Vorsicht beim Gassi gehen: Giftköder sind keine Seltenheit mehr Leonie Meyer Hille-Oberlübbe. Hundehasser platzieren sie überall, wo die Vierbeiner regelmäßig anzutreffen sind: Giftköder. Hundebesitzer aus Hille und Umgebung melden immer wieder, dass sie während eines Spaziergangs mit dem Hund auf ausgelegte Giftköder stoßen. Glück haben diejenigen, die die Gefahr rechtzeitig bemerken. Allerdings sind den Tätern selten Grenzen bei ihrer Fantasie gesetzt, was verheerende Folgen für Tiere und auch Kleinkinder haben kann. Was Giftköder eigentlich sind und wie Hundebesitzer am besten vorgehen sollten, erklären eine Hiller Kleintierpraxis, der Kreis Minden-Lübbecke und die Polizei. Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit Aufmerksamkeit erregte das Thema erst kürzlich in den Sozialen Medien über einen Beitrag in der Facebook-Gruppe „Rund um den Hund in Minden und Umgebung“ von Annabel Hanke (Die Grünen), die selbst in Hille wohnt. Auch ihr seien Giftköder-Funde in der Region nicht unbekannt, deshalb wolle sie andere Hundehalter vor möglichen Gefahren warnen, sagt sie im Gespräch mit dem MT. Ein anderes Mitglied der Facebook-Gruppe schreibt: „Sogar im ländlichen Raum bleiben solche Übergriffe auf Hunde und ihre Besitzer nicht aus. Wir haben auch fast unseren Hund verloren, er konnte in der Tierklinik gerettet werden, aber andere in unserem Ort hatten nicht so viel Glück und der Hund hat es nicht überlebt.“ Eine andere Mindenerin sagt, dass sie Pech hatten und ihr Hund einen Giftköder gefressen habe – glücklicherweise habe er es gut überstanden. Auch in Petershagen-Neuenknick lauert Gefahr: Es habe einen Vorfall gegeben, bei dem zwei Hunde vorsätzlich auf einem Grundstück vergiftet wurden, berichtet eine betroffene MT-Leserin. Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, ein versteifter Körper sowie Torkeln beim Gehen – diese Symptome habe sie bei ihren Tieren bemerkt. Sie habe schnell handeln können und sei mit ihren Fellnasen direkt in die Tierklinik gefahren, berichtet sie im Gespräch mit dem MT. Die Tierärzte hätten rechtzeitig operieren können. Bei Verdacht sofortden Tierarzt aufsuchen Tierärzte können bei einer Vergiftung Lebensretter sein. Diese Erfahrung haben auch die Mitarbeiter der Hiller Kleintierpraxis Peitzmeier gemacht. „So schnell wie möglich soll allein bei dem Verdacht einer Vergiftung der Tierarzt aufgesucht werden. Es besteht unter Umständen Lebensgefahr“, sagt Sarah Büscher, tiermedizinische Fachangestellte. Zu den Erkennungsmerkmalen einer Vergiftung zählen unter anderem „Mattheit, Appetitlosigkeit, häufiger Durst, blasse Schleimhäute und ein angespannter sowie schmerzhafter Bauch“. Auch in der Hiller Kleintierpraxis könnten Vergiftungen mit solchen Symptomen behandelt werden, beispielsweise mit einer Infusionstherapie und Vitamin K oder durch Erbrechen, das jedoch nur der Tierarzt einleiten sollte. „In den meisten Fällen ist es schwierig, einen Giftköder zu erkennen, da diese immer wieder anders aussehen. Oft liegen gleich mehrere an einer Stelle, manchmal sind diese etwas bläulich oder grünlich gefärbt. Der Hund sollte keine verendeten Nager, wie Ratten oder Mäuse fressen dürfen, da auch diese vergiftet sein könnten“, warnt die tiermedizinische Fachangestellte. „Es gibt Möglichkeiten, den Hund so zu trainieren, dass er nur aus der Hand oder dem Napf frisst und eben nicht etwas, was draußen auf dem Boden liegt. Aber das funktioniert leider nicht immer zu hundert Prozent“, sagt Sarah Büscher. Was sicherer sei und immer funktioniere, sei ein Maulkorb. Damit komme der Hund nicht mehr mit der Schnauze auf den Boden und könne den Köder nicht fressen, so die Expertin weiter. Um auf einen Maulkorb verzichten zu können, rät sie, das Kommando „Nein“ mit Hund so lange zu trainieren, damit das Tier im Ernstfall schnell reagiert. Zudem sollte das Herrchen sein Tier immer im Auge behalten. Gefährdung der öffentlichen Sicherheit Auf Anfrage beim Kreis Minden, erklärt Pressesprecherin Mirjana Lenz, dass die Zuständigkeit bei Ordnungsbehörden beziehungsweise der Polizei liegt. „Giftköder sind vorrangig eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, da neben Hund und Katze auch Menschen, insbesondere Kinder gefährdet sein können“, sagt Lenz. Daher bestätigt sie, dass sich Hundehalter bei Verdacht der Aufnahme eines Giftköders an den Tierarzt wenden sollen, der im Einzelfall entscheidet, was zu tun sei. Polizei setzt auf Mithilfeder Bevölkerung Die Polizei Minden-Lübbecke appelliert an die Öffentlichkeit, die Dienststelle bei entsprechenden Beobachtungen zu alarmieren. „Die Aufklärung solcher Taten gestaltet sich oftmals schwierig“, sagt Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Kreispolizei. Deshalb seien die Beamten auf die Mithilfe der Bevölkerung für Ermittlungen und die dazugehörige Strafverfolgung angewiesen. „Wer einen Giftköder auslegt, macht sich strafbar“, versichert Steinmeyer. Dabei handele es sich eindeutig um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Nach Paragraf 17 ergibt sich somit eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Es wird derjenige bestraft, der „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“. Dennoch seien unterschiedliche Faktoren des Bestrafungsumfangs abhängig davon, ob der Täter sein Vergehen zugibt und ob es bereits Vorstrafen gibt. Ralf Steinmeyer schildert, dass zunächst ein Verdächtiger ermittelt werden muss. „Das setzt wiederum voraus, dass überhaupt Anzeige bei der Polizei erstattet wird.“ Betroffene Hundehalter sollten spätestens dann Anzeige erstatten, wenn der Tierarzt bestätigt, dass jemand versucht hat, das Tier mit einem Köder zu vergiften. Nach Aussage Steinmeyers seien ebenso spielende Kinder, wie auch Wildtiere einer Gefahr ausgesetzt. Bei bislang gemeldeten Fälle waren die Köder meist „Wurst- oder Leberwurststücke oder ähnliche Leckereien, die mit Gift, Glasscherben oder scharfkantigen Metallteilen wie Nägel versehen werden“. Ablageorte für Giftköder seien bei Hundebesitzern beliebte Plätze, wie Parks, Wald- und Moorgebiete sowie im Umfeld von Flüssen und Seen. Hundebesitzer sollten ihre Tiere daher im Auge behalten und sie jederzeit zurückrufen können. Auch die Polizei empfiehlt bei einem Vergiftungsverdacht umgehend den Tierarzt anzurufen und dessen Telefonnummer für Notfälle abgespeichert zu haben.

Vorsicht beim Gassi gehen: Giftköder sind keine Seltenheit mehr

Giftköder sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Meistens werden aber spitze Gegenstände wie Rasierklingen oder Nägel in Leckerlis, Würstchen oder auch Frikadellen gesteckt. Foto: Florian Schuh/dpa © Florian Schuh

Hille-Oberlübbe. Hundehasser platzieren sie überall, wo die Vierbeiner regelmäßig anzutreffen sind: Giftköder. Hundebesitzer aus Hille und Umgebung melden immer wieder, dass sie während eines Spaziergangs mit dem Hund auf ausgelegte Giftköder stoßen. Glück haben diejenigen, die die Gefahr rechtzeitig bemerken.

Allerdings sind den Tätern selten Grenzen bei ihrer Fantasie gesetzt, was verheerende Folgen für Tiere und auch Kleinkinder haben kann. Was Giftköder eigentlich sind und wie Hundebesitzer am besten vorgehen sollten, erklären eine Hiller Kleintierpraxis, der Kreis Minden-Lübbecke und die Polizei.

Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit

Aufmerksamkeit erregte das Thema erst kürzlich in den Sozialen Medien über einen Beitrag in der Facebook-Gruppe „Rund um den Hund in Minden und Umgebung“ von Annabel Hanke (Die Grünen), die selbst in Hille wohnt. Auch ihr seien Giftköder-Funde in der Region nicht unbekannt, deshalb wolle sie andere Hundehalter vor möglichen Gefahren warnen, sagt sie im Gespräch mit dem MT.

Ein anderes Mitglied der Facebook-Gruppe schreibt: „Sogar im ländlichen Raum bleiben solche Übergriffe auf Hunde und ihre Besitzer nicht aus. Wir haben auch fast unseren Hund verloren, er konnte in der Tierklinik gerettet werden, aber andere in unserem Ort hatten nicht so viel Glück und der Hund hat es nicht überlebt.“ Eine andere Mindenerin sagt, dass sie Pech hatten und ihr Hund einen Giftköder gefressen habe – glücklicherweise habe er es gut überstanden.

Auch in Petershagen-Neuenknick lauert Gefahr: Es habe einen Vorfall gegeben, bei dem zwei Hunde vorsätzlich auf einem Grundstück vergiftet wurden, berichtet eine betroffene MT-Leserin. Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, ein versteifter Körper sowie Torkeln beim Gehen – diese Symptome habe sie bei ihren Tieren bemerkt. Sie habe schnell handeln können und sei mit ihren Fellnasen direkt in die Tierklinik gefahren, berichtet sie im Gespräch mit dem MT. Die Tierärzte hätten rechtzeitig operieren können.

Bei Verdacht sofortden Tierarzt aufsuchen

Tierärzte können bei einer Vergiftung Lebensretter sein. Diese Erfahrung haben auch die Mitarbeiter der Hiller Kleintierpraxis Peitzmeier gemacht. „So schnell wie möglich soll allein bei dem Verdacht einer Vergiftung der Tierarzt aufgesucht werden. Es besteht unter Umständen Lebensgefahr“, sagt Sarah Büscher, tiermedizinische Fachangestellte.

Zu den Erkennungsmerkmalen einer Vergiftung zählen unter anderem „Mattheit, Appetitlosigkeit, häufiger Durst, blasse Schleimhäute und ein angespannter sowie schmerzhafter Bauch“. Auch in der Hiller Kleintierpraxis könnten Vergiftungen mit solchen Symptomen behandelt werden, beispielsweise mit einer Infusionstherapie und Vitamin K oder durch Erbrechen, das jedoch nur der Tierarzt einleiten sollte.

„In den meisten Fällen ist es schwierig, einen Giftköder zu erkennen, da diese immer wieder anders aussehen. Oft liegen gleich mehrere an einer Stelle, manchmal sind diese etwas bläulich oder grünlich gefärbt. Der Hund sollte keine verendeten Nager, wie Ratten oder Mäuse fressen dürfen, da auch diese vergiftet sein könnten“, warnt die tiermedizinische Fachangestellte.

„Es gibt Möglichkeiten, den Hund so zu trainieren, dass er nur aus der Hand oder dem Napf frisst und eben nicht etwas, was draußen auf dem Boden liegt. Aber das funktioniert leider nicht immer zu hundert Prozent“, sagt Sarah Büscher. Was sicherer sei und immer funktioniere, sei ein Maulkorb. Damit komme der Hund nicht mehr mit der Schnauze auf den Boden und könne den Köder nicht fressen, so die Expertin weiter. Um auf einen Maulkorb verzichten zu können, rät sie, das Kommando „Nein“ mit Hund so lange zu trainieren, damit das Tier im Ernstfall schnell reagiert. Zudem sollte das Herrchen sein Tier immer im Auge behalten.

Gefährdung der öffentlichen Sicherheit

Auf Anfrage beim Kreis Minden, erklärt Pressesprecherin Mirjana Lenz, dass die Zuständigkeit bei Ordnungsbehörden beziehungsweise der Polizei liegt. „Giftköder sind vorrangig eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, da neben Hund und Katze auch Menschen, insbesondere Kinder gefährdet sein können“, sagt Lenz. Daher bestätigt sie, dass sich Hundehalter bei Verdacht der Aufnahme eines Giftköders an den Tierarzt wenden sollen, der im Einzelfall entscheidet, was zu tun sei.

Polizei setzt auf Mithilfeder Bevölkerung

Die Polizei Minden-Lübbecke appelliert an die Öffentlichkeit, die Dienststelle bei entsprechenden Beobachtungen zu alarmieren. „Die Aufklärung solcher Taten gestaltet sich oftmals schwierig“, sagt Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Kreispolizei. Deshalb seien die Beamten auf die Mithilfe der Bevölkerung für Ermittlungen und die dazugehörige Strafverfolgung angewiesen.

„Wer einen Giftköder auslegt, macht sich strafbar“, versichert Steinmeyer. Dabei handele es sich eindeutig um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Nach Paragraf 17 ergibt sich somit eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Es wird derjenige bestraft, der „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“.

Dennoch seien unterschiedliche Faktoren des Bestrafungsumfangs abhängig davon, ob der Täter sein Vergehen zugibt und ob es bereits Vorstrafen gibt. Ralf Steinmeyer schildert, dass zunächst ein Verdächtiger ermittelt werden muss. „Das setzt wiederum voraus, dass überhaupt Anzeige bei der Polizei erstattet wird.“

Betroffene Hundehalter sollten spätestens dann Anzeige erstatten, wenn der Tierarzt bestätigt, dass jemand versucht hat, das Tier mit einem Köder zu vergiften. Nach Aussage Steinmeyers seien ebenso spielende Kinder, wie auch Wildtiere einer Gefahr ausgesetzt. Bei bislang gemeldeten Fälle waren die Köder meist „Wurst- oder Leberwurststücke oder ähnliche Leckereien, die mit Gift, Glasscherben oder scharfkantigen Metallteilen wie Nägel versehen werden“.

Ablageorte für Giftköder seien bei Hundebesitzern beliebte Plätze, wie Parks, Wald- und Moorgebiete sowie im Umfeld von Flüssen und Seen. Hundebesitzer sollten ihre Tiere daher im Auge behalten und sie jederzeit zurückrufen können. Auch die Polizei empfiehlt bei einem Vergiftungsverdacht umgehend den Tierarzt anzurufen und dessen Telefonnummer für Notfälle abgespeichert zu haben.

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