Tierisch groß: riesige Katze von Hiller Künstler soll Hafeneinfahrt am Lago Maggiore überspannen Kerstin Rickert Hille/Minden. Andere sitzen vor dem Fernseher, wieder andere betreiben Sport. Matthias Mauritz braucht beides nicht. „Ich gucke kein Fernsehen“, sagt der 55-Jährige. Stattdessen fährt der Unterlübber abends und am Wochenende nach Minderheide, wo er eine große Halle angemietet hat. Matthias Mauritz ist Metallkünstler und die Halle sein Atelier, das für ihn jedes Fitnessstudio ersetzt. Hier setzt er seine tierisch großen Ideen um. Aufwendig gearbeitete Elefanten, Nashorn, Elch und Stier in Lebensgröße aus seiner Werkstatt haben schon Plätze an ganz unterschiedlichen Orten gefunden. Für seine bislang spannendste Arbeit hat ihn ein österreichischer Kunstliebhaber beauftragt: eine riesige Katze mit funkelnden Augen, die eine Hafeneinfahrt am Lago Maggiore überspannen soll. Im September vergangenen Jahres erreichte Matthias Mauritz die Anfrage für das außergewöhnliche Projekt. Ein Österreicher war über einen in Hannover lebenden Freund auf den Metallkünstler aus Unterlübbe gestoßen. Der Mann aus der Nähe von Graz wünschte sich einen besonderen Blickfang für sein Anwesen am Lago Maggiore und hatte davon auch bereits eine ziemlich genaue Vorstellung. Eine Katze, die über der Bootseinfahrt lauert und mit leuchtenden Augen den sicheren Weg in den Hafen weist, sollte es werden. „Er fragte mich, ob ich das umsetzen kann und wir wurden uns schnell einig“, erinnert sich Matthias Mauritz an die ersten Kontakte per Telefon. Der Mann habe ihn dann persönlich kennenlernen wollen und ihn nach Italien an den Lago Maggiore eingeladen. „Im Oktober sollte ich nach Mailand fliegen und dort von einem Fahrer abgeholt werden. Das Flugticket hatte ich schon, aber wegen Corona konnte ich dann doch nicht nach Italien fliegen.“ Kurzerhand wurden die Pläne geändert, und Matthias Mauritz machte sich mit dem Auto auf in Richtung Graz. „Das ging damals noch.“ Was ihn am Ziel erwartete, beschreibt der Künstler als eine für ihn völlig andere Welt. „Das ganze Haus besteht aus Kunst. Jedes Stück ist besonders und extravagant“, erzählt der Unterlübber, der von sich selbst sagt: „Ich mag das Besondere.“ Gereizt habe ihn auch die Aussicht darauf, so etwas Großes und Besonderes machen zu dürfen und die Wertschätzung, die ihm als Künstler zuteil werde. Viele seiner Werke stehen auf Privatgrundstücken. An so einem öffentlichen Ort wie in diesem Fall und noch dazu im Ausland werde seine Kunst noch einmal ganz anders wahrgenommen. „Das macht einen schon stolz.“ Mit nach Graz nahm Matthias Mauritz erste Entwürfe, die er in Abstimmung mit seinem Auftraggeber angefertigt hatte: eine Zeichnung im Maßstab 1:10 und das Modell einer Katze, die auf einer Leiter liegt, um die Kräfte des fertigen Objekts auf die Hafenmauer zu verteilen. Ein von blauen Glaskugeln durchsetzter, beleuchtbarer Metallkubus sollte zudem ein Gefühl davon vermitteln, wie Mauritz die Katzenaugen angehen würde. Gemeinsam mit seinem Kunden stimmte er die Einzelheiten ab: „Er wollte grün leuchtende Augen und dass die Katze böse guckt.“ Zurück in Deutschland machte sich der Künstler an die Umsetzung. Dabei nahm er den Katzenfreund und Kunstliebhaber aus Österreich mit durch den gesamten Prozess, indem er ihm Fotos zuschickte und Feinheiten mit ihm abstimmte. „Beide Seiten sollen ja schließlich am Ende mit dem Ergebnis zufrieden sein“, meint Mauritz. Die Katzenhaut hat er aus Dreiecken mit leicht nach innen gebogenen Kanten geschweißt. Dazu inspiriert hat ihn die Form eines Tangas. Die Unterkonstruktion besteht ebenso wie die hervorstechenden Schnurrhaare aus Metallstangen, die der Künstler von Hand kalt gebogen hat. Dafür braucht es neben der richtigen Technik auch jede Menge Kraft. Immer wieder entstanden auch neue, ausgefallene Details. Rot lackierte Krallen und orangefarbene Ohren etwa oder die beiden Figuren, die Matthias Mauritz eingearbeitet hat, um den Katzenschwanz zu stützen. Er ist aus vier Millimeter starkem Draht gewickelt und wiegt allein schon 100 Kilogramm. 300 bis 400 Stunden, so schätzt der 55-Jährige, stecken in der Katze, die nun auf ihren Umzug an den Lago Maggiore wartet. Insgesamt bringt sie 750 Kilogramm auf die Waage und ist mit 5,80 Metern Länge und 3,20 Metern Höhe ein imposanter Hingucker. Damit sie das auch bleibt, hat die Katze in einer Verzinkerei noch ein 450 Grad heißes Tauchbad genommen, bevor sie sich auf die Reise macht. Irgendwann, wenn die Situation es wieder erlaubt, will Matthias Mauritz sie besuchen. „Dann mache ich Fotos vom Wasser aus und fahre mit meinem Tretboot unter ihr hindurch.“

Tierisch groß: riesige Katze von Hiller Künstler soll Hafeneinfahrt am Lago Maggiore überspannen

Hille/Minden. Andere sitzen vor dem Fernseher, wieder andere betreiben Sport. Matthias Mauritz braucht beides nicht. „Ich gucke kein Fernsehen“, sagt der 55-Jährige. Stattdessen fährt der Unterlübber abends und am Wochenende nach Minderheide, wo er eine große Halle angemietet hat. Matthias Mauritz ist Metallkünstler und die Halle sein Atelier, das für ihn jedes Fitnessstudio ersetzt. Hier setzt er seine tierisch großen Ideen um.

Zum Abschluss muss Matthias Mauritz nur noch die Nägel seines Kunstwerks rot lackieren. In der nächsten Woche soll sich die Katze dann schon auf den Weg nach Italien machen. Foto: Kerstin Rickert - © kr
Zum Abschluss muss Matthias Mauritz nur noch die Nägel seines Kunstwerks rot lackieren. In der nächsten Woche soll sich die Katze dann schon auf den Weg nach Italien machen. Foto: Kerstin Rickert - © kr

Aufwendig gearbeitete Elefanten, Nashorn, Elch und Stier in Lebensgröße aus seiner Werkstatt haben schon Plätze an ganz unterschiedlichen Orten gefunden. Für seine bislang spannendste Arbeit hat ihn ein österreichischer Kunstliebhaber beauftragt: eine riesige Katze mit funkelnden Augen, die eine Hafeneinfahrt am Lago Maggiore überspannen soll.

Im September vergangenen Jahres erreichte Matthias Mauritz die Anfrage für das außergewöhnliche Projekt. Ein Österreicher war über einen in Hannover lebenden Freund auf den Metallkünstler aus Unterlübbe gestoßen. Der Mann aus der Nähe von Graz wünschte sich einen besonderen Blickfang für sein Anwesen am Lago Maggiore und hatte davon auch bereits eine ziemlich genaue Vorstellung. Eine Katze, die über der Bootseinfahrt lauert und mit leuchtenden Augen den sicheren Weg in den Hafen weist, sollte es werden. „Er fragte mich, ob ich das umsetzen kann und wir wurden uns schnell einig“, erinnert sich Matthias Mauritz an die ersten Kontakte per Telefon.


Der Mann habe ihn dann persönlich kennenlernen wollen und ihn nach Italien an den Lago Maggiore eingeladen. „Im Oktober sollte ich nach Mailand fliegen und dort von einem Fahrer abgeholt werden. Das Flugticket hatte ich schon, aber wegen Corona konnte ich dann doch nicht nach Italien fliegen.“ Kurzerhand wurden die Pläne geändert, und Matthias Mauritz machte sich mit dem Auto auf in Richtung Graz. „Das ging damals noch.“

Was ihn am Ziel erwartete, beschreibt der Künstler als eine für ihn völlig andere Welt. „Das ganze Haus besteht aus Kunst. Jedes Stück ist besonders und extravagant“, erzählt der Unterlübber, der von sich selbst sagt: „Ich mag das Besondere.“ Gereizt habe ihn auch die Aussicht darauf, so etwas Großes und Besonderes machen zu dürfen und die Wertschätzung, die ihm als Künstler zuteil werde. Viele seiner Werke stehen auf Privatgrundstücken. An so einem öffentlichen Ort wie in diesem Fall und noch dazu im Ausland werde seine Kunst noch einmal ganz anders wahrgenommen. „Das macht einen schon stolz.“

Mit nach Graz nahm Matthias Mauritz erste Entwürfe, die er in Abstimmung mit seinem Auftraggeber angefertigt hatte: eine Zeichnung im Maßstab 1:10 und das Modell einer Katze, die auf einer Leiter liegt, um die Kräfte des fertigen Objekts auf die Hafenmauer zu verteilen. Ein von blauen Glaskugeln durchsetzter, beleuchtbarer Metallkubus sollte zudem ein Gefühl davon vermitteln, wie Mauritz die Katzenaugen angehen würde. Gemeinsam mit seinem Kunden stimmte er die Einzelheiten ab: „Er wollte grün leuchtende Augen und dass die Katze böse guckt.“ Zurück in Deutschland machte sich der Künstler an die Umsetzung. Dabei nahm er den Katzenfreund und Kunstliebhaber aus Österreich mit durch den gesamten Prozess, indem er ihm Fotos zuschickte und Feinheiten mit ihm abstimmte. „Beide Seiten sollen ja schließlich am Ende mit dem Ergebnis zufrieden sein“, meint Mauritz.

Die Katzenhaut hat er aus Dreiecken mit leicht nach innen gebogenen Kanten geschweißt. Dazu inspiriert hat ihn die Form eines Tangas. Die Unterkonstruktion besteht ebenso wie die hervorstechenden Schnurrhaare aus Metallstangen, die der Künstler von Hand kalt gebogen hat. Dafür braucht es neben der richtigen Technik auch jede Menge Kraft. Immer wieder entstanden auch neue, ausgefallene Details. Rot lackierte Krallen und orangefarbene Ohren etwa oder die beiden Figuren, die Matthias Mauritz eingearbeitet hat, um den Katzenschwanz zu stützen. Er ist aus vier Millimeter starkem Draht gewickelt und wiegt allein schon 100 Kilogramm.

300 bis 400 Stunden, so schätzt der 55-Jährige, stecken in der Katze, die nun auf ihren Umzug an den Lago Maggiore wartet. Insgesamt bringt sie 750 Kilogramm auf die Waage und ist mit 5,80 Metern Länge und 3,20 Metern Höhe ein imposanter Hingucker. Damit sie das auch bleibt, hat die Katze in einer Verzinkerei noch ein 450 Grad heißes Tauchbad genommen, bevor sie sich auf die Reise macht. Irgendwann, wenn die Situation es wieder erlaubt, will Matthias Mauritz sie besuchen. „Dann mache ich Fotos vom Wasser aus und fahre mit meinem Tretboot unter ihr hindurch.“

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