ist die Trinkwasserqualität in Deutschland und so auch in unserem Kreis sehr gut, unbestritten sind aber auch die Nitratbelastungen im Grundwasser, was im Artikel von allen Genannten auch eingeräumt wird. Aber wie passt das zusammen? Das Grundwasser ist der Rohstoff, aus dem unser Trinkwasser aufbereitet wird. Doch gesundes Trinkwasser bereitzustellen, wird zunehmend schwieriger und teurer. Wenn die Nitratwerte zu hoch liegen, wird zum Beispiel mit unbelastetem Wasser gemischt. Aber was ist, wenn Trinkwasserschutzgebiete mit ausreichender Qualität abnehmen und Wasser von weither geholt werden muss? Allein mit mehr Technik bei der Trinkwasseraufbereitung oder beim Düngen ist das Problem nicht gelöst!

In der Nachhaltigkeitsstrategie NRW von 2016, die sich von den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) ableitet, findet sich unter anderem das Handlungsfeld „ökologischer Landbau“. Ziel ist die Steigerung des prozentualen Anteils der Flächen mit ökologischer Landwirtschaft an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Die dort abgebildete Grafik verdeutlicht, dass der Anteil ausgehend von 0,5 Prozent im Jahre 1994 lediglich auf 5,7 Prozent gestiegen ist.

Doch bekanntlich steigt das Interesse an Bio-Lebensmitteln. Der VSR-Gewässerschutz e.V. hat Recht, wenn er Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden rät, landwirtschaftliche Flächen in Zukunft nur ökologisch bewirtschaften zu lassen. Der Loccumer Appell zur Verpachtung von Kirchenland ist ein gutes Beispiel, wie Kirchen und kirchliche Einrichtungen konkret Ökolandbau unterstützen können, indem diese nämlich nachhaltige und ökologische Aspekte bei der Verpachtung berücksichtigen (Fachtagung an der Ev. Akademie Loccum, 2016).

Auch der Gartenbesitzer selbst möchte gesundes Gemüse in seinem Garten heranziehen, muss sich heutzutage leider fragen, ob er sein Brunnenwasser überhaupt als Gießwasser nutzen kann. Der Verein Gewässerschutz bietet nicht nur die Möglichkeit an, den Hausbrunnen zu untersuchen, sondern informiert auch über mögliche Ursachen und Maßnahmen, wie die Belastung verringert werden kann.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Trend, der von den Städten ausgeht und auch Minden schon erreicht hat. Innerhalb kurzer Zeit gründeten sich Ernährungsräte, so zum Beispiel 2016 in Köln. Der ernährungs- und umweltbewusste Bürger will vor Ort mitentscheiden, wie und unter welchen Bedingungen das Essen auf seinem Teller landet. Ernährungsräte setzen sich für eine lokale, soziale und ökologische Ernährungsversorgung ein. Das sind gute Perspektiven für den Ökolandbau und unser Grundwasser!

Kornelia Fieselmann, Petershagen

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Technik allein ist keine LösungBetr.: „Streitfall Brunnenwasser“, MT vom 15. November Unbestritten ist die Trinkwasserqualität in Deutschland und so auch in unserem Kreis sehr gut, unbestritten sind aber auch die Nitratbelastungen im Grundwasser, was im Artikel von allen Genannten auch eingeräumt wird. Aber wie passt das zusammen? Das Grundwasser ist der Rohstoff, aus dem unser Trinkwasser aufbereitet wird. Doch gesundes Trinkwasser bereitzustellen, wird zunehmend schwieriger und teurer. Wenn die Nitratwerte zu hoch liegen, wird zum Beispiel mit unbelastetem Wasser gemischt. Aber was ist, wenn Trinkwasserschutzgebiete mit ausreichender Qualität abnehmen und Wasser von weither geholt werden muss? Allein mit mehr Technik bei der Trinkwasseraufbereitung oder beim Düngen ist das Problem nicht gelöst! In der Nachhaltigkeitsstrategie NRW von 2016, die sich von den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) ableitet, findet sich unter anderem das Handlungsfeld „ökologischer Landbau“. Ziel ist die Steigerung des prozentualen Anteils der Flächen mit ökologischer Landwirtschaft an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Die dort abgebildete Grafik verdeutlicht, dass der Anteil ausgehend von 0,5 Prozent im Jahre 1994 lediglich auf 5,7 Prozent gestiegen ist. Doch bekanntlich steigt das Interesse an Bio-Lebensmitteln. Der VSR-Gewässerschutz e.V. hat Recht, wenn er Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden rät, landwirtschaftliche Flächen in Zukunft nur ökologisch bewirtschaften zu lassen. Der Loccumer Appell zur Verpachtung von Kirchenland ist ein gutes Beispiel, wie Kirchen und kirchliche Einrichtungen konkret Ökolandbau unterstützen können, indem diese nämlich nachhaltige und ökologische Aspekte bei der Verpachtung berücksichtigen (Fachtagung an der Ev. Akademie Loccum, 2016). Auch der Gartenbesitzer selbst möchte gesundes Gemüse in seinem Garten heranziehen, muss sich heutzutage leider fragen, ob er sein Brunnenwasser überhaupt als Gießwasser nutzen kann. Der Verein Gewässerschutz bietet nicht nur die Möglichkeit an, den Hausbrunnen zu untersuchen, sondern informiert auch über mögliche Ursachen und Maßnahmen, wie die Belastung verringert werden kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Trend, der von den Städten ausgeht und auch Minden schon erreicht hat. Innerhalb kurzer Zeit gründeten sich Ernährungsräte, so zum Beispiel 2016 in Köln. Der ernährungs- und umweltbewusste Bürger will vor Ort mitentscheiden, wie und unter welchen Bedingungen das Essen auf seinem Teller landet. Ernährungsräte setzen sich für eine lokale, soziale und ökologische Ernährungsversorgung ein. Das sind gute Perspektiven für den Ökolandbau und unser Grundwasser! Kornelia Fieselmann, Petershagen