Streit zwischen Feuerwehr und Gemeinderat eskaliert - Löschgruppe Nordhemmern quittiert ihren Dienst Stefanie Dullweber Hille-Hartum. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Mit Martinshorn und Blaulicht fahren am Freitagmorgen 20 Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille am Rathaus in Hartum vor. Nein, die rund 70 Feuerwehrleute, die aus den Wagen steigen, sind nicht im Einsatz – im Gegenteil. Sie haben ihre Bereitschaft ausgesetzt, die Fahrzeuge um 10.20 Uhr bei der Leitstelle als „nicht einsatzbereit" gemeldet und wollen sich beim Bürgermeister Gehör verschaffen. Hilles Feuerwehrchef Bernhard Förster spricht von einem „beginnenden Flächenbrand". Der Ärger der Ehrenamtlichen richtet sich gegen einige Mitglieder des Gemeinderates, die sich laut Förster in den vergangenen Monaten „in einer beschämenden Art und Weise" über die Arbeit der Feuerwehr geäußert hätten. Die Feuerwehr fühle sich schlecht behandelt und trotz hoch qualifizierter Mitglieder nicht genügend wertgeschätzt. Die ehrenamtliche Arbeit und die Fachkompetenz der einzelnen Löschgruppen würde seitens der Politik immer wieder infrage gestellt. Der Leiter der Feuerwehr betont, dass sie mit dem Protest ein Zeichen setzen wollen. „Wir stehen zu unseren Aufgaben und opfern unsere Freizeit, um für die Bürger da zu sein. Wenn der Melder geht, rücken wir aus. Wir gehen da rein, wo andere rausrennen." Unter dem Applaus seiner Kameradinnen und Kameraden übergibt Förster ein Protestschreiben an Hilles Bürgermeister Michael Schweiß (parteilos). Was dann passiert, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Finn Hespos, Leiter der Löschgruppe Nordhemmern, bittet um Gehör. „Unsere Arbeit wird immer wieder schlecht geredet, obwohl wir hoch qualifizierte Leute haben", sagt Hespos und legt seine Einsatzkleidung vor dem Rathaus ab. Die anderen Mitglieder der Löschgruppe tun es ihm gleich. Zuletzt überreichen sie die Schlüssel für das Gerätehaus und das Löschfahrzeug an den Bürgermeister. Wie Pressesprecher Luis Rothe bestätigt, ist die Gruppe bei der Leitstelle offiziell abgemeldet. Während die anderen Löschgruppen ihre Arbeit nach rund eineinhalb Stunden wieder aufnehmen, fahren die Nordhemmeraner mit ihren Privatwagen nach Hause. „Das Einsatzfahrzeug können die Politiker ja abholen", ruft jemand aus der Menge. „Ich kann diese Reaktion absolut nachvollziehen. Die Nordhemmeraner werden immer wieder in den Dreck gezogen, obwohl sie in den letzten Jahren viel erreicht und sogar neue Leute geworben haben. Ich glaube eine vergleichbare Aktion hat es in heimischen Feuerwehrkreisen noch nie gegeben." Auch Michael Schweiß wirkt geschockt und bittet die Ehrenamtlichen, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Der Verwaltungschef zeigt Verständnis für das Handeln der Aktiven und auch für die Protestaktion an sich. Er spricht von einer „vorsätzlichen Schädigung" der Feuerwehr und er wolle dem Rat vor Augen führen, welchen Schaden die Aussagen Einzelner angerichtet hätten. Ihn hätte vor allem das Misstrauen geärgert, das einige Politiker dem Arbeitskreis „Zukunft Feuerwehr" entgegengebracht haben. Von diesem Misstrauen ist auch in dem Brief zu lesen, in dem das Führungstrio – zu dem auch Försters Stellvertreter Andreas von Behren-Krüger und Sven Bredebusch gehören – erläutert, worüber sie sich ärgern. In dem Schreiben, das dem MT vorliegt, bezieht sich die Leitung auf den Arbeitskreis „Zukunft Feuerwehr". Im letzten Jahr seien die seit 2018 erarbeitenden Ergebnisse vom neu gewählten Rat lapidar beiseitegeschoben worden, mit der Begründung die Resultate extern prüfen lassen zu wollen. Die Kosten für einen externen Berater wollte die Feuerwehr mit der Arbeit in dem Gremium einsparen. Ein weiterer Kritikpunkt ist laut den Verfassern die „beschämende Ratssitzung im vergangenen Jahr". Seinerzeit sollten der Leiter und der stellvertretende Leiter, also Förster und von Behren-Krüger, für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren bestätigt werden. Einige Politiker forderten eine geheime Abstimmung, bei der es letztlich einige Gegenstimmen gab. So etwas habe es seit Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr nicht gegeben, schreiben die Verantwortlichen. Die Youtube-Videos des FDP-Vorsitzenden Nikolaus Netzel sind den Feuerwehrleuten ebenfalls ein Dorn im Auge. Darin werfe der Politiker der Führung fehlende Kompetenz hinsichtlich erforderlicher Beschaffungen und damit einhergehenden Ausschreibungen vor. Außerdem soll Netzel den Dringlichkeitsbeschluss für den Kauf neuer Atemschutzgeräte als „Aushebeln der Demokratie" bezeichnet haben. Die wiederholte Kritik an zu hohen Ausgaben für Fahrzeuge hat die Aktiven ebenfalls zum Protest veranlasst. So seien die Anträge für ein Tanklöschfahrzeug für den Standort Holzhausen II sowie drei neue Mannschaftstransportfahrzeuge für Unterlübbe, Rothenuffeln und Nordhemmern verschoben worden. Hier wollte der Gemeinderat die Ergebnisse des Brandschutzbedarfsplanes abwarten, ob die Beschaffung überhaupt notwendig sei. Dabei wäre das Holzhauser Fahrzeug zum Auslieferungszeitpunkt 25 Jahre alt, die drei weiteren Wagen über 20 Jahre alt, heißt es in dem Schreiben. Namentlich richtet sich der Ärger der Feuerwehrleute gegen die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FWG, Henning Grinke und Hans-Ulrich Borcherding, die sich im MT-Sommerinterview zur Situation der Feuerwehr geäußert haben. Die Zahlen, die Grinke hinsichtlich eines Fahrzeugs in Petershagen genannt habe, seien falsch und nicht vergleichbar, heißt es. Hans-Ulrich Borcherding sollte die Feuerwehr beim Beschaffen neuer Fahrzeuge beraten. Das habe man beim Bürgermeister aufgrund fehlender Fachkompetenz schriftlich abgelehnt, schreibt die Feuerwehrführung. Sein Satz im MT-Interview, dass es innerhalb der nächsten zehn Jahre denkbar sei, von neun auf vier Löschgruppen zu reduzieren, habe das Fass zum Überlaufen gebracht. „Im Ernstfall würden wir gar nicht mehr alle Ortschaften innerhalb der vorgeschriebenen Fristen erreichen", kritisiert der Feuerwehrchef. Bernhard Förster befürchtet, dass der Feuerwehr die Ehrenamtlichen wegbrechen könnten und dass die derzeit noch rund 200 Aktiven künftig anderen Tätigkeiten nachgehen. In dem Fall müsste die Gemeinde für diese Pflichtaufgabe hauptamtliche Kräfte einstellen. Die jährlichen Personalkosten lägen dann bei eineinhalb bis zwei Millionen Euro. Einfach mal reden Kommentar von Stefanie Dullweber Als die Hiller Feuerwehrleute vor vier Wochen zur Hilfe in die Hochwassergebiete aufgebrochen sind, gab es viele wertschätzende Kommentare in den sozialen Medien – auch von Politikern. Wenn es brennt, oder Wasser im Keller steht, dann ist in der Regel Verlass darauf, dass jemand kommt und hilft. Die Einsatzkräfte erwarten dafür kein Dankeschön, aber sie erwarten, dass ihre Arbeit respektiert und wertgeschätzt wird. In Hille fühlen sich die ehrenamtlichen Feuerwehrleute gerade wenig geachtet. Dass die Situation derart eskaliert, ist schade und völlig unnötig. Gemeinderat und Feuerwehr kommunizieren nur noch übereinander, schon lange nicht mehr miteinander. Da werden in Interviews gegenseitig Vorwürfe erhoben, von Stimmungsmache und Falschaussagen ist die Rede. Ob sich die Beteiligten das auch ins Gesicht sagen würden? Die Feuerwehr muss gesetzliche Vorgaben erfüllen. Dazu gehört das Einhalten von Hilfsfristen, die Funktionsstärke und die technische Ausrüstung. All das kostet eine Menge Geld. Quasi darum betteln zu müssen, dass diese Vorschriften umgesetzt werden, ist keine schöne Aufgabe, wenn dann auch noch die Kompetenzen angezweifelt werden. Der Gemeinderat wiederum muss darauf achten, dass der Haushalt nicht überstrapaziert wird und die vorhandenen Mittel möglichst gerecht eingesetzt werden. Da müssen kritische Nachfragen erlaubt sein. Klingt gar nicht so verfahren, sondern eher danach, als müsste man sich nur an einen Tisch setzen und die Sache ließe sich mit ein bisschen Verständnis aus der Welt schaffen. Funktioniert aber nur, wenn beide Seiten sich offen sagen, was sie stört. Eine geheime Abstimmung im Rat wenn es um die Wiederwahl der Wehrführung geht, ist eher kontraproduktiv. Dass zwei Lager nicht zusammenkommen, ist nicht nur in Hille so. Die Pandemie hat die besten Beispiele geliefert. Warum wird mein Kollege eher geimpft als ich? Warum laden die Nachbarn zu Weihnachten ihre ganze Verwandtschaft ein, wo es doch Kontaktbeschränkungen gibt? Wie können die Bekannten nur in den Urlaub fliegen, wo sie doch nicht einmal geimpft sind? Warum kommt der Kollege mit einem Schnupfen zur Arbeit, will der uns alle anstecken? Häufig werden diese Fragen nicht mit demjenigen besprochen, den sie betreffen, sondern mit vielen anderen Leuten, von denen man hofft, dass sie die eigene Empörung teilen. Sind wir doch mal ehrlich – das führt zu nichts. Solche Differenzen sollten immer im persönlichen Gespräch auf den Tisch gebracht werden, gerade wenn man in solch einer kleinen Gemeinde wie Hille lebt und ein öffentliches Amt bekleidet. Das ist allemal besser, als wenn noch mehr Ehrenamtliche ihren Dienst quittieren, weil sie sich missverstanden fühlen. Über die Hiller sagt man liebevoll, dass sie drei Sprachen sprechen: Hoch, Platt und über andere Leute. Es wird doch wohl eine Sprache dabei sein, die alle verstehen – hoffentlich.

Streit zwischen Feuerwehr und Gemeinderat eskaliert - Löschgruppe Nordhemmern quittiert ihren Dienst

Mit einem dreifachen „Gut Wehr" und sichtlich bewegt verabschieden sich die Mitglieder der anderen Löschgruppen von ihren Kameraden aus Nordhemmern, die am Freitagmorgen ihren Dienst quittiert haben und ihre Sachen vor dem Rathaus abgelegt haben. © Stefanie Dullweber

Hille-Hartum. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Mit Martinshorn und Blaulicht fahren am Freitagmorgen 20 Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille am Rathaus in Hartum vor. Nein, die rund 70 Feuerwehrleute, die aus den Wagen steigen, sind nicht im Einsatz – im Gegenteil. Sie haben ihre Bereitschaft ausgesetzt, die Fahrzeuge um 10.20 Uhr bei der Leitstelle als „nicht einsatzbereit" gemeldet und wollen sich beim Bürgermeister Gehör verschaffen. Hilles Feuerwehrchef Bernhard Förster spricht von einem „beginnenden Flächenbrand".

Der Ärger der Ehrenamtlichen richtet sich gegen einige Mitglieder des Gemeinderates, die sich laut Förster in den vergangenen Monaten „in einer beschämenden Art und Weise" über die Arbeit der Feuerwehr geäußert hätten. Die Feuerwehr fühle sich schlecht behandelt und trotz hoch qualifizierter Mitglieder nicht genügend wertgeschätzt. Die ehrenamtliche Arbeit und die Fachkompetenz der einzelnen Löschgruppen würde seitens der Politik immer wieder infrage gestellt.

Der Leiter der Feuerwehr betont, dass sie mit dem Protest ein Zeichen setzen wollen. „Wir stehen zu unseren Aufgaben und opfern unsere Freizeit, um für die Bürger da zu sein. Wenn der Melder geht, rücken wir aus. Wir gehen da rein, wo andere rausrennen." Unter dem Applaus seiner Kameradinnen und Kameraden übergibt Förster ein Protestschreiben an Hilles Bürgermeister Michael Schweiß (parteilos).


Was dann passiert, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Finn Hespos, Leiter der Löschgruppe Nordhemmern, bittet um Gehör. „Unsere Arbeit wird immer wieder schlecht geredet, obwohl wir hoch qualifizierte Leute haben", sagt Hespos und legt seine Einsatzkleidung vor dem Rathaus ab. Die anderen Mitglieder der Löschgruppe tun es ihm gleich. Zuletzt überreichen sie die Schlüssel für das Gerätehaus und das Löschfahrzeug an den Bürgermeister. Wie Pressesprecher Luis Rothe bestätigt, ist die Gruppe bei der Leitstelle offiziell abgemeldet. Während die anderen Löschgruppen ihre Arbeit nach rund eineinhalb Stunden wieder aufnehmen, fahren die Nordhemmeraner mit ihren Privatwagen nach Hause. „Das Einsatzfahrzeug können die Politiker ja abholen", ruft jemand aus der Menge. „Ich kann diese Reaktion absolut nachvollziehen. Die Nordhemmeraner werden immer wieder in den Dreck gezogen, obwohl sie in den letzten Jahren viel erreicht und sogar neue Leute geworben haben. Ich glaube eine vergleichbare Aktion hat es in heimischen Feuerwehrkreisen noch nie gegeben."

Hilles Feuerwehrchef Bernhard Förster übergibt das Protestschreiben der Leitung an Bürgermeister Michael Schweiß. - © Stefanie Dullweber
Hilles Feuerwehrchef Bernhard Förster übergibt das Protestschreiben der Leitung an Bürgermeister Michael Schweiß. - © Stefanie Dullweber

Auch Michael Schweiß wirkt geschockt und bittet die Ehrenamtlichen, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Der Verwaltungschef zeigt Verständnis für das Handeln der Aktiven und auch für die Protestaktion an sich. Er spricht von einer „vorsätzlichen Schädigung" der Feuerwehr und er wolle dem Rat vor Augen führen, welchen Schaden die Aussagen Einzelner angerichtet hätten. Ihn hätte vor allem das Misstrauen geärgert, das einige Politiker dem Arbeitskreis „Zukunft Feuerwehr" entgegengebracht haben.

Von diesem Misstrauen ist auch in dem Brief zu lesen, in dem das Führungstrio – zu dem auch Försters Stellvertreter Andreas von Behren-Krüger und Sven Bredebusch gehören – erläutert, worüber sie sich ärgern. In dem Schreiben, das dem MT vorliegt, bezieht sich die Leitung auf den Arbeitskreis „Zukunft Feuerwehr". Im letzten Jahr seien die seit 2018 erarbeitenden Ergebnisse vom neu gewählten Rat lapidar beiseitegeschoben worden, mit der Begründung die Resultate extern prüfen lassen zu wollen. Die Kosten für einen externen Berater wollte die Feuerwehr mit der Arbeit in dem Gremium einsparen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist laut den Verfassern die „beschämende Ratssitzung im vergangenen Jahr". Seinerzeit sollten der Leiter und der stellvertretende Leiter, also Förster und von Behren-Krüger, für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren bestätigt werden. Einige Politiker forderten eine geheime Abstimmung, bei der es letztlich einige Gegenstimmen gab. So etwas habe es seit Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr nicht gegeben, schreiben die Verantwortlichen.

Die Youtube-Videos des FDP-Vorsitzenden Nikolaus Netzel sind den Feuerwehrleuten ebenfalls ein Dorn im Auge. Darin werfe der Politiker der Führung fehlende Kompetenz hinsichtlich erforderlicher Beschaffungen und damit einhergehenden Ausschreibungen vor. Außerdem soll Netzel den Dringlichkeitsbeschluss für den Kauf neuer Atemschutzgeräte als „Aushebeln der Demokratie" bezeichnet haben.

Die wiederholte Kritik an zu hohen Ausgaben für Fahrzeuge hat die Aktiven ebenfalls zum Protest veranlasst. So seien die Anträge für ein Tanklöschfahrzeug für den Standort Holzhausen II sowie drei neue Mannschaftstransportfahrzeuge für Unterlübbe, Rothenuffeln und Nordhemmern verschoben worden. Hier wollte der Gemeinderat die Ergebnisse des Brandschutzbedarfsplanes abwarten, ob die Beschaffung überhaupt notwendig sei. Dabei wäre das Holzhauser Fahrzeug zum Auslieferungszeitpunkt 25 Jahre alt, die drei weiteren Wagen über 20 Jahre alt, heißt es in dem Schreiben.

Namentlich richtet sich der Ärger der Feuerwehrleute gegen die Fraktionsvorsitzenden von CDU und FWG, Henning Grinke und Hans-Ulrich Borcherding, die sich im MT-Sommerinterview zur Situation der Feuerwehr geäußert haben. Die Zahlen, die Grinke hinsichtlich eines Fahrzeugs in Petershagen genannt habe, seien falsch und nicht vergleichbar, heißt es. Hans-Ulrich Borcherding sollte die Feuerwehr beim Beschaffen neuer Fahrzeuge beraten. Das habe man beim Bürgermeister aufgrund fehlender Fachkompetenz schriftlich abgelehnt, schreibt die Feuerwehrführung. Sein Satz im MT-Interview, dass es innerhalb der nächsten zehn Jahre denkbar sei, von neun auf vier Löschgruppen zu reduzieren, habe das Fass zum Überlaufen gebracht. „Im Ernstfall würden wir gar nicht mehr alle Ortschaften innerhalb der vorgeschriebenen Fristen erreichen", kritisiert der Feuerwehrchef.

Bernhard Förster befürchtet, dass der Feuerwehr die Ehrenamtlichen wegbrechen könnten und dass die derzeit noch rund 200 Aktiven künftig anderen Tätigkeiten nachgehen. In dem Fall müsste die Gemeinde für diese Pflichtaufgabe hauptamtliche Kräfte einstellen. Die jährlichen Personalkosten lägen dann bei eineinhalb bis zwei Millionen Euro.

Einfach mal reden

Kommentar von Stefanie Dullweber

Als die Hiller Feuerwehrleute vor vier Wochen zur Hilfe in die Hochwassergebiete aufgebrochen sind, gab es viele wertschätzende Kommentare in den sozialen Medien – auch von Politikern. Wenn es brennt, oder Wasser im Keller steht, dann ist in der Regel Verlass darauf, dass jemand kommt und hilft. Die Einsatzkräfte erwarten dafür kein Dankeschön, aber sie erwarten, dass ihre Arbeit respektiert und wertgeschätzt wird.

In Hille fühlen sich die ehrenamtlichen Feuerwehrleute gerade wenig geachtet. Dass die Situation derart eskaliert, ist schade und völlig unnötig. Gemeinderat und Feuerwehr kommunizieren nur noch übereinander, schon lange nicht mehr miteinander. Da werden in Interviews gegenseitig Vorwürfe erhoben, von Stimmungsmache und Falschaussagen ist die Rede. Ob sich die Beteiligten das auch ins Gesicht sagen würden?

Die Feuerwehr muss gesetzliche Vorgaben erfüllen. Dazu gehört das Einhalten von Hilfsfristen, die Funktionsstärke und die technische Ausrüstung. All das kostet eine Menge Geld. Quasi darum betteln zu müssen, dass diese Vorschriften umgesetzt werden, ist keine schöne Aufgabe, wenn dann auch noch die Kompetenzen angezweifelt werden. Der Gemeinderat wiederum muss darauf achten, dass der Haushalt nicht überstrapaziert wird und die vorhandenen Mittel möglichst gerecht eingesetzt werden. Da müssen kritische Nachfragen erlaubt sein.

Klingt gar nicht so verfahren, sondern eher danach, als müsste man sich nur an einen Tisch setzen und die Sache ließe sich mit ein bisschen Verständnis aus der Welt schaffen. Funktioniert aber nur, wenn beide Seiten sich offen sagen, was sie stört. Eine geheime Abstimmung im Rat wenn es um die Wiederwahl der Wehrführung geht, ist eher kontraproduktiv.

Dass zwei Lager nicht zusammenkommen, ist nicht nur in Hille so. Die Pandemie hat die besten Beispiele geliefert. Warum wird mein Kollege eher geimpft als ich? Warum laden die Nachbarn zu Weihnachten ihre ganze Verwandtschaft ein, wo es doch Kontaktbeschränkungen gibt? Wie können die Bekannten nur in den Urlaub fliegen, wo sie doch nicht einmal geimpft sind? Warum kommt der Kollege mit einem Schnupfen zur Arbeit, will der uns alle anstecken? Häufig werden diese Fragen nicht mit demjenigen besprochen, den sie betreffen, sondern mit vielen anderen Leuten, von denen man hofft, dass sie die eigene Empörung teilen.

Sind wir doch mal ehrlich – das führt zu nichts. Solche Differenzen sollten immer im persönlichen Gespräch auf den Tisch gebracht werden, gerade wenn man in solch einer kleinen Gemeinde wie Hille lebt und ein öffentliches Amt bekleidet. Das ist allemal besser, als wenn noch mehr Ehrenamtliche ihren Dienst quittieren, weil sie sich missverstanden fühlen. Über die Hiller sagt man liebevoll, dass sie drei Sprachen sprechen: Hoch, Platt und über andere Leute. Es wird doch wohl eine Sprache dabei sein, die alle verstehen – hoffentlich.

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