Soldaten in Baumaschinen: In der Wickriede übt die Bundeswehr für Auslandseinsätze Stefanie Dullweber Hille. „Diese Soldaten sind die ersten, die bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr in ein Gebiet fliegen, um zunächst die baulichen Voraussetzungen zu schaffen“, sagt der Leutnant Florian B. (Name von der Redaktion geändert), der für die Ausbildung der Männer zuständig ist. Aktuell leitet er einen Lehrgang, bei dem die Soldaten einen Schein zum Führen von Baumaschinen erwerben. Mit den Fahrzeugen heben sie Gräben aus, bereiten ein Feldlager vor oder richten Baustraßen her. Seinen vollständigen Namen und die seiner Leute möchte der Leutnant nicht in der Zeitung lesen. „Das hat datenschutzrechtliche Gründe“, erklärt André Burdich, der Pressestabsoffizier des Mindener Bataillons. Insbesondere bei Soldaten, die zu Auslandseinsätzen fahren, müssten die Namen aus den Medien herausgehalten werden. Die Mindener Pioniere werden unter anderem auf dem Standortübungsplatz Wickriede im Hiller Norden ausgebildet. Der Platz war in den vergangenen eineinhalb Jahren vermehrt Thema – seitdem die Bundeswehr eine veränderte Nutzung beantragt hatte (das MT berichtete mehrfach). Hintergrund ist der erweiterte Aufgabenbereich der Pioniere um die Kampfmittelabwehr, die ebenfalls in der Wickriede geübt wird. Mittlerweile hat die Bundeswehr mehrfach für Aufklärung gesorgt, hat Bürger zu einer Demonstration auf ihr Gelände eingeladen und ist auch mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ ins Gespräch gekommen. Dabei ist klar geworden: Es werden in der Wickriede weder Bomben gesprengt noch scharfe Munition verwendet. Bislang hat der Kreis Minden-Lübbecke nicht über den Antrag der Bundeswehr entschieden. „Der Ausbildungsbetrieb mit den Fahrzeugen ist davon aber nicht betroffen“, sagt André Burdich. Zu den klassischen Aufgaben der Pioniere gehöre es, die Truppe zu schützen, deren Bewegung zu fördern – und gleichzeitig die Beweglichkeit des Gegners zu hemmen oder zu lenken, beschreibt der Ausbilder, während er genau beobachtet, wie die Soldaten mit den Baumaschinen umgehen. Das Geschehen auf dem Übungsgelände lässt sich als Fahrschule für Fortgeschrittene bezeichnen. Die meisten „Fahrschüler“ hätten bereits einen Lkw-Führerschein, heißt es. „Die Wickriede ist für uns ein hervorragendes Gebiet und für Übungszwecke optimal“, sagt Leutnant Florian B. und zerbröselt zur Demonstration ein wenig Erde zwischen den Fingern. Wegen des grundsätzlich eher nassen und lehmigen Bodens würde sich eine Raupe gerne mal festfahren – auch eine solche Situation müssten die Soldaten beherrschen. „Wir üben nicht nur um des Übens willen, sondern weil wir uns hier auf Einsätze vorbereiten müssen. Und das sind nicht immer nur militärische“, sagt André Burdich und nennt Katastrophenfälle wie das Elbhochwasser 2013, die Bergung eines umgekippten Kiesbaggers 2014 in Rinteln oder den Waldbrand bei Lübtheen im vergangenen Jahr. „Überall da, wo die zivilen Kräfte an ihre Grenzen stoßen, kommt die Bundeswehr zum Einsatz“, so Burdich weiter. Die Ausbildung entspricht der Qualifikation eines Baumaschinenführers. Vier bis sechs Wochen – je nach Teilnehmerzahl – werden die Soldaten sowohl theoretisch als auch praktisch geschult und müssen am Ende eine Prüfung ablegen – und anschließend ihr Wissen regelmäßig wieder auffrischen. Die zivilen Fahrzeuge sind gewöhnliche Baumaschinen, – Planier- und Laderaupen sowie Schwenklader – die auf öffentlichen Straßen zugelassen sind. Daneben gibt es militärische Fahrzeuge wie den Pionierpanzer Dachs, mit dem Stellungen für Kampfpanzer, Schützenstellungen oder Panzerabwehrgräben errichtet werden – sie brauchen eine Sonderzulassung für den Straßenverkehr. „Ich habe auf dem Bau gelernt und dabei schon mit vielen Maschinen gearbeitet“, sagt Hauptgefreiter, Max T., der aktuell seine Ausbildung auf der Planierraupe absolviert. Vor allem der theoretische Teil sei sehr anspruchsvoll, denn es gehe nicht nur um die Grundlagen des Erdbaus und um technische Fragen, sondern auch um militärische Bestimmungen. Und bevor die Soldaten ein Fahrzeug steuern dürfen, steht die sogenannte Knöpfchenkunde auf dem Stundenplan. „Damit ist die Einweisung auf dem Fahrzeug gemeint“, sagt Max T. und zeigt auf die verschiedenen Knöpfe und Hebel im Fahrzeug. Ihm mache die Ausbildung Spaß, vor allem der praktische Teil. Ob der junge Mann seine Prüfung am Ende besteht, darüber entscheidet ein Prüfer aus einer anderen Kompanie. „Um die Objektivität zu wahren“, betont der Ausbilder und vergleicht die Situation mit der Fahrschule. „Da nimmt ja auch nicht der Fahrlehrer die Prüfung ab.“ Auch die Corona-Pandemie spielt bei der Organisation der Ausbildung eine Rolle. „Es dauert alles etwas länger, aber es ist umsetzbar“, sagt Leutnant Florian B., der ein Hygienekonzept erstellt hat. „Wir können nicht alle Fahrzeuge voll besetzen“, nennt der Ausbilder ein Beispiel, was anders ist, als vor Corona. Jede Maschine werde nach einem Fahrerwechsel desinfiziert und auch die Verpflegung der Soldaten sei neu organisiert worden, sagt der Leutnant und zeigt auf ein Paket Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel. Eine gute Ausbildung brauche Zeit – und unter den aktuellen Bedingungen eben ein bisschen mehr.

Soldaten in Baumaschinen: In der Wickriede übt die Bundeswehr für Auslandseinsätze

Nach etwa vier bis sechs Wochen Ausbildung in Theorie und Praxis werden die Soldaten von dem Ausbilder einer anderen Kompanie geprüft. Wegen der aktuellen Hygieneregeln müssen die Maschinen vor jedem Fahrerwechsel desinfiziert werden. MT- © Fotos: Alex Lehn

Hille. „Diese Soldaten sind die ersten, die bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr in ein Gebiet fliegen, um zunächst die baulichen Voraussetzungen zu schaffen“, sagt der Leutnant Florian B. (Name von der Redaktion geändert), der für die Ausbildung der Männer zuständig ist. Aktuell leitet er einen Lehrgang, bei dem die Soldaten einen Schein zum Führen von Baumaschinen erwerben. Mit den Fahrzeugen heben sie Gräben aus, bereiten ein Feldlager vor oder richten Baustraßen her.

Seinen vollständigen Namen und die seiner Leute möchte der Leutnant nicht in der Zeitung lesen. „Das hat datenschutzrechtliche Gründe“, erklärt André Burdich, der Pressestabsoffizier des Mindener Bataillons. Insbesondere bei Soldaten, die zu Auslandseinsätzen fahren, müssten die Namen aus den Medien herausgehalten werden.

Am Anfang steht die Knöpfenkunde: Erst, wenn der Fahrer alle Hebel und Knöpfe beherrscht, darf das Fahrzeug gestartet werden.
Am Anfang steht die Knöpfenkunde: Erst, wenn der Fahrer alle Hebel und Knöpfe beherrscht, darf das Fahrzeug gestartet werden.

Die Mindener Pioniere werden unter anderem auf dem Standortübungsplatz Wickriede im Hiller Norden ausgebildet. Der Platz war in den vergangenen eineinhalb Jahren vermehrt Thema – seitdem die Bundeswehr eine veränderte Nutzung beantragt hatte (das MT berichtete mehrfach). Hintergrund ist der erweiterte Aufgabenbereich der Pioniere um die Kampfmittelabwehr, die ebenfalls in der Wickriede geübt wird.

Mittlerweile hat die Bundeswehr mehrfach für Aufklärung gesorgt, hat Bürger zu einer Demonstration auf ihr Gelände eingeladen und ist auch mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative „Kein Kriegslärm in Hille“ ins Gespräch gekommen. Dabei ist klar geworden: Es werden in der Wickriede weder Bomben gesprengt noch scharfe Munition verwendet. Bislang hat der Kreis Minden-Lübbecke nicht über den Antrag der Bundeswehr entschieden. „Der Ausbildungsbetrieb mit den Fahrzeugen ist davon aber nicht betroffen“, sagt André Burdich.

Zu den klassischen Aufgaben der Pioniere gehöre es, die Truppe zu schützen, deren Bewegung zu fördern – und gleichzeitig die Beweglichkeit des Gegners zu hemmen oder zu lenken, beschreibt der Ausbilder, während er genau beobachtet, wie die Soldaten mit den Baumaschinen umgehen. Das Geschehen auf dem Übungsgelände lässt sich als Fahrschule für Fortgeschrittene bezeichnen. Die meisten „Fahrschüler“ hätten bereits einen Lkw-Führerschein, heißt es.

„Die Wickriede ist für uns ein hervorragendes Gebiet und für Übungszwecke optimal“, sagt Leutnant Florian B. und zerbröselt zur Demonstration ein wenig Erde zwischen den Fingern. Wegen des grundsätzlich eher nassen und lehmigen Bodens würde sich eine Raupe gerne mal festfahren – auch eine solche Situation müssten die Soldaten beherrschen.

„Wir üben nicht nur um des Übens willen, sondern weil wir uns hier auf Einsätze vorbereiten müssen. Und das sind nicht immer nur militärische“, sagt André Burdich und nennt Katastrophenfälle wie das Elbhochwasser 2013, die Bergung eines umgekippten Kiesbaggers 2014 in Rinteln oder den Waldbrand bei Lübtheen im vergangenen Jahr. „Überall da, wo die zivilen Kräfte an ihre Grenzen stoßen, kommt die Bundeswehr zum Einsatz“, so Burdich weiter.

Die Ausbildung entspricht der Qualifikation eines Baumaschinenführers. Vier bis sechs Wochen – je nach Teilnehmerzahl – werden die Soldaten sowohl theoretisch als auch praktisch geschult und müssen am Ende eine Prüfung ablegen – und anschließend ihr Wissen regelmäßig wieder auffrischen. Die zivilen Fahrzeuge sind gewöhnliche Baumaschinen, – Planier- und Laderaupen sowie Schwenklader – die auf öffentlichen Straßen zugelassen sind. Daneben gibt es militärische Fahrzeuge wie den Pionierpanzer Dachs, mit dem Stellungen für Kampfpanzer, Schützenstellungen oder Panzerabwehrgräben errichtet werden – sie brauchen eine Sonderzulassung für den Straßenverkehr.

„Ich habe auf dem Bau gelernt und dabei schon mit vielen Maschinen gearbeitet“, sagt Hauptgefreiter, Max T., der aktuell seine Ausbildung auf der Planierraupe absolviert. Vor allem der theoretische Teil sei sehr anspruchsvoll, denn es gehe nicht nur um die Grundlagen des Erdbaus und um technische Fragen, sondern auch um militärische Bestimmungen. Und bevor die Soldaten ein Fahrzeug steuern dürfen, steht die sogenannte Knöpfchenkunde auf dem Stundenplan. „Damit ist die Einweisung auf dem Fahrzeug gemeint“, sagt Max T. und zeigt auf die verschiedenen Knöpfe und Hebel im Fahrzeug. Ihm mache die Ausbildung Spaß, vor allem der praktische Teil. Ob der junge Mann seine Prüfung am Ende besteht, darüber entscheidet ein Prüfer aus einer anderen Kompanie. „Um die Objektivität zu wahren“, betont der Ausbilder und vergleicht die Situation mit der Fahrschule. „Da nimmt ja auch nicht der Fahrlehrer die Prüfung ab.“

Auch die Corona-Pandemie spielt bei der Organisation der Ausbildung eine Rolle. „Es dauert alles etwas länger, aber es ist umsetzbar“, sagt Leutnant Florian B., der ein Hygienekonzept erstellt hat. „Wir können nicht alle Fahrzeuge voll besetzen“, nennt der Ausbilder ein Beispiel, was anders ist, als vor Corona. Jede Maschine werde nach einem Fahrerwechsel desinfiziert und auch die Verpflegung der Soldaten sei neu organisiert worden, sagt der Leutnant und zeigt auf ein Paket Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel. Eine gute Ausbildung brauche Zeit – und unter den aktuellen Bedingungen eben ein bisschen mehr.

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