Vertiefung bestehender Beziehungen

veröffentlicht

Betr.:"Wirtschaft sucht Nähe zu Russland", MT vom 12. Juni

Ich habe mir die diplomatische Begrüßung durch den IHK-Präsidenten und die substanziierten Ansprachen angehört. "Wirtschaft sucht Nähe zu Russland" war nicht der Duktus der Eröffnung und ist nicht Tenor der Begegnung. Es geht um die Vertiefung der bestehenden Beziehungen und um die Wirkung der Fesseln, die die Politik der Wirtschaft anlegt, die Russland-Sanktionen und um die direkte Einmischung der USA in bilaterale Wirtschaftsbeziehungen (Northstream II) und um das Ablegen verfestigter Vorurteile gegenüber Russland.

Es ging auch um die Überwindung der russischen Investitionsschwäche aufgrund niedriger Energiepreise seit Mitte 2014 und in der Folge um den Verfall der russischen Währung, die die Exportpreise verdoppeln aber auch Investitionen in Rubel halbieren. Die Verbesserung der politischen deutsch-russischen Beziehungen und das Aufschließen des großen wirtschaftlichen Potenzials Russlands für die deutsche Wirtschaft, die Nutzung von Chancen im neuen Fünfjahresplan und die Minimierung von Risiken. Die wirtschaftliche Hoffnung Realität werden zu lassen ist der Anker der Begegnung. Die Ansprache des deutschen Botschafters Rüdiger von Fritsch war schonungslos offen und hat vor allem die zunehmende politische Rücksichtslosigkeit der US-Administration, bezogen auf den internationalen Handel und das von nicht hinnehmbarer Bevormundung geprägte Verhalten, bezogen auf Europa, hingewiesen.

Prof. Mangold meinte in seiner Ansprache, man hätte vielleicht im Zuge der Assoziierung der Ukraine mehr mit der russischen Seite reden müssen, um den Krieg in der Ostukraine nicht aufkommen zu lassen und um die territoriale Angliederung der Krim an Russland vermeiden zu können. Die Belastungen des bilateralen Verhältnisses durch die Auseinandersetzung mit der Ukraine hätten bei entsprechender Rücksichtnahme gegenüber russischen Interessen in diesem Land vermieden werden können. Mangold sprach von akuten, weltweit wirksamen geopolitischen Verschiebungen, die den Europäern Anlass geben müssen, auch das Verhältnis zu Russland und Eurasien zu überdenken. Das internationale Machtstreben Chinas und der Egoismus und Nationalismus Amerikas sollten ein Weckruf für die Europäer sein, noch enger zusammen zu rücken und die Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft im Kontext gravierender politisch-wirtschaftlicher Veränderungen zu beschleunigen. Der Brexit, die Verschuldung Italiens und das separatistische Verhalten der Visegrad-Staaten schwächen die EU und zwingen zur schnellen Lösung dieser Probleme.

Hans Ulrich Gräf, Bückeburg

Copyright © Mindener Tageblatt 2018
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Vertiefung bestehender BeziehungenBetr.:"Wirtschaft sucht Nähe zu Russland", MT vom 12. Juni Ich habe mir die diplomatische Begrüßung durch den IHK-Präsidenten und die substanziierten Ansprachen angehört. "Wirtschaft sucht Nähe zu Russland" war nicht der Duktus der Eröffnung und ist nicht Tenor der Begegnung. Es geht um die Vertiefung der bestehenden Beziehungen und um die Wirkung der Fesseln, die die Politik der Wirtschaft anlegt, die Russland-Sanktionen und um die direkte Einmischung der USA in bilaterale Wirtschaftsbeziehungen (Northstream II) und um das Ablegen verfestigter Vorurteile gegenüber Russland. Es ging auch um die Überwindung der russischen Investitionsschwäche aufgrund niedriger Energiepreise seit Mitte 2014 und in der Folge um den Verfall der russischen Währung, die die Exportpreise verdoppeln aber auch Investitionen in Rubel halbieren. Die Verbesserung der politischen deutsch-russischen Beziehungen und das Aufschließen des großen wirtschaftlichen Potenzials Russlands für die deutsche Wirtschaft, die Nutzung von Chancen im neuen Fünfjahresplan und die Minimierung von Risiken. Die wirtschaftliche Hoffnung Realität werden zu lassen ist der Anker der Begegnung. Die Ansprache des deutschen Botschafters Rüdiger von Fritsch war schonungslos offen und hat vor allem die zunehmende politische Rücksichtslosigkeit der US-Administration, bezogen auf den internationalen Handel und das von nicht hinnehmbarer Bevormundung geprägte Verhalten, bezogen auf Europa, hingewiesen. Prof. Mangold meinte in seiner Ansprache, man hätte vielleicht im Zuge der Assoziierung der Ukraine mehr mit der russischen Seite reden müssen, um den Krieg in der Ostukraine nicht aufkommen zu lassen und um die territoriale Angliederung der Krim an Russland vermeiden zu können. Die Belastungen des bilateralen Verhältnisses durch die Auseinandersetzung mit der Ukraine hätten bei entsprechender Rücksichtnahme gegenüber russischen Interessen in diesem Land vermieden werden können. Mangold sprach von akuten, weltweit wirksamen geopolitischen Verschiebungen, die den Europäern Anlass geben müssen, auch das Verhältnis zu Russland und Eurasien zu überdenken. Das internationale Machtstreben Chinas und der Egoismus und Nationalismus Amerikas sollten ein Weckruf für die Europäer sein, noch enger zusammen zu rücken und die Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft im Kontext gravierender politisch-wirtschaftlicher Veränderungen zu beschleunigen. Der Brexit, die Verschuldung Italiens und das separatistische Verhalten der Visegrad-Staaten schwächen die EU und zwingen zur schnellen Lösung dieser Probleme. Hans Ulrich Gräf, Bückeburg