„Torf gehört ins Moor, nicht in den Garten“: Nabu schlägt Alarm, weil Abbau zum Verlust des Lebensraums vieler Arten beiträgt Frank Hartmann Hille. Eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die auf besondere Lebensräume angewiesen sind, geben dem Großen Torfmoor seinen besonderen Wert. Die hohe Bedeutung der 550 Hektar umfassenden Moorlandschaft spiegelt sich auch in der Ausweisung als europäisches Flora- und Fauna- sowie als Vogelschutzgebiet wider. Ein großer Erfolg war nach Ansicht des Naturschutzbund (Nabu) Minden-Lübbecke das von 2003 bis 2008 durchgeführte Projekt „Regeneration des Großen Torfmoores“. Durch dieses vom Nabu beantragte und von der EU und dem Land NRW geförderte Projekt wurden in großen Bereichen die Voraussetzungen für die Wiedervernässung des Großen Torfmoors geschaffen. Seitdem finden auch spezielle Tier- und Pflanzenarten wie die Mosaikjungfer-Libelle, der Goldregenpfeifer und die Glockenheide wieder geeignete Lebensbedingungen im Moor. Moore sind aber nicht nur einzigartige Lebensräume. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, denn sie speichern große Mengen Kohlenstoff. „Sobald das Moor trockengelegt wird, ist nicht nur die biologische Vielfalt in Gefahr“, warnt der Nabu. Werde dem Boden das Wasser entzogen, dringe Sauerstoff in die oberen Torfschichten ein. Mikroorganismen zersetzten den Torf und wandelten dabei den eingelagerten Kohlenstoff in klimaschädliches Kohlendioxid um. Für den Nabu gehört Torf deshalb „ins Moor und nicht in den Garten“. Auf der einen Seite sind Moore wie das große Torfmoor in Gehlenbeck ökologisch von überragender Bedeutung, werden geschützt und mit Millionen Euro Steuergeld renaturiert. Auf der anderen Seite verkaufen Baumärkte und Gartencenter weiterhin säckeweise den bei Privatgärtnern beliebten Torf – obwohl es mittlerweile ein halbes Dutzend Alternativen gibt. Ein Gartencenter und ein Landhandel in Lübbecke und Hüllhorst haben auf die Fragen der Redaktion zu diesem Thema nicht geantwortet. Dabei ergeben beispielsweise bei der Eingabe des Suchbegriffes „Torf“ auf einer Homepage die meisten Treffer für Erde für Blumen- und Gemüsebeete Ergebnisse mit dem Hinweis „torffrei“. Aber nicht alle. Anders Bärbel Sens, Inhaberin von Meyers Landhandel und Gartenmarkt in Espelkamp-Benkhausen. Sie zeigte sich auskunftsbereit und teilte mit: „Wir verkaufen nur noch Altbestände reinen Torf.“ Bewusster Abbau? So genau sei die da nicht im Bilde, sagt Sens. Torfwerke in ihrer Nähe gebe es jedenfalls nicht mehr: „Aber wir haben noch von der Firma Gramoflor aus Vechta Erden mit Torfanteil.“ Die torffreie Erde verkaufe sich immer besser, „weil die Leute bewusster kaufen“, stellt die Firmenchefin fest. Gleichwohl sei sie sich nicht sicher, ob es tatsächlich klimaneutraler sei, Kokosmaterial zu importieren, als geringe Mengen Torf zu verwenden. Für den Vorsitzenden des Nabu-Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Lothar Meckling, ist die Sache klar: „Es wird viel Geld für den Moorschutz ausgegeben. Auch deshalb müsste der Abbau von Torf eigentlich verboten werden.“ Leider seien die Abbaurechte der betreffenden Firmen sehr alt. Es sei deshalb nahezu unmöglich diese Rechte zu kippen. Deshalb werde Torf noch „überall angeboten“. Meckling zufolge wird der Abbau von Torf in der Region nur noch ausnahmsweise erlaubt, etwa aus medizinischen Gründen beziehungsweise zu Heilzwecken. Deshalb werde ausgewichen auf Moore in Osteuropa, insbesondere auf das Baltikum. Selbst intakte Hochmoore würden geschädigt, nicht zuletzt durch Bauern, die auf Torfböden Landwirtschaft betrieben. Dabei sei bekannt, dass nur intakte Moore Kohlendioxid speichern können. Dafür setzen sich Meckling und der Nabu weiter ein.

„Torf gehört ins Moor, nicht in den Garten“: Nabu schlägt Alarm, weil Abbau zum Verlust des Lebensraums vieler Arten beiträgt

Das Große Torfmoor misst rund 550 Hektar.
MT-Foto: S. Dullweber
© Dullweber Stefanie,Dullweber Stefanie

Hille. Eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die auf besondere Lebensräume angewiesen sind, geben dem Großen Torfmoor seinen besonderen Wert. Die hohe Bedeutung der 550 Hektar umfassenden Moorlandschaft spiegelt sich auch in der Ausweisung als europäisches Flora- und Fauna- sowie als Vogelschutzgebiet wider.

Ein großer Erfolg war nach Ansicht des Naturschutzbund (Nabu) Minden-Lübbecke das von 2003 bis 2008 durchgeführte Projekt „Regeneration des Großen Torfmoores“. Durch dieses vom Nabu beantragte und von der EU und dem Land NRW geförderte Projekt wurden in großen Bereichen die Voraussetzungen für die Wiedervernässung des Großen Torfmoors geschaffen. Seitdem finden auch spezielle Tier- und Pflanzenarten wie die Mosaikjungfer-Libelle, der Goldregenpfeifer und die Glockenheide wieder geeignete Lebensbedingungen im Moor.

Moore sind aber nicht nur einzigartige Lebensräume. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, denn sie speichern große Mengen Kohlenstoff. „Sobald das Moor trockengelegt wird, ist nicht nur die biologische Vielfalt in Gefahr“, warnt der Nabu. Werde dem Boden das Wasser entzogen, dringe Sauerstoff in die oberen Torfschichten ein. Mikroorganismen zersetzten den Torf und wandelten dabei den eingelagerten Kohlenstoff in klimaschädliches Kohlendioxid um. Für den Nabu gehört Torf deshalb „ins Moor und nicht in den Garten“.


Auf der einen Seite sind Moore wie das große Torfmoor in Gehlenbeck ökologisch von überragender Bedeutung, werden geschützt und mit Millionen Euro Steuergeld renaturiert. Auf der anderen Seite verkaufen Baumärkte und Gartencenter weiterhin säckeweise den bei Privatgärtnern beliebten Torf – obwohl es mittlerweile ein halbes Dutzend Alternativen gibt.

Ein Gartencenter und ein Landhandel in Lübbecke und Hüllhorst haben auf die Fragen der Redaktion zu diesem Thema nicht geantwortet. Dabei ergeben beispielsweise bei der Eingabe des Suchbegriffes „Torf“ auf einer Homepage die meisten Treffer für Erde für Blumen- und Gemüsebeete Ergebnisse mit dem Hinweis „torffrei“. Aber nicht alle.

Anders Bärbel Sens, Inhaberin von Meyers Landhandel und Gartenmarkt in Espelkamp-Benkhausen. Sie zeigte sich auskunftsbereit und teilte mit: „Wir verkaufen nur noch Altbestände reinen Torf.“ Bewusster Abbau? So genau sei die da nicht im Bilde, sagt Sens. Torfwerke in ihrer Nähe gebe es jedenfalls nicht mehr: „Aber wir haben noch von der Firma Gramoflor aus Vechta Erden mit Torfanteil.“ Die torffreie Erde verkaufe sich immer besser, „weil die Leute bewusster kaufen“, stellt die Firmenchefin fest. Gleichwohl sei sie sich nicht sicher, ob es tatsächlich klimaneutraler sei, Kokosmaterial zu importieren, als geringe Mengen Torf zu verwenden.

Für den Vorsitzenden des Nabu-Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Lothar Meckling, ist die Sache klar: „Es wird viel Geld für den Moorschutz ausgegeben. Auch deshalb müsste der Abbau von Torf eigentlich verboten werden.“ Leider seien die Abbaurechte der betreffenden Firmen sehr alt. Es sei deshalb nahezu unmöglich diese Rechte zu kippen. Deshalb werde Torf noch „überall angeboten“.

Meckling zufolge wird der Abbau von Torf in der Region nur noch ausnahmsweise erlaubt, etwa aus medizinischen Gründen beziehungsweise zu Heilzwecken. Deshalb werde ausgewichen auf Moore in Osteuropa, insbesondere auf das Baltikum. Selbst intakte Hochmoore würden geschädigt, nicht zuletzt durch Bauern, die auf Torfböden Landwirtschaft betrieben. Dabei sei bekannt, dass nur intakte Moore Kohlendioxid speichern können. Dafür setzen sich Meckling und der Nabu weiter ein.

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