Wer Klimaschutz will, muss trennen: Auf der Pohlschen Heide wird Müll weiter verwertet Stefanie Dullweber Hille (mt). Dass sich aus dem, was andere wegwerfen, noch so viel machen lässt, fasziniert Matthias Koch-Schulte. Der Leiter des Kundencenters auf der Pohlschen Heide hat sich schon immer für die Themen Klima- und Umweltschutz interessiert. Er und seine Kollegen leisten mit ihrer Arbeit einen Beitrag, wie er im MT-Gespräch erklärt. Er mag die Vorstellung, dass jeder Bürger auch Kunde der Pohlschen Heide ist, sagt er. Koch-Schulte arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten für das Unternehmen. In dieser Zeit habe sich eine Menge getan, sagt er. Beispielsweise sei der Hausmüll bis zum Jahr 2005 nicht vorbehandelt auf der Deponie entsorgt worden. „So konnte es nicht weitergehen", sagt der Experte, denn im Müll stecke viel mehr, als sich die meisten vorstellen könnten. In diesem Bereich habe ein Umdenken stattgefunden. Heute würden möglichst viele Wertstoffe aussortiert und weiter verwertet. Das bestätigt auch Markus Aßmann, Betriebsleiter der Deponie. „Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft", sei längst mehr als nur ein Slogan auf der Pohlschen Heide. Dadurch, dass die KAVG – die Kreis-Abfall-Verwertungsgesellschaft – den Müll aufbereite, könnten jährlich erhebliche Mengen an Kohlendioxid eingespart werden. Und das geht auf der Pohlschen Heide so: Produktion von Biogas Im Hausmüll befinden sich zahlreiche organische Reste, aus denen auf der Pohlschen Heide Biogas gewonnen wird. Das passiert in einer Vergärungsanlage. Das Biogas wiederum wird zum Betrieb von Blockheizkraftwerken genutzt und erzeugt somit regenerative Energie. Die Rückstände werden in einem Verrottungsprozess weiter aufbereitet und lagern anschließend auf der Deponie. Produktion von Biomethan Viele biologische Prozesse setzen Methan frei – und das ist, wenn es unbehandelt in die Atmosphäre gelangt, klimaschädlich. „Sogar schädlicher als Kohlendioxid", sagt Markus Aßmann. Auf der Pohlschen Heide wird Biomethan aus Biogas produziert. Dieses stammt aus getrennt gesammelten Bioabfällen im Kreis Minden-Lübbecke. Durch die Produktion von Biomethan beispielsweise kann fossiles Erdgas ersetzt werden. Rund 1,8 Millionen Kubikmeter Biomethan werden jährlich in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist. Ersatzbrennstoffe Auf der Pohlschen Heide werden nicht nur gasförmige Brennstoffe erzeugt. In der Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (kurz MBA) wird aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen ein Ersatzbrennstoff produziert, der im Heizkraftwerk in Minden zur Produktion von Dampf und Strom genutzt wird. Die erzeugte Energie nutzt das benachbarte Pharmazie-Unternehmen Siegfried und spart auf diesem Weg viele Tonnen Kohlendioxid ein, die beim Verbrennen fossiler Brennstoffe entstehen würden. Das Heizkraftwerk Minden wandelt im Jahr bis zu 40.000 Tonnen in Wärme- und elektrische Energie um. Laut KAVG werde pro Tonne verwertetem Abfall eine Gutschrift von 220 Kilogramm Kohlendioxid erwirtschaftet – dies gleiche den Kohlendioxid-Ausstoß eines Kleinwagen aus, der rund 2.300 Kilometer unterwegs ist. Humusprodukte „Wir verkaufen Produkte an unsere Bürger, die vorher den Abfall produziert haben", sagt Matthias Koch-Schulte. Die Humusprodukte entstehen aus Schnittgut und organischen Abfällen, die im Kompostwerk angeliefert werden. Sie werden zerfasert, gemischt und anschließend kompostiert. Das funktioniert wie im eigenen Garten: Mikroorganismen sorgen dafür, dass der Grünschnitt verrottet – und nach rund sechs Monaten bekommt der Bürger den fertigen Gärtnerhumus. Weitere Produkte sind Ackerhumus für den landwirtschaftlichen Gebrauch, Garten- und Blumenerde sowie Humusmulch und Rindenmulch. Ausblick Einer Verwertung um jeden Preis stehen Matthias Koch-Schulte und Markus Aßmann kritisch gegenüber. Man müsse im Blick haben, ob es für bestimmte Wertstoffe auch einen Markt gebe. Die beiden sind überzeugt, dass ein Ende der technischen Möglichkeiten noch lange nicht absehbar ist und dass auch die Anforderungen an den Trennungsgrad immer höher werden. Im besten Fall, so Matthias Koch-Schulte, würde der Müll allerdings gar nicht erst produziert.

Wer Klimaschutz will, muss trennen: Auf der Pohlschen Heide wird Müll weiter verwertet

Im Müll steckt mehr, als die meisten vermuten. Vieles lässt sich weiterverarbeiten. Foto: Bernd Weißbrod dpa © A2931 Bernd Weißbrod

Hille (mt). Dass sich aus dem, was andere wegwerfen, noch so viel machen lässt, fasziniert Matthias Koch-Schulte. Der Leiter des Kundencenters auf der Pohlschen Heide hat sich schon immer für die Themen Klima- und Umweltschutz interessiert. Er und seine Kollegen leisten mit ihrer Arbeit einen Beitrag, wie er im MT-Gespräch erklärt. Er mag die Vorstellung, dass jeder Bürger auch Kunde der Pohlschen Heide ist, sagt er.

Koch-Schulte arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten für das Unternehmen. In dieser Zeit habe sich eine Menge getan, sagt er. Beispielsweise sei der Hausmüll bis zum Jahr 2005 nicht vorbehandelt auf der Deponie entsorgt worden. „So konnte es nicht weitergehen", sagt der Experte, denn im Müll stecke viel mehr, als sich die meisten vorstellen könnten. In diesem Bereich habe ein Umdenken stattgefunden. Heute würden möglichst viele Wertstoffe aussortiert und weiter verwertet.

Das bestätigt auch Markus Aßmann, Betriebsleiter der Deponie. „Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft", sei längst mehr als nur ein Slogan auf der Pohlschen Heide. Dadurch, dass die KAVG – die Kreis-Abfall-Verwertungsgesellschaft – den Müll aufbereite, könnten jährlich erhebliche Mengen an Kohlendioxid eingespart werden. Und das geht auf der Pohlschen Heide so:

Produktion von Biogas

Im Hausmüll befinden sich zahlreiche organische Reste, aus denen auf der Pohlschen Heide Biogas gewonnen wird. Das passiert in einer Vergärungsanlage. Das Biogas wiederum wird zum Betrieb von Blockheizkraftwerken genutzt und erzeugt somit regenerative Energie. Die Rückstände werden in einem Verrottungsprozess weiter aufbereitet und lagern anschließend auf der Deponie.

Produktion von Biomethan

Viele biologische Prozesse setzen Methan frei – und das ist, wenn es unbehandelt in die Atmosphäre gelangt, klimaschädlich. „Sogar schädlicher als Kohlendioxid", sagt Markus Aßmann. Auf der Pohlschen Heide wird Biomethan aus Biogas produziert. Dieses stammt aus getrennt gesammelten Bioabfällen im Kreis Minden-Lübbecke. Durch die Produktion von Biomethan beispielsweise kann fossiles Erdgas ersetzt werden. Rund 1,8 Millionen Kubikmeter Biomethan werden jährlich in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist.

Ersatzbrennstoffe

Auf der Pohlschen Heide werden nicht nur gasförmige Brennstoffe erzeugt. In der Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (kurz MBA) wird aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen ein Ersatzbrennstoff produziert, der im Heizkraftwerk in Minden zur Produktion von Dampf und Strom genutzt wird.

Die erzeugte Energie nutzt das benachbarte Pharmazie-Unternehmen Siegfried und spart auf diesem Weg viele Tonnen Kohlendioxid ein, die beim Verbrennen fossiler Brennstoffe entstehen würden. Das Heizkraftwerk Minden wandelt im Jahr bis zu 40.000 Tonnen in Wärme- und elektrische Energie um.

Laut KAVG werde pro Tonne verwertetem Abfall eine Gutschrift von 220 Kilogramm Kohlendioxid erwirtschaftet – dies gleiche den Kohlendioxid-Ausstoß eines Kleinwagen aus, der rund 2.300 Kilometer unterwegs ist.

Humusprodukte

„Wir verkaufen Produkte an unsere Bürger, die vorher den Abfall produziert haben", sagt Matthias Koch-Schulte. Die Humusprodukte entstehen aus Schnittgut und organischen Abfällen, die im Kompostwerk angeliefert werden. Sie werden zerfasert, gemischt und anschließend kompostiert. Das funktioniert wie im eigenen Garten: Mikroorganismen sorgen dafür, dass der Grünschnitt verrottet – und nach rund sechs Monaten bekommt der Bürger den fertigen Gärtnerhumus.

Weitere Produkte sind Ackerhumus für den landwirtschaftlichen Gebrauch, Garten- und Blumenerde sowie Humusmulch und Rindenmulch.

Ausblick

Einer Verwertung um jeden Preis stehen Matthias Koch-Schulte und Markus Aßmann kritisch gegenüber. Man müsse im Blick haben, ob es für bestimmte Wertstoffe auch einen Markt gebe. Die beiden sind überzeugt, dass ein Ende der technischen Möglichkeiten noch lange nicht absehbar ist und dass auch die Anforderungen an den Trennungsgrad immer höher werden. Im besten Fall, so Matthias Koch-Schulte, würde der Müll allerdings gar nicht erst produziert.

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