Verzweifelte Wohnungssuche: Alleinerziehende Mutter mit drei Kindern muss Ende Februar ausziehen Stefanie Dullweber Hille. Unter Mietgesuche findet sich in der Samstag-Ausgabe des Mindener Tageblatts ein dringender Appell. Da heißt es: „Alleinerziehende mit drei Kindern droht Obdachlosigkeit. Suchen Wohnung in Hille-Ort, wegen Eigenbedarf gekündigt. Bitte helft!“. Sie habe die Anzeige für ihre Schwester aufgegeben, sagt die Frau, die sich unter der angegebenen Telefonnummer meldet. Wenn nicht bald etwas passiere, sitze ihre Schwester Ende Februar auf der Straße. Die beiden Schwestern möchten anonym bleiben. Sie hätte Sorge, dass die Kinder in der Schule gemobbt werden, wenn in der Zeitung steht, wie es um die Familie bestellt ist. Dennoch habe sie sich an die Zeitung gewandt, weil sie hoffe, dass sich ein Vermieter auf ihren Aufruf hin meldet. „Es ist eine Katastrophe. Wir sind am Rande der Verzweiflung“, sagt die Hillerin und erzählt, was in den letzten Wochen alles passiert ist. Das Haus, in dem ihre Schwester mit den drei Kindern (16, 12 und 6 Jahre) in der Ortschaft Eickhorst lebt, ist verkauft worden. Die neuen Besitzer haben Eigenbedarf angemeldet und das Mietverhältnis gekündigt. So weit noch kein Problem. Nahezu unmöglich scheint es jetzt allerdings für die alleinerziehende Mutter zu sein, ein neues Zuhause für sich und ihre Kinder zu finden.Zum einen sei die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt, zum anderen habe ihre Schwester – trotz vieler Anfragen – nur wenige Besichtigungstermine bekommen. „Sobald die Vermieter hören, dass meine Schwester Sozialhilfe bekommt, ist das Gespräch beendet.“ Die Unterhaltungen seien zu Beginn immer sehr vielversprechend, bis die Frage nach dem Lebensunterhalt gestellt werde.Am liebsten würde die 38-Jährige mit ihren Kindern nach Hille ziehen, weil alle drei hier zur Schule gehen. Aufgrund einer Sehbehinderung hat die Frau keinen Führerschein und möchte, falls etwas mit den Kindern sein sollte, in der Nähe sein. Außerdem wäre sie dann auch in der Nähe ihrer Schwester. „Wir unterstützen uns gegenseitig, auch mit den Kindern. Außerdem fahre ich mit ihr zum Einkaufen.“ Sie hätten sich auch schon in den Nachbarorten wie Südhemmern umgehört – ohne Erfolg. Eine Bewerbung bei der Aufbaugemeinschaft Espelkamp habe ebenfalls nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. „Die Wohnungen dort lagen über dem Satz des Sozialamtes. Also haben wir die Antwort bekommen: Das können Sie sich nicht leisten“, berichtet die Schwester der Betroffenen von den vielfältigen Bemühungen. Eine Vier-Zimmer-Wohnung sei in der Regel immer zu teuer – die würde ihre Schwester also nicht bekommen. Bei einer Drei-Zimmer-Wohnung würden sie häufig das Argument hören, dass es für so viele Bewohner zu klein sei. „Was soll man da noch machen?“, fragt sich die Hillerin. Vom Sozialamt hätten sie die Information bekommen, dass sie auch eine Wohnung mieten könnten, die über dem Satz liege, aber dann müssten sie sich nach einem Jahr etwas Neues suchen. „Dann bräuchte sie ihre Kisten ja gar nicht auspacken.“ Eigentlich hätte die 38-Jährige bereits Ende letzten Jahres aus ihrer Wohnung in Eickhorst ausziehen müssen, allerdings haben ihr die Eigentümer eine Fristverlängerung bis Ende Februar eingeräumt. „Es ist dringend“, sagt die Schwester, die so langsam nicht mehr weiß, was sie noch unternehmen soll. Sie habe Freunde und Kollegen gefragt, Aushänge im Supermarkt gemacht und sowohl in der Zeitung als auch Online Anzeigen aufgegeben. „Ich bin ratlos“, sagt sie. Aufgeben will sie dennoch nicht und hofft, dass sich auf ihren Hilferuf potenzielle Vermieter beim Mindener Tageblatt melden und ihrer Schwester die Möglichkeit geben, sich vorzustellen.Auch der Kreis Minden-Lübbecke hat sich auf eine Anfrage des Mindener Tageblatts gemeldet und erklärt, was die Aufgabe der Sozialhilfe ist. Es gehe darum, einer hilfesuchenden Person ein Leben zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Beschaffung von Wohnraum gehöre jedoch nicht zu diesen Aufgaben. Dennoch gebe es im Kreis Minden-Lübbecke Hilfsangebote, die von in Not geratenen Personen genutzt werden könnten. Dazu gehört die „Fachstelle Wohin“, die vom Kreis Minden-Lübbecke und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) finanziert wird. Die Fachstelle für Menschen in Wohnungsnot mit Sitz an der Hermannstraße in Minden ist telefonisch unter der Nummer (05 71) 9 41 96 80 und per E-Mail an wohin@hexenhaus-espelkamp.de erreichbar. Ansonsten sei es Aufgabe der örtlichen Ordnungsbehörde, Hilfe bei Obdachlosigkeit zu gewähren, teilt der Kreis mit.

Verzweifelte Wohnungssuche: Alleinerziehende Mutter mit drei Kindern muss Ende Februar ausziehen

Nach einer Kündigung wegen Eigenbedarf ist eine dreifache Mutter verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Symbolfoto: Andreas Gora © imago/Andreas Gora

Hille. Unter Mietgesuche findet sich in der Samstag-Ausgabe des Mindener Tageblatts ein dringender Appell. Da heißt es: „Alleinerziehende mit drei Kindern droht Obdachlosigkeit. Suchen Wohnung in Hille-Ort, wegen Eigenbedarf gekündigt. Bitte helft!“. Sie habe die Anzeige für ihre Schwester aufgegeben, sagt die Frau, die sich unter der angegebenen Telefonnummer meldet. Wenn nicht bald etwas passiere, sitze ihre Schwester Ende Februar auf der Straße.

Die beiden Schwestern möchten anonym bleiben. Sie hätte Sorge, dass die Kinder in der Schule gemobbt werden, wenn in der Zeitung steht, wie es um die Familie bestellt ist. Dennoch habe sie sich an die Zeitung gewandt, weil sie hoffe, dass sich ein Vermieter auf ihren Aufruf hin meldet. „Es ist eine Katastrophe. Wir sind am Rande der Verzweiflung“, sagt die Hillerin und erzählt, was in den letzten Wochen alles passiert ist.

Das Haus, in dem ihre Schwester mit den drei Kindern (16, 12 und 6 Jahre) in der Ortschaft Eickhorst lebt, ist verkauft worden. Die neuen Besitzer haben Eigenbedarf angemeldet und das Mietverhältnis gekündigt. So weit noch kein Problem. Nahezu unmöglich scheint es jetzt allerdings für die alleinerziehende Mutter zu sein, ein neues Zuhause für sich und ihre Kinder zu finden.

Zum einen sei die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt, zum anderen habe ihre Schwester – trotz vieler Anfragen – nur wenige Besichtigungstermine bekommen. „Sobald die Vermieter hören, dass meine Schwester Sozialhilfe bekommt, ist das Gespräch beendet.“ Die Unterhaltungen seien zu Beginn immer sehr vielversprechend, bis die Frage nach dem Lebensunterhalt gestellt werde.

Am liebsten würde die 38-Jährige mit ihren Kindern nach Hille ziehen, weil alle drei hier zur Schule gehen. Aufgrund einer Sehbehinderung hat die Frau keinen Führerschein und möchte, falls etwas mit den Kindern sein sollte, in der Nähe sein. Außerdem wäre sie dann auch in der Nähe ihrer Schwester. „Wir unterstützen uns gegenseitig, auch mit den Kindern. Außerdem fahre ich mit ihr zum Einkaufen.“


Sie hätten sich auch schon in den Nachbarorten wie Südhemmern umgehört – ohne Erfolg. Eine Bewerbung bei der Aufbaugemeinschaft Espelkamp habe ebenfalls nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. „Die Wohnungen dort lagen über dem Satz des Sozialamtes. Also haben wir die Antwort bekommen: Das können Sie sich nicht leisten“, berichtet die Schwester der Betroffenen von den vielfältigen Bemühungen. Eine Vier-Zimmer-Wohnung sei in der Regel immer zu teuer – die würde ihre Schwester also nicht bekommen. Bei einer Drei-Zimmer-Wohnung würden sie häufig das Argument hören, dass es für so viele Bewohner zu klein sei. „Was soll man da noch machen?“, fragt sich die Hillerin. Vom Sozialamt hätten sie die Information bekommen, dass sie auch eine Wohnung mieten könnten, die über dem Satz liege, aber dann müssten sie sich nach einem Jahr etwas Neues suchen. „Dann bräuchte sie ihre Kisten ja gar nicht auspacken.“

Eigentlich hätte die 38-Jährige bereits Ende letzten Jahres aus ihrer Wohnung in Eickhorst ausziehen müssen, allerdings haben ihr die Eigentümer eine Fristverlängerung bis Ende Februar eingeräumt. „Es ist dringend“, sagt die Schwester, die so langsam nicht mehr weiß, was sie noch unternehmen soll. Sie habe Freunde und Kollegen gefragt, Aushänge im Supermarkt gemacht und sowohl in der Zeitung als auch Online Anzeigen aufgegeben. „Ich bin ratlos“, sagt sie. Aufgeben will sie dennoch nicht und hofft, dass sich auf ihren Hilferuf potenzielle Vermieter beim Mindener Tageblatt melden und ihrer Schwester die Möglichkeit geben, sich vorzustellen.

Auch der Kreis Minden-Lübbecke hat sich auf eine Anfrage des Mindener Tageblatts gemeldet und erklärt, was die Aufgabe der Sozialhilfe ist. Es gehe darum, einer hilfesuchenden Person ein Leben zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Beschaffung von Wohnraum gehöre jedoch nicht zu diesen Aufgaben. Dennoch gebe es im Kreis Minden-Lübbecke Hilfsangebote, die von in Not geratenen Personen genutzt werden könnten. Dazu gehört die „Fachstelle Wohin“, die vom Kreis Minden-Lübbecke und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) finanziert wird. Die Fachstelle für Menschen in Wohnungsnot mit Sitz an der Hermannstraße in Minden ist telefonisch unter der Nummer (05 71) 9 41 96 80 und per E-Mail an wohin@hexenhaus-espelkamp.de erreichbar. Ansonsten sei es Aufgabe der örtlichen Ordnungsbehörde, Hilfe bei Obdachlosigkeit zu gewähren, teilt der Kreis mit.

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