Eröffnungsfeier ohne Nachbarn

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Betr.: "Jazz statt Fanfaren", MT vom 9. Juli

Inspiriert durch die tollen und informativen Beilagen und Berichte in der örtlichen Presse mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum „Willem“. Sonntag 9.30 Uhr: Ich möchte dabei sein, wenn feierlich der 16,6 Mio. teure Neubau eingeweiht wird, zu dem meine Stadt 600.000 Euro zugezahlt hat. Wie viele Euro davon wohl von meinen Abgaben kommen? Voller Euphorie stapfe ich aufwärts zum Denkmal, etwas Geld in Tasche, damit ich mir am Ziel eventuell ein Getränk kaufen kann.

Doch oben angekommen folgt die Ernüchterung. Freundliche Damen und Herren in gelben Westen erklären mir, dass nur geladene Gäste Zutritt zur feierlichen Eröffnung haben. Geladene Gäste? Wie wird man so etwas? Ich bin es jedenfalls nicht, obwohl ich direkt unterhalb vom Wilhelm wohne und in unmittelbarer Nachbarschaft den wochenendlichen Verkehrsströmen hinauf und hinab lausche.

Also umdrehen! Abwärts gehen, nach Hause. Etwas kaufen konnte ich auch nicht, da die Gastronomie hinter der Absperrung liegt und der darunter liegende Kiosk noch geschlossen hat. 11 Uhr: Wieder zuhause. Ich setze mich auf meine Terrasse unterhalb der Ringterrasse und lausche den Dieselbussen, die in schöner Regelmäßigkeit als Shuttle geladene Besucher nach oben fahren.

Schade! Vielleicht zur 200-Jahr Feier im Jahr 2096 – aber da wäre ich 131 Jahre alt und sicher zu klapprig für den Aufstieg.

Thomas Bählkow, Porta Westfalica

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Eröffnungsfeier ohne NachbarnBetr.: "Jazz statt Fanfaren", MT vom 9. Juli Inspiriert durch die tollen und informativen Beilagen und Berichte in der örtlichen Presse mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum „Willem“. Sonntag 9.30 Uhr: Ich möchte dabei sein, wenn feierlich der 16,6 Mio. teure Neubau eingeweiht wird, zu dem meine Stadt 600.000 Euro zugezahlt hat. Wie viele Euro davon wohl von meinen Abgaben kommen? Voller Euphorie stapfe ich aufwärts zum Denkmal, etwas Geld in Tasche, damit ich mir am Ziel eventuell ein Getränk kaufen kann. Doch oben angekommen folgt die Ernüchterung. Freundliche Damen und Herren in gelben Westen erklären mir, dass nur geladene Gäste Zutritt zur feierlichen Eröffnung haben. Geladene Gäste? Wie wird man so etwas? Ich bin es jedenfalls nicht, obwohl ich direkt unterhalb vom Wilhelm wohne und in unmittelbarer Nachbarschaft den wochenendlichen Verkehrsströmen hinauf und hinab lausche. Also umdrehen! Abwärts gehen, nach Hause. Etwas kaufen konnte ich auch nicht, da die Gastronomie hinter der Absperrung liegt und der darunter liegende Kiosk noch geschlossen hat. 11 Uhr: Wieder zuhause. Ich setze mich auf meine Terrasse unterhalb der Ringterrasse und lausche den Dieselbussen, die in schöner Regelmäßigkeit als Shuttle geladene Besucher nach oben fahren. Schade! Vielleicht zur 200-Jahr Feier im Jahr 2096 – aber da wäre ich 131 Jahre alt und sicher zu klapprig für den Aufstieg. Thomas Bählkow, Porta Westfalica