Von Seilbahn bis Erlebnisort: Viele spannende Ideen für die Entwicklung der Pohlschen Heide Carsten Korfesmeyer Hille. Pohlsche-Heide-Chef Henning Schreiber beschreibt die Jury-Sitzung vom vergangenen Dienstag als „sehr kurzweilig". Die Expertenrunde aus der Abfallbranche musste sich auf einen Sieger des Architektenwettbewerbs „Smart Recycling Factory" festlegen – und einigte sich am Ende auf zwei erste Plätze. Zu eng lagen die Ideen und Konzepte beieinander, in denen es darum geht, wie das Areal im Hiller Norden in Zukunft aussehen soll. Die Mosaik-Architekten aus Hannover und das Büro „kleyer.koblitz.letzel.freivogel" aus Berlin teilen sich somit den Titel. Dritter ist die „hsi-planungs-gmbh" aus Lübbecke und in allen drei Entwürfen steckt die Botschaft, dass der Müll sein Image weiter aufpoliert. Aus Abfällen werden Rohstoffe zur Neuverarbeitung von Produkten, Projektleiterin Sarah Golcher spricht von einem „Warenlager der Zukunft". Dass es in der Jury-Sitzung auch oft überraschende Momente gab, erklärt Kreisdezernent Lutz Freiberg vor den geladenen Gästen im Sitzungsraum des Entsorgungszentrums. Manche Ideen seien erstaunlich, andere futuristisch und sogar verspielt gewesen. Henning Schreiber bezeichnet die Pohlsche Heide sogar als eine Spielwiese, die ideal für einen solchen Wettbewerb sei. „Wir wollen das, was wir machen, nach außen tragen", sagt er. Und dazu kommt es, wenn die Vorstellungen der Architekten in naher bis mittlerer Zukunft tatsächlich in die Tat umgesetzt würden. Bei der Präsentation am Donnerstagmittag stoßen die Referenten jedenfalls auf Zustimmung. In allen drei Entwürfen ist die Pohlsche Heide ein Erlebnisort. Jugendliche und Erwachsene können vorbeischauen und die Müllverwertung live verfolgen. Sie gehen beispielsweise über einen Skywalk, schauen beim Rundgang in die Hallen, vergnügen sich auf einer Sommerrodelbahn oder fahren mit einer Seilbahn über das weitläufige Areal der Deponie. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt beim Lernen und mit dem „grünen Klassenzimmer" soll schon Ende 2021 ein außerhochschulischer Lern- und Forschungsstandort öffnen. Der Müll soll sich nicht mehr hinter Mauern verbergen, sondern für die Menschen greifbar sein. Verschiedene Bausteine verzahnen, und an den Konzepten zeigt sich schon jetzt, dass die Deponie ihren Charakter deutlich verändern wird. Sie zeigt sich offen für die Bevölkerung, will die Menschen an sich teilhaben lassen und für den Umgang mit Müll sensibilisieren. Umweltaspekte spielen dabei eine ebenso große Rolle wie ein ständiges Weiterforschen. Timm Lindstedt, der mit seinem Team die Bronzemedaille des Wettbewerbs eingefahren hat, bringt das in seinem Vortrag besonders deutlich zum Ausdruck. Es gehe darum, die Entwicklung der Branche für die kommenden zwei Jahrzehnte in den Blick zu nehmen. Vieles habe sich schon zum besseren verändert. „Wissen Sie noch, wie hier auf der Pohlschen Heide vor 20 Jahren gearbeitet wurde?", fragt er in den Raum. Herauszuhören ist deshalb auch, dass die Entwicklung der Pohlschen Heide niemals abgeschlossen sein kann. Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft werden sich weiterentwickeln und auch die Rolle der Gesellschaft hat großen Einfluss. Der Begriff „Smart Recycling Factory" werde sich wohl immer wieder neu definieren. Das eine Ziel haben die Verantwortlichen aber fest im Blick: Irgendwann soll der komplette Müll als Rohstoff gelten und fester Teil der Kreislaufwirtschaft sein. Ob und wie die Entwürfe für die Zukunft auf der Pohlschen Heide realisiert werden können, soll sich möglichst bald zeigen. Der Wettbewerb ist nach Worten von Sarah Golcher ein „weiterer Schritt". Die Fachleute werden darüber beraten, was machbar ist. Laut Henning Schreiber steht allerdings fest, dass der Begriff „Entsorgungszentrum" bald überholt ist. Abfall ist kein Müll mehr Ein Kommantar von Carsten Korfesmeyer Eine Seilbahn oder ein Skywalk auf der Pohlschen Heide? Womöglich noch eine Sommerrodelbahn? Das klingt nach Vergnügen, guter Laune und so gar nicht mehr nach dem, was einst unter den Begriff Müllentsorgung fiel. Die Präsentationen zur „Smart Recycling Factory" zeigen, dass die Branche anders geworden ist. Gut so, denn Abfälle gehören in das Bewusstsein der Menschen. Dafür müssen sie sichtbar sein. Nur wer sich mit ihnen beschäftigt, entwickelt eine Sensibilität dafür, dass Ressourcen nicht endlos sind und Müll nicht einfach verschwindet, wenn er in die Tonne gesteckt wird. Der eingeschlagene Weg auf der Deponie nimmt die Menschen mit und sorgt für Identifikation mit einem Thema, das alles andere als Müll ist. Die Ideen der Architekten wirken nur auf den ersten Blick, als würde die Pohlsche Heide mittelfristig zum Erlebnispark umfunktioniert. Dass sich Spaß, Information und Lernen nicht ausschließen, zeigt sich beim zweiten Hinsehen. Denn wer beim Bummel über den Skywalk oder bei der Fahrt mit der Seilbahn etwas über Müllentsorgung erfährt, schnappt garantiert dazu etwas auf – selbst wenn er eigentlich nur die Aussicht erleben will.

Von Seilbahn bis Erlebnisort: Viele spannende Ideen für die Entwicklung der Pohlschen Heide

Die Deponie Pohlsche Heide wird sich verändern und soll im Idealfall zum „Warenlager der Zukunft“ werden. MT-Foto: Alex Lehn © Lehn,Alexander

Hille. Pohlsche-Heide-Chef Henning Schreiber beschreibt die Jury-Sitzung vom vergangenen Dienstag als „sehr kurzweilig". Die Expertenrunde aus der Abfallbranche musste sich auf einen Sieger des Architektenwettbewerbs „Smart Recycling Factory" festlegen – und einigte sich am Ende auf zwei erste Plätze. Zu eng lagen die Ideen und Konzepte beieinander, in denen es darum geht, wie das Areal im Hiller Norden in Zukunft aussehen soll. Die Mosaik-Architekten aus Hannover und das Büro „kleyer.koblitz.letzel.freivogel" aus Berlin teilen sich somit den Titel. Dritter ist die „hsi-planungs-gmbh" aus Lübbecke und in allen drei Entwürfen steckt die Botschaft, dass der Müll sein Image weiter aufpoliert. Aus Abfällen werden Rohstoffe zur Neuverarbeitung von Produkten, Projektleiterin Sarah Golcher spricht von einem „Warenlager der Zukunft".

Dass es in der Jury-Sitzung auch oft überraschende Momente gab, erklärt Kreisdezernent Lutz Freiberg vor den geladenen Gästen im Sitzungsraum des Entsorgungszentrums. Manche Ideen seien erstaunlich, andere futuristisch und sogar verspielt gewesen. Henning Schreiber bezeichnet die Pohlsche Heide sogar als eine Spielwiese, die ideal für einen solchen Wettbewerb sei. „Wir wollen das, was wir machen, nach außen tragen", sagt er. Und dazu kommt es, wenn die Vorstellungen der Architekten in naher bis mittlerer Zukunft tatsächlich in die Tat umgesetzt würden.

Die Vertreter der drei Architekturbüros haben in ihren Präsentationen deutlich gemacht, dass sich die Deponie für die Menschen öffnen muss. Sie wiesen alle darauf hin, dass sich die Pohlsche Heide für die nächsten 20 Jahre transparent aufstellen muss. - © MT-Foto: Carsten Korfesmeyer
Die Vertreter der drei Architekturbüros haben in ihren Präsentationen deutlich gemacht, dass sich die Deponie für die Menschen öffnen muss. Sie wiesen alle darauf hin, dass sich die Pohlsche Heide für die nächsten 20 Jahre transparent aufstellen muss. - © MT-Foto: Carsten Korfesmeyer

Bei der Präsentation am Donnerstagmittag stoßen die Referenten jedenfalls auf Zustimmung. In allen drei Entwürfen ist die Pohlsche Heide ein Erlebnisort. Jugendliche und Erwachsene können vorbeischauen und die Müllverwertung live verfolgen. Sie gehen beispielsweise über einen Skywalk, schauen beim Rundgang in die Hallen, vergnügen sich auf einer Sommerrodelbahn oder fahren mit einer Seilbahn über das weitläufige Areal der Deponie. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt beim Lernen und mit dem „grünen Klassenzimmer" soll schon Ende 2021 ein außerhochschulischer Lern- und Forschungsstandort öffnen. Der Müll soll sich nicht mehr hinter Mauern verbergen, sondern für die Menschen greifbar sein.

Verschiedene Bausteine verzahnen, und an den Konzepten zeigt sich schon jetzt, dass die Deponie ihren Charakter deutlich verändern wird. Sie zeigt sich offen für die Bevölkerung, will die Menschen an sich teilhaben lassen und für den Umgang mit Müll sensibilisieren. Umweltaspekte spielen dabei eine ebenso große Rolle wie ein ständiges Weiterforschen. Timm Lindstedt, der mit seinem Team die Bronzemedaille des Wettbewerbs eingefahren hat, bringt das in seinem Vortrag besonders deutlich zum Ausdruck. Es gehe darum, die Entwicklung der Branche für die kommenden zwei Jahrzehnte in den Blick zu nehmen. Vieles habe sich schon zum besseren verändert. „Wissen Sie noch, wie hier auf der Pohlschen Heide vor 20 Jahren gearbeitet wurde?", fragt er in den Raum.

Herauszuhören ist deshalb auch, dass die Entwicklung der Pohlschen Heide niemals abgeschlossen sein kann. Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft werden sich weiterentwickeln und auch die Rolle der Gesellschaft hat großen Einfluss. Der Begriff „Smart Recycling Factory" werde sich wohl immer wieder neu definieren. Das eine Ziel haben die Verantwortlichen aber fest im Blick: Irgendwann soll der komplette Müll als Rohstoff gelten und fester Teil der Kreislaufwirtschaft sein.

Ob und wie die Entwürfe für die Zukunft auf der Pohlschen Heide realisiert werden können, soll sich möglichst bald zeigen. Der Wettbewerb ist nach Worten von Sarah Golcher ein „weiterer Schritt". Die Fachleute werden darüber beraten, was machbar ist. Laut Henning Schreiber steht allerdings fest, dass der Begriff „Entsorgungszentrum" bald überholt ist.

Abfall ist kein Müll mehr

Ein Kommantar von Carsten Korfesmeyer

Eine Seilbahn oder ein Skywalk auf der Pohlschen Heide? Womöglich noch eine Sommerrodelbahn? Das klingt nach Vergnügen, guter Laune und so gar nicht mehr nach dem, was einst unter den Begriff Müllentsorgung fiel. Die Präsentationen zur „Smart Recycling Factory" zeigen, dass die Branche anders geworden ist.

Gut so, denn Abfälle gehören in das Bewusstsein der Menschen. Dafür müssen sie sichtbar sein. Nur wer sich mit ihnen beschäftigt, entwickelt eine Sensibilität dafür, dass Ressourcen nicht endlos sind und Müll nicht einfach verschwindet, wenn er in die Tonne gesteckt wird. Der eingeschlagene Weg auf der Deponie nimmt die Menschen mit und sorgt für Identifikation mit einem Thema, das alles andere als Müll ist.

Die Ideen der Architekten wirken nur auf den ersten Blick, als würde die Pohlsche Heide mittelfristig zum Erlebnispark umfunktioniert. Dass sich Spaß, Information und Lernen nicht ausschließen, zeigt sich beim zweiten Hinsehen. Denn wer beim Bummel über den Skywalk oder bei der Fahrt mit der Seilbahn etwas über Müllentsorgung erfährt, schnappt garantiert dazu etwas auf – selbst wenn er eigentlich nur die Aussicht erleben will.

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