Was gegen die Wegwerf-Mentalität hilft: Jugendliche testen Klassenzimmer der Zukunft auf Pohlscher Heide Kerstin Rickert Hille. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll die „Smart Recycling Factory" auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Pohlsche Heide an den Start gehen. Aktuell entsteht dort ein mobiles Klassenzimmer mit Labor und Werkstatt als außerschulischer Lernort für Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse. Parallel dazu entwickelt das ZDI-Zentrum Minden-Lübbecke als Kooperationspartner des Abfallentsorgungsbetriebs des Kreises Minden-Lübbecke (AML) Lernkonzepte rund um die Themen Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnik. In einem Workshop konnten nun erstmals Jugendliche in das Zukunftsprojekt hineinschnuppern. Das mobile Klassenzimmer ist der erste von insgesamt sechs Projektbausteinen der „Smart Recycling Factory". Diese ist Dreh- und Angelpunkt in der Entwicklung der Pohlschen Heide von der Deponie zum Innovationsstandort für regionale Wertschöpfung. Gemeinsam mit dem AML, der Kreisabfallverwertungsgesellschaft (KAVG), der Jugendförderung der Gemeinde Hille und der Verbraucherzentrale Minden hatte das ZDI-Zentrum Jugendliche ab zwölf Jahren eingeladen, das künftige Kompetenz- und Innovationszentrum für Recycling und Kreislaufwirtschaft des Kreises Minden Lübbecke kennenzulernen und zu entdecken. Sieben Interessierte aus Hille, Lübbecke und Minden hatten sich zu dem Schnupperkurs angemeldet – gerade so viele, wie unter Pandemiebedingungen letztlich auch teilnehmen konnten. In einem fünfstündigen Workshop unter dem Motto „MINT-Ferien: Entdecke das Zukunftsprojekt Smart Recycling Factory Pohlsche Heide in Hille" erhielten die drei Mädchen und vier Jungen Einblicke in die technischen Anlagen des Entsorgungsbetriebs. Vor allem aber konnten sie mit fachkundiger Unterstützung erste praktische Erfahrungen sammeln, wie Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) nachhaltig der Umwelt dienen können. „Es geht darum, Lösungen für die Zukunft zu entwickeln und zu erreichen, dass Ingenieure, aber auch Produkt- und Verpackungsdesigner bei der Umsetzung ihrer Ideen mitdenken", sagt die Leiterin des ZDI-Zentrums, Carmen Ruffer. Junge Menschen gleichermaßen für Technik und Umwelt zu begeistern und ihnen zukunftsorientierte Perspektiven aufzuzeigen, sei ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, erklärt sie den handlungsorientierten Ansatz. Der 3D-Druck etwa eröffne Möglichkeiten, Ersatzteile herzustellen. Und damit auch Wege, Produkte wieder in den Kreislauf zu bringen und sich von der Wegwerf-Mentalität zu verabschieden. Bei einigen Teilnehmern hatte die Aussicht darauf, mit einem 3D-Drucker zu arbeiten, im Vorfeld besonders großes Interesse geweckt. Überrascht hat die Jugendlichen, was der Workshop-Tag ihnen sonst noch bot. „Es war interessant, einen komplett anderen Einblick zu bekommen", sagt Janika, als die Gruppe von einem Rundgang durch das Entsorgungszentrum zurück ist. Zu sehen, mit welcher Akribie dort Abfälle unter dem Gesichtspunkt der Wiederverwertung sortiert werden, lasse sie das Thema Mülltrennung mit anderen Augen sehen. Birthe hat besonders das Upcycling-Projekt begeistert, bei dem es um die Errichtung einer Fensterbankfarm für Salat und Gemüse ging. Hydroponik heißt das Verfahren, das dabei zur Anwendung kam und eine zukunftweisende Lösung ist, Zier- und Nutzpflanzen auch dort ziehen zu können, wo der klassische Anbau nicht möglich ist. Etwa in Großstädten mit wenig Grünflächen, wo die Themen „Urban Gardening" und „Vertical Gardening" zunehmend an Bedeutung gewinnen. Statt in Erde werden die Pflanzen in einem Wasser-Nährstoff-Gemisch gezogen und kultiviert. Als Behälter wurden in diesem Fall ausgediente Kunststoff-Verpackungen wiederverwertet. Der Vorteil von Hydroponik: Geringer Platzbedarf, deutlich weniger Wasserverbrauch als bei der herkömmlichen Methode und hohe Erträge auf kleinstem Raum. Unkrautzupfen entfällt, und die Pflanzen gedeihen selbst in Hochhäusern unter Kunstlicht. Für Birthe jedenfalls ist jetzt schon klar: „Wenn ich mal umziehe, werde ich so auf jeden Fall mein eigenes Gemüse, Kräuter und leckeren Salat auf der Fensterbank ziehen."

Was gegen die Wegwerf-Mentalität hilft: Jugendliche testen Klassenzimmer der Zukunft auf Pohlscher Heide

Sieben Interessierte Jugendliche hatten sich zu dem Schnupperkurs auf dem Gelände der Pohlschen Heide angemeldet. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Hille. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll die „Smart Recycling Factory" auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Pohlsche Heide an den Start gehen. Aktuell entsteht dort ein mobiles Klassenzimmer mit Labor und Werkstatt als außerschulischer Lernort für Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse. Parallel dazu entwickelt das ZDI-Zentrum Minden-Lübbecke als Kooperationspartner des Abfallentsorgungsbetriebs des Kreises Minden-Lübbecke (AML) Lernkonzepte rund um die Themen Kreislaufwirtschaft und Umwelttechnik. In einem Workshop konnten nun erstmals Jugendliche in das Zukunftsprojekt hineinschnuppern.

Das mobile Klassenzimmer ist der erste von insgesamt sechs Projektbausteinen der „Smart Recycling Factory". Diese ist Dreh- und Angelpunkt in der Entwicklung der Pohlschen Heide von der Deponie zum Innovationsstandort für regionale Wertschöpfung. Gemeinsam mit dem AML, der Kreisabfallverwertungsgesellschaft (KAVG), der Jugendförderung der Gemeinde Hille und der Verbraucherzentrale Minden hatte das ZDI-Zentrum Jugendliche ab zwölf Jahren eingeladen, das künftige Kompetenz- und Innovationszentrum für Recycling und Kreislaufwirtschaft des Kreises Minden Lübbecke kennenzulernen und zu entdecken.

Sieben Interessierte aus Hille, Lübbecke und Minden hatten sich zu dem Schnupperkurs angemeldet – gerade so viele, wie unter Pandemiebedingungen letztlich auch teilnehmen konnten. In einem fünfstündigen Workshop unter dem Motto „MINT-Ferien: Entdecke das Zukunftsprojekt Smart Recycling Factory Pohlsche Heide in Hille" erhielten die drei Mädchen und vier Jungen Einblicke in die technischen Anlagen des Entsorgungsbetriebs. Vor allem aber konnten sie mit fachkundiger Unterstützung erste praktische Erfahrungen sammeln, wie Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) nachhaltig der Umwelt dienen können.


„Es geht darum, Lösungen für die Zukunft zu entwickeln und zu erreichen, dass Ingenieure, aber auch Produkt- und Verpackungsdesigner bei der Umsetzung ihrer Ideen mitdenken", sagt die Leiterin des ZDI-Zentrums, Carmen Ruffer. Junge Menschen gleichermaßen für Technik und Umwelt zu begeistern und ihnen zukunftsorientierte Perspektiven aufzuzeigen, sei ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, erklärt sie den handlungsorientierten Ansatz. Der 3D-Druck etwa eröffne Möglichkeiten, Ersatzteile herzustellen. Und damit auch Wege, Produkte wieder in den Kreislauf zu bringen und sich von der Wegwerf-Mentalität zu verabschieden.

Bei einigen Teilnehmern hatte die Aussicht darauf, mit einem 3D-Drucker zu arbeiten, im Vorfeld besonders großes Interesse geweckt. Überrascht hat die Jugendlichen, was der Workshop-Tag ihnen sonst noch bot. „Es war interessant, einen komplett anderen Einblick zu bekommen", sagt Janika, als die Gruppe von einem Rundgang durch das Entsorgungszentrum zurück ist. Zu sehen, mit welcher Akribie dort Abfälle unter dem Gesichtspunkt der Wiederverwertung sortiert werden, lasse sie das Thema Mülltrennung mit anderen Augen sehen.

Birthe hat besonders das Upcycling-Projekt begeistert, bei dem es um die Errichtung einer Fensterbankfarm für Salat und Gemüse ging. Hydroponik heißt das Verfahren, das dabei zur Anwendung kam und eine zukunftweisende Lösung ist, Zier- und Nutzpflanzen auch dort ziehen zu können, wo der klassische Anbau nicht möglich ist. Etwa in Großstädten mit wenig Grünflächen, wo die Themen „Urban Gardening" und „Vertical Gardening" zunehmend an Bedeutung gewinnen. Statt in Erde werden die Pflanzen in einem Wasser-Nährstoff-Gemisch gezogen und kultiviert. Als Behälter wurden in diesem Fall ausgediente Kunststoff-Verpackungen wiederverwertet.

Der Vorteil von Hydroponik: Geringer Platzbedarf, deutlich weniger Wasserverbrauch als bei der herkömmlichen Methode und hohe Erträge auf kleinstem Raum. Unkrautzupfen entfällt, und die Pflanzen gedeihen selbst in Hochhäusern unter Kunstlicht. Für Birthe jedenfalls ist jetzt schon klar: „Wenn ich mal umziehe, werde ich so auf jeden Fall mein eigenes Gemüse, Kräuter und leckeren Salat auf der Fensterbank ziehen."

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