Wie die Pandemie dem Hof Klostermeier einen neuen Erwerbszweig ermöglichte Stefanie Dullweber Hille-Hartum. „Für uns war Corona eine echte Starthilfe“, sagt Frederik Klostermeier. Im Mai letzten Jahres hat die Familie auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in Hartum einen Hofladen eröffnet. Eigentlich hatten sie nur Eier und Milch verkaufen wollen – die Nachfrage sei riesig gewesen. Mittlerweile ist das Sortiment so gewachsen, dass der Hofladen zu einem Haupterwerbszweig geworden ist. Es nieselt leicht, es ist nasskalt und der Boden aufgeweicht. Frederik Klostermeier ist auf dem Weg zu den Hühnern. Die Tiere leben in einem sogenannten Hühnermobil. „Das läuft alles vollautomatisch“, sagt der 28-Jährige. Dennoch schaut er regelmäßig nach dem Federvieh. Drei solcher mobilen Ställe hat die Familie mittlerweile angeschafft. Die Eier im Hofladen gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. In ihrem Stall hätten die Tiere auf zwei Etagen alles, was sie bräuchten. Futter, Wasser und Streu zum Nestbau. „Morgens gehen die Klappen auf und abends, sobald es dunkel wird, wieder zu.“ Die Hühner seien für sie zunächst Neuland gewesen, schließlich seien sie zuvor ein reiner Milchvieh- und Bullenmastbetrieb gewesen, sagt Mareike Klostermeier (26). Inzwischen ist das Federvieh für sie nicht mehr wegzudenken.Nachdem sich Frederik Klostermeier davon überzeugt hat, dass bei den Hühnern alles in Ordnung ist, schaut er auch noch bei den Gänsen vorbei. Die Tiere sind gerade ausgerissen und werden vom Auszubildenden wieder eingefangen. „Die ahnen wahrscheinlich schon, dass es ihre letzten Tage auf dem Hof sind“, sagt der Landwirt schmunzelnd. Die Nachfrage der Kunden nach einem Weihnachtsbraten sei so groß, dass sie in diesem Jahr jeweils 20 Gänse und Enten angeschafft hätten. Seit Mai würden sie die Tiere auf dem Freigelände halten. „Und wenn sie nicht gerade ausbüxen, sind sie sehr pflegeleicht.“Dass er in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, hätte für ihn immer festgestanden, sagt Frederik Klostermeier. Dass ein Hofladen dazukommen würde, hingegen nicht. „Wir sind nicht in der Größe gewachsen, sondern in der Breite des Sortiments“, sagt der Hartumer. Das habe damit zu tun, dass die Menschen im vergangenen Jahr viel zu Hause waren und die Nachfrage entsprechend da gewesen sei. Außerdem habe sich das Bewusstsein für Lebensmittel geändert. „Es hat ein Umdenken hin zu regionalen Produkten stattgefunden“, beobachtet Mareike Klostermeier. Die Kunden würden ihr Bemühen, regionale Produkte anzubieten, honorieren. „Anerkennung ist in der Landwirtschaft nicht selbstverständlich“, weiß die 26-Jährige.„Ich würde nichts im Hofladen anbieten, was mir selbst nicht schmeckt und wo ich nicht dahinterstehe“, sagt Frederik Klostermeier. Bereits in dieser Woche werde das Sortiment um Käse erweitert, der aus der Region – aus Ströhen – kommt. Milch, Eier, Fleisch, Kartoffeln und Kürbisse stammen aus der eigenen Produktion. „Eierlikör und Nudeln lassen wir herstellen, sie werden mit unseren Eiern gemacht, und Eis bieten wir in Kooperation mit der Eisdiele Venezia an, die unsere Milch verwendet.“Auch Honig und Apfelsaft stammten aus der Umgebung. Mutter Kerstin hat sich jüngst eine Industrieküche eingerichtet und produziert Marmeladen, Suppen, Liköre, Chutneys, Soßen und Gerichte aus dem Glas. Und es gibt mittlerweile sogar eine kleine Zweigstelle des Hofladens: Beim Getränkemarkt Vollgut an der Stiftallee in Minden steht ein Automat mit den Produkten aus Hartum.Die Arbeit auf dem Hof teilt sich die Familie auf. „Jeder hat seinen Bereich“, erklärt Mareike Klostermeier. Sie ist Studentin, aber aufgrund der Pandemie häufiger zu Hause und hilft dementsprechend mit. Neben Vater Matthias und Mutter Kerstin packen auch die Großeltern mit an. „Es funktioniert nur, weil alle an einem Strang ziehen“, ist Frederik Klostermeier überzeugt.Unterstützt werden sie von einem Auszubildenden, einem Langzeit-Praktikanten und drei Mini-Jobbern. Feierabend hätten sie eigentlich nie, gibt der 28-Jährige zu. Aber das sei in der Landwirtschaft eben einfach so. Durch den Hofladen sei die vermehrte Arbeit am Wochenende dazugekommen, denn gerade dann müssten die Regale aufgefüllt werden. „Bei uns ist viel los, wenn andere Geschäfte geschlossen sind.“ Der Hofladen hat 24 Stunden geöffnet, und die Kunden bezahlen auf Vertrauensbasis. In dem Zusammenhang hat Familie Klostermeier auch die Schattenseiten kennengelernt: Mehrere Menschen haben in die Kasse gegriffen. Auch Einbrüche hat es gegeben, und einmal wurde sogar ein Brandsatz gelegt. „Sicherlich ist das ärgerlich, aber mittlerweile stimmt die Kasse. Einige runden ab, andere runden auf“, sagt Frederik Klostermeier. Was ihn jedoch ärgert ist, dass am Milchautomaten seit Mitte September die Bezahlmöglichkeit mit Geldscheinen fehlt. Der oder die Einbrecher hatten gleich die gesamte Vorrichtung mitgenommen. „Dadurch haben wir tatsächlich Umsatzeinbußen.“An diesem Wochenende beginnt auf dem Hof der Weihnachtsbaumverkauf. „Das war letztlich auch eine Aktion, bei der wir im letzten Jahr einfach mal geschaut haben, wie sie angenommen wird“, sagt der Juniorchef. Die letzten Tannen hätten sie dann tatsächlich noch an Heiligabend verkauft. Immer wieder hätte er Bäume nachordern müssen, die dann – je nach Bedarf – frisch geschlagen auf dem Hof an der Mindener Straße verkauft wurden.Für die Kinder hat sich Mareike Klostermeier etwas einfallen lassen. Sie hat einen Briefkasten aufgestellt, in den Kinder Schreiben an das Christkind oder den Weihnachtsmann einwerfen können. Um die Wartezeit auf das Fest zu verkürzen, hat sie eine Geschichte aus dem Hühnerstall geschrieben. Wie diese Geschichte ausgeht, erfahren die Kleinen dann in dem Antwortschreiben, das noch vor Weihnachten rausgeschickt wird.

Wie die Pandemie dem Hof Klostermeier einen neuen Erwerbszweig ermöglichte

Frederik Klostermeier schaut täglich nach seinen Hühnern. Ihm und seiner Familie ist es wichtig, dass es den Tieren gut geht. MT-Fotos: Alex Lehn

Hille-Hartum. „Für uns war Corona eine echte Starthilfe“, sagt Frederik Klostermeier. Im Mai letzten Jahres hat die Familie auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in Hartum einen Hofladen eröffnet. Eigentlich hatten sie nur Eier und Milch verkaufen wollen – die Nachfrage sei riesig gewesen. Mittlerweile ist das Sortiment so gewachsen, dass der Hofladen zu einem Haupterwerbszweig geworden ist.

Es nieselt leicht, es ist nasskalt und der Boden aufgeweicht. Frederik Klostermeier ist auf dem Weg zu den Hühnern. Die Tiere leben in einem sogenannten Hühnermobil. „Das läuft alles vollautomatisch“, sagt der 28-Jährige. Dennoch schaut er regelmäßig nach dem Federvieh. Drei solcher mobilen Ställe hat die Familie mittlerweile angeschafft. Die Eier im Hofladen gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. In ihrem Stall hätten die Tiere auf zwei Etagen alles, was sie bräuchten. Futter, Wasser und Streu zum Nestbau. „Morgens gehen die Klappen auf und abends, sobald es dunkel wird, wieder zu.“ Die Hühner seien für sie zunächst Neuland gewesen, schließlich seien sie zuvor ein reiner Milchvieh- und Bullenmastbetrieb gewesen, sagt Mareike Klostermeier (26). Inzwischen ist das Federvieh für sie nicht mehr wegzudenken.

Nachdem sich Frederik Klostermeier davon überzeugt hat, dass bei den Hühnern alles in Ordnung ist, schaut er auch noch bei den Gänsen vorbei. Die Tiere sind gerade ausgerissen und werden vom Auszubildenden wieder eingefangen. „Die ahnen wahrscheinlich schon, dass es ihre letzten Tage auf dem Hof sind“, sagt der Landwirt schmunzelnd. Die Nachfrage der Kunden nach einem Weihnachtsbraten sei so groß, dass sie in diesem Jahr jeweils 20 Gänse und Enten angeschafft hätten. Seit Mai würden sie die Tiere auf dem Freigelände halten. „Und wenn sie nicht gerade ausbüxen, sind sie sehr pflegeleicht.“

Dass er in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, hätte für ihn immer festgestanden, sagt Frederik Klostermeier. Dass ein Hofladen dazukommen würde, hingegen nicht. „Wir sind nicht in der Größe gewachsen, sondern in der Breite des Sortiments“, sagt der Hartumer. Das habe damit zu tun, dass die Menschen im vergangenen Jahr viel zu Hause waren und die Nachfrage entsprechend da gewesen sei. Außerdem habe sich das Bewusstsein für Lebensmittel geändert. „Es hat ein Umdenken hin zu regionalen Produkten stattgefunden“, beobachtet Mareike Klostermeier. Die Kunden würden ihr Bemühen, regionale Produkte anzubieten, honorieren. „Anerkennung ist in der Landwirtschaft nicht selbstverständlich“, weiß die 26-Jährige.

„Ich würde nichts im Hofladen anbieten, was mir selbst nicht schmeckt und wo ich nicht dahinterstehe“, sagt Frederik Klostermeier. Bereits in dieser Woche werde das Sortiment um Käse erweitert, der aus der Region – aus Ströhen – kommt. Milch, Eier, Fleisch, Kartoffeln und Kürbisse stammen aus der eigenen Produktion. „Eierlikör und Nudeln lassen wir herstellen, sie werden mit unseren Eiern gemacht, und Eis bieten wir in Kooperation mit der Eisdiele Venezia an, die unsere Milch verwendet.“

Auch Honig und Apfelsaft stammten aus der Umgebung. Mutter Kerstin hat sich jüngst eine Industrieküche eingerichtet und produziert Marmeladen, Suppen, Liköre, Chutneys, Soßen und Gerichte aus dem Glas. Und es gibt mittlerweile sogar eine kleine Zweigstelle des Hofladens: Beim Getränkemarkt Vollgut an der Stiftallee in Minden steht ein Automat mit den Produkten aus Hartum.

Die Arbeit auf dem Hof teilt sich die Familie auf. „Jeder hat seinen Bereich“, erklärt Mareike Klostermeier. Sie ist Studentin, aber aufgrund der Pandemie häufiger zu Hause und hilft dementsprechend mit. Neben Vater Matthias und Mutter Kerstin packen auch die Großeltern mit an. „Es funktioniert nur, weil alle an einem Strang ziehen“, ist Frederik Klostermeier überzeugt.

Unterstützt werden sie von einem Auszubildenden, einem Langzeit-Praktikanten und drei Mini-Jobbern. Feierabend hätten sie eigentlich nie, gibt der 28-Jährige zu. Aber das sei in der Landwirtschaft eben einfach so. Durch den Hofladen sei die vermehrte Arbeit am Wochenende dazugekommen, denn gerade dann müssten die Regale aufgefüllt werden. „Bei uns ist viel los, wenn andere Geschäfte geschlossen sind.“ Der Hofladen hat 24 Stunden geöffnet, und die Kunden bezahlen auf Vertrauensbasis.

Das Sortiment im Hofladen ist kontinuierlich gewachsen. Der Laden an der Mindener Straße hat 24 Stunden geöffnet. - © Lehn
Das Sortiment im Hofladen ist kontinuierlich gewachsen. Der Laden an der Mindener Straße hat 24 Stunden geöffnet. - © Lehn

In dem Zusammenhang hat Familie Klostermeier auch die Schattenseiten kennengelernt: Mehrere Menschen haben in die Kasse gegriffen. Auch Einbrüche hat es gegeben, und einmal wurde sogar ein Brandsatz gelegt. „Sicherlich ist das ärgerlich, aber mittlerweile stimmt die Kasse. Einige runden ab, andere runden auf“, sagt Frederik Klostermeier. Was ihn jedoch ärgert ist, dass am Milchautomaten seit Mitte September die Bezahlmöglichkeit mit Geldscheinen fehlt. Der oder die Einbrecher hatten gleich die gesamte Vorrichtung mitgenommen. „Dadurch haben wir tatsächlich Umsatzeinbußen.“

An diesem Wochenende beginnt auf dem Hof der Weihnachtsbaumverkauf. „Das war letztlich auch eine Aktion, bei der wir im letzten Jahr einfach mal geschaut haben, wie sie angenommen wird“, sagt der Juniorchef. Die letzten Tannen hätten sie dann tatsächlich noch an Heiligabend verkauft. Immer wieder hätte er Bäume nachordern müssen, die dann – je nach Bedarf – frisch geschlagen auf dem Hof an der Mindener Straße verkauft wurden.

Für die Kinder hat sich Mareike Klostermeier etwas einfallen lassen. Sie hat einen Briefkasten aufgestellt, in den Kinder Schreiben an das Christkind oder den Weihnachtsmann einwerfen können. Um die Wartezeit auf das Fest zu verkürzen, hat sie eine Geschichte aus dem Hühnerstall geschrieben. Wie diese Geschichte ausgeht, erfahren die Kleinen dann in dem Antwortschreiben, das noch vor Weihnachten rausgeschickt wird.

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Patrick Schwemmling

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Im Advent können die Kinder Briefe an den Weihnachtsmann oder das Christkind schreiben. Sie bekommen noch vor dem Fest eine Antwort. - © Alex Lehn
Im Advent können die Kinder Briefe an den Weihnachtsmann oder das Christkind schreiben. Sie bekommen noch vor dem Fest eine Antwort. - © Alex Lehn
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