Wilde Partys im „Blauen Salon“: Diese Promis haben schon in Holzhausen gefeiert Stefanie Dullweber Hille-Holzhausen. Feiern können die Holzhauser gut und ausgelassen – und auch anpacken, wenn es drauf ankommt. Beste Voraussetzungen für ein rauschendes Fest zum 75-Jährigen Bestehen des Sportvereins und zum 50. Jahrestag der Einweihung ihrer Bürgerhalle. Allerdings wollen die Verantwortlichen alles ins nächste Jahr verschieben. „Wegen der Pandemie konnten wir nicht planen“, sagt der VfB-Vorsitzende Stefan Wiese. Und wenn gefeiert wird, dann auch richtig. Geschichtliches Eigentlich ist der Sportverein schon einige Jahre älter, denn bereits 1892 wurde ein Verein mit dem Namen „Cimbria“ ins Leben gerufen. In erster Linie wurde Fußball gespielt, bevor man nach dem ersten Weltkrieg zum Handball wechselte. Die Aktiven trainierten auf einer Wiese an der Hohenstraße, mussten dabei aber auf den Weidebetrieb Rücksicht nehmen, heißt es in der Vereinschronik. Ab 1938 waren alle nicht nationalsozialistischen Vereine aufgelöst, erst 1946 wurde der Cimbria VfB als einziger Holzhauser Sportverein wieder ins Leben gerufen. Der Nationalspieler Artur Küter baute eine Handballmannschaft auf, die auf regionaler Ebene fast unschlagbar war. Weil der Name Cimbria auf einen alten Germanenstamm zurückging, verzichteten die Holzhauser ab 1954 auf diesen Namen.Eine eigene Halle Sport wurde vor dem Bau der Halle draußen getrieben – der letzte Feldhandballmeister wurde beispielsweise 1975 ermittelt. Als 1969 die Schule in Holzhausen geschlossen wurde, verlegten die Verantwortlichen zunächst den alten Lehmkuhlen-Sportplatz auf das Schulgelände. Weil auch dieser Platz bei Regen unbespielbar war, kümmerte sich die Dorfgemeinschaft um den Einbau einer Drainage. 1967 und 1968 bekam der VfB auch die ersten Trainingsstunden in der Turnhalle Hartum zugewiesen.In Sachen Hallenbau waren zunächst keine Fortschritte zu verzeichnen. Lange wurde politisch um die Größe der Halle gerungen – die Entscheidung fiel schließlich zugunsten einer größeren Einfachturnhalle. Sportler und Bürger leisteten laut Vereinschronik 6.300 Stunden Eigenleistung. Die Bürgerhalle wurde am 25. August 1971 eingeweiht. „Sie trägt ihren Namen zurecht“, sagt die heutige Holzhauser Ortsvorsteherin Kirsten Gardini. Bis 1969 war der VfB im Übrigen ein reiner Männerverein – das änderte sich mit der Gründung der ersten Gymnastikgruppe. Im Jahr 1992 erfolgte eine Erweiterung der Sporthalle sowie die grundlegende Sanierung diverser Baukörper. An der Bürgerhalle hat auch der evangelische Kindergarten sein Domizil.Promis und Partys Bei der Argumentation für eine Großraumhalle stand von vornherein fest, dass diese auch für kulturelle Zwecke aller Art genutzt werden sollte. So bemühte man sich ab 1972 um Auftritte namhafter Künstler, angefangen mit Nina Westen aus der Haifischbar, den Don Kosaken, den Oberkrainern, Toni Marshall, Ernst Mosch bis hin zu Didi Hallervorden und den Disco-Veranstaltungen „GoParc on Tour“. Es gab aber auch politische Veranstaltungen mit Gästen wie Friedhelm Farthmann (SPD) oder Kurt Biedenkopf (CDU). Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Holzhausen II spielt in der Halle seine Konzerte und auch die Dorfgemeinschaftsfeste sind legendär. Neben den Geflügelausstellungen sind auch die Rassekaninchen inklusive Kaninhop – Hürdenspringen für Kaninchen – regelmäßig vor Ort.Förderverein 1987 brachte der Westfälische Handballverband den VfB in eine fatale Lage. Plötzlich flatterte die Anordnung ins Haus, sämtliche Spiele ab Verbandsliga dürften nur noch auf Feldern ausgetragen werden, die internationalen Normen entsprechen. Eine Ausnahmeregelung gab es nicht. Die rettende Idee, um die finanziellen Mittel für einen Umbau aufzubringen, war die Gründung eines Fördervereins. Dieser wurde am 11. Mai 1988 unter dem Vorsitz von Hilbert Büsking ins Leben gerufen. „Das Ziel war es, 100.000 DM an Spenden zu sammeln, um den Umbau mitzufinanzieren. Das ist tatsächlich innerhalb von drei Jahren gelungen“, sagt die Vorsitzende Kirsten Wiese. Zu Spitzenzeiten hatte der Förderverein 200 Mitglieder, aktuell sind es etwa 140. Die Erweiterung der Halle um fünf Meter nach Westen war im Oktober 1992 abgeschlossen. Seitdem trägt die Halle den Beinamen „Blauer Salon“ – wegen eines blauen Teppichs an der Wand. Zuletzt hat sich der Verein für ein Vordach an der Bürgerhalle eingesetzt. Es wurde 2018 eingeweiht. Finanziert wurde das rund 20.000 Euro teure Projekt aus Spenden von Unternehmen und Holzhauser Bürgern. Sportliche Erfolge 1978 stiegen die Frauen und 1977 die Männer in die Verbandsliga auf. Die Judoabteilung meldete 40 Gürtelprüfungen. 1979 erfolgte der Aufstieg der Handballfrauen in die Oberliga, drei Jahre später ging es hoch in die Regionalliga. Für viele dieser Erfolge steht der Name Waltraud Jakob, die 17 Jahre Trainerin der Frauenmannschaft war. Die Handball-Männer feierten ihre größten Erfolge in den 80er Jahren und wurden vom Abstiegskandidaten in der Verbandsliga innerhalb von zwei Jahren zu einem der vorderen Teams in der Oberliga. Der Aufstieg gelang am 26. April 1987. Der Nachwuchsmangel machte auch vor dem VfB nicht Halt, so dass der Verein im Jugendbereich in der Saison 1989/90 eine Spielgemeinschaft mit dem TuS Hartum einging. Heute ist der VfB im Handball sowohl bei den Senioren- als auch bei den Jugendmannschaften in die Spielgemeinschaft LIT 1912 integriert.Silvesterturniere Vor knapp 50 Jahren entstand bei den Machern des VfB Holzhausen die Idee, die Winterpause mit einem Handballturnier zu überbrücken. Die Bürgerhalle liefert dafür nahezu perfekte Bedingungen – die Zuschauer können an der Theke stehen und nebenbei Handball gucken. Jahrelang wurde das Thema Brandschutz charmant gelöst. „Es gab eine Brandwache und vor der Halle stand ein Löschwagen“, weiß Erwin Habbe. Auch deshalb durfte in der Halle geraucht werden und die Bratwürste wurden im Kabinengang gegrillt. Spätestens beim Finale war das gegenüberliegende Tor in den Rauchschwaden verschwunden.Sanierungen Bereits 2012 hat die Gemeinde aufgrund des Bauzustandes ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben. Ein Teil wurde umgesetzt, andere Dinge zurückgestellt. Als der Kreis 2015 ankündigte, außersportliche Veranstaltungen aufgrund des mangelnden Brandschutzes nicht mehr zu genehmigen, musste die Gemeinde reagieren, um weiterhin Konzerte, Versammlungen oder Geflügelschauen zu ermöglichen. Aktuell stehen erneut umfangreiche Sanierungsarbeiten an. Die Kosten wurden im letzten Jahr auf gut eine Million Euro geschätzt. Betroffen sind die Umkleiden, der WC-Bereich für die Zuschauer, die Flure, der Jugendraum sowie der Sportboden. Dazu kommen kostenintensive Reparaturen wie die Sanierung des Trink- und Schmutzwassernetzes, der Abwasserleitungen, der Lüftungsanlage, des Dachs und der Einbau neuer Heizkörper. Zudem hat der VfB einen Antrag gestellt, der eine Vergrößerung des Schiedsrichterraumes und des Eingangsbereichs, Nutzung von Gemeinschaftsräumen für Besprechungen, Wegfall der maroden sanitären Anlagen, Schaffung eines Raumes für Physiotherapie und eines Behinderten-WCs beinhaltet. Ein erster Antrag der Gemeinde auf Fördermittel ist nicht bewilligt worden. Der Verein hofft, dass der zweite Versuch erfolgreich ist und der Umbau im nächsten Jahr stattfindet.

Wilde Partys im „Blauen Salon“: Diese Promis haben schon in Holzhausen gefeiert

So lange es die Bürgerhalle gibt, finden hier auch Dorfgemeinschaftsfeste statt. Dabei wird immer ausgelassen gefeiert. Fotos: MT-Archiv

Hille-Holzhausen. Feiern können die Holzhauser gut und ausgelassen – und auch anpacken, wenn es drauf ankommt. Beste Voraussetzungen für ein rauschendes Fest zum 75-Jährigen Bestehen des Sportvereins und zum 50. Jahrestag der Einweihung ihrer Bürgerhalle. Allerdings wollen die Verantwortlichen alles ins nächste Jahr verschieben. „Wegen der Pandemie konnten wir nicht planen“, sagt der VfB-Vorsitzende Stefan Wiese. Und wenn gefeiert wird, dann auch richtig.

Geschichtliches

Eigentlich ist der Sportverein schon einige Jahre älter, denn bereits 1892 wurde ein Verein mit dem Namen „Cimbria“ ins Leben gerufen. In erster Linie wurde Fußball gespielt, bevor man nach dem ersten Weltkrieg zum Handball wechselte. Die Aktiven trainierten auf einer Wiese an der Hohenstraße, mussten dabei aber auf den Weidebetrieb Rücksicht nehmen, heißt es in der Vereinschronik. Ab 1938 waren alle nicht nationalsozialistischen Vereine aufgelöst, erst 1946 wurde der Cimbria VfB als einziger Holzhauser Sportverein wieder ins Leben gerufen. Der Nationalspieler Artur Küter baute eine Handballmannschaft auf, die auf regionaler Ebene fast unschlagbar war. Weil der Name Cimbria auf einen alten Germanenstamm zurückging, verzichteten die Holzhauser ab 1954 auf diesen Namen.

Eine eigene Halle

Malina Reckordt

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Sport wurde vor dem Bau der Halle draußen getrieben – der letzte Feldhandballmeister wurde beispielsweise 1975 ermittelt. Als 1969 die Schule in Holzhausen geschlossen wurde, verlegten die Verantwortlichen zunächst den alten Lehmkuhlen-Sportplatz auf das Schulgelände. Weil auch dieser Platz bei Regen unbespielbar war, kümmerte sich die Dorfgemeinschaft um den Einbau einer Drainage. 1967 und 1968 bekam der VfB auch die ersten Trainingsstunden in der Turnhalle Hartum zugewiesen.

In Sachen Hallenbau waren zunächst keine Fortschritte zu verzeichnen. Lange wurde politisch um die Größe der Halle gerungen – die Entscheidung fiel schließlich zugunsten einer größeren Einfachturnhalle. Sportler und Bürger leisteten laut Vereinschronik 6.300 Stunden Eigenleistung. Die Bürgerhalle wurde am 25. August 1971 eingeweiht. „Sie trägt ihren Namen zurecht“, sagt die heutige Holzhauser Ortsvorsteherin Kirsten Gardini. Bis 1969 war der VfB im Übrigen ein reiner Männerverein – das änderte sich mit der Gründung der ersten Gymnastikgruppe. Im Jahr 1992 erfolgte eine Erweiterung der Sporthalle sowie die grundlegende Sanierung diverser Baukörper. An der Bürgerhalle hat auch der evangelische Kindergarten sein Domizil.

Promis und Partys

Die Silvesterturniere sind ein Höhepunkt des sportlichen Jahres. Hier stehen die Besucher an der Theke und gucken nebenbei Handball. - © MT-Archiv
Die Silvesterturniere sind ein Höhepunkt des sportlichen Jahres. Hier stehen die Besucher an der Theke und gucken nebenbei Handball. - © MT-Archiv

Bei der Argumentation für eine Großraumhalle stand von vornherein fest, dass diese auch für kulturelle Zwecke aller Art genutzt werden sollte. So bemühte man sich ab 1972 um Auftritte namhafter Künstler, angefangen mit Nina Westen aus der Haifischbar, den Don Kosaken, den Oberkrainern, Toni Marshall, Ernst Mosch bis hin zu Didi Hallervorden und den Disco-Veranstaltungen „GoParc on Tour“. Es gab aber auch politische Veranstaltungen mit Gästen wie Friedhelm Farthmann (SPD) oder Kurt Biedenkopf (CDU). Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Holzhausen II spielt in der Halle seine Konzerte und auch die Dorfgemeinschaftsfeste sind legendär. Neben den Geflügelausstellungen sind auch die Rassekaninchen inklusive Kaninhop – Hürdenspringen für Kaninchen – regelmäßig vor Ort.

Förderverein

In diesem Jahr sollten die deutschen Meisterschaften im Kaninhop stattfinden. Auch diese Veranstaltung wurde aufgrund der Pandemie verschoben. - © Archiv
In diesem Jahr sollten die deutschen Meisterschaften im Kaninhop stattfinden. Auch diese Veranstaltung wurde aufgrund der Pandemie verschoben. - © Archiv

1987 brachte der Westfälische Handballverband den VfB in eine fatale Lage. Plötzlich flatterte die Anordnung ins Haus, sämtliche Spiele ab Verbandsliga dürften nur noch auf Feldern ausgetragen werden, die internationalen Normen entsprechen. Eine Ausnahmeregelung gab es nicht. Die rettende Idee, um die finanziellen Mittel für einen Umbau aufzubringen, war die Gründung eines Fördervereins. Dieser wurde am 11. Mai 1988 unter dem Vorsitz von Hilbert Büsking ins Leben gerufen. „Das Ziel war es, 100.000 DM an Spenden zu sammeln, um den Umbau mitzufinanzieren. Das ist tatsächlich innerhalb von drei Jahren gelungen“, sagt die Vorsitzende Kirsten Wiese. Zu Spitzenzeiten hatte der Förderverein 200 Mitglieder, aktuell sind es etwa 140. Die Erweiterung der Halle um fünf Meter nach Westen war im Oktober 1992 abgeschlossen. Seitdem trägt die Halle den Beinamen „Blauer Salon“ – wegen eines blauen Teppichs an der Wand. Zuletzt hat sich der Verein für ein Vordach an der Bürgerhalle eingesetzt. Es wurde 2018 eingeweiht. Finanziert wurde das rund 20.000 Euro teure Projekt aus Spenden von Unternehmen und Holzhauser Bürgern.

Sportliche Erfolge

1978 stiegen die Frauen und 1977 die Männer in die Verbandsliga auf. Die Judoabteilung meldete 40 Gürtelprüfungen. 1979 erfolgte der Aufstieg der Handballfrauen in die Oberliga, drei Jahre später ging es hoch in die Regionalliga. Für viele dieser Erfolge steht der Name Waltraud Jakob, die 17 Jahre Trainerin der Frauenmannschaft war. Die Handball-Männer feierten ihre größten Erfolge in den 80er Jahren und wurden vom Abstiegskandidaten in der Verbandsliga innerhalb von zwei Jahren zu einem der vorderen Teams in der Oberliga. Der Aufstieg gelang am 26. April 1987. Der Nachwuchsmangel machte auch vor dem VfB nicht Halt, so dass der Verein im Jugendbereich in der Saison 1989/90 eine Spielgemeinschaft mit dem TuS Hartum einging. Heute ist der VfB im Handball sowohl bei den Senioren- als auch bei den Jugendmannschaften in die Spielgemeinschaft LIT 1912 integriert.

Silvesterturniere

Vor knapp 50 Jahren entstand bei den Machern des VfB Holzhausen die Idee, die Winterpause mit einem Handballturnier zu überbrücken. Die Bürgerhalle liefert dafür nahezu perfekte Bedingungen – die Zuschauer können an der Theke stehen und nebenbei Handball gucken. Jahrelang wurde das Thema Brandschutz charmant gelöst. „Es gab eine Brandwache und vor der Halle stand ein Löschwagen“, weiß Erwin Habbe. Auch deshalb durfte in der Halle geraucht werden und die Bratwürste wurden im Kabinengang gegrillt. Spätestens beim Finale war das gegenüberliegende Tor in den Rauchschwaden verschwunden.

Sanierungen

Bereits 2012 hat die Gemeinde aufgrund des Bauzustandes ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben. Ein Teil wurde umgesetzt, andere Dinge zurückgestellt. Als der Kreis 2015 ankündigte, außersportliche Veranstaltungen aufgrund des mangelnden Brandschutzes nicht mehr zu genehmigen, musste die Gemeinde reagieren, um weiterhin Konzerte, Versammlungen oder Geflügelschauen zu ermöglichen. Aktuell stehen erneut umfangreiche Sanierungsarbeiten an. Die Kosten wurden im letzten Jahr auf gut eine Million Euro geschätzt. Betroffen sind die Umkleiden, der WC-Bereich für die Zuschauer, die Flure, der Jugendraum sowie der Sportboden. Dazu kommen kostenintensive Reparaturen wie die Sanierung des Trink- und Schmutzwassernetzes, der Abwasserleitungen, der Lüftungsanlage, des Dachs und der Einbau neuer Heizkörper. Zudem hat der VfB einen Antrag gestellt, der eine Vergrößerung des Schiedsrichterraumes und des Eingangsbereichs, Nutzung von Gemeinschaftsräumen für Besprechungen, Wegfall der maroden sanitären Anlagen, Schaffung eines Raumes für Physiotherapie und eines Behinderten-WCs beinhaltet. Ein erster Antrag der Gemeinde auf Fördermittel ist nicht bewilligt worden. Der Verein hofft, dass der zweite Versuch erfolgreich ist und der Umbau im nächsten Jahr stattfindet.

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