Anwohner erfahren über Pläne aus der Zeitung

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Betr.: "Hille hat die größten Reserven", MT vom 6. März

Grundsätzlich finde ich es ja gut und richtig, dass sich die Gemeinde um die zukünftige Ausrichtung der Gewerbeplanung Gedanken macht – oftmals die Triebfeder einer funktionierenden Gemeindeentwicklung.

Was ich allerdings etwas „skeptisch“ betrachte, sind die durch den Artikel aufgeworfenen Fragen. Zum einen ist es mit Sicherheit positiv, wenn externe Beratungsunternehmen hinzugezogen werden – zum anderen frage ich mich, warum wir als Gemeindemitglieder und (in meinem Fall) als Anwohner einer Zufahrtsstraße zum größten Industriegebiet „Glinst“ durch einen redaktionellen Beitrag über die Planungen erfahren müssen. Aus folgenden Gründen heraus denke ich, ist die Erwartungshaltung auch bei anderen Bewohnern der Straße Osterfeld und Glinst mit Sicherheit nicht meine alleinige ist:

1. Bereits das bestehende Industriegebiet mit dem Hafen und dem Gewerbe führt zu fürchterlichen Verhältnissen auf den dafür nicht ausgelegten Straßen. Auch darauf habe ich bereits aufmerksam gemacht - ohne eine Reaktion seitens der Gemeinde. Ich werte dies bereits als Desinteresse, aktiv etwas für die Anwohner zu bewirken.

2. Der Satz „Geplant ist die bisherige weitgehend strikte Trennung von Industrie- und Wohngebieten aufzuheben“ lässt mich mehr als aufhorchen, bereits schön im Artikel mit dem Satz „Künftig gibt es Bereiche, wo laute, stinkende und qualmende Betriebe angesiedelt werden“ skizziert. Was heißt das in unserem konkreten Fall? Darf demnächst direkt neben der Ortsrandsiedlung ein Gewerbebetrieb eröffnen, ohne den Puffer einiger hundert Meter Ackerland? Das möchte a) niemand haben und b) zieht dies in der letzten Konsequenz einiges nach sich – Stichwort Wertverlust der Immobilien, Verlust von Wohn- u. Lebensqualität, Lärm und Abgasbelastung etc. Hier sollten definitiv die Anwohner mit einbezogen werden, auch auf die Gefahr für die Gemeinde hin, nicht immer still und heimlich nur für die wirtschaftlichen Interessen zu arbeiten – letztendlich gilt es seitens der Gemeinde vor allem, das Wohl der Bürger zu wahren und nicht primär das Wohl der Steuereinnahmen im Auge zu haben, wie es mir jetzt erscheint.

3. In Bezug auf Punkt 1 – in wieweit ist ein Ausbau der Transferstraßen für Lieferanten und Arbeitnehmer geplant? Wie wird der Verkehrsfluss künftig geregelt, ist dies Teil der Planung? Bereits heute ist dieser in den Zufahrtsstraßen zu Zeiten der Schichtwechsel „grenzwertig“ um es vorsichtig zu formulieren. „Zuspätkommer“ fahren mit gefühlten 100 km/h durch die kleinen Straßen – eine durch die Planung entstehende massive Erhöhung dieses Aufkommens möchte ich mir aktuell nicht ausmalen.

4. Wenn ich die Planungszeichnung richtig deuten darf, wird das Gewerbegebiet Glinst bis zum Trennungsweg zum Wasserschutzgebiet geplant – also die komplette Gegenseite zur aktuell ansässigen Firma DTH Tiemann. Welche Art von Gewerbe ist dort zu erwarten? Gibt es Reglementierungen in Bezug auf Lärm, Abgase, Zulieferverkehr etc.? Wo sind die definitiven Grenzen in dem Gebiet zwischen Bauland, Industrieland und Ackerland in der Zukunft?

Anhand meiner Fragen ist zu erkennen, dass wir hier akuten Bedarf sehen, mehr Informationen und Einflussnahme auf künftige Entscheidungen zu bekommen. Ich freue mich bereits jetzt auf eine Einladung der Anlieger, um gemeinsam mit der Gemeinde in den Austausch zu gehen. Bis zur finalen Planungsabgabe im Jahr 2022 gibt es ja Gott sei dank auch noch die Wahlphase 2020 für die regionale Politik und das einhergehende Bürgermeisteramt – ich denke, hier können bereits jetzt beide Seiten (Politik und Bürger) die entsprechenden Weichen für die jeweilige Zukunft gemeinsam gestalten.

Sebastian Lacour, Hille

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Anwohner erfahren über Pläne aus der ZeitungBetr.: "Hille hat die größten Reserven", MT vom 6. März Grundsätzlich finde ich es ja gut und richtig, dass sich die Gemeinde um die zukünftige Ausrichtung der Gewerbeplanung Gedanken macht – oftmals die Triebfeder einer funktionierenden Gemeindeentwicklung. Was ich allerdings etwas „skeptisch“ betrachte, sind die durch den Artikel aufgeworfenen Fragen. Zum einen ist es mit Sicherheit positiv, wenn externe Beratungsunternehmen hinzugezogen werden – zum anderen frage ich mich, warum wir als Gemeindemitglieder und (in meinem Fall) als Anwohner einer Zufahrtsstraße zum größten Industriegebiet „Glinst“ durch einen redaktionellen Beitrag über die Planungen erfahren müssen. Aus folgenden Gründen heraus denke ich, ist die Erwartungshaltung auch bei anderen Bewohnern der Straße Osterfeld und Glinst mit Sicherheit nicht meine alleinige ist: 1. Bereits das bestehende Industriegebiet mit dem Hafen und dem Gewerbe führt zu fürchterlichen Verhältnissen auf den dafür nicht ausgelegten Straßen. Auch darauf habe ich bereits aufmerksam gemacht - ohne eine Reaktion seitens der Gemeinde. Ich werte dies bereits als Desinteresse, aktiv etwas für die Anwohner zu bewirken. 2. Der Satz „Geplant ist die bisherige weitgehend strikte Trennung von Industrie- und Wohngebieten aufzuheben“ lässt mich mehr als aufhorchen, bereits schön im Artikel mit dem Satz „Künftig gibt es Bereiche, wo laute, stinkende und qualmende Betriebe angesiedelt werden“ skizziert. Was heißt das in unserem konkreten Fall? Darf demnächst direkt neben der Ortsrandsiedlung ein Gewerbebetrieb eröffnen, ohne den Puffer einiger hundert Meter Ackerland? Das möchte a) niemand haben und b) zieht dies in der letzten Konsequenz einiges nach sich – Stichwort Wertverlust der Immobilien, Verlust von Wohn- u. Lebensqualität, Lärm und Abgasbelastung etc. Hier sollten definitiv die Anwohner mit einbezogen werden, auch auf die Gefahr für die Gemeinde hin, nicht immer still und heimlich nur für die wirtschaftlichen Interessen zu arbeiten – letztendlich gilt es seitens der Gemeinde vor allem, das Wohl der Bürger zu wahren und nicht primär das Wohl der Steuereinnahmen im Auge zu haben, wie es mir jetzt erscheint. 3. In Bezug auf Punkt 1 – in wieweit ist ein Ausbau der Transferstraßen für Lieferanten und Arbeitnehmer geplant? Wie wird der Verkehrsfluss künftig geregelt, ist dies Teil der Planung? Bereits heute ist dieser in den Zufahrtsstraßen zu Zeiten der Schichtwechsel „grenzwertig“ um es vorsichtig zu formulieren. „Zuspätkommer“ fahren mit gefühlten 100 km/h durch die kleinen Straßen – eine durch die Planung entstehende massive Erhöhung dieses Aufkommens möchte ich mir aktuell nicht ausmalen. 4. Wenn ich die Planungszeichnung richtig deuten darf, wird das Gewerbegebiet Glinst bis zum Trennungsweg zum Wasserschutzgebiet geplant – also die komplette Gegenseite zur aktuell ansässigen Firma DTH Tiemann. Welche Art von Gewerbe ist dort zu erwarten? Gibt es Reglementierungen in Bezug auf Lärm, Abgase, Zulieferverkehr etc.? Wo sind die definitiven Grenzen in dem Gebiet zwischen Bauland, Industrieland und Ackerland in der Zukunft? Anhand meiner Fragen ist zu erkennen, dass wir hier akuten Bedarf sehen, mehr Informationen und Einflussnahme auf künftige Entscheidungen zu bekommen. Ich freue mich bereits jetzt auf eine Einladung der Anlieger, um gemeinsam mit der Gemeinde in den Austausch zu gehen. Bis zur finalen Planungsabgabe im Jahr 2022 gibt es ja Gott sei dank auch noch die Wahlphase 2020 für die regionale Politik und das einhergehende Bürgermeisteramt – ich denke, hier können bereits jetzt beide Seiten (Politik und Bürger) die entsprechenden Weichen für die jeweilige Zukunft gemeinsam gestalten. Sebastian Lacour, Hille