Unterlübbe macht Tempo: So lief der Impf-Marathon an Ostern Stefanie Dullweber,Jan Henning Rogge Hille. „Ostern ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich heute eine Impfung bekomme“, sagt Heinz Friedel Kuhlmann. Der Eickhorster hat sich am Samstag auf den Weg zum Impfzentrum nach Unterlübbe gemacht, um – ohne Termin – eine Injektion mit Astrazeneca zu bekommen. „Ich habe mich sofort ins Auto gesetzt, als ich von der Möglichkeit erfahren habe“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Hiller Seniorenbeirates. Mehr als 3.000 Menschen aus dem Kreisgebiet profitierten am Karfreitag und Ostersamstag von der spontanen Impfaktion für Über-60-Jährige. Da durch Sonderlieferungen des Landes NRW genügend Impfstoff zur Verfügung stand, konnte die außerplanmäßige Aktion stattfinden. Dieser Impfstoff gehöre nicht zu dem Kontingent, das für die Termine zur Verfügung steht, die ab Samstagmorgen vergeben wurden, erklärt die Leiterin des Impfzentrums, die Medizinerin Anke Richter-Scheer. „Es wurde kein Impfstoff vorgezogen.“ „Am Freitagmorgen standen mehrere Personen vor der Tür, die sich mit Astrazeneca impfen lassen wollten. Wir haben dann entschieden, dass wir an diesen zwei Tagen, bevor die Impfung für diese Altersgruppe startet, ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung stellen“, sagt Anna Breder, Referentin der Landrätin Anna Bölling. „Es hat sich herumgesprochen, wie ein Lauffeuer.“ Einen Aufruf habe es nicht gegeben. Die Frage, an den Feiertagen nicht zu impfen, habe sich im Kreis nie gestellt. „Wir wären nur aus dem Rhythmus gekommen“, betont Anke Richter-Scheer. Eine Impfmüdigkeit oder Skepsis gegenüber dem Astrazeneca-Vakzin ist bei den Menschen im Mühlenkreis nicht zu erkennen. Immer länger wird am Samstagmittag die Schlange derjenigen, die sich spontan impfen lassen möchten. Viele, so erzählen sie, hätten zuvor versucht, einen Termin über das Vergabesystem zu bekommen – ohne Erfolg. Denn auch dieses Mal gab es Probleme. Um kurz vor 14 Uhr ist die Schlange derart lang, dass die Sicherheitskräfte weitere Impfwillige abweisen müssen. Nichts geht mehr. Am Abend ist ein Rekordwert erreicht – 1.749 Impfungen an nur einem Tag. Das hat es seit dem Start des Impfzentrums nicht gegeben. Einer derjenigen, die von der Aktion profitieren, ist Hartmut Branning aus Minden. Auch er hatte von der Impfaktion gehört. Er sei zum ersten Mal um 11.30 Uhr nach Hille gekommen, aber zunächst auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden. „Dann bin ich um halb zwei wieder gekommen und dann ging es relativ flott.“ Von der Schlange an der Straße bis zur Impfung habe er eine gute Stunde gebraucht – das sei absolut Okay. Im Inneren der Sporthalle herrscht reger Betrieb. Anke Richter-Scheer hält zwei klingelnde Handys in den Händen. „Die Gefühlslage wechselt zwischen erschrocken sein und großer Freude“, sagt die Medizinerin, die spontan auf den Ansturm reagiert und zusätzliches Personal nach Unterlübbe geholt hat. Die Leiterin des Zentrums hilft auch selbst beim Impfen mit. Um vor allem die regulären Termine der Über-80-Jährigen ohne längere Wartezeiten durchzuführen, öffnet Richter-Scheer kurzerhand eine zusätzliche Impfstraße. Ein Rundgang durch die Sporthalle zeigt, dass der Betrieb ruhig und unaufgeregt abläuft. „Zeit für lange Aufklärungsgespräche bleibt bei diesem Tempo natürlich nicht“, sagt Anke Richter-Scheer, die sich laut eigenen Angaben darüber freut, dass die Aktion so unbürokratisch abläuft. Da blieben dann für ein Arztgespräche nur etwa eineinhalb Minuten. Dennoch würden den Impflingen, die Astrazeneca bekommen, Standardfragen zu Gerinnungsstörungen, Thrombose und vorherigen Impfungen gestellt werden. Und auch darüber klärt die Ärztin ihre Patienten auf: „Bei einer Impfung in den Muskel können Kopf- und Gliederschmerzen auftreten.“ Sollten die Geimpften nach sechs bis acht Tagen nach wie vor Kopfschmerzen oder „komische Pünktchen“ haben, sollten sie ihren Hausarzt kontaktieren. Neben den Ärzten, dem medizinischen Fachpersonal und Medizinstudenten, sind am Samstag auch freiwillige Helfer im Einsatz. Eine von ihnen ist die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte. Sie hatte sich gemeldet, um im Impfzentrum zu helfen. Dass sie nun ausgerechnet an den Tagen hier arbeitet, an denen diese Impfaktion läuft, war nicht abzusehen. „Ich mache das hier, weil ich das sehr wichtig finde und dieses großartige Team im Impfzentrum unterstützen möchte. Und ich mache das als Privatperson.“ Gemeldet hatte sie sich über die Kassenärztliche Vereinigung, über die auch andere ehrenamtliche Helfer ihren Weg nach Unterlübbe gefunden haben. Gerade betreut sie Liane Lösch aus Eisbergen: „Ich bin heute zum dritten Mal hier“ sagt sie. „Zweimal mit meiner Mutter und heute werde ich selber geimpft. Hier sind alle sehr hilfsbereit.“ Bevor Liane Lösch mit Kirstin Korte den Anamnesebogen durchgeht, ist sie zuvor von Ralf Schymon und dessen Frau Inga Werth aufgenommen worden. Schymon ist technischer Leiter des Impfzentrums, heute liest er Gesundheitskarten ein und verteilt Aufklärungsbögen. Die Zahl der Check-Inns ist von vier auf sechs erweitert worden – da wird jede helfende Hand gebraucht. Inga Werth arbeitet normalerweise nicht im Impfzentrum, ist aber spontan eingesprungen. „Weil wir so einen großen Andrang erwartet haben“, sagt Schymon. „Und weil ich meinen Mann sonst an Ostern sowieso nicht sehe“, sagt seine Frau, die am Morgen extra noch eine Erdbeertorte gebacken hat. Für eine Kaffeepause hat das Paar bis zum frühen Nachmittag jedoch noch keine Zeit gehabt. Auch Anke Richter-Scheer bleibt kaum Zeit für eine Pause. Ihre beiden Handys klingeln auch am Ende des Rundgangs ohne Pause, aber das scheint sie nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht die Tatsache, dass auch in ihrer Hausarztpraxis in Bad Oeynhausen am Dienstag die Impfungen starten. „Mein zukünftiger Partner unterstützt mich und die Zahl der Impfdosen, die wir bekommen, liegt bei maximal 42. Damit sind wir schnell durch.“ Am Ostersonntag und Montag will sich die Ärztin eine Pause gönnen – die erste seit Januar. Sie werde ihre Mutter besuchen, sagt Anke Richter-Scheer und die Zeit nutzen, um Mails zu beantworten, bevor es dann am Dienstag weitergeht. Zunächst aber sei sie froh darüber, dass so viele Menschen glücklich das Impfzentrum verlassen hätten.

Unterlübbe macht Tempo: So lief der Impf-Marathon an Ostern

Weil am Ostersonntag immer wieder Besucher ohne Termin zum Impfzentrum kommen, sperren die Organisatoren die Schulstraße mit einem DRK-Einsatzfahrzeug direkt an der B 65. © x

Hille. „Ostern ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich heute eine Impfung bekomme“, sagt Heinz Friedel Kuhlmann. Der Eickhorster hat sich am Samstag auf den Weg zum Impfzentrum nach Unterlübbe gemacht, um – ohne Termin – eine Injektion mit Astrazeneca zu bekommen. „Ich habe mich sofort ins Auto gesetzt, als ich von der Möglichkeit erfahren habe“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Hiller Seniorenbeirates.

Mehr als 3.000 Menschen aus dem Kreisgebiet profitierten am Karfreitag und Ostersamstag von der spontanen Impfaktion für Über-60-Jährige. Da durch Sonderlieferungen des Landes NRW genügend Impfstoff zur Verfügung stand, konnte die außerplanmäßige Aktion stattfinden. Dieser Impfstoff gehöre nicht zu dem Kontingent, das für die Termine zur Verfügung steht, die ab Samstagmorgen vergeben wurden, erklärt die Leiterin des Impfzentrums, die Medizinerin Anke Richter-Scheer. „Es wurde kein Impfstoff vorgezogen.“

Hartmut Branning aus Minden ließ sich am Samstag mit AstraZeneca impfen. MT-Fotos: Jan Henning Rogge - © jhr
Hartmut Branning aus Minden ließ sich am Samstag mit AstraZeneca impfen. MT-Fotos: Jan Henning Rogge - © jhr

„Am Freitagmorgen standen mehrere Personen vor der Tür, die sich mit Astrazeneca impfen lassen wollten. Wir haben dann entschieden, dass wir an diesen zwei Tagen, bevor die Impfung für diese Altersgruppe startet, ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung stellen“, sagt Anna Breder, Referentin der Landrätin Anna Bölling. „Es hat sich herumgesprochen, wie ein Lauffeuer.“ Einen Aufruf habe es nicht gegeben. Die Frage, an den Feiertagen nicht zu impfen, habe sich im Kreis nie gestellt. „Wir wären nur aus dem Rhythmus gekommen“, betont Anke Richter-Scheer.

Eine Impfmüdigkeit oder Skepsis gegenüber dem Astrazeneca-Vakzin ist bei den Menschen im Mühlenkreis nicht zu erkennen. Immer länger wird am Samstagmittag die Schlange derjenigen, die sich spontan impfen lassen möchten. Viele, so erzählen sie, hätten zuvor versucht, einen Termin über das Vergabesystem zu bekommen – ohne Erfolg. Denn auch dieses Mal gab es Probleme. Um kurz vor 14 Uhr ist die Schlange derart lang, dass die Sicherheitskräfte weitere Impfwillige abweisen müssen. Nichts geht mehr. Am Abend ist ein Rekordwert erreicht – 1.749 Impfungen an nur einem Tag. Das hat es seit dem Start des Impfzentrums nicht gegeben.

Einer derjenigen, die von der Aktion profitieren, ist Hartmut Branning aus Minden. Auch er hatte von der Impfaktion gehört. Er sei zum ersten Mal um 11.30 Uhr nach Hille gekommen, aber zunächst auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden. „Dann bin ich um halb zwei wieder gekommen und dann ging es relativ flott.“ Von der Schlange an der Straße bis zur Impfung habe er eine gute Stunde gebraucht – das sei absolut Okay.

Im Inneren der Sporthalle herrscht reger Betrieb. Anke Richter-Scheer hält zwei klingelnde Handys in den Händen. „Die Gefühlslage wechselt zwischen erschrocken sein und großer Freude“, sagt die Medizinerin, die spontan auf den Ansturm reagiert und zusätzliches Personal nach Unterlübbe geholt hat. Die Leiterin des Zentrums hilft auch selbst beim Impfen mit. Um vor allem die regulären Termine der Über-80-Jährigen ohne längere Wartezeiten durchzuführen, öffnet Richter-Scheer kurzerhand eine zusätzliche Impfstraße.

Ein Rundgang durch die Sporthalle zeigt, dass der Betrieb ruhig und unaufgeregt abläuft. „Zeit für lange Aufklärungsgespräche bleibt bei diesem Tempo natürlich nicht“, sagt Anke Richter-Scheer, die sich laut eigenen Angaben darüber freut, dass die Aktion so unbürokratisch abläuft. Da blieben dann für ein Arztgespräche nur etwa eineinhalb Minuten. Dennoch würden den Impflingen, die Astrazeneca bekommen, Standardfragen zu Gerinnungsstörungen, Thrombose und vorherigen Impfungen gestellt werden. Und auch darüber klärt die Ärztin ihre Patienten auf: „Bei einer Impfung in den Muskel können Kopf- und Gliederschmerzen auftreten.“ Sollten die Geimpften nach sechs bis acht Tagen nach wie vor Kopfschmerzen oder „komische Pünktchen“ haben, sollten sie ihren Hausarzt kontaktieren.

Neben den Ärzten, dem medizinischen Fachpersonal und Medizinstudenten, sind am Samstag auch freiwillige Helfer im Einsatz. Eine von ihnen ist die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte. Sie hatte sich gemeldet, um im Impfzentrum zu helfen. Dass sie nun ausgerechnet an den Tagen hier arbeitet, an denen diese Impfaktion läuft, war nicht abzusehen. „Ich mache das hier, weil ich das sehr wichtig finde und dieses großartige Team im Impfzentrum unterstützen möchte. Und ich mache das als Privatperson.“ Gemeldet hatte sie sich über die Kassenärztliche Vereinigung, über die auch andere ehrenamtliche Helfer ihren Weg nach Unterlübbe gefunden haben. Gerade betreut sie Liane Lösch aus Eisbergen: „Ich bin heute zum dritten Mal hier“ sagt sie. „Zweimal mit meiner Mutter und heute werde ich selber geimpft. Hier sind alle sehr hilfsbereit.“

Bevor Liane Lösch mit Kirstin Korte den Anamnesebogen durchgeht, ist sie zuvor von Ralf Schymon und dessen Frau Inga Werth aufgenommen worden. Schymon ist technischer Leiter des Impfzentrums, heute liest er Gesundheitskarten ein und verteilt Aufklärungsbögen. Die Zahl der Check-Inns ist von vier auf sechs erweitert worden – da wird jede helfende Hand gebraucht. Inga Werth arbeitet normalerweise nicht im Impfzentrum, ist aber spontan eingesprungen. „Weil wir so einen großen Andrang erwartet haben“, sagt Schymon. „Und weil ich meinen Mann sonst an Ostern sowieso nicht sehe“, sagt seine Frau, die am Morgen extra noch eine Erdbeertorte gebacken hat. Für eine Kaffeepause hat das Paar bis zum frühen Nachmittag jedoch noch keine Zeit gehabt.

Auch Anke Richter-Scheer bleibt kaum Zeit für eine Pause. Ihre beiden Handys klingeln auch am Ende des Rundgangs ohne Pause, aber das scheint sie nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht die Tatsache, dass auch in ihrer Hausarztpraxis in Bad Oeynhausen am Dienstag die Impfungen starten. „Mein zukünftiger Partner unterstützt mich und die Zahl der Impfdosen, die wir bekommen, liegt bei maximal 42. Damit sind wir schnell durch.“ Am Ostersonntag und Montag will sich die Ärztin eine Pause gönnen – die erste seit Januar. Sie werde ihre Mutter besuchen, sagt Anke Richter-Scheer und die Zeit nutzen, um Mails zu beantworten, bevor es dann am Dienstag weitergeht. Zunächst aber sei sie froh darüber, dass so viele Menschen glücklich das Impfzentrum verlassen hätten.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Hille