Update: Leitstelle alarmierte ausgewählte Gruppen der Feuerwehr Hille auf Anweisung aus dem Impfzentrum per Melder Stefanie Dullweber,Thomas Lieske Hille-Unterlübbe. Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille sind am vergangenen Montag in der Sporthalle in Unterlübbe geimpft worden. Laut Priorisierung sind die Ehrenamtlichen jedoch noch gar nicht an der Reihe und tauchen laut Bundesgesundheitsministerium erst in Gruppe 3 auf. Gegenüber dem MT hat der Kreis mittlerweile bestätigt, dass 18 Mitglieder der Löschgruppen Rothenuffeln, Oberlübbe und Unterlübbe im Impfzentrum eine Spritze erhalten haben, und zwar Impfstoff von BioNTech. Bemerkenswert: Die Leitstelle des Kreises hat die drei Löschgruppen, die organisatorisch einen gemeinsam Zug bilden, per Funkmeldeempfänger zum Impfzentrum alarmiert. Auch diese MT-Information hat der Kreis auf Nachfrage bestätigt. Die Anweisung dazu sei demnach direkt aus dem Impfzentrum gekommen, erklärt Kreissprecher Florian Hemann. Nach Einschätzungen von Feuerwehrleuten gegenüber dem MT sei dieser Weg nicht gängig, weil die Melder nur für Einatzalarmierungen genutzt werden. Dass Feuerwehrleute aus ihren Reihen eine Impfung bekommen haben, bestätigt auch Feuerwehr-Pressesprecher Luis Rothe auf MT-Anfrage. Weiter wolle er sich dazu jedoch nicht äußern. Auf die Frage, ob die Leitung der Feuerwehr davon Kenntnis hatte, warum nur ausgewählte Löschgruppen ein Impfangebot bekommen hätten und welcher Impfstoff verabreicht wurde, verweist Rothe an den Kreis Minden-Lübbecke. Die Hiller Feuerwehr werde sich nicht konkreter zu diesem Fall äußern, so der Pressesprecher weiter. Doch wieso ausgerechnet diese drei Löschgruppen? Der Kreis erklärt gegenüber dem MT, dass diese am dichtesten am Impfzentrum stationiert seien. Allerdings ist zum Beispiel auch die Löschgruppe Eickhorst gleich nah gelegen. Nach Informationen des Mindener Tageblatts soll es zudem einen privaten Kontakt eines Feuerwehrmitglieds zum Impfzentrum gegeben haben. Wie kam es überhaupt zu der Impfaktion? „Es handelte sich in diesem Fall um Impfstoff, den die Klinken dem Impfzentrum kurzfristig zur Verfügung gestellt haben. Er musste jedoch schnell verimpft werden“, erklärt Kreissprecher Florian Hemann gegenüber dem MT. Der Kreis Minden-Lübbecke habe immer wieder betont, dass kein übrig gebliebener Impfstoff vernichtet werden solle und gleichzeitig dafür Sorge getragen werden müsse, dass diese Impfstoffdosen in erster Linie an Menschen aus der höchsten Priorität verimpft werden. Genau das ist diesmal aber nicht geschehen. Wieso nicht? „Die Impfung der genannten Löschgruppen war in diesem konkreten Fall der schnellste und nach intensivem Überlegen einzige vernünftige Weg, damit der wichtige Impfstoff nicht verworfen werden musste“, erklärt die medizinische Leiterin des Impfzentrums, Anke Richter-Scheer. „Unser Anspruch ist es, den wenigen Impfstoff, den wir aktuell haben, auch zu verimpfen. Ihn in hoher Zahl zu verwerfen, wäre fragwürdig.“ Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind derzeit noch nicht impfberechtigt, wenn sie hauptberuflich nicht in die erste Kategorie gehören. Richter-Scheer betont aber: „Einsatzkräfte der Feuerwehr übernehmen lebensnotwendige Aufgaben und sorgen für unsere Sicherheit. Sie sind dabei im Einsatz nicht selten einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt und gehören deshalb zur erhöhten Prioritätsgruppe.“ Erhöhte Prioritätsgruppe, das heißt in diesem Fall Kategorie 3. Bereits im Dezember 2020 hatte sich der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) für eine höhere Impfpriorisierung für Feuerwehrangehörige eingesetzt. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts stuft Feuerwehrangehörige bislang als „gering erhöhte Risikogruppe“. Mitte Februar wandte sich DFV-Vizepräsident Hermann Schreck an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und forderte eine praxisgerechtere Priorisierung der Corona-Schutzimpfungen. Die Einsatzkräfte müssten neu eingestuft werden, so der DFV. „Die Feuerwehrfrauen und -männer in Deutschland üben ihre Tätigkeit weit überwiegend ehrenamtlich aus und stehen so täglich im Spannungsverhältnis zwischen der freiwillig übernommenen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Schutz ihrer Angehörigen. Damit die Entscheidung auch weiterhin für das ehrenamtliche Engagement bestehen bleibt, ist eine Schutzimpfung unerlässlich”, so die Worte von Hermann Schreck an den Minister. Die Impfaktion in Hille hat unter Feuerwehrmitgliedern offenbar großen Ärger ausgelöst. Viele fühlen sich nun benachteiligt. Sogar eine Krisensitzung hat es deshalb gegeben. Wie das MT erfuhr, wurde die Leitung der Feuerwehr im Vorfeld über die Impfung der 18 Mitglieder nicht informiert. Das bestätigt auch Kreissprecher Florian Hemann: „Wegen der Kurzfristigkeit konnte das Vorgehen mit dem Leiter der Feuerwehr nicht abgestimmt werden.“ Und weiter: „Da es sich nur um einzelne Mitglieder dreier Gruppen von insgesamt neun Löschgruppen in der Gemeinde Hille handelte [...], wäre die Einsatzbereitschaft durch etwaige Nebenwirkungen nicht beeinträchtigt gewesen.“ Allerdings: Alle drei an der Impfung beteiligten Löschgruppen bilden einen gemeinsamen Zug. Von der Krisensitzung der Feuerwehr habe der Krisenstab des Kreises erst im Nachhinein erfahren, erklärt der Kreissprecher.

Update: Leitstelle alarmierte ausgewählte Gruppen der Feuerwehr Hille auf Anweisung aus dem Impfzentrum per Melder

Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille sind schon geimpft worden, obwohl Ehrenamtliche noch gar nicht an der Reihe sind. MT-Foto: Lehn © Lehn

Hille-Unterlübbe. Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hille sind am vergangenen Montag in der Sporthalle in Unterlübbe geimpft worden. Laut Priorisierung sind die Ehrenamtlichen jedoch noch gar nicht an der Reihe und tauchen laut Bundesgesundheitsministerium erst in Gruppe 3 auf.

Gegenüber dem MT hat der Kreis mittlerweile bestätigt, dass 18 Mitglieder der Löschgruppen Rothenuffeln, Oberlübbe und Unterlübbe im Impfzentrum eine Spritze erhalten haben, und zwar Impfstoff von BioNTech. Bemerkenswert: Die Leitstelle des Kreises hat die drei Löschgruppen, die organisatorisch einen gemeinsam Zug bilden, per Funkmeldeempfänger zum Impfzentrum alarmiert. Auch diese MT-Information hat der Kreis auf Nachfrage bestätigt. Die Anweisung dazu sei demnach direkt aus dem Impfzentrum gekommen, erklärt Kreissprecher Florian Hemann.

So lautete die Alarmierung auf den Meldern.  - © privat
So lautete die Alarmierung auf den Meldern.  - © privat

Nach Einschätzungen von Feuerwehrleuten gegenüber dem MT sei dieser Weg nicht gängig, weil die Melder nur für Einatzalarmierungen genutzt werden. Dass Feuerwehrleute aus ihren Reihen eine Impfung bekommen haben, bestätigt auch Feuerwehr-Pressesprecher Luis Rothe auf MT-Anfrage. Weiter wolle er sich dazu jedoch nicht äußern. Auf die Frage, ob die Leitung der Feuerwehr davon Kenntnis hatte, warum nur ausgewählte Löschgruppen ein Impfangebot bekommen hätten und welcher Impfstoff verabreicht wurde, verweist Rothe an den Kreis Minden-Lübbecke. Die Hiller Feuerwehr werde sich nicht konkreter zu diesem Fall äußern, so der Pressesprecher weiter. Doch wieso ausgerechnet diese drei Löschgruppen? Der Kreis erklärt gegenüber dem MT, dass diese am dichtesten am Impfzentrum stationiert seien. Allerdings ist zum Beispiel auch die Löschgruppe Eickhorst gleich nah gelegen. Nach Informationen des Mindener Tageblatts soll es zudem einen privaten Kontakt eines Feuerwehrmitglieds zum Impfzentrum gegeben haben.

Wie kam es überhaupt zu der Impfaktion? „Es handelte sich in diesem Fall um Impfstoff, den die Klinken dem Impfzentrum kurzfristig zur Verfügung gestellt haben. Er musste jedoch schnell verimpft werden“, erklärt Kreissprecher Florian Hemann gegenüber dem MT. Der Kreis Minden-Lübbecke habe immer wieder betont, dass kein übrig gebliebener Impfstoff vernichtet werden solle und gleichzeitig dafür Sorge getragen werden müsse, dass diese Impfstoffdosen in erster Linie an Menschen aus der höchsten Priorität verimpft werden.

Genau das ist diesmal aber nicht geschehen. Wieso nicht? „Die Impfung der genannten Löschgruppen war in diesem konkreten Fall der schnellste und nach intensivem Überlegen einzige vernünftige Weg, damit der wichtige Impfstoff nicht verworfen werden musste“, erklärt die medizinische Leiterin des Impfzentrums, Anke Richter-Scheer. „Unser Anspruch ist es, den wenigen Impfstoff, den wir aktuell haben, auch zu verimpfen. Ihn in hoher Zahl zu verwerfen, wäre fragwürdig.“

Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind derzeit noch nicht impfberechtigt, wenn sie hauptberuflich nicht in die erste Kategorie gehören. Richter-Scheer betont aber: „Einsatzkräfte der Feuerwehr übernehmen lebensnotwendige Aufgaben und sorgen für unsere Sicherheit. Sie sind dabei im Einsatz nicht selten einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt und gehören deshalb zur erhöhten Prioritätsgruppe.“ Erhöhte Prioritätsgruppe, das heißt in diesem Fall Kategorie 3.

Bereits im Dezember 2020 hatte sich der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) für eine höhere Impfpriorisierung für Feuerwehrangehörige eingesetzt. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts stuft Feuerwehrangehörige bislang als „gering erhöhte Risikogruppe“. Mitte Februar wandte sich DFV-Vizepräsident Hermann Schreck an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und forderte eine praxisgerechtere Priorisierung der Corona-Schutzimpfungen. Die Einsatzkräfte müssten neu eingestuft werden, so der DFV. „Die Feuerwehrfrauen und -männer in Deutschland üben ihre Tätigkeit weit überwiegend ehrenamtlich aus und stehen so täglich im Spannungsverhältnis zwischen der freiwillig übernommenen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Schutz ihrer Angehörigen. Damit die Entscheidung auch weiterhin für das ehrenamtliche Engagement bestehen bleibt, ist eine Schutzimpfung unerlässlich”, so die Worte von Hermann Schreck an den Minister.

Die Impfaktion in Hille hat unter Feuerwehrmitgliedern offenbar großen Ärger ausgelöst. Viele fühlen sich nun benachteiligt. Sogar eine Krisensitzung hat es deshalb gegeben. Wie das MT erfuhr, wurde die Leitung der Feuerwehr im Vorfeld über die Impfung der 18 Mitglieder nicht informiert. Das bestätigt auch Kreissprecher Florian Hemann: „Wegen der Kurzfristigkeit konnte das Vorgehen mit dem Leiter der Feuerwehr nicht abgestimmt werden.“ Und weiter: „Da es sich nur um einzelne Mitglieder dreier Gruppen von insgesamt neun Löschgruppen in der Gemeinde Hille handelte [...], wäre die Einsatzbereitschaft durch etwaige Nebenwirkungen nicht beeinträchtigt gewesen.“ Allerdings: Alle drei an der Impfung beteiligten Löschgruppen bilden einen gemeinsamen Zug. Von der Krisensitzung der Feuerwehr habe der Krisenstab des Kreises erst im Nachhinein erfahren, erklärt der Kreissprecher.

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