Stimmung entschärft: Sprengübung in der Wickriede Stefanie Dullweber Hille (mt). „Meinen Segen habt ihr“, ruft ein Besucher, nachdem die Mindener Pioniere am Mittwochabend ihre Ausbildungsvorführung auf dem Standortübungsplatz Wickriede beendet haben. Das Panzerpionierbataillon 130 und Hilles Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) hatten die Anwohner eingeladen, um zu den Plänen auf dem Gelände Stellung zu nehmen und zu zeigen, was die Bundeswehrsoldaten dort machen. „Offen und ehrlich“, wie Bataillonskommandeur Helge Lammerschmidt betonte. Die meisten der rund 130 Anwesenden gehen am Ende des Tages beruhigter nach Hause, als sie gekommen sind. Viele bedankten sich persönlich beim Oberstleutnant, einige klatschen nach der Sprengübung sogar Beifall und nehmen die Einladung der Bundeswehr, sich den Transportpanzer Fuchs einmal aus nächster Nähe anzuschauen, gerne an. Doch auch die kritischen Stimmen – insbesondere von der Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ – nehmen die Gastgeber ernst, diskutieren mit den Anwohnern und beantworten deren Fragen. Der Unmut der betroffenen Anwohner hatte seit Bekanntwerden der Pläne Anfang des Jahres zugenommen. Bürger aus der Gemeinde Hille, der Samtgemeinde Uchte und der Stadt Espelkamp hatten die Bürgerinitiative gegründet und eine Online-Petition gegen die Pläne der Pioniere gestartet, die den Übungsplatz für die Ausbildung der Soldaten vermehrt nutzen wollen. Neben den Pionieren hat auch das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum aus Bückeburg beantragt, ihre Start- und Landeübungen auszuweiten. Hinzu kommt, dass – unabhängig von den Plänen der Bundeswehr – die Kreisjägerschaft die in diesem Bereich liegende „Wittloge Range“ für Schießübungen nutzt. Diese Anlage soll noch um einen Tontaubenschießstand erweitert werden. Und genau diese Mischung scheint für die Bürger das Problem zu sein, wie am Mittwochabend immer wieder zu hören ist. „Das, was die Bundeswehr hier macht, sind Peanuts“, meint beispielsweise Lutz Berkemeier, der rund zweieinhalb Kilometer vom Standortübungsplatz entfernt wohnt. Ihn störe vielmehr „die Ballerei“ vom Schießstand der Jäger Sonntagmorgens. Auch die Hubschrauber seien eine maßgebliche Lärmquelle. Gabriele Bergsieker und Heinz-Willi Rosemuth aus Lavelsloh hören laut eigenen Angaben am meisten die Hubschrauber. Und auch das sonntägliche Schießen auf der Wittloge Range sei „sehr nervig“. Das Paar findet es grundsätzlich gut, dass die Bundeswehr zeigt, was sie in der Wickriede vorhat – auch wenn sie bei den Schießübungen im Wald Sorge habe, dass sie diese auch zu Hause hören könnten. „Keine Sorge. Wir haben gar nicht genug Munition, um diese Übung 20 Wochen im Jahr durchzuhalten“, sagt Helge Lammerschmidt. Um die Soldaten auf gefährliche Einsätze wie in Mali oder Afghanistan vorzubereiten, brauche es diese Trainingsgelände, so der Oberstleutnant. Lammerschmidt betont, dass bei den Simulationen keine Minen oder Bomben entschärft würden. Es käme Sprengstoff von bis zu 30 Gramm zum Einsatz. Außerdem würde nur mit Übungsmunition geschossen. Das ist auch am Mittwochabend der Fall. Zuerst demonstrieren die Pioniere eine Schulschießübung. Da die Zuschauer einen Sicherheitsabstand von 200 Metern einhalten müssen und in ihrem Rücken die Fahrzeuge über die L770 fahren, hören sie maximal ein leises „Peng“. Im Bereich des sogenannten Pionierwäldchens zeigen die Soldaten das Schießen vom Fahrzeug mit Maschinengewehr, einen Feuerkampf und das Entschärfen von Kampfmitteln. „Wir haben das hier sehr gerafft. Normalerweise dauert es drei bis fünf Stunden, bis überhaupt ein Schuss fällt.“ Dass das Empfinden der Bürger ganz unterschiedlich ist, zeigen die Reaktionen auf die Übung. Während Petra Tiebach-Schneider von der Bürgerinitiative das Maschinengewehr als sehr laut empfindet und sich um ihre Gesundheit sorgt, findet Thomas Sigg „jedes Feuerwerk lauter“. Er sehe die Übungen nicht als Belästigung. Am Ende des Tages steht fest: Auch wenn die Pioniere sicherlich nicht jeden Anwohner zufrieden stellen können, so haben sie zumindest versucht, ihnen die Ängste zu nehmen.

Stimmung entschärft: Sprengübung in der Wickriede

Oberstleutnant Helge Lammerschmidt erklärt den Bürgern, was die Pioniere in der Wickriede machen. MT-Fotos: Lehn

Hille (mt). „Meinen Segen habt ihr“, ruft ein Besucher, nachdem die Mindener Pioniere am Mittwochabend ihre Ausbildungsvorführung auf dem Standortübungsplatz Wickriede beendet haben. Das Panzerpionierbataillon 130 und Hilles Bürgermeister Michael Schweiß (SPD) hatten die Anwohner eingeladen, um zu den Plänen auf dem Gelände Stellung zu nehmen und zu zeigen, was die Bundeswehrsoldaten dort machen. „Offen und ehrlich“, wie Bataillonskommandeur Helge Lammerschmidt betonte.

Die meisten der rund 130 Anwesenden gehen am Ende des Tages beruhigter nach Hause, als sie gekommen sind. Viele bedankten sich persönlich beim Oberstleutnant, einige klatschen nach der Sprengübung sogar Beifall und nehmen die Einladung der Bundeswehr, sich den Transportpanzer Fuchs einmal aus nächster Nähe anzuschauen, gerne an.

Von der Schießübung hören die Teilnehmer nur ein leises „Peng“.
Von der Schießübung hören die Teilnehmer nur ein leises „Peng“.

Doch auch die kritischen Stimmen – insbesondere von der Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ – nehmen die Gastgeber ernst, diskutieren mit den Anwohnern und beantworten deren Fragen. Der Unmut der betroffenen Anwohner hatte seit Bekanntwerden der Pläne Anfang des Jahres zugenommen. Bürger aus der Gemeinde Hille, der Samtgemeinde Uchte und der Stadt Espelkamp hatten die Bürgerinitiative gegründet und eine Online-Petition gegen die Pläne der Pioniere gestartet, die den Übungsplatz für die Ausbildung der Soldaten vermehrt nutzen wollen.

Neben den Pionieren hat auch das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum aus Bückeburg beantragt, ihre Start- und Landeübungen auszuweiten. Hinzu kommt, dass – unabhängig von den Plänen der Bundeswehr – die Kreisjägerschaft die in diesem Bereich liegende „Wittloge Range“ für Schießübungen nutzt. Diese Anlage soll noch um einen Tontaubenschießstand erweitert werden.

Und genau diese Mischung scheint für die Bürger das Problem zu sein, wie am Mittwochabend immer wieder zu hören ist. „Das, was die Bundeswehr hier macht, sind Peanuts“, meint beispielsweise Lutz Berkemeier, der rund zweieinhalb Kilometer vom Standortübungsplatz entfernt wohnt. Ihn störe vielmehr „die Ballerei“ vom Schießstand der Jäger Sonntagmorgens. Auch die Hubschrauber seien eine maßgebliche Lärmquelle.

Gabriele Bergsieker und Heinz-Willi Rosemuth aus Lavelsloh hören laut eigenen Angaben am meisten die Hubschrauber. Und auch das sonntägliche Schießen auf der Wittloge Range sei „sehr nervig“. Das Paar findet es grundsätzlich gut, dass die Bundeswehr zeigt, was sie in der Wickriede vorhat – auch wenn sie bei den Schießübungen im Wald Sorge habe, dass sie diese auch zu Hause hören könnten. „Keine Sorge. Wir haben gar nicht genug Munition, um diese Übung 20 Wochen im Jahr durchzuhalten“, sagt Helge Lammerschmidt.

Um die Soldaten auf gefährliche Einsätze wie in Mali oder Afghanistan vorzubereiten, brauche es diese Trainingsgelände, so der Oberstleutnant. Lammerschmidt betont, dass bei den Simulationen keine Minen oder Bomben entschärft würden. Es käme Sprengstoff von bis zu 30 Gramm zum Einsatz. Außerdem würde nur mit Übungsmunition geschossen. Das ist auch am Mittwochabend der Fall. Zuerst demonstrieren die Pioniere eine Schulschießübung. Da die Zuschauer einen Sicherheitsabstand von 200 Metern einhalten müssen und in ihrem Rücken die Fahrzeuge über die L770 fahren, hören sie maximal ein leises „Peng“.

Im Bereich des sogenannten Pionierwäldchens zeigen die Soldaten das Schießen vom Fahrzeug mit Maschinengewehr, einen Feuerkampf und das Entschärfen von Kampfmitteln. „Wir haben das hier sehr gerafft. Normalerweise dauert es drei bis fünf Stunden, bis überhaupt ein Schuss fällt.“

Dass das Empfinden der Bürger ganz unterschiedlich ist, zeigen die Reaktionen auf die Übung. Während Petra Tiebach-Schneider von der Bürgerinitiative das Maschinengewehr als sehr laut empfindet und sich um ihre Gesundheit sorgt, findet Thomas Sigg „jedes Feuerwerk lauter“. Er sehe die Übungen nicht als Belästigung. Am Ende des Tages steht fest: Auch wenn die Pioniere sicherlich nicht jeden Anwohner zufrieden stellen können, so haben sie zumindest versucht, ihnen die Ängste zu nehmen.

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