Wechsel in der MT-Redaktion: Zwei Neue kommen, zwei gehen Benjamin Piel Minden. Es gibt Abschiede, die fallen leicht. Manche Ehepaare haben sich über die Jahre auseinandergelebt – und dann kann die Trennung eine Befreiung sein. So ist es im Arbeitsleben manchmal auch. Es geht aber auch ganz anders, wie eine Verabschiedung zeigt, die kürzlich die MT-Redaktion zu verschmerzen hatte. Sie musste bedrückten Herzens den vieljährigen Kollegen Stefan Koch und Jürgen Langenkämper Lebewohl sagen. Auf der anderen Seite gab es auch Grund zur Freude, denn dem Verlag ist es ein Anliegen, die Redaktion personell gut aufzustellen. So arbeiten seit einiger Zeit die Redakteure Lea Oetjen und Ilja Regier in der Redaktion. Beinahe 32 Jahre lang war Stefan Koch MT-Redakteur. Nach seiner Schulzeit in der nordhessischen Kreisstadt Eschwege und dem Wehrdienst bei den Pionieren in Holzminden hatte er an der Universität Göttingen die Fächer Deutsche Philologie und Volkskunde als Magister Artium abgeschlossen. Anschließend absolvierte er ein Volontariat beim „Göttinger Blick“ und den Sonntagsblättern „Die Siebte“ und „Sonntag im Eichsfeld“, wo er anschließend als Redakteur arbeitete. Dabei erlebte er ereignisreiche Zeiten, als sich die Grenze öffnete und seine Arbeitgeber den Versuch unternahmen, im Osten Fuß zu fassen. Da der 62-Jährige allerdings perspektivisch bei einer Tageszeitung arbeiten wollte, wurde er sich Ende 1990 mit dem Mindener Tageblatt einig, dem er den Rest seines Berufslebens treu bleiben sollte. Was hat er da wieder am Wickel? Bei den Leserinnen und Lesern machte sich der Nordhesse einen Namen als Mann der besonderen Fälle. Keine Recherche war ihm zu unangenehm. Uneitel vom Scheitel bis zur Sohle, erzählte er die großen und kleinen Geschichten aus der Stadt. Mal war es Müll, der in der Sonne stank, mal kam er Betrügern auf die Schliche und heftete sich jahrelang an die Fersen des sogenannten „Phantoms“, eines Identitätsdiebes. Koch war kein Fall zu klein und kein Fall zu groß, um erzählt zu werden. Mit Hartnäckigkeit und stoischer Gelassenheit machte er sich unkorrumpierbar an die Recherchen und ließ nicht locker, bis er alles „im Kasten“ hatte, wie Journalisten es gerne sagen. „Bitte beantworten Sie meine Frage“, sprach er, wenn’s sein musste, auch sieben Mal in den Telefonhörer, wenn jemand am anderen Ende der Leitung keine Antwort auf das geben wollte, was der Rechercheur für notwendig zu wissen hielt. Das brachte Koch den Respekt seiner Kollegen ein, die mitunter gebannt lauschten und anschließend fragten, was er denn da wieder am Wickel habe. Nun kehrt der Vater von zwei erwachsenen Kindern in seine Heimat zurück. Kenner der Geschichte im Großen und Kleinen Alles Historische war der Arbeitsbereich von Jürgen Langenkämper. Anders als Koch ist er zwar gebürtiger Mindener, hat aber trotzdem eine buntere Berufsbiographie. Der Mann, der im September 64 Jahre alt wird, hat sein Abitur am Besselgymnasium abgelegt und seinen Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz geleistet. Anschließend studierte er in Berlin, Bielefeld und an der Pariser Elite-Hochschule „École des Hautes Études en Sciences Sociales“ erst Rechtswissenschaft, dann Geschichte, Philosophie und Soziologie. Danach absolvierte er sein Volontariat beim Mindener Tageblatt und war Mitglied der Redaktion, bevor er als Redakteur erst zur Wolfsburger Allgemeinen Zeitung (ab 1993) und dann zur Lippischen Landes-Zeitung nach Detmold (ab 1997) wechselte. Im Jahr 2000 kehrte er schließlich nach Minden zurück, wo er 22 Jahre lang fürs MT tätig blieb. Der Vater von drei erwachsenen Kindern erwies sich als famoser Kenner der Geschichte im Großen und Kleinen. Kein Kaiserreich, dessen Eckdaten er nicht ohne nachzuschlagen wusste. Kaum ein Winkel der Mindener Geschichte, der ihm verborgen geblieben wäre. Und kannte er einmal etwas nicht gleich, wusste er zielsicher, wo er nachschlagen musste – und tat das gerne auch ausgiebig. Neben historischem Wissen verfügt Langenkämper über ein dichtes Netz an Kontakten, das es ihm ermöglichte, in Windeseile Informationen einzuholen. Menschen am Rande der Gesellschaft zu zeigen und auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen, lag dem Soziologen besonders am Herzen. Unvergessen bleibt sein Selbstversuch, sieben Wochen lang auf dem Niveau von Hartz-IV-Bezügen zu leben. Immer wieder wanderte er auf den Spuren des in Minden geborenen deutsch-amerikanischen Anthropologen Franz Boas und des gebürtigen Hartumers Abraham Jacobi, der als „Vater der Kinderheilkunde“ in die Medizingeschichte einging. Mitunter verdrehten Teile der Redaktion leicht die Augen, wenn er mal wieder ein historisches Detail faktentreu und kenntnisreich auszurollen gedachte. Das ändert aber nichts daran, dass sein Blick auf die regionale Vergangenheit in der Leserschaft überaus geschätzt war. Sie will Geschichten über Menschen erzählen Eine der Neuen in der Redaktion ist schon seit Längerem Lea Oetjen. Mehr Zeitungskind als sie zu sein, geht vermutlich kaum. Denn ihr Vater ist Sportredakteur bei der Walsroder Zeitung. Kein Wunder, dass sie schon zu Schulzeiten nicht nur für ihre Heimatzeitung zu arbeiten begann, sondern auch den Berufswunsch Journalistin recht schnell fest im Blick hatte. Direkt nach ihrem Abitur am Domgymnasium zu Verden volontierte sie ab 2017 bei der Mediengruppe Kreiszeitung Syke in verschiedenen Lokalredaktionen und im Mantel. Anschließend wurde sie dort als Sportredakteurin übernommen. Sie wechselte nach Minden, weil sie den „Wunsch nach etwas Neuem“ verspürt hatte. Gleich im Vorstellungsgespräch hatte sie erklärt, was ihr genauer Wunsch ist: Geschichten von vor Ort und über Menschen erzählen. Das tut sie nun schon seit Ende 2020. Als 22-Jährige eine mehrjährige journalistische Laufbahn vorzuweisen – nicht jeder kann das von sich behaupten. Eine Rückkehr zum MT Gerade frisch zum MT zurückgekehrt ist Ilja Regier. Der 34-Jährige hat einen Bachelor in „Literary, Cultural and Media Studies“ sowie „Language and Communication“ an der Universität Siegen abgelegt sowie einen Master in Medienwissenschaft an der Universität Paderborn. Schon als Student arbeitete er als Freier Mitarbeiter für das Westfalen-Blatt und die Neue Westfälische. Als besonders prägend erlebte der gebürtige Moskauer ein Praktikum bei der „Moskauer Deutschen Zeitung“. Bereits sein Volontariat absolvierte er beim Mindener Tageblatt (2016 bis 2019). Während dieser Zeit war es ihm ein besonderes Anliegen, während mehrerer Recherchereisen einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Er reiste in und berichtete fürs MT über Länder wie Russland, die Ukraine, Belarus und die Republik Moldau. Nach seiner redaktionellen Ausbildung war er von 2019 bis 2022 als Online-Redakteur für die Neue Westfälische für die Kreise Minden-Lübbecke und Herford tätig. Seinem neuen Wohnort Minden blieb er während dieser Zeit treu. So fiel ihm die Rückkehr zum MT besonders leicht.
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Wechsel in der MT-Redaktion: Zwei Neue kommen, zwei gehen

Das Mindener Tageblatt hat sich verjüngt. Jürgen Langenkämper und Stefan Koch haben die Lokalredaktion verlassen. Lea Oetjen und Ilja Regier sind hinzu gekommen (von links). MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Es gibt Abschiede, die fallen leicht. Manche Ehepaare haben sich über die Jahre auseinandergelebt – und dann kann die Trennung eine Befreiung sein. So ist es im Arbeitsleben manchmal auch. Es geht aber auch ganz anders, wie eine Verabschiedung zeigt, die kürzlich die MT-Redaktion zu verschmerzen hatte. Sie musste bedrückten Herzens den vieljährigen Kollegen Stefan Koch und Jürgen Langenkämper Lebewohl sagen. Auf der anderen Seite gab es auch Grund zur Freude, denn dem Verlag ist es ein Anliegen, die Redaktion personell gut aufzustellen. So arbeiten seit einiger Zeit die Redakteure Lea Oetjen und Ilja Regier in der Redaktion.

Beinahe 32 Jahre lang war Stefan Koch MT-Redakteur. Nach seiner Schulzeit in der nordhessischen Kreisstadt Eschwege und dem Wehrdienst bei den Pionieren in Holzminden hatte er an der Universität Göttingen die Fächer Deutsche Philologie und Volkskunde als Magister Artium abgeschlossen. Anschließend absolvierte er ein Volontariat beim „Göttinger Blick“ und den Sonntagsblättern „Die Siebte“ und „Sonntag im Eichsfeld“, wo er anschließend als Redakteur arbeitete. Dabei erlebte er ereignisreiche Zeiten, als sich die Grenze öffnete und seine Arbeitgeber den Versuch unternahmen, im Osten Fuß zu fassen. Da der 62-Jährige allerdings perspektivisch bei einer Tageszeitung arbeiten wollte, wurde er sich Ende 1990 mit dem Mindener Tageblatt einig, dem er den Rest seines Berufslebens treu bleiben sollte.

Was hat er da wieder am Wickel?

Bei den Leserinnen und Lesern machte sich der Nordhesse einen Namen als Mann der besonderen Fälle. Keine Recherche war ihm zu unangenehm. Uneitel vom Scheitel bis zur Sohle, erzählte er die großen und kleinen Geschichten aus der Stadt. Mal war es Müll, der in der Sonne stank, mal kam er Betrügern auf die Schliche und heftete sich jahrelang an die Fersen des sogenannten „Phantoms“, eines Identitätsdiebes.

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Koch war kein Fall zu klein und kein Fall zu groß, um erzählt zu werden. Mit Hartnäckigkeit und stoischer Gelassenheit machte er sich unkorrumpierbar an die Recherchen und ließ nicht locker, bis er alles „im Kasten“ hatte, wie Journalisten es gerne sagen. „Bitte beantworten Sie meine Frage“, sprach er, wenn’s sein musste, auch sieben Mal in den Telefonhörer, wenn jemand am anderen Ende der Leitung keine Antwort auf das geben wollte, was der Rechercheur für notwendig zu wissen hielt. Das brachte Koch den Respekt seiner Kollegen ein, die mitunter gebannt lauschten und anschließend fragten, was er denn da wieder am Wickel habe. Nun kehrt der Vater von zwei erwachsenen Kindern in seine Heimat zurück.

Kenner der Geschichte im Großen und Kleinen

Alles Historische war der Arbeitsbereich von Jürgen Langenkämper. Anders als Koch ist er zwar gebürtiger Mindener, hat aber trotzdem eine buntere Berufsbiographie. Der Mann, der im September 64 Jahre alt wird, hat sein Abitur am Besselgymnasium abgelegt und seinen Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz geleistet. Anschließend studierte er in Berlin, Bielefeld und an der Pariser Elite-Hochschule „École des Hautes Études en Sciences Sociales“ erst Rechtswissenschaft, dann Geschichte, Philosophie und Soziologie. Danach absolvierte er sein Volontariat beim Mindener Tageblatt und war Mitglied der Redaktion, bevor er als Redakteur erst zur Wolfsburger Allgemeinen Zeitung (ab 1993) und dann zur Lippischen Landes-Zeitung nach Detmold (ab 1997) wechselte. Im Jahr 2000 kehrte er schließlich nach Minden zurück, wo er 22 Jahre lang fürs MT tätig blieb.

Der Vater von drei erwachsenen Kindern erwies sich als famoser Kenner der Geschichte im Großen und Kleinen. Kein Kaiserreich, dessen Eckdaten er nicht ohne nachzuschlagen wusste. Kaum ein Winkel der Mindener Geschichte, der ihm verborgen geblieben wäre. Und kannte er einmal etwas nicht gleich, wusste er zielsicher, wo er nachschlagen musste – und tat das gerne auch ausgiebig. Neben historischem Wissen verfügt Langenkämper über ein dichtes Netz an Kontakten, das es ihm ermöglichte, in Windeseile Informationen einzuholen. Menschen am Rande der Gesellschaft zu zeigen und auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen, lag dem Soziologen besonders am Herzen. Unvergessen bleibt sein Selbstversuch, sieben Wochen lang auf dem Niveau von Hartz-IV-Bezügen zu leben. Immer wieder wanderte er auf den Spuren des in Minden geborenen deutsch-amerikanischen Anthropologen Franz Boas und des gebürtigen Hartumers Abraham Jacobi, der als „Vater der Kinderheilkunde“ in die Medizingeschichte einging. Mitunter verdrehten Teile der Redaktion leicht die Augen, wenn er mal wieder ein historisches Detail faktentreu und kenntnisreich auszurollen gedachte. Das ändert aber nichts daran, dass sein Blick auf die regionale Vergangenheit in der Leserschaft überaus geschätzt war.

Sie will Geschichten über Menschen erzählen

Eine der Neuen in der Redaktion ist schon seit Längerem Lea Oetjen. Mehr Zeitungskind als sie zu sein, geht vermutlich kaum. Denn ihr Vater ist Sportredakteur bei der Walsroder Zeitung. Kein Wunder, dass sie schon zu Schulzeiten nicht nur für ihre Heimatzeitung zu arbeiten begann, sondern auch den Berufswunsch Journalistin recht schnell fest im Blick hatte. Direkt nach ihrem Abitur am Domgymnasium zu Verden volontierte sie ab 2017 bei der Mediengruppe Kreiszeitung Syke in verschiedenen Lokalredaktionen und im Mantel.

Anschließend wurde sie dort als Sportredakteurin übernommen. Sie wechselte nach Minden, weil sie den „Wunsch nach etwas Neuem“ verspürt hatte. Gleich im Vorstellungsgespräch hatte sie erklärt, was ihr genauer Wunsch ist: Geschichten von vor Ort und über Menschen erzählen. Das tut sie nun schon seit Ende 2020. Als 22-Jährige eine mehrjährige journalistische Laufbahn vorzuweisen – nicht jeder kann das von sich behaupten.

Eine Rückkehr zum MT

Gerade frisch zum MT zurückgekehrt ist Ilja Regier. Der 34-Jährige hat einen Bachelor in „Literary, Cultural and Media Studies“ sowie „Language and Communication“ an der Universität Siegen abgelegt sowie einen Master in Medienwissenschaft an der Universität Paderborn. Schon als Student arbeitete er als Freier Mitarbeiter für das Westfalen-Blatt und die Neue Westfälische. Als besonders prägend erlebte der gebürtige Moskauer ein Praktikum bei der „Moskauer Deutschen Zeitung“.

Bereits sein Volontariat absolvierte er beim Mindener Tageblatt (2016 bis 2019). Während dieser Zeit war es ihm ein besonderes Anliegen, während mehrerer Recherchereisen einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Er reiste in und berichtete fürs MT über Länder wie Russland, die Ukraine, Belarus und die Republik Moldau. Nach seiner redaktionellen Ausbildung war er von 2019 bis 2022 als Online-Redakteur für die Neue Westfälische für die Kreise Minden-Lübbecke und Herford tätig. Seinem neuen Wohnort Minden blieb er während dieser Zeit treu. So fiel ihm die Rückkehr zum MT besonders leicht.

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