Wo das Jetzt Geschichte wird: Unterlübbes Ortsheimatpfleger will die Zeit des Impfzentrums dokumentieren Carsten Korfesmeyer Hille-Unterlübbe. Der Ortsheimatpfleger blickt schon weit in die Zukunft. Die Pandemie ist dann ein Fall für die Geschichtsbücher und Dr. Volker Tiemann macht sich aktuell seine Gedanken darüber, wie er diese besondere Zeit in die Ortschronik von Unterlübbe einbeziehen könnte. „Vielleicht als eine Art Fotodokumentation", sagt der 61-Jährige am Samstag im MT-Gespräch. Überzeugt ist er, dass die Menschen im Ort noch in einem Jahrhundert über das Kapitel sprechen werden, als die Sporthalle zum Impfzentrum des Kreises wurde. Der Kunsthistoriker weiß um das Risiko, dass Ereignisse in der Dorfgeschichte später verklärt oder verfälscht überliefert werden. Geschehenes könnte gar in Vergessenheit geraten, wenn irgendwann die Erinnerungen verblassen und man einfach nicht mehr darüber spricht. „Deshalb muss alles genau aufgeschrieben und dokumentiert werden", sagt Tiemann. Genau das könnte aus Datenschutzgründen gar nicht so einfach sein, weil unter anderem abgebildete Personen ihr grundsätzliches Einverständnis geben müssten und im Impfzentrum nur in Ausnahmefällen fotografiert werden darf. „Als Ortsheimatpfleger ist es meine Pflicht, das alles zu dokumentieren", sagt er. Beim Kreis signalisiere man ihm Entgegenkommen, sagt er. Mittwochvormittag trifft sich Tiemann mit den Verantwortlichen, um die Details zu klären. In den vergangenen Wochen hat sich der Ortsheimatpfleger viele Gedanken darüber gemacht, wie die Ära des Impfzentrums in die knapp 1.000 Jahre alte Dorfgeschichte einzuordnen ist. „Sie zählt auf jeden Fall zu den größten Ereignissen, die wir hier hatten", sagt er. Der kleine Ort an der Bastauniederung genieße im gesamten Mühlenkreis einer Art Promi-Status. Jeder wisse jetzt, wo Unterlübbe liege und für die aktuell knapp 900 Einwohner habe sich der Alltag seit Februar gewaltig verändert. Allein das tägliche Verkehrsaufkommen habe enorm zugelegt. Es herrsche regelmäßig ein Andrang, wie es ihn sonst nur bei Aufstiegsspielen der Handballer gebe. Im Blick hat Tiemann das ganze Drumherum – beispielsweise die Parkplatzsituation, die sich aufgrund des stetig wachsenden Andrangs mit der Zeit enorm verändert hatte. Anfangs reichten noch die Plätze vor der Sporthalle, inzwischen ist ein ganzer Acker mit provisorischen Stellplätzen auf so genannten Panzerkeksen der Bundeswehr hergerichtet. „Es gab Zeiten, da konnte man am Friedhof kein Auto mehr abstellen", sagt der Ortsheimatpfleger. Doch trotz der Ausnahmesituation durch das Impfzentrum hätten sich die Unterlübber seit jeher als gute Gastgeber gezeigt. Auch das will er in seiner Dokumentation festhalten. Teil des Konzepts könnte auch die Einbeziehung der Verantwortlichen sein. Die könnten in kurzen Interviews jeweils aus ihrer Sicht die Abläufe schildern und die Situationen einordnen. Der Betrachter soll sich selbst ein umfassendes Bild machen können, in dem er rein objektive Informationen liefert. Und wie alle wünscht sich auch er, dass möglichst schnell wieder Normalität in den Hiller Ortsteil einzieht. Dann soll der Blick in die Ortschronik an eine besondere Epoche erinnern, die den Menschen einiges abverlangte. Wie groß die Dokumentation wird, weiß Tiemann noch nicht. „Vielleicht wird es sogar eine Denkschrift."

Wo das Jetzt Geschichte wird: Unterlübbes Ortsheimatpfleger will die Zeit des Impfzentrums dokumentieren

Die Unterlübber Sporthalle beherbergt seit rund einem halben Jahr das Impfzentrum des Kreises. MT-Foto: Alex Lehn (Archiv) © Alex Lehn

Hille-Unterlübbe. Der Ortsheimatpfleger blickt schon weit in die Zukunft. Die Pandemie ist dann ein Fall für die Geschichtsbücher und Dr. Volker Tiemann macht sich aktuell seine Gedanken darüber, wie er diese besondere Zeit in die Ortschronik von Unterlübbe einbeziehen könnte. „Vielleicht als eine Art Fotodokumentation", sagt der 61-Jährige am Samstag im MT-Gespräch. Überzeugt ist er, dass die Menschen im Ort noch in einem Jahrhundert über das Kapitel sprechen werden, als die Sporthalle zum Impfzentrum des Kreises wurde.

Der Kunsthistoriker weiß um das Risiko, dass Ereignisse in der Dorfgeschichte später verklärt oder verfälscht überliefert werden. Geschehenes könnte gar in Vergessenheit geraten, wenn irgendwann die Erinnerungen verblassen und man einfach nicht mehr darüber spricht. „Deshalb muss alles genau aufgeschrieben und dokumentiert werden", sagt Tiemann. Genau das könnte aus Datenschutzgründen gar nicht so einfach sein, weil unter anderem abgebildete Personen ihr grundsätzliches Einverständnis geben müssten und im Impfzentrum nur in Ausnahmefällen fotografiert werden darf. „Als Ortsheimatpfleger ist es meine Pflicht, das alles zu dokumentieren", sagt er. Beim Kreis signalisiere man ihm Entgegenkommen, sagt er. Mittwochvormittag trifft sich Tiemann mit den Verantwortlichen, um die Details zu klären.

In den vergangenen Wochen hat sich der Ortsheimatpfleger viele Gedanken darüber gemacht, wie die Ära des Impfzentrums in die knapp 1.000 Jahre alte Dorfgeschichte einzuordnen ist. „Sie zählt auf jeden Fall zu den größten Ereignissen, die wir hier hatten", sagt er. Der kleine Ort an der Bastauniederung genieße im gesamten Mühlenkreis einer Art Promi-Status. Jeder wisse jetzt, wo Unterlübbe liege und für die aktuell knapp 900 Einwohner habe sich der Alltag seit Februar gewaltig verändert. Allein das tägliche Verkehrsaufkommen habe enorm zugelegt. Es herrsche regelmäßig ein Andrang, wie es ihn sonst nur bei Aufstiegsspielen der Handballer gebe.


Im Blick hat Tiemann das ganze Drumherum – beispielsweise die Parkplatzsituation, die sich aufgrund des stetig wachsenden Andrangs mit der Zeit enorm verändert hatte. Anfangs reichten noch die Plätze vor der Sporthalle, inzwischen ist ein ganzer Acker mit provisorischen Stellplätzen auf so genannten Panzerkeksen der Bundeswehr hergerichtet. „Es gab Zeiten, da konnte man am Friedhof kein Auto mehr abstellen", sagt der Ortsheimatpfleger. Doch trotz der Ausnahmesituation durch das Impfzentrum hätten sich die Unterlübber seit jeher als gute Gastgeber gezeigt. Auch das will er in seiner Dokumentation festhalten.

Teil des Konzepts könnte auch die Einbeziehung der Verantwortlichen sein. Die könnten in kurzen Interviews jeweils aus ihrer Sicht die Abläufe schildern und die Situationen einordnen. Der Betrachter soll sich selbst ein umfassendes Bild machen können, in dem er rein objektive Informationen liefert. Und wie alle wünscht sich auch er, dass möglichst schnell wieder Normalität in den Hiller Ortsteil einzieht. Dann soll der Blick in die Ortschronik an eine besondere Epoche erinnern, die den Menschen einiges abverlangte. Wie groß die Dokumentation wird, weiß Tiemann noch nicht. „Vielleicht wird es sogar eine Denkschrift."

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