Sensibler mit Mehrdeutigkeiten umgehen

veröffentlicht

Betr.: "Nach der Übung ist vor dem Ernstfall", MT vom 24. November

In der Wochenendausgabe des MT findet sich auf Seite 3 ein ausführlicher (Manöver-)Bericht über die Nato-Übung „Trident Juncture. Wie den buchstäblichen Faustschlag in die Magengrube empfand ich die Überschrift „Nach der Übung ist vor dem Ernstfall". Bedeutet diese Parole, dass nach dem Ende der Übung nun mit dem Ernstfall zu rechnen ist, und was verbirgt sich hinter diesem Begriff „Ernstfall? Als ich vor langer Zeit meinen Wehrdienst ableistete, war der „Ernstfall" ein Angriff aus dem Osten, dem militärisch zu begegnen war – ist etwa ein derartiges Szenario gemeint? Mit Widerwillen habe ich mich auf der Suche nach Aufklärung durch den Artikel, auf dessen Inhalt ich hier nicht eingehen möchte, hindurchgekämpft und wurde am Ende fündig: Als Ernstfall bezeichnet Oberstleutnant Lammerschmidt die künftige Zugehörigkeit der Pioniere zur Nato-Speerspitze und nicht eine militärische Auseinandersetzung.

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, können uns beruhigt zurücklehnen und uns vom Fernsehen von dummen Gedanken ablenken lassen! Aber ganz im Ernst: Sollte man mit mehrdeutigen Begriffen, hinter denen sich auch eine Katastrophe verbergen kann, nicht etwas sensibler umgehen? Und ist es wirklich berichtenswert, dass eine deutsche Soldatin bei einer Tombola das Vorrecht gewonnen hat, den „Roten Knopf für eine Brückensprengung zu drücken?

Dr. Günther Schulz, Minden

Copyright © Mindener Tageblatt 2018
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Sensibler mit Mehrdeutigkeiten umgehenBetr.: "Nach der Übung ist vor dem Ernstfall", MT vom 24. November In der Wochenendausgabe des MT findet sich auf Seite 3 ein ausführlicher (Manöver-)Bericht über die Nato-Übung „Trident Juncture. Wie den buchstäblichen Faustschlag in die Magengrube empfand ich die Überschrift „Nach der Übung ist vor dem Ernstfall". Bedeutet diese Parole, dass nach dem Ende der Übung nun mit dem Ernstfall zu rechnen ist, und was verbirgt sich hinter diesem Begriff „Ernstfall? Als ich vor langer Zeit meinen Wehrdienst ableistete, war der „Ernstfall" ein Angriff aus dem Osten, dem militärisch zu begegnen war – ist etwa ein derartiges Szenario gemeint? Mit Widerwillen habe ich mich auf der Suche nach Aufklärung durch den Artikel, auf dessen Inhalt ich hier nicht eingehen möchte, hindurchgekämpft und wurde am Ende fündig: Als Ernstfall bezeichnet Oberstleutnant Lammerschmidt die künftige Zugehörigkeit der Pioniere zur Nato-Speerspitze und nicht eine militärische Auseinandersetzung. Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, können uns beruhigt zurücklehnen und uns vom Fernsehen von dummen Gedanken ablenken lassen! Aber ganz im Ernst: Sollte man mit mehrdeutigen Begriffen, hinter denen sich auch eine Katastrophe verbergen kann, nicht etwas sensibler umgehen? Und ist es wirklich berichtenswert, dass eine deutsche Soldatin bei einer Tombola das Vorrecht gewonnen hat, den „Roten Knopf für eine Brückensprengung zu drücken? Dr. Günther Schulz, Minden